Das Endspiel

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Ewelina Kamczyk feiert ihren Siegtreffer im Finale mit Teamkollegin Ewa Pajor ©Sportsfile

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Mit Spannung erwarteten die Zuschauer im Stade de Colovray von Nyon, darunter zahlreiche lautstarke Anhänger des skandinavischen Teams, den Anpfiff zum Endspiel zwischen Polen und Schweden. Doch eines war klar: Nach fünf Jahren deutsch-spanischer Vorherrschaft würde es unabhängig vom Ausgang einen neuen Europameister geben.

Beiden Mannschaften war bewusst, dass sie sich auf eine intensive Begegnung würden gefasst machen müssen. Schwedens Trainerin Ekroth sagte über den Gegner: „Sie sind sehr gut organisiert und physisch stark – es wird ein schweres Spiel werden.“ Ihr polnischer Kollege Zbigniew Witkowski, der verletzungsbedingt auf seine Spielführerin und Abwehrstütze Katarzyna Gozdek verzichten musste, ergänzte: „Wir werden versuchen, unser Spiel durchzuziehen und unsere Stärken zur Geltung zu bringen. Wir werden nicht so sehr ergebnisorientiert spielen, sondern uns auf das konzentrieren, was wir uns vorgenommen haben.”

Die Anfangsphase war wie immer bei Endspielen geprägt von einer gewissen Anspannung und vorsichtigem Abtasten; die Teams versuchten, ins Spiel zu finden und unnötige Fehler zu vermeiden. In der 8. Minute hatten die Schwedinnen die erste ernstzunehmende Chance, scheiterten jedoch am Gehäuse. Die lauffreudige Sturmspitze Stina Blackstenius setzte sich am rechten Strafraumeck durch, traf jedoch mit ihrem strammen Schuss nur den Pfosten und es gab Abstoß.

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Für die Polinnen war es ein Weckruf und in der 14. Minute gelang ihnen der Führungstreffer: Dominika Dereńs langgezogene Flanke von rechts kam zu Ewelina Kamczyk, die aus der Drehung heraus abzog und den Ball ins untere Toreck platzierte. „Ich war ein bisschen unvorbereitet, weil eigentlich Sylwia Matysik zum Kopfball hochgesprungen war, aber sie kam nicht dran und so landete der Ball bei mir und ich hielt einfach mal drauf“, erklärte die Torschützin. „Dann habe ich nur geschaut, ob er reingehen würde, und es hat geklappt. Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich war.” Die Schwedinnen mussten nun erneut ihr Kämpferherz unter Beweis stellen, was ihnen zumindest im Halbfinale mit dem umgehenden Ausgleich nach dem spanischen Führungstreffer ausgezeichnet gelungen war.

Um die 30. Minute herum war es allerdings eine Polin, die gleich mehrere Chancen kreierte: Das Energiebündel Ewa Pajor, die dynamische, technisch begabte und durchsetzungsstarke Sturmspitze, hätte in der Tat alle Möglichkeiten zu einem lupenreinen Hattrick gehabt. Dreimal schüttelte Polens „Lili Messi“ die schwedischen Verteidigerinnen ab und verpasste jeweils nur knapp. Ein zweiter Treffer hätte den Osteuropäerinnen etwas Luft verschafft, doch so nutzte Witkowski die Pause, um an seine Spielerinnen zu appellieren, konzentriert zu bleiben und den Vorsprung nicht aus der Hand zu geben. Auf der anderen Seite hielt Yvonne Ekroth ihre Schützlinge zu mehr Biss an, da mit einem Ausgleichstreffer die Partie wieder völlig offen gewesen wäre.

Ein erster Schuss von Stina Blackstenius aufs Tor verpuffte, weil niemand zur Stelle war, um ihn ins Netz zu lenken. Sechszehn Minuten nach Wiederanpfiff vergab Schweden eine weitere Chance. Dieses Mal war Filippa Angeldal der Unglücksrabe, der nur die Latte traf. Auf der gegenüberliegenden Seite blieb Ewa Pajor ein steter Gefahrenherd und erhielt einige gute Vorlagen von ihren Mitspielerinnen. Ein akrobatischer Fallrückzieher ging am Tor vorbei.

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Schweden gab zu keinem Zeitpunkt auf, doch die Polinnen behielten die Nerven und verteidigten ihren 1:0-Vorsprung. Nach dem Schlusspfiff brachen sich Erleichterung und Freude auf der polnischen Bank und bei den Spielerinnen Bahn. Die schwedische Delegation war naturgemäß enttäuscht, doch allein das Erreichen des Finales war schon eine große Leistung gewesen, die Trost spenden konnte. Die polnischen Jungstars präsentierten stolz ihre Trophäe und genossen den ersten europäischen Titel einer Elf ihres Landes seit der U19-Europameisterschaft der Männer 2001.

„Polen blieb bis zur letzten Sekunde konzentriert“, analysierte die technische Beobachterin der UEFA, Béatrice von Siebenthal. „Sie behielten ihre Abwehrordnung bei und waren stets wach, auch wenn Schweden etwas Pech hatte mit den Aluminiumtreffern – letztendlich ist Polen ein verdienter Sieger. Sie verfügten über einen sehr guten Teamgeist, waren extrem stark bei zweiten Bällen – die sie allesamt für sich entscheiden konnten –, haben im Angriff gut zusammengearbeitet, und sie haben mit Ewa Pajor eine herausragende Spielerin. Aber sie ist nicht der alleinentscheidende Faktor: Sie sind ein starkes Team und spielen ihre Stärken gut aus.

Vielleicht kommt der [polnische] Titelgewinn für einige überraschend – meinem Eindruck aus Gesprächen mit dem polnischen Trainer und seinem Betreuerstab nach aber keineswegs für sie selbst. Schweden hat nie aufgegeben und in der zweiten Halbzeit gut reagiert; sie haben aus der ersten Hälfte gelernt und sich besser auf die Situation eingestellt. Letzten Endes bestand zwischen den beiden Mannschaften kein großer Unterschied.”

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2013/technical-report/the-final/index.html#das+endspiel