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Der siegreiche Trainer
Zbigniew Witkowski (links) führte Polen zum Titel ©Sportsfile

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Der siegreiche Trainer

Auf dem Weg zum Gewinn der UEFA-U17-Frauen-Europameisterschaft 2013 fieberte Zbigniew Witkowski jede Minute intensiv mit seiner Mannschaft mit. An der Seitenlinie gestikulierte er lautstark und trieb seine Spielerinnen unermüdlich an – so war es kaum überraschend, dass er nach dem Schlusspfiff im Finale seiner Freude freien Lauf ließ und mit seinem Team ausgelassen feierte.

Der Europameistertitel war der Höhepunkt nach vielen Jahren engagierter und umsichtiger Arbeit. Witkowski kam 2000 als U19-Assistenztrainer zum polnischen Juniorinnen-Nationalteam. Vier Jahre später übernahm er auf U17-Stufe eine ähnliche Position. 2009 wurde er dann Cheftrainer des U15-Frauennationalteams und später der U17.

2003 machte er den Doktortitel in Wissenschaft der Körperkultur am Moskauer Institut für Entwicklungsphysiologie von Kindern und Jugendlichen. Im folgenden Jahr wurde er von der Fußballabteilung der Sporthochschule in Krakau angestellt, nachdem er in Katowice eine ähnliche Stellung inne gehabt hatte. Witkowski hat zahlreiche Bücher geschrieben (auf Polnisch und Russisch) und über 70 Artikel über Fußballausbildung verfasst.

„Ich glaube, wir haben genau das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, sinnierte er, nachdem er den Triumph im Endspiel gegen Schweden so richtig ausgekostet hatte. „Die Basis unseres Spiels ist ein festes Konzept mit einer starken Defensive: Positionswechsel auf dem Spielfeld, Engmachen der Räume, Raumaufteilung zwischen den Spielerinnen eines Mannschaftsteils, zwischen den Mannschaftsteilen sowie zwischen Verteidigung und Angriff.

„Ich bevorzuge in der Verteidigung ein 4-2-3-1; bei Ballbesitz versuchen wir, flexibel zu sein und auf 4-3-3 umzustellen. Wir spielen bereits seit langem mit diesem System. 2009 übernahm ich die polnische U15-Auswahl, da habe ich eine Gruppe von jungen Spielerinnen ausgewählt und mich bereits damals für die 4-2-3-1-Formation entschieden. 2010 konnte ich das U17-Nationalteam übernehmen, wobei ich diese jungen Frauen natürlich in die U17 mitnahm.“

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Witkowski hatte zwei besondere Trümpfe im Ärmel, die zusammen eine erfolgreiche Kombination ergaben: bedingungsloses Teamwork und mit Ewa Pajor eine herausragende Stürmerin. „Die Spielerinnen haben genau das getan, was sie tun mussten, sie machten es irgendwie automatisch. Ich schätze die individuelle Klasse von Ewa, doch die anderen Spielerinnen dürfen nicht vergessen werden, denn ohne Teamwork und ein starkes Kollektiv bleibt der Erfolg aus. Eine Spielerin alleine gewinnt kein Spiel.“

„Ich möchte auch auf andere Spielerinnen unseres Teams verweisen: insbesondere die zentrale Mittelfeldspielerin Paulina Dudek, die viele Zweikämpfe gewann [...] Das ganze Team spielte gut [im Endspiel]. Mittelfeldspielerin Ewelina Kamczyk erzielte ein Traumtor. Auch die Abwehrkette setzte genau das um, was wir uns vorgenommen hatten. Die Verteidigerinnen teilten die Räume gut auf und ließen es nicht zu, dass der Ball in den Rücken unserer Abwehr gespielt wurde. Sie harmonierten sehr gut und spielten aggressiv, die ganze Mannschaft war aggressiv – ich denke, die Spielerinnen haben einen tollen Job gemacht.“

Das unerschütterliche Vertrauen rührt von einer mehr als dreijährigen Zusammenarbeit her. Der polnische Trainer und die Spielerinnen waren auf dem Weg zum Titelgewinn eine entschlossene Einheit. Witkowski brachte seinen Stolz denn auch offen zum Ausdruck, als er die Trophäe in Nyon in die Höhe stemmte. Dazu gesellte sich wohl eine tiefe Zufriedenheit darüber, seinen Job mehr als erfüllt zu haben.

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2013/technical-report/winning-coach/index.html#der+siegreiche+trainer