Das Endspiel

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Mit dem Song 'Tage wie diese' feierte die deutsche U17-Auswahl nach dem Erfolg im Elfmeterschießen gegen Spanien in der Borisov-Arena am 16. Mai ihren fünften Titel bei einer UEFA-U17-Europameisterschaft der Frauen – und das bei der fünften Endspielteilnahme.

Es ist schwierig, eine einzelne Spielerin herauszupicken, denn sie haben im Team überzeugt und sind allesamt extrem talentiert
Béatrice von Siebenthal, technische Beobachterin der UEFA, über Spanien

Dass es zu diesem Endspiel kam, war sicherlich keine große Überraschung, am Ende aber die logische Konsequenz – trafen doch die beiden reifsten und stärksten Teams der Endrunde aufeinander. Am Ende besiegten die Deutschen ein spanisches Team, das zum sechsten Mal im Endspiel stand und seinen vierten Titel einfahren wollte.

Es war also ein Endspiel zwischen den beiden Teams, die im Laufe der 13 Tage und 16 Spiele, die die Endrunde umfasste, auch aus Sicht der technischen Beobachter der UEFA die überzeugendsten Leistungen zeigten. Spanien und Deutschland, Gruppenerster und Gruppenzweiter in Gruppe B, die einzigen Teams, die in der Endrunde ungeschlagen blieben. Es war auch das Duell zweier sehr unterschiedlicher Fußballkulturen, die unterschiedliche Ansätze bevorzugen. Bei Deutschlands Halbfinalerfolg über England zeigte sich zum einen, wie fit die gesamte deutsche Mannschaft ist und auch wie flexibel dieses Team ist. Es wurden große Distanzen zurückgelegt und Positionsänderungen gab es nicht nur im Mittelfeld, auch in anderen Mannschaftsteilen. Viele dieser Spielerinnen konnten offensichtlich davon profitieren, dass sie in der heimischen Liga mit Jungs zusammenspielen oder lange zusammengespielt haben.

Ihr dynamisches Spiel zeigte sich auch in Form eines Pressings, das bei Ballverlust direkt ausgeübt wurde. Besonders hervorzuheben waren die starken Vorstellungen im Eins gegen Eins. So ließ man den Gegner kaum Zeit zu einem konstruktiven Aufbauspiel.

Spanien war auch darauf aus, schnelle Ballgewinne zu erzielen, und profitierte dabei davon, dass die meisten anderen Teams im Aufbauspiel nicht das Niveau der iberischen Elf abrufen können. Das Team, das von María Antonia Is, oder kurz 'Toña', trainiert wird, versuchte wann immer möglich, Überzahlsituationen zu schaffen und den Gegner im Ballbesitz mit starken Dribblings zu überspielen. Die technische Beobachterin der UEFA, Hesterine de Reus, erklärte, dass "Spanien Futsal auf Gras spielt". Die Spanierinnen hinterließen zugleich einen extrem erwachsenen und reifen Eindruck, mit gut ausgebildeten Spielerinnen, die bereit waren, vollen Einsatz zu bringen.

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Die beiden Trainerinnen vor der Partie in Borisov

Toña erklärte, dass ihre Spielerinnen auf mehr als 40 Partien in der Saison kamen, bestehend aus Spielen mit dem Verein, Regionalauswahlen und der Nationalmannschaft. Ein wichtiger Erfolgsfaktor der Mannschaft war die Fähigkeit, Situationen zu erkennen und das eigene Spiel anzupassen. Ganz wichtig war dabei das starke Kombinationsspiel. "Es ist schwierig, eine einzelne Spielerin herauszupicken, denn sie haben im Team überzeugt und sind allesamt extrem talentiert", sagte Béatrice von Siebenthal, ebenfalls Teil des technischen Teams. "Sie spielen sehr gut strukturierten Fußball und halten die Abstände in den eigenen Reihen sehr gleichmäßig." Die Deutschen hatten folglich eine echte Herausforderung vor der Brust.

Ein Jahr zuvor konnte Spanien das Team von Anouschka Bernhard noch mit 4:0 in der Gruppenphase schlagen und sicherte sich am Ende den Turniersieg. Dieses Jahr traf man sich das erste Mal ebenfalls in der Gruppenphase, am Ende stand ein leistungsgerechtes 2:2. Einige Spielerinnen aus dem Vorjahr waren erneut mit von der Partie. Janina Minge, Giulia Gwinn und Tanja Pawollek waren einige der zumeist im Jahr 1999 geborenen deutschen Spielerinnen, während Spanien in Belarus die beiden einzigen Akteurinnen im Kader hatte, die 2001 geboren wurden. Es waren insgesamt acht Spielerinnen dabei, die bereits im Vorjahr in Island mit von der Partie waren – Noelia Ramos, Ona Batlle, Berta Pujadas, Laia Aleixandri, Leyre Monente, Paula Fernández, Lucía Rodríguez und Lorena Navarro. Alleine dieser Fakt unterstreicht, wie jung das Team von Pedro López beim Titelgewinn im letzten Jahr war.

Während bei der Endrunde in Island noch ein großer Fokus auf dem Multitasking der Mittelfeldspielerinnen lag, waren diesmal auch die spanischen Innenverteidigerinnen bemerkenswert flexibel und verlässlich unterwegs. Während andere Teams in der Vorwärtsbewegung eine oder sogar zwei Mittelfeldspielerinnen zurückfallen lassen mussten, um die Absicherung zu gewährleisten, erledigten Aleixandri und Pujadas diese Aufgabe ganz alleine. Bei ihren gelegentlichen Ausflügen nach vorne leiteten die beiden Verteidigerinnen sogar immer wieder gefährliche Angriffe ein. Aleixandri wurde in einem Gruppenspiel nach der Auswechslung von Fernández sogar ins Mittelfeld beordert. Außerdem durfte Aleixandri im Endspiel im defensiven Mittelfeld anfangen, mit Fernández links von ihr und Silvia Rubio rechts von ihr. Natalia Ramos, die im Halbfinale gegen Norwegen gar einen Treffer erzielen konnte, spielte neben Pujadas. Sie war damit die einzige Veränderung zu der Abwehrreihe aus dem Vorjahr, die beim Finalerfolg gegen die Schweiz auf dem Feld gestanden hatte.

Rodríguez und Batlle standen auf den Außenverteidigerpositionen auf dem Feld. Die Aufstellung von Toña hatte von der Ausrichtung doch große Ähnlichkeit zu der von Vorgänger López. Die beiden Außenangreiferinnen María Blanco und Candela Andújar hatten nahezu identische Aufgaben und Bewegungsmuster wie ihre Vorgängerinnen, während Navarro im Sturmzentraum etwas zurückhaltender agierte als Lucía García, ihre Vorgängerin.

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Deutschlands Kapitänin Janina Minge im Duell mit Laia Aleixandri (rechts)

Die erste gute Aktion der Partie lieferte Deutschlands Linksverteidigerin Caroline Siems ab, die vor der Rekordkulisse von 10 200 Zuschauern in Borisov früh einen starken Vorstoß in die gegnerische Spielhälfte wagte. Vor Siems agierte bei den Deutschen Gwinn im linken Mittelfeld, Klara Bühl in der Mitte, Verena Wieder auf der rechten Seite und Kristin Kögel im defensiven Mittelfeld. Eine ganz zentrale Rolle spielten außerdem Spielführerin Minge und Marie Müller, die in der Schnittstelle zwischen Angriff und Abwehr agierten. Für De Reus war deren Aufgabe "unerlässlich und von zentraler Bedeutung".

Eine von Gwinn auf der linken Seite ausgeführte Standardsituation hätte in der 26. Minute beinahe die Führung für Deutschland gebracht. Ramos konnte den Ball nicht richtig klären, der dann bei Minge landete. Doch deren Abschluss wurde von Pujadas an den Pfosten gelenkt. Leonie Doege auf der anderen Seite konnte eine gefährliche Hereingabe der Spanierinnen in ihren Strafraum deutlich souveräner klären und ließ keinen Nachschuss zu.

Eine halbe Stunde war gespielt und die bislang brenzligste Situation für das Team von Bernhard entstand aus einem schwachen Rückpass zu Doege. Die Deutschen spielten mit einer weit nach vorne gezogenen Abwehrreihe, so hatte das Team von Toña zwar mehr vom Spiel, aber keinerlei Ideen, wie die Abwehr auszuhebeln war. Selbst die torgefährliche Navarro fand kaum statt, was der starken Sophia Kleinherne-Pawollek-Achse geschuldet war. Die Spanierinnen fanden nicht zu ihrem Spiel, das von ihnen gewohnte Tempo fehlte fast komplett. Selbst auf den Außen konnten sie keine Überzahlsituationen aufbauen. Wie schon im Halbfinale wusste das Team von Bernhard genau, wie man mit dem eigenen 4-4-2-System dem Gegner den offensiven Wind aus den Segeln nehmen konnte.

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Tanja Pawollek ist eine der Spielerinnen, die auch schon bei der Endrunde im Vorjahr dabei waren

Spanien traf zum ersten Mal bei dieser Endrunde auf ein Team, das den eigenen Spielplan durchschaute und damit aushebeln konnte. Es war ein Gegner, der ebenso intelligent und spielstark war wie die Spanierinnen selbst. Immer wieder kam es zu Ballverlusten, die den spanischen Spielfluss zunichtemachten. Nach dem Seitenwechsel kamen die Deutschen besser in die Partie.

Abermals wäre es fast zur deutschen Führung gekommen. Nach einer Ecke von Kögel köpfte Pawollek den Ball gegen den Querbalken und Ramos musste anschließend vor Bühl klären. Wenig später vernaschte Wieder die Spanierin Batlle, ihre Hereingabe von der Grundlinie verpasste Bühl in aussichtsreicher Position aber knapp. Die Deutschen hatten die besseren Chancen und scheiterten erneut am Aluminium, als Bühls Abschluss nach Vorarbeit von Wieder den Pfosten streifte. Wann immer das Team von Bernhard auch nur ein wenig Platz bekam, versuchten sie sich an einem schnellen Abschluss. In der Folge kam bei den Deutschen Vanessa Ziegler für Kögel, nach deren Einwechslung schon gegen England die Partie zu Gunsten der Deutschen entschieden wurde.

Das deutsche Team überzeugte mit einer überragenden Mischung aus Schnelligkeit, Fitness sowie Körperlichkeit und war dem spanischen Team damit auch ein Stück überlegen. Mit Verlauf der Zeit merkte man aber auch, dass sich ob der vergebenen Chancen etwas Ungeduld breitmachte. Dazu kamen erste Fehler in der Defensive, beispielsweise bei einem Ballverlust von Kleinherne oder einem Missverständnis zwischen Pawollek und Doege.

Aber die Spanierinnen konnten sich auch selbst Chancen erarbeiten, so musste Doege nach einer schönen Kombination von Blanco und Navarro mit einer starken Parade retten.

Auf der anderen Seite drückten dann die Deutschen wieder. Minge bediente nach einem schönen Lauf Bühl, deren starker Abschluss aber von Ramos mit den Fingerspitzen an den Pfosten gelenkt wurde. Der abgefälschte Nachschuss der eingewechselten Anna-Lena Stolze ging über das Tor.

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Spanien musste sich im Elfmeterschießen geschlagen geben

Die deutschen Damen griffen unermüdlich an und setzen die Spanierinnen immer weiter unter Druck. Als Rodríguez bei einem deutschen Angriff nicht mehr hinterherkam und Bühl nur mit einem Trikotzieher stoppen konnte, erkannte Toña den Bedarf nach frischen Kräften und brachte Monente. Die Trainerin gab später zu, dass "ihr Team mit der Zeit doch etwas müde wurde" – vielleicht ein Grund, wieso es am Ende nicht zu einem spanischen Sieg reichen sollte. Nachdem die reguläre Spielzeit ohne Treffer geblieben war, musste die Entscheidung also vom Punkt fallen. Rodríguez als erste Schützin sowie Navarro als vierte Schützin scheiterten an Doege, während Andújar unmittelbar vor Navarro bereits den Pfosten anvisiert hatte. Zwar konnte Ramos gegen Pawollek klären und konnten Monente sowie Natalia Ramos verwandeln, doch die Treffer von Gwinn und Minge legten das Schicksal auf den Fuß von Siems. Die Linksverteidigerin versenkte den Ball ohne Rücksicht auf Verluste und sicherte so den deutschen Turniersieg durch einen 3:2-Erfolg vom Punkt.

Für Bernhard war es der dritte Finalerfolg im dritten Endspiel und das bei einer Amtszeit von fünf Jahren. Wenig überraschend zeigte sie sich im Anschluss bestens gelaunt: "Wir wissen, wie man Endspiele bestreitet! Wann immer ich mit dem Team in ein Finale komme, gewinnen wir dieses auch."

Die Deutschen hatten eine Partie für sich entschieden, in der sie läuferisch mit und ohne Ball, aber auch in Sachen Kreativität und Zielstrebigkeit das etwas bessere Team waren und mehr Torchancen hatten. Hesterine de Reus bescheinigte den Deutschen kurz und knapp einen großen Anteil "an der guten Entwicklung im Frauenfußball".

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Deutschland und Spanien haben diesen Wettbewerb in den letzten Jahren dominiert, 2016 holte die DFB-Auswahl wieder den Titel

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2016/technical-report/the-final/index.html#das+endspiel