Das Endspiel

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Lucía García wird nach ihrem Führungstreffer gefeiert ©Sportsfile

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"Auch wenn die defensive Organisation immer besser wird, optimieren sich gleichzeitig auch die Angriffsoptionen – individuell, kollektiv –, weshalb die Teams immer einen Weg vor das gegnerische Gehäuse finden. Das war sichtbar bei der letzten Women's EURO, das war sichtbar bei der Frauen-U19, und das ist definitiv der Trend – je schwieriger es wird, die Abwehrreihen auszuhebeln, desto schlauer agieren die Angreiferinnen."

Diese Worte des Technischen Beobachters der UEFA, Jarmo Matikainen, wurden 24 Stunden vor dem Valsvöllur-Finale am Samstag, den 4. Juli ausgesprochen, und sie wurden vom packenden Endspiel zwischen Spanien und der Schweiz, den beiden einzig noch unbesiegten Teams des Turniers, voll und ganz bestätigt.

Zuvor bereits waren bei der UEFA-U17-Europameisterschaft für Frauen in Island 38 Treffer in 14 Spielen gefallen, im Vergleich zu 37 Toren in 16 Partien der vorangegangenen Saison; als die österreichische Schiedsrichtern Barbara Bollenberger das achte Endspiel dieses Wettbewerbs anpfiff, konnten sich die 757 Zuschauer also auf einiges gefasst machen.

Die Klänge von The Proclaimers wichen nach dem Anstoß dem blechernen Geläut Schweizer Kuhglocken, während auf dem Feld direkt die Spanierinnen das Tempo vorgaben. Die Truppe von Pedro López, Sieger der Gruppe A, war nicht nur wie wild auf eigenen Ballbesitz aus, sondern sah es als Affront an, wann immer der Gegner den Ball hatte, weshalb Spanien von Beginn furioses Pressing betrieb. Folglich waren die Schweizerinnen kaum einmal aus ihrer eigenen Hälfte herausgekommen, als der zweimalige Gewinner – in seinem fünften Endspiel – den Bann brach. Natalia Montilla, die rechte Flügelflitzerin, schnappte sich das Leder nach einer Linksflanke von Carmen Menayo ins Zentrum und bediente Lucía García; die 16-Jährige ließ sich nicht zweimal bitten und erzielte aus fünf Metern ihren fünften Turniertreffer.

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Lucía García köpft zum 2:0 für Spanien ein

Nur wenig später entschärfte Nadja Furrer ein Geschoss von Montilla, doch nach einer Ecke von Aitana Bonmati klingelte es ein zweites Mal im Kasten der Schweizerinnen. García verlängerte per Kopf auf die Schweizer Rechtsverteidigerin Luisa Felder, die das Leder unglücklich ins eigene Tor abfälschte. Als die Schweizerinnen erstmals zum Durchatmen kamen, war es eine Pause aufgrund der verletzungsbedingten Auswechslung von Maite Oroz, die im Finale die spanische Kapitänsbinde tragen durfte. Die kleine Mittelfeldspielerin trottete unter Tränen vom Platz und wurde durch Paula Fernández ersetzt; zuvor war sie die einzige Spanierin, die keine Minute verpasst hatte. Bonmati, die zusammen mit Patricia Guijarro Teil der UEFA-Mannschaft des Turniers 2013/14 war, übernahm die Armbinde. Die beträchtliche Schweizer Anhängerschar auf der Haupttribüne – die vornehmlich aus Familienmitgliedern bestand – trommelte unterdessen weiter vor sich hin und läutete ihre Glocken.

Monica Di Fonzos Gewinner der Gruppe B hatte sich nach seinem Mannschaftskreis, als sie sich vor dem Anstoß um eine Schweizer Flagge versammelten, in einer 4-4-2-Formation auf dem Feld positioniert und startete im Vergleich zum dramatischen Halbfinal-Erfolg gegen Titelverteidiger Deutschland mit einer Änderung in die Partie. Kim Dubs spielte im Mittelfeld anstelle von Jolanda Stampfli, Nathalie Lienhard agierte weiter vorne hinter Géraldine Reuteler. Lienhard durfte 37 Minuten ran, ehe sie gegen Amira Arfaoui – die gegen Deutschland ebenfalls eingewechselt wurde und nach einer beeindruckenden Leistung in der Schlussminute den Siegtreffer erzielte – ausgetauscht wurde.

Nach wunderbarer Vorarbeit von Montilla, die im Halbfinale den herrlichen späten Ausgleich gegen Frankreich markiert hatte, scheiterte die linke spanische Flügelflitzerin Menayo an Furrer, die dann auch gegen García rettete. Ob es Spanien im Anschluss absichtlich ein wenig ruhiger angehen ließ, da die Pause anstand, ist ein strittiger Punkt, aber so kamen die Schweizerinnen zu ihrem ersten Abschluss, als Arfaoui das Leder über das Gehäuse setzte, nachdem sich Di Fonzos Truppe kurzzeitig einmal in der spanischen Hälfte festgesetzt hatte.

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Luisa Felder schirmt den Ball vor Spaniens Carmen Menayo ab

Finalneuling Schweiz hatte gegen Frankreich sowie Deutschland im zweiten Durchgang mächtig aufgedreht und beide Partien noch in der Schlussphase gewonnen. Ein 0:2-Pausenrückstand gegen ein spanisches Team, das sein fünftes Endspiel bestritt und sich zum dritten Mal die europäische Krone aufsetzen wollte, schien jedoch eine nahezu aussichtslose Situation zu sein. Nur Felder und Lara Jenzer hatten sich im ersten Durchgang durchweg behaupten können. Spaniens Trainer López fand trotzdem noch Gründe, mit Bollenberger, der 29-jährigen Schiedsrichterin, zu sprechen, als sie auf dem Weg zum Tunnel war.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs war es Jenzer, die Zeit hatte, einen Eckball von Naomi Mégroz zu kontrollieren und einen Flachschuss abzufeuern, den Amaia Peña jedoch abwehren konnte. Bezeichnend für die allgemeine Steigerung der Schweiz war auch, dass zunächst Felder einen Zweikampf gegen García gewann, ehe Arfaoui Fernández abschüttelte. In der 50. Minute erhielten die Schweizer Hoffnungen jedoch den nächsten Dämpfer, als es nach einem Foul von Alisha Lehmann an Montilla einen Freistoß gab, den Menayo in den Strafraum schlug, wo der unglückseligen Megroz ebenfalls ein Eigentor unterlief.

Doch den Schweizerinnen, die nie aufgaben, gebührte Anerkennung, denn nur wenig später erzielte die nimmermüde Reuteler den Anschlusstreffer. Nach Vorarbeit ihrer Angriffspartnerin Arfaoui kurz vor dem Strafraum jagte Reuteler das Leder mit der ersten Berührung ins obere Eck: ein beeindruckendes Detail. Einmal mehr unterstrich Arfaoui ihren Wert als perfekter Joker, während Reuteler lediglich ihre Klasse bestätigte. Gut 20 Minuten vor dem Ende kam Stampfli – die das Spiel gegen Frankreich gedreht hatte – für Lehmann in die Partie und wärmte gleich mal die Handinnenseiten von Torhüterin Peña. Kurz darauf machte die sehenswerte Montilla Platz für Lorena Navarro, die bei ihrer ersten Ballberührung einen Kopfball knapp neben das Tor setzte. Ungenaues Schweizer Passspiel führte dann aber zum vierten Gegentreffer. Ein Rückpass von Mégroz zu ihrer weit vor dem Tor platzierten Torhüterin setzte Furrer ein wenig unter Druck, weshalb ihr Pass zu Thais Hurni misslang. Menayo spritzte dazwischen und überwand Furrer mit einem Heber aus 30 Metern.

Wie Spanien den Titel holte

In der Schlussphase wurden auf beiden Seiten die letzten Wechsel vorgenommen: Mathilde Staffoni kam bei der Schweiz für Dubs und Spaniens Andrea Sierra ersetzte Berta Pujadas. Auch die Sonne in Reykjavik hatte sich zurückgezogen, obwohl sich die düsteren Aussichten für die Schweiz ein wenig aufhellten, als Arfaoui in der 78. Minute nach einem Eckball von Mégroz am langen Pfosten den zweiten Schweizer Treffer erzielte.

Doch als drei Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, war den Zuschauern klar, dass es kein weiteres Schweizer Comeback geben würde. Stattdessen sorgten die Spanierinnen für den letzten Akt, als Menayo zunächst Hurni und dann ein wenig glücklich Sarah Kaufmann stehen ließ, ehe sie Navarro bediente, die das Leder nur noch über die Linie schieben musste. Der Schlusspfiff war dann das Signal für das unterlegene Team, maßlos enttäuscht zu sein, aber zumindest standen die Siegerinnen Spalier, als die Schweizerinnen ihre Medaillen abholten. Richtig feiern durften jedoch die Spanierinnen, als sich die tanzenden Spielerinnen, angeführt von Spielführerin Bonmati, ihre verdiente Belohnung abholten.

Für den neuen Champion wird es noch weitere Auszeichnungen geben, da gleich neun Spielerinnen der López-Truppe in die 18 Spielerinnen umfassende Mannschaft des Turniers berufen wurden. Diese Ehre wurde nach einem Endspiel, das ein weiterer Beleg für schnellen Frauen-U17-Offensivfußball war, auch vier Schweizerinnen zuteil. Matikainens Kollegin Béatrice von Siebenthal formulierte es wie folgt: "Es ist noch mehr Tempo im Spiel, sogar noch mehr als letztes Jahr; es wird immer offensiver gespielt, da viele Spielerinnen nach vorne stürmen, um die Offensive zu unterstützen. Ich denke, das ist die deutliche Verbesserung im Vergleich zum letztjährigen Turnier."

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Spaniens Aitana Bonmati mit der Trophäe

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2015/technical-report/the-final/index.html#das+endspiel