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Deutschland und Spanien gehen durch

Deutschland und Spanien gehen durch
Spanien feiert ©Sportsfile

Deutschland und Spanien gehen durch

Die Vorfreude auf die Endrunde stieg bereits einen Monat vor Turnierbeginn in außergewöhnliche Höhen, als erneut eine Hammergruppe mit Frankreich, Deutschland und Spanien ausgelost wurde. Genau das gab es bereits in der Saison 2013/14. Außerdem mit von der Partie war der Gastgeber aus der Tschechischen Republik als viertes Team dieser Gruppe.

Nicht das Ergebnis gibt uns die Richtung vor, unser Spiel tut dies und wir haben auch diesmal viel gelernt
John Griffiths, Englands Trainer

Am ersten Spieltag der beiden Gruppen fielen in vier Spielen ganze 17 Treffer bei der UEFA-U17-Europameisterschaft für Frauen 2017. Es ging also gleich zu Beginn hoch her. Das Spiel zwischen dem Gastgeber und Frankreich sorgte dabei für einen neuen Turnier-Zuschauerrekord von 10 219 Fans. So viele Zuschauer hatten zuvor noch nie irgendein Frauenfußballspiel in der Tschechischen Republik in einem Stadion verfolgt. Das Spiel wurde außerdem live im tschechischen Fernsehen übertragen. "Wir waren deswegen vielleicht ein wenig nervös, auch wenn es natürlich schön ist, so viel Unterstützung zu erhalten und so großes Interesse zu wecken", sagte Karel Rada, dessen Team den Französinnen einen harten Kampf bot, obwohl diese vor Spielbeginn von ihm noch als "auf einem anderen Level" eingestuft wurden.

Die Tschechinnen hielten die Partie bis zum Schluss offen und Anna Signeul, technische Beobachterin der UEFA, berichtete von einem taktisch reifen Spiel der Gastgeberinnen, die "körperlich mithalten konnten". "Wir haben trotzdem noch viel Arbeit, um die Lücke nach ganz vorne zu schließen", fasste Rada den Stand der Dinge zusammen. Am Ende stand eine 1:2-Niederlage gegen die technisch starken Französinnen, bei denen Angreiferin Melvine Malard gleich beide Treffer erzielte.

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In der weiteren Partie in Gruppe A standen sich mit Deutschland und Spanien zwei alte Bekannte gegenüber. Nur sechs Monate zuvor hatten die beiden Teams im Viertelfinale der FIFA-U17-WM für Frauen in Amman gegeneinander gespielt. Damals siegte Spanien dank der Treffer von Natalia Ramos und Lorena Navarro, während für Deutschland die damals 14-jährige Lena Oberdorf erfolgreich war. Die beiden Nationen, die zusammen neun der bislang zehn vergebenen Europameistertitel in dieser Altersklasse gewinnen konnten, standen sich außerdem im Endspiel um Europas Krone 2016 in Belarus gegenüber – und dieses Mal hatten die Deutschen das bessere Ende klar auf ihrer Seite und konnten damit sogar ihre eigene Trainerin ein wenig überraschen.

"Bevor ich mit den Mädels noch einmal das Spiel analysiert habe, musste ich ihnen einfach sagen, wie stolz ich auf sie bin", sagte Anouschka Bernhard, für die es der Auftakt der Jagd nach dem vierten Titelgewinn war. Deutschlands große Nachwuchshoffnung Oberdorf, die erst im Dezember ihren 15. Geburtstag feierte und bereits eine Schlüsselspielerin im Team ist, traf auch in dieser Partie wieder. Am Ende stand ein überzeugender 4:1-Sieg des sechsfachen Titelträgers. Die Mittelfeldspielerin der TSG Sprockhövel, die noch immer in einem Männerteam spielt, überzeugte dabei mit ihrer außergewöhnlichen Technik, starkem Passspiel und ihrem Kopfballspiel. Aber auch ihre defensiven Qualitäten kamen immer wieder zum Vorschein.

In Gruppe B schaffte England genau wie 2016 den höchsten Erfolg der Endrunde dank seiner fünf Treffer gegen die Republik Irland. England nutzte dabei immer wieder effektiv die großen Lücken zwischen den irischen Reihen und überforderte mit seinem schnellen Umschaltspiel die irische Defensive. Vorne kamen so immer wieder gefährliche Hereingaben zustande und hinten stand die Abwehr der Engländerinnen so gut, dass man als einziges Team am ersten Spieltag keinen Gegentreffer hinnehmen musste.

Die Niederlande spielten im wahrsten Sinne des Wortes mit Norwegen beim 3:1-Triumph über die Nordeuropäerinnen. Das Geheimrezept von Oranje waren schnelle Vorstöße mit gefährlichen Diagonalpässen. Dabei schaltete das ganze Team sehr schnell um. So erspielte man sich einen 2:0-Vorsprung, bevor Norwegen dank eines Freistoßtreffers von Olaug Tvedten aus 40 Metern gegen die etwas unglückliche Daphne van Domselaar noch einmal für Spannung sorgte. Doch den Niederländerinnen gelang noch vor dem Seitenwechsel der Treffer zum 3:1-Endstand sowie ein völlig verdienter Erfolg.

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Am zweiten Spieltag folgten 13 weitere Treffer und die ersten Ambitionen in Richtung Titelgewinn wurden dabei untermauert. Die Niederlande machten mit dem 2:1 gegen England bereits den Einzug ins Halbfinale und gleichzeitig den vorzeitigen Gruppensieg klar.

Die Niederländerinnen verteidigten als echte Einheit und agierten überzeugend im Zusammenspiel. So hatte der Gegner wenig Platz und den eigenen Platz nutzte man vor allem mit Diagonalbällen von Anna Ursem und Lisa Doorn zwischen Englands Abwehr und Mittelfeld. Doch Englands erster Rückschlag im Turnier nach dem Traumstart gegen Irland war wahrlich keine Bruchlandung. "Ich habe mein Team wie immer gebeten, auch dieses Spiel abzuhaken und genau das wollten sie auch diesmal machen", sagte Trainer John Griffiths. "Sie wollten das Spiel einfach als Niederlage abhaken, aber ich sah darin noch mehr. Nicht das Ergebnis gibt uns die Richtung vor, unser Spiel tut dies und wir haben auch diesmal viel gelernt."

Die Entscheidung über ein mögliches Weiterkommen der Engländerinnen sollte im letzten Gruppenspiel gegen Norwegen fallen, das seinerseits am zweiten Spieltag einen 1:0-Erfolg über Irland in Plzeň feiern konnte. Kapitänin Rikke Bogetveit Nygård erzielte den einzigen Treffer der Partie in der 77. Minute, und so brach Norwegen die irischen Fanherzen und zerstörte alle Hoffnungen Irlands auf ein Weiterkommen. Bei den Irinnen überzeugte die Abwehr um Tiegan Ruddy über weite Strecken, an Ende hatte aber doch Norwegen das bessere Ende auf seiner Seite. Grund dafür war eine Umstellung auf drei Abwehrspielerinnen, die mehr Schwung in das Offensivspiel brachte, und so landete eine Hereingabe von Olaug Tvedten nach der elften Ecke bei Bogetveit Nygård, die den Endstand markierte.

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Auch für den Gastgeber war bereits nach dem zweiten Spieltag das Halbfinale kein Thema mehr. Gegen Spanien setzte es eine klare 1:5-Pleite, bei der vor allem Lorena Navarro auf spanischer Seite überzeugte. Sie hatte wegen den Nachwehen einer Verletzung gegen Deutschland nur die letzten Minuten der Partie auf dem Feld gestanden. Spanien überzeugte mit dem gewohnt schnellen Kombinationsspiel und Navarro war an vielen Angriffen und fast allen Treffern direkt beteiligt.

Spanien und England gingen mit der gleichen Aufgabenstellung in ihr letztes Gruppenspiel – mindestens einen Punkt holen, um den Sprung ins Halbfinale sicherzustellen. Allerdings sollte nur Spanien dieses Ziel erreichen, aber unter heftiger Gegenwehr der Französinnen.

Die kompakte französische Abwehr ließ der spanischen Offensive in der ersten Hälfte kaum Luft zum Atmen, Dafür zeigte sich der eigene Angriff treffsicher und Laurène Martin erzielte den Führungstreffer für Frankreich. Ihre technischen, aber vor allem antizipatorischen Fähigkeiten ließen sie genau zum richtigen Moment Sandy Baltimores Vorhaben erahnen, und so war die Führung perfekt. Erst nach dem Seitenwechsel agierten die Spanierinnen etwas kreativer, verließen sich zunehmend auf ihre Diagonalbälle und nutzten so die ganze Breite des Spielfeldes. Dank der eigenen Geschwindigkeit und Beweglichkeit ergab sich nun ein effektiveres Umschaltspiel. Frankreich wurde noch dazu zunehmend müde und so kamen die Spanierinnen am Ende doch noch zu dem so wichtigen Punkt und damit zu einem Halbfinalduell mit den Niederlanden.

Für England lief es gegen Norwegen eben nicht so rund und der nötige Punkt blieb den Damen von der Insel verwehrt. Børje Sørensens Team spielte ein vorgezogenes Pressing, setzte damit England früh unter Druck und diktierte die Spielgeschwindigkeit. Im Mittelfeld hielt Tvedten die Fäden zusammen. Mit ihr als Anführerin spielte Norwegen extrem selbstbewusst und zeigte sehr großen Siegeswillen. Tvedten legte auch den verdienten Führungstreffer für Jenny Kristine Røsholm Olsen auf und fand mit ihrem Freistoß den Kopf von Malin Sunde zum 2:0-Endstand. Lauren Hemp versuchte ihr Team zwar noch einmal zurück ins Spiel zu bringen, doch am Ende hatte nur Norwegen Grund zum Jubeln und zog ins Halbfinale gegen Deutschland ein.

Deutschland drehte am dritten Spieltag ein 0:1 gegen die Tschechinnen und sicherte sich durch den 5:1-Sieg einen verlustpunktfreien Gruppensieg. Im zweiten Spiel holte Irland mit seiner äußerst jungen Mannschaft seinen ersten Punkt des Turniers gegen eine niederländische Auswahl, die fünf Stammkräfte schonte und damit bereits mit einem Auge auf das bevorstehende Halbfinale schielte.

Im ersten Halbfinale in Domažlice ging es für die Niederländerinnen bereits um 11.00 Uhr gegen Spanien, und die Ibererinnen waren von Beginn an hellwach, hielten den Druck hoch und pressten intensiv. Tatsächlich schoss Marleen Wissinks Mannschaft in den gesamten 80 Minuten nicht einmal auf das gegnerische Tor. Die Spanierinnen gingen früh durch einen Strafstoß von Carla Piqueras Bautista in Führung und besorgten noch vor dem Seitenwechsel die Vorentscheidung dank des Treffers von Claudia Pina. In der zweiten Halbzeit konnte Spanien sogar einen Gang herunterschalten und die Zeit mit viel Ballbesitz ohne weitere Vorkommnisse herumbringen.

Deutlich spannender war das zweite Halbfinale zwischen Deutschland und Norwegen. Tvedten brachte die Norwegerinnen in Führung, den Ausgleich für die Deutschen besorgte Sydney Lohmann kurz nach der Pause. In der Folge wurde Norwegen zunehmend in die Defensive gedrängt, und so musste Spaniens Finalgegner im Elfmeterschießen gefunden werden. Doch dieses Elfmeterschießen war wahrlich kein gewöhnliches. Denn es wurde ein neues System getestet, bei dem eine Schussverteilung ähnlich dem Tie-Break beim Tennis stattfindet, um den Druck auf die Spielerinnen gleichmäßiger zu verteilen (siehe Gesprächsthemen).

Die Spannung war dann tatsächlich groß und Norwegen hatte effektiv vier Matchbälle, zwei davon als man selbst an der Reihe war, zwei als Torhüterin Karen Oline Sneve zwischen den Pfosten stand – doch es waren die Deutschen, die ihre erste Gelegenheit zum Sieg nutzten und anschließend in großen Jubel ausbrachen. Ob das neue System nun gerechter ist oder vielleicht doch nicht, wurde anschließend intensiv diskutiert - eine Sache stand aber nicht mehr zur Diskussion. Der Finaleinzug Deutschlands war nun fix.

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2017/technical-report/road-to-the-final/index.html#deutschland+spanien+gehen+durch