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Bernhard: Leidenschaft und Siegeswille als Schlüssel zum Erfolg
Anouschka Bernhards Mädchen bescherten ihr den dritten U17-Titel ©Sportsfile

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Bernhard: Leidenschaft und Siegeswille als Schlüssel zum Erfolg

Anouschka Bernhard hat bei der UEFA-U17-Europameisterschaft der Frauen in Belarus vieles richtig gemacht. Am Abend des 16. Mai wurde der Traum wahr und Deutschland bezwang Spanien im Finale. Bernhard hatte den Titel bereits in ihrer ersten sowie in ihrer dritten Saison als Trainerin geholt  ein gutes Omen für ihre fünfte Saison als Verantwortliche.

Schauen Sie sich das Team hinter dem Team an – viele Trainer und Leute, die dem Stab angehören. Auch die Spielerinnen werden von ihren Klubs immer besser ausgebildet. Vor fünf Jahren haben wir uns noch über die Abwehrkette unterhalten. Jetzt geht es um Details wie Standardsituationen und das Offensivspiel. Wir arbeiten im Bereich der letzten 15 Prozent und sind nicht mehr mittendrin
Deutschlands Trainerin Anouschka Bernhard

Die DFB-Elf hielt Bernhards Serie, in jedem ungeraden Jahr ihrer Amtszeit zu gewinnen, durch einen 3:2-Erfolg nach Elfmeterschießen in Borisov aufrecht, nachdem in der regulären Spielzeit keine Treffer gefallen waren. Die Trainerin hatte zuvor schon von "einem Spiel auf hohem Niveau, einer sehr engen Begegnung" gesprochen.

Die Deutsche hatte prognostiziert, dass es darauf ankommen werde, wer das Katz-und-Maus-Spiel zu Beginn der Partie gewinnen würde. Dieses Team würde dann die Spielkontrolle übernehmen. Damit lag sie nicht ganz richtig. Bernhard gab zu Protokoll, dass Deutschland "nicht richtig ins Spiel fand, weil es zu viel Raum gab, besonders in der Mitte unseres Spiels". Trotzdem hatte ihre Elf mehr Chanchen. Am Ende standen für Deutschland 12:5-Torschüsse zu Buche. "Nach gut 15 oder 20 Minuten sind wir besser geworden und dann war es ein ausgeglichenes Spiel", so Bernhard. "Beide Teams wollten ein Tor schießen, es gab Chancen auf beiden Seiten."

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Anouschka Bernhard jubelt über den Sieg gegen Island

Der Sieg ihrer Mannschaft war bedingt durch das Abrufen des "Potenzials", das sie schon beim 2:2 im Auftaktspiel der Gruppe B gegen Spanien gezeigt hatte. Bernhard sagte der Webseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): "Man konnte sehen, wie sich die Mannschaft während des ganzen Turniers immer weiter gesteigert hat. Es ist schön, wenn man sieht, wie diese Gruppe während dieser Zeit zusammengewachsen ist und als richtiges Team aus dem Turnier gegangen ist. Sie können daraus viel Selbstvertrauen und Glauben an ihre eigene Stärke ziehen."

Die 47-fache frühere deutsche Nationalverteidigerin und Gewinnerin der UEFA-Frauen-Europameisterschaft 1995 ist eine Verfechterin der "Fußballausbildung", die dieses Turnier bietet. "Die Spielerinnen werden mental und physisch ausgebildet." Seit 2009 hat Bernhard die UEFA-Pro-Lizenz und ist seit März 2011 beim DFB angestellt. Sie unterstreicht auch, dass "du dir keine körperliche Schwäche auf diesem Level erlauben darfst". Ihre Mannschaft demonstrierte in der zweiten Halbzeit des Halbfinals gegen England und im Endspiel ihre Fitness eindrucksvoll. Die Deutschen konnten sich immer wieder durch die gegnerischen Reihen spielen und Chancen kreieren.

Die DFB-Juniorinnen bewahrten auch gegen Spanien die Ruhe, obwohl der Ball einfach nicht ins Tor wollte. "Ich hatte ein gutes Gefühl", so Bernhard nach dem Spiel. "Ich wusste, dass sie so viel Leidenschaft hatten und den Titel unbedingt gewinnen wollten. Es gab trotz der vergebenen Chancen keinen Bruch in unserem Spiel. Sie haben immer weiter nach vorne gespielt, haben versucht, mit der nächsten Chance ein Tor zu schießen."

Die Trainerin "ist ein großer Faktor" für einen solchen "Mannschaftsgeist", so Deutschlands Spielführerin Janina Minge. "Sie weiß sehr viel über Fußball, sie ist ein sehr netter Mensch und sie ist in der Lage, ihre Erfahrung auf die Spielerinnen zu übertragen. Sie bringt uns auf und neben dem Platz zusammen. Man kann sehen, wie geschlossen dieses Team ist."

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Deutschland setzte sich diesmal im Elfmeterschießen durch

In diesem Zusammenhang stand Bernhard einer kongenialen Trainerkollegin auf der gegnerischen Seite in der Borisov-Arena gegenüber. Die spanische Trainerin María Antonia Is 'Toña', eine weitere frühere Nationalspielerin, die "uns anheizt, rauszugehen und alles zu geben". Die beiden waren zwei von insgesamt sechs Trainerinnen bei dieser Endrunde. Auch Rita Guarino und Suzana Stanojević blicken auf eine ähnlich erfolgreiche Karriere als Spielerin zurück.

Bernhard lobte auch "die Mannschaft hinter der Mannschaft, die einen großartigen Job gemacht hat" und für die Professionalität im U17-Bereich steht. "Wir sind professioneller geworden", unterstrich Bernhard. "Schauen Sie sich das Team hinter dem Team an – viele Trainer und Leute, die dem Stab angehören. Auch die Spielerinnen werden von ihren Klubs immer besser ausgebildet. Vor fünf Jahren haben wir uns noch über die Abwehrkette unterhalten. Jetzt geht es um Details wie Standardsituationen und das Offensivspiel. Wir arbeiten im Bereich der letzten 15 Prozent und sind nicht mehr mittendrin."

Letztlich hatte Deutschland "die besseren Elfmeterschützinnen, die bessere Torhüterin und etwas mehr Glück", so Bernhard mit einem Schmunzeln. Die Deutschen hatten keine Elfmeter trainiert, anders als die Spanierinnen. Die DFB-Elf war so zuversichtlich, den Titel innerhalb der 80 Minuten zu gewinnen. Dass die Partie ins Elfmeterschießen ging, lag vor allem am starken Gegner. Bernhard rechnet damit, dass die beiden Final-Teilnehmer "in den nächsten Jahren sehr stark aufspielen werden, sowohl wir als auch die Spanierinnen waren richtig gut".

"Unglaublich ist, dass wir Europameister geworden sind - nicht, dass wir Spanien geschlagen haben", fuhr sie fort. "Ein sehr gutes Team in Endspiel zu schlagen, ist ein Bonus."

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2016/technical-report/winning-coach/index.html#bernhard+leidenschaft+siegeswille+schlussel+erfolg