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Starke Gruppenphase mit Spannung bis zuletzt

Starke Gruppenphase mit Spannung bis zuletzt

Die meisten neutralen Zuschauer dürften sich eine Partie im Spielplan schon vor Turnierbeginn dick eingekreist haben. Die Auslosung am 6. April für die Gruppe B der UEFA-17-Europameisterschaft der Frauen platzierte die beiden Teams in eine Gruppe, die den Turniersieg bei sieben der bisherigen acht Austragungen unter sich ausgemacht hatten. Dabei handelte es sich um den vierfachen Turniergewinner Deutschland, der zum achten Mal in der Endrunde stand, und den dreifachen Sieger sowie Titelverteidiger Spanien, der zum siebten Mal mit von der Partie war. Das mit Spannung erwartete Duell sollte es gleich am ersten Spieltag in Slutsk geben.

Beide Teams sind fast jedes Jahr in der Endrunde mit von der Partie. Sie spielen schon sehr reifen Fußball. Keine Seite wollte eine Niederlage im ersten Spiel riskieren
Béatrice von Siebenthal, technische Beobachterin der UEFA

María Antonia Is, oder kurz 'Toña', hatte die spanische Mannschaft von Pedro López übernommen, nachdem sie ein Jahr zuvor beim Turniersieg auf Island noch als Assistenztrainerin auf der Bank gesessen hatte. Als erste weibliche Nationaltrainerin einer spanischen Auswahl vertraute sie auf einige Kräfte aus dem Vorjahr, brachte aber auch neue Spielerinnen in den Kader. Dazu zählte Silvia Rubio, die im Spiel gegen Deutschland mit einem Fernschuss zur Führung traf. Dieses Tor war eines von drei, die in ebenso vielen Minuten zu Beginn der zweiten Hälfte fielen. Nach dem Seitenwechsel wirkten die Deutschen etwas zu entspannt auf dem Feld, was Rubio ausreichend Zeit für ihren Führungstreffer gab.

Nach Einschätzung der technischen Beobachterin der UEFA, B��atrice von Siebenthal, zeigte die zurückhaltende Spielweise beider Teams in der ersten Hälfte neben dem gegenseitigen Respekt auch die Erfahrung aus vielen Endrundenteilnahmen. "Beide Teams sind fast jedes Jahr in der Endrunde mit von der Partie. Sie spielen schon sehr reifen Fußball. Keine Seite wollte eine Niederlage im ersten Spiel riskieren." Am Ende hatten beide Teams dieses Ziel auch erreicht, als Klara Bühl zum 2:2-Endstand für Deutschland traf. Zwar hatte das Team von Trainerin Anouschka Bernhard in der zweiten Hälfte gleich zu Beginn dem Gegner zu viel Platz gelassen und war so in Rückstand geraten, am Ende nutzte man aber selbst Löcher in der spanischen Defensive nach einem gegnerischen Eckball, um den Endstand herzustellen.

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Caroline Siems im Zweikampf mit María Blanco

Was das technische Team der UEFA insgesamt beeindruckte, war das Niveau der Vorbereitung auf beiden Seiten, sowohl individuell als auch im Team. Es war "ein höheres Niveau als vor drei Jahren", erklärte von Siebenthal.

Auch wenn sich die Spanierinnen am Ball technisch hochbegabt zeigten und gerade die beidfüßige Mittelfeldspielerin Paula Fernández zu überzeugen wusste, so hatten die Deutschen am Ende doch mehr Torschüsse zu Buche stehen, vor allem dank der starken Angreiferinnen Bühl und Verena Wieder. Das Duell dieser beiden Topteams zeigte deutlich, dass der Weg zum Erfolg bei dieser UEFA-U17-Endrunde vor allem über eine gut organisierte Defensive, nicht zuletzt bei Standardsituationen, und ein gutes Umschaltspiel führen sollte. Spanien und Deutschland überzeugten in diesen Bereichen, konnten durch ihre Erfahrung und Klasse den Gegner aber auch zu Fehlern zwingen.

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Norwegens Trainerin Lena Tyriberget

Das Topspiel in Gruppe A fand unterdessen am 4. Mai in Zhodino zwischen England und Norwegen statt. Gemeinsam kamen die Teams mit der Empfehlung von insgesamt sieben Endrunden- und drei Halbfinalteilnahmen nach Belarus, wobei Englands Beitrag zu beiden Kategorien jeweils um eine Teilnahme besser war. In dieser Partie ging das Team von Trainer John Griffiths mit einer 2:0-Führung in die Halbzeit, kassierte aber Mitte der zweiten Hälfte in nur vier Minuten gleich zwei Gegentreffer. Anna Filbey sorgte mit dem vierten Kopfballtreffer eines Turniers, in dem gerade das Flügelspiel auf sehr hohem Niveau praktiziert wurde, für den 3:2-Sieg der Engländerinnen. Griffiths brachte Niamh Charles und Alessia Russo auf den für diese jeweils ungewohnten Außenbahnen (Linksfuß Charles spielte auf der rechten Seite). Das Duo sorgte mit seinen Hereingaben für viel Gefahr. Griffiths hatte vor dem Spiel gesagt, man müsse "taktisch klüger agieren und die auf Sicherheit bedachten Teams im Detail analysieren und entsprechend spielen".

Auch die Norwegerinnen waren per Kopf erfolgreich und das bei beiden Treffern. Den zweiten erzielte Sophie Haug nach einer schönen Hereingabe von der Grundlinie. Vor der Pause strahlten die Norwegerinnen aber vor allem wegen eines zu leicht ausrechenbaren Offensivspiels wenig Gefahr aus. Jeder Angriff lief zu Beginn über Haug und Andrea Norheim.

Die Liveübertragung im Austragungsland fokussierte sich auf die Partie zweier Endrunden-Neulinge in Gruppe A  Gastgeber Belarus traf auf Serbien. Das Team von Trainerin Irina Bulygina war das Ergebnis von dreieinhalb Jahren Arbeit in einer nationalen Fußballakademie. Die Partie wurde eine halbe Stunde vor allen anderen Spielen angepfiffen, viel Grund zur Freude machte sie den heimischen Fans aber nicht. Die Serben von Trainerin Suzana Stanojević gingen bereits in der siebten Minute durch Allegra Poljak in Führung. Die Angreiferin war gemeinsam mit Haug die beste Torschützin der Eliterunde. Im Anschluss trafen noch vier weitere Serbinnen, so dass der Ehrentreffer von Karolina Zhitko zum 1:5 die 4 500 Zuschauer im Minsker Traktor-Stadion auch nicht mehr begeistern konnte.

In der Vorbereitung konnte Belarus noch ein Remis gegen Polen einfahren und unterlag gegen Deutschland (0:3) sowie Frankreich (0:4). Im Laufe der Endrunde wurde deutlich, dass das Team derzeit noch nicht auf dem nötigen Niveau agiert, um eine ernsthafte Herausforderung für die Konkurrenz darzustellen. Im Gegensatz zu England und Island, den beiden vorangegangenen Gastgebern nach Erweiterung und Wegzug des Turniers aus Nyon.

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Italien und die Tschechische Republik trennten sich mit einem Remis

Doch alleine der fehlenden Erfahrung oder dem Entwicklungsstand ist diese Tatsache nicht zuzuschreiben. Auch die Tschechische Republik feierte ihre Premiere, das Land war zum ersten Mal überhaupt bei einer Frauen-Endrunde, unabhängig von der Altersstufe, vertreten. Die technische Beobachterin der UEFA, Hesterine de Reus, zeigte sich "überrascht, dass die Tschechinnen den Spielfluss der Italienerinnen so effektiv stören konnten". In Borisov agierte das Team von Trainer Karel Rada, der seinerseits mit den Tschechen Vize-Europameister bei der EURO '96 wurde, gerade im Zentrum stark. In der Innenverteidigung wussten Markéta Klímová und Natálie Kavalová zu überzeugen und im Mittelfeld zeigte sich Kamila Dubcová stark. Die einzig wirklich gefährliche Chance der Italienerinnen vergab Benedetta Glionna in einer Partie, die im Gorodskoi-Stadion ohne Treffer enden sollte. Nach dem ersten Spieltag hatten also mit Tschechien und Serbien zwei von drei Neulingen bereits ihre ersten Punkte auf dem Konto und unterstrichen damit ihre Leistungsfähigkeit sowie die gute Entwicklung des Frauenfußballs in den jeweiligen Ländern.

In ihrem zweiten Spiel in Zhodino schlüpften die Italienerinnen in die Rolle des Außenseiters, denn der Gegner hieß diesmal Deutschland. Das Wetter wusste an diesem Tag nicht zu überzeugen, ganz anders als das Spiel der Italienerinnen. Trainerin Rita Guarino zeigte sich nach dem 0:0 gegen den Favoriten zufrieden. "Die Mädchen haben von Minute zu Minute mehr Selbstvertrauen gewonnen. Wir sind nun seit acht Spielen ungeschlagen." Auch wenn die Deutschen mehr Abschlüsse zu Buche stehen hatten – besonders abschlusswillig zeigte sich Linksverteidigerin Caroline Siems – so agierten auch Arianna Caruso und ihre Mitspielerinnen nach und nach immer angriffslustiger und mutiger. Mit dem Schlusspfiff hatte der Außenseiter Grund zum Jubeln, auch wenn man nach dem 1:0-Erfolg der Spanierinnen gegen Tschechien nach zwei Spieltagen nur auf dem dritten Platz lag.

Lorena Navarro machte den Unterschied für den Titelverteidiger, wie auch schon so oft in der Qualifikations- und der Eliterunde, in denen sie auf insgesamt neun Treffer kam – der Bestwert gemeinsam mit den Engländerinnen Russo und Georgia Stanway. Navarro, die in der Vorsaison im Alter von 14 Jahren den fünften Treffer des Endspiels erzielte, war nach einem Pfostentreffer von Laia Aleixandri zur Stelle. Der Treffer in der 54. Minute war eine große Erlösung für das Team von Toña, das sich lange schwer tat gegen die im 4-1-4-System aufgestellten Tschechinnen.

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Spanien jubelt über ein Tor von Lorena Navarro

Die Zwischenbilanz der Spanierinnen hätte durchaus besser sein können, zwar hatte man vier Punkte auf dem Konto, doch die beiden erzielten Treffer gegen Deutschland resultierten aus unnötigen Abwehrfehlern, und in Minsk profitierte man von gerade gegen Ende der Partie müden Tschechinnen. Ein ganzes Stück beeindruckender war der Erfolg der Engländerinnen am 7. Mai gegen Gastgeber Belarus. Vor dem Spiel in Slutsk stellte Trainer Griffiths seine Mannschaft auf sechs Positionen um und durfte sich am Ende über einen verdienten 12:0-Sieg freuen. Russo wechselte diesmal von der linken Seite in die Mitte und war eine von fünf Torschützinnen auf Seiten der Engländerinnen. Bei noch keiner UEFA-Endrunde gab es jemals eine Partie mit einem so klaren Erfolg. Durch den Sieg sicherte sich England die Tabellenspitze vor Norwegen, das sich mit 1:0 in Borisov gegen Serbien durchsetzen konnte. Die Entscheidung in dieser Partie brachte ein Freistoßtreffer von Mittelfeldspielerin Frida Maanum. Von der linken Seite visierte Maanum den langen Pfosten an und konnte die Torhüterin überwinden. Damit war die Partie entschieden.

Den Abschluss der Gruppenphase bildete der abschließende Spieltag am 10. Mai, in den alle acht Teams zumindest noch mit theoretischen Chancen auf ein Weiterkommen gingen. England wechselte wieder kräftig durch und brachte fünf neue Akteurinnen, Deutschland tauschte drei Spielerinnen und Norwegen sowie Spanien jeweils zwei. Tatsächlich stand nach dem dritten Spieltag jede Spielerin von Belarus und England mindestens einmal auf dem Feld. Bei Deutschland, Norwegen und Spanien wurden alle Spielerinnen abgesehen von den Ersatztorhüterinnen eingesetzt.

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Norwegen gewann mit 2:0 gegen Belarus

Belarus verabschiedete sich mit einer deutlich verbesserten Leistung, aber ohne Punkte beim 0:2 gegen Norwegen in Slutsk aus dem Turnier. Die Treffer erzielten Ingrid Olsen und Emilia Ruud. Vermutlich war inzwischen der Druck von den Schultern der Gastgeberinnen gewichen, so konnten sie deutlich befreiter aufspielen als zu Turnierbeginn. Auch wenn das Team eher defensiv eingestellt war, so wussten Spielmacherin Maria Belobrovina und Angreiferin Karina Olkhovik doch zu überzeugen. Im zweiten Spiel in Gruppe A in Minsk brachte der Treffer von Miljana Ivanović den Serbinnen eine knappe Halbzeitführung gegen England. In der ersten Hälfte stach vor allem Torhüterin Tanja Djapić mit ihrer Defensive heraus. Doch nach dem Seitenwechsel zerplatzten die serbischen Träume von der K.-o.-Phase nach einem Elfmetertreffer der Engländerinnen und einem anschließenden Platzverweis für Isidora Vučković. Am Ende stand dank der Treffer von Stanway, Ellie Brazil, Charles und Cain ein klarer 4:1-Erfolg der Engländerinnen.

Alleine in dieser Partie gab es fünf der insgesamt acht Gelben Karten des dritten Spieltags. An den beiden vorangegangenen Spieltagen gab es insgesamt nur zwei Gelbe Karten. Der Platzverweis für Vučković war der erste bei einer Endrunde seit dem vorzeitigen Ausscheiden einer österreichischen Spielerin bei der Endrunde 2014.

Damit war nur noch in Gruppe B die Frage offen, wer England und Norwegen ins Halbfinale folgen würde. Die Antwort lautete, und das auf beeindruckende Art und Weise, Spanien und Deutschland. Bernhards Team legte einen Traumstart in das Duell mit den Tschechinnen hin und ging bereits in der siebten Minute durch Vanessa Ziegler in Führung, wenig später musste der Gegner mit Michaela Dubcová auch noch verletzungsbedingt eine wichtige Kraft vom Feld nehmen. Zwar gaben sich die Tschechinnen nicht auf, doch dank eines weiteren Treffers von Ziegler und zwei Toren von Marie Müller stand am Ende ein ungefährdeter 4:0-Erfolg.

Nicht weniger beeindruckend war die Vorstellung der Spanierinnen, die in Zhodino mit ihrem starken Passspiel und viel Druck gerade in der ersten Halbzeit Italien komplett in der eigenen Hälfte einschnürten. María Blanco per Kopf und Navarro sorgten für einen komfortablen 2:0-Pausenstand. Nach dem Seitenwechsel sorgte abermals Navarro für die Entscheidung und Italiens Angreiferin Glionna für den Endstand.

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Spanien war zu stark für Italien

Für von Siebenthal waren die Ausgänge dieser Partien durchaus vorherzusehen: "Der Fokus liegt auf der Geschwindigkeit. Italien hat immer wieder den Ball verloren, und die Tschechinnen standen zwar gut verteilt auf dem Platz und haben die Räume gut dichtgemacht, aber die nötige Geschwindigkeit fehlt noch."

Für diese beiden Teams sowie für den Gastgeber und die Serbinnen war damit nach einer neun Spiele umfassenden Europameisterschaft das Ende erreicht und somit auch der Traum von der Qualifikation für die FIFA-U17-WM geplatzt. Die Halbfinalisten hingegen hatten nun gleich zwei Chancen, um den Sprung nach Jordanien im September zu schaffen. Mit Abschluss der Gruppenphase hatten 21 445 Zuschauer die absolvierten Partien besucht und damit 8 000 Zuschauer mehr als bei der vorangegangenen Endrunde. Das erste Halbfinale in Zhodino erreichte mit 4 800 Zuschauern einen neuen Rekordwert für ein U17-Spiel der Frauen.

Ein bemerkenswerter Aspekt dieses Turniers war zuletzt die intensive Nutzung des rechten Flügels in Sachen Torvorbereitung. Im ersten Halbfinale hatte dann auch die starke rechte spanische Seite mit Lucía Rodríguez und Blanco großen Anteil an der starken Vorstellung gegen Norwegen. Die Skandinavierinnen kämpften verbissen, hätten aber fast in der ersten Hälfte bereits den Rückstand durch einen Kopfballtreffer von Aleixandri hinnehmen müssen, doch auf Grund eines vorangegangenen Handspiels wurde dieser nicht gegeben. Auf der Gegenseite war Norwegen auch zur Stelle, vergab eine gute Chance zur Führung aber durch Norheim, die nur das Außennetz traf.

Das Tempo in der ersten Hälfte blieb zumindest überschaubar und so konnte das Tyriberget-Team doch recht problemlos mit einem 0:0 in die Pause gehen. Nach dem Seitenwechsel wurde bei Norwegen Ruud auf der linken Seite durch die offensivere Elise Isolde Stenevik ersetzt und auch Nautnes agierte nun offensiver, wodurch die Norwegerinnen in der Abwehr nun keine Gegenspielerin mehr doppelten. Die Spanierinnen, die deutlich reifer und technisch versierter als der Gegner waren, wussten diesen neugewonnenen Raum zu nutzen.

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Spaniens Laura Gutiérrez und die Norwegerin Joanna Aalstad Bækkelund im Halbfinalduell zwischen den beiden Teams

Die Norwegerinnen wussten ihre körperliche Überlegenheit in den Duellen zu nutzen, doch als Rubio in der 48. Minute mit ihrem Fernschuss für die spanische Führung sorgte, war der Matchplan der Nordeuropäerinnen über den Haufen geworfen. Es war der zweite Turniertreffer der Mittelfeldspielerin.

Doch Norwegen gab sich nicht auf und hatte eine weitere gute Chance durch Maanum, die aber an Noelia Ramos scheiterte. Nach und nach ging ihnen aber die Luft aus und so musste man drei Tore in sechs Minuten hinnehmen und sich am Ende doch klar geschlagen geben. Auf den Treffer der eingewechselten Natalia Ramos nach Vorarbeit von Candela Andújar folgte nur zwei Minuten später das 3:0 durch die starke Navarro, die von Blanco bedient wurde. Auch den vierten Treffer besorgte Navarro nach einer starken Einzelaktion. Anschließend wechselte Toña mit Ersatztorhüterin Catalina Coll auch die letzte bis dahin noch nicht eingesetzte Spielerin ein. Am Ende stand es damit 4:0 und Norwegen musste sich eingestehen, dass die Kraft für ein ganzes Spiel auf diesem Niveau in dieser Partie nicht reichte.

Tyriberget erklärte nach dem Halbfinale, dass ihr Team in dieser Partie ganz einfach zu wenig aus dem eigenen Ballbesitz gemacht habe, weshalb Norwegen somit auch das zweite Halbfinale nach 2009 bei diesem Turnier verlor. Mit bereits zwei Halbfinalniederlagen aus den Jahren 2008 und 2013/14 im Gepäck trat England im zweiten Halbfinale gegen ein deutsches Team an, dem man ein Jahr zuvor in der Gruppenphase noch mit 0:5 unterlegen war. Diesmal war es zwar deutlich spannender, jubeln durften am Ende aber wieder nur die Deutschen.

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Vanessa Ziegler brachte Deutschland im zweiten Halbfinale auf Kurs

England, das diesmal nur zwei Änderungen für die Partie im Torpedo-Stadion vornahm, fing stark an. Doch auch die Deutschen fanden sich schnell in der Partie zurecht, nicht zuletzt einer durch von Siebenthal erklärten Stärke der Deutschen geschuldet: "Besonders ist am Spiel der Deutschen und der Spanier, dass sie extrem ausgeglichen sind und das auf hohem Niveau." Dass diese Aussage auch für die Bankspielerinnen der Deutschen gilt, zeigte die Einwechslung von Ziegler für die verletzte Kristin Kögel. Nach einem Abpraller war Ziegler zur Stelle und sorgte für die deutsche Führung.

Doch nur zwei Minuten später war das Spiel schon wieder ausgeglichen. Nach Vorarbeit von Stanway und Charles landete der Ball bei Brazil, die den Ausgleich erzielte. In der zweiten Hälfte blieb es allerdings nicht lange beim 1:1, denn nur knapp eine Minute nach Wiederanpfiff nutzte Bühl einen Ballverlust von Hollie Olding und markierte das 2:1 für Deutschland. Lange hielt diese Führung aber nicht, denn Russo traf nach starker Einzelleistung zum abermaligen Ausgleich.

Doch in der Folge hatten die Deutschen dank ihrer Schnelligkeit und ihrer Zweikampfstärke zumeist die Oberhand und schließlich auch das bessere Ende für sich. Die neuerliche deutsche Führung erzielte Pawollek mit einem schönen Freistoßtreffer. Die Vorentscheidung besorgte Ziegler mit einem starken Abschluss außerhalb des Strafraums. England schien geschlagen, konnte sich aber noch einmal aufrappeln und nach Vorarbeit von Cain durch Russo den 3:4-Endstand herstellen. "Schon das Erreichen des Halbfinals ist für uns großartig, gerade wo wir uns letztes Jahr noch mit 0:5 gegen Deutschland geschlagen geben mussten und diesmal nur mit 3:4", sagte Griffiths.

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England setzte sich im Spiel um Platz drei durch

Am 16. Mai stand somit in Minsk das Spiel um Platz drei zwischen England und Norwegen auf dem Plan, und somit auch der Kampf um das begehrte WM-Ticket. Zu Beginn drückten die Norwegerinnen auf das Tempo und kamen zu guten Gelegenheiten durch Nautnes und Maanum. Doch auf der Gegenseite konnte Norwegens Schlussfrau Nilsen einen Schuss von Russo nicht richtig klären und so musste Charles nicht viel tun, um das 1:0 für England zu besorgen. Auf beiden Seiten gab es vier Umstellungen im Vergleich zum Halbfinale, bei den Norwegerinnen besonders bemerkenswert war der Einsatz von Angreiferin Norheim in der Innenverteidigung. Insgesamt machte England den stärkeren und fitteren Eindruck, sowohl körperlich als auch mental. In Toren drückte sich dies zu Beginn der zweiten Hälfte aus. Nachdem Haug einen Abwehrfehler zum Ausgleich genutzt hatte, waren die Engländerinnen kurz darauf erneut in Person von Charles zur Stelle und stellten auf 2:1, was gleichzeitig das Ticket für Jordanien bedeutete.

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2016/technical-report/road-to-the-final/index.html#starke+gruppenphase+spannung+zuletzt