Interviews

Die offizielle Website des europäischen Fußballs

Interviews

Interviews

Bernhards große Gelassenheit

Nach dem Turnier musste die deutsche Trainerin Anouschka Bernhard zugeben, soeben ein Déja-vu-Erlebnis gehabt zu haben. Schon 2012 hatte sie nach dem Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich eingestanden, dass sie nicht mehr damit gerechnet habe, dass ihr Team die U17-Europameisterschaft gewinnen werde. Ähnlich war es auch im Finale 2013, als Spaniens U17 in Chesterfield lange Zeit die bessere Mannschaft war, ehe ihr Team sich am Ende erneut im Elfmeterschießen durchsetzen konnte.

Bernhard, 47-fache deutsche Nationalspielerin, begann ihre Trainerlaufbahn beim FSV Frankfurt, ehe sie als Jugendkoordinator bei Hertha BSC Berlin arbeitete, wo sie für die Teams von der U17 bis zur U13 verantwortlich war. 2009 absolvierte sie ihren UEFA Pro-Lizenz-Kurs und wechselte im März 2011 zum DFB, wo sie für die U16- und U17-Kader zuständig war. Nachdem sie im Jahr 2012 mehr als 200 Tage unterwegs war, gab sie ihren Job bei der U16 allerdings wieder auf.

Die Strukturen in Deutschland erlauben es den Trainern, ihre Spieler auf der Basis von regionalen U14- und U16-Turnieren zu rekrutieren. Zur EURO nach England fuhr Bernhard also mit einer Mannschaft, in der alle Spielerinnen mit einer Ausnahme 1997 geboren wurden, das schafften sonst nur die Französinnen. Sie befürwortet die Initiative, Trainer in Schulen und Klubs weiter auszubilden und lobt vor allem die Einführung der U17-Bundesliga. 

Auch die Entwicklungsturniere der UEFA erachtet sie als sinnvoll, da sie es "den Spielerinnen erlauben, zu erfahren, was es heißt, drei Spiele in kürzester Zeit zu absolvieren". Ihre Vorbereitungszeit mit der Mannschaft war relativ kurz, abgesehen von den elf Tagen während der Elite-Runde hatte sie ihr Team ab Juni nur jeweils vier Tage pro Monat zusammen.

Ihre Selektionskriterien basieren auf Technik, taktischen und athletischen Fähigkeiten – wie Schnelligkeit und Beweglichkeit – sowie auf der Persönlichkeit der Spielerinnen. Sie legt großen Wert auf die Vermittlung von Selbstvertrauen und auf Kommunikation und versucht, ihre Spielerinnen möglichst wenig Druck auszusetzen.

©Sportsfile

Isabella Hartig (links) feiert

Wichtig ist ihr auch die Fähigkeit ihrer Spielerinnen, sich in eine Gruppe zu integrieren, immer wieder verweist sie auf die wichtige Rolle der Ersatzspielerinnen. "Ich halte sie für sehr wichtig, weil sie ja nach ihrer Einwechslung die Mannschaft verstärken sollen", erläutert sie. Unterstrichen wurden ihre Worte durch das wichtige Ausgleichstor im Finale von Isabella Hartig. [ 

Abgesehen von den beiden Ersatz-Torhüterinnen kamen bei der Endrunde in England alle Spielerinnen auch zum Einsatz. Klares Ziel vor Turnierbeginn war der Titelgewinn. Bernhard hatte ihre Schützlinge sogar aufgefordert, vor dem Turnier alle Elemente auf eine Liste zu schreiben, die zur Erringung des Titels notwenig seien.

Die Endrunde selbst war eine ständige Achterbahnfahrt, Tiefpunkt war sicher das 0:4 in der Gruppenphase gegen Spanien. "Verlieren ist immer enttäuschend, aber so zu verlieren war sehr, sehr enttäuschend", sagte sie und erklärte nach dem Halbfinalsieg gegen Italien: "Ich bin glücklich, im Finale zu sein, auch wenn mir die Leistung nicht sonderlich gefallen hat."

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2014/technical-report/winning-coach/index.html#die+siegreiche+trainerin