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Bernhard: "Ich war hin und weg"
Anouschka Bernhard jubelt mit Verena Wieder ©Sportsfile

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Bernhard: "Ich war hin und weg"

Man kam nicht umhin, an Franz Beckenbauer zu denken, als Anouschka Bernhard nach dem Gewinn ihrer vierten Goldmedaille als Trainerin der deutschen Mannschaft bei einer UEFA-U17-EM für Frauen über das Spielfeld lief. Der Rasen in Pilsen war noch voller goldenem Konfetti, und Bernhard streifte gedankenversunken und ganz alleine über den Rasen. "Ich wollte diesen Moment genießen, alles aufsaugen", sagte Bernhard nach den obligatorischen Siegerfotos. "In diesem Moment war ich einfach hin und weg!"

Die Bilanz der Trainerin kann sich mehr als nur sehen lassen. Es war nicht nur der vierte Titel für sie, es war ein Titel trotz einer Vielzahl von Hindernissen und Problemen auf dem Weg zum insgesamt sechsten deutschen U17-Titel bei den Frauen - im Übrigen ein Rekordwert. "Wir hatten einige sehr intensive Wochen", erklärte Bernhard. "Vor dem Turnier hatten wir große Probleme, das Team zusammenstellen. Wir hatten mit vielen Verletzungssorgen zu kämpfen und der ganze Weg zur Endrunde war sehr emotional."

Im Januar lief für Bernhard und ihr Team noch alles nach Plan. Damals gab es zwei beeindruckende Erfolge in Testspielen gegen England und Frankreich und man ging mit viel Selbstvertrauen in die Eliterunde in Telford. Doch dort stand nach einer überraschenden Pleite gegen Gastgeber England am Ende nur Platz zwei und damit musste das Team auf die Ergebnisse aus den anderen Gruppen warten, um zu erfahren, ob die gesammelten sechs Punkte dafür reichen würden, noch als bestes zweitplatziertes Team weiterzukommen. Das war der Fall.

Angreiferin und Kapitänin Anna-Lena Stolze überzeugte in der Eliterunde mit drei Treffern und drei Torvorbereitungen, spielte wegen einer Verletzung in der Tschechischen Republik aber keine Rolle. Doch das war noch lange nicht alles, Bernhard musste bei der Endrunde auf acht Spielerinnen verzichten, die im Normalfall feste Größen im Team gewesen wären. Jede von ihnen war entweder letztes Jahr bereits bei der UEFA-U17-EM für Frauen oder bei der FIFA-U17-WM in Jordanien mit von der Partie. Einige von diesen Spielerinnen waren verletzt, andere erhielten keine Freigaben von ihren Vereinen. "Wir haben unsere Kapitänin wegen einer Verletzung verloren und die Mädels waren sehr traurig, als sie uns verlassen musste", sagte Bernhard. "Sie sagte dem Team, dass sie jetzt nicht mehr die Tore schießen könne, die anderen aber für sie die Treffer erzielen sollten." Das Team wuchs durch diesen Rückschlag noch näher zusammen.

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Seitdem Bernhard im März 2011 beim DFB anfing und die Verantwortung für die U16- und U17-Auswahlen übernahm, hat die 47-fache Nationalspielerin eigentlich nur Erfolge gefeiert. Die vier U17-Titel in den Jahren 2012, 2014, 2016 und 2017 sprechen für sich. Ihre Auswahlkriterien - mit dem Fokus auf Technik, taktisches Verständnis, Athletik, besonders Schnelligkeit und Beweglichkeit, sowie Persönlichkeit - haben sich seitdem wenig bewegt, doch ein Aspekt hat sich über die Jahre immer mehr in den Vordergrund gedrängt - das psychologische Wohlbefinden der Spielerinnen.

"Ich denke, dass ich jetzt viel näher dran an den Mädels bin und spüre, was ich tun muss, damit sie sich richtig wohlfühlen", sagte sie. Dass man sich versteht, zeigte die Eliterunde in England. Die Niederlage gegen die Gastgeberinnen ereignete sich in einem Stadion, das direkt an das Hotel angrenzte, indem das Team untergebracht war, und die Vorbereitung war somit nicht optimal. Vor dem letzten Spiel im gleichen Stadion fuhr man also mit dem Bus ein ganzes Stück weg von der Anlage und bereitete sich außerhalb in gewohnter Manier auf das letzte Spiel vor - dort gab es dann ein 4:0 gegen Polen. Der Fokus lag also darauf, Selbstvertrauen bei den Spielerinnen aufzubauen und richtig zu kommunizieren. Der Druck auf die Spielerinnen sollte effektiv minimiert werden. Der Erfolg spricht für sich.

"Diese Endrunde war ganz klar eine Achterbahnfahrt der Emotionen", gab Bernhard zu. Eine Achterbahn, die sie so schnell nicht vergessen wird, gerade weil auch diesmal am Ende wieder die Trophäe in den Händen ihrer Mannschaft war.

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https://de.uefa.com/womensunder17/season=2017/technical-report/winning-coach/index.html#bernhard+ich+weg