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Diskussionspunkte

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Belgien war zum ersten Mal bei einer U17-Frauen-EM-Endrunde dabei ©Sportsfile

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Nyon – seit 2008 Austragungsort der Endrunde der UEFA-U17-Frauen-Europameisterschaft – bot auch 2013 eine würdige Kulisse für das Turnier, das dieses Jahr zum letzten Mal in der Schweizer Stadt am Genfersee ausgetragen wurde.

Die UEFA hat aufgrund des Aufschwungs im Frauenfußball und der erfreulichen Fortschritte auf U17-Ebene entschieden, die Endrunde fortan in ganz Europa auszutragen – wobei England Ende Jahr den Anfang macht – und das Teilnehmerfeld auf acht Teams zu erhöhen. Dieser Schritt ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass immer mehr Frauenteams auf U17-Stufe an die Spitze drängen – was die Endrunde 2013 mit drei neuen Teams und einem neuen Europameister verdeutlicht hat.

Jetzt, wo der Wettbewerb weiterzieht, ist es an der Zeit, Nyon als idealen Austragungsort für die Anfangsjahre zu würdigen. „Unser Dank gebührt der UEFA“, so der spanische Trainer Jorge Vilda. „Die Organisation war bei jedem Turnier perfekt, die Infrastruktur hervorragend. Von den Hotels bis zum Rasen war alles optimal. Wir sind der UEFA zu Dank verpflichtet, auch dank ihr war es ein wunderbares Turnier.“

Neulinge
Drei neue Teams gesellten sich in Nyon zum Dauergast Spanien. Daran sieht man, dass sich in Europa die Bemühungen der Nationalverbände in Sachen Frauenfußballförderung, unterstützt durch die UEFA mit ihrem Frauenfußball-Entwicklungsprogramm (FFEP), bezahlt machen.

„Es ist sicher kein Zufall, dass sich neue Mannschaften für die Endrunde qualifizieren konnten“, so Béatrice von Siebenthal, technische Beobachterin der UEFA. „Dies zeigt, dass in Europa hervorragende Arbeit geleistet wird und in vielen Ländern in den Frauenfußball investiert wird. Optimale Strukturen konnten geschaffen werden – das ist das Ergebnis von harter Arbeit in den Verbänden und im Juniorinnenbereich.“

Lernprozess
Es ist erwiesen, dass sich junge Spielerinnen, die an einer U17-Endrunde teilnehmen, nicht nur fußballerisch weiterentwickeln. Die Möglichkeit, mit Spielerinnen aus anderen Ländern und Kulturen in Kontakt zu kommen, bringt sie auch persönlich weiter und lässt einen Kindheitstraum wahr werden. Spieler- und Trainerinnen sahen dies genauso: „Es war wichtig, hier zu sein und diese beiden Partien zu bestreiten, auch wenn wir verloren haben“, so die Belgierin Lola Wajnblum. „Wir werden daran wachsen und uns weiterentwickeln.“ Teamkollegin Valentine Hannecart fügte an: „Man schaut sich die Spiele im Fernsehen an und sagt sich: Dort will ich später auch mal hin. Später ist aber bereits heute, im Alter von 17 Jahren!“

Für die Schwedin Anna Oskarsson war die Endrunde „etwas, wovon ich schon als kleines Mädchen geträumt habe: die Teilnahme an einem EM-Endspiel. Dies bereits im Alter von 17 Jahren erreicht zu haben, ist toll.“ Die belgische Übungsleiterin Joëlle Piron wies darauf hin, dass viele junge Spielerinnen ihre ersten Erfahrungen im Umgang mit den Medien machen. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht die letzte Endrunde dieser jungen Frauen sein wird – die Erfahrung ist unbezahlbar, unabhängig vom sportlichen Ergebnis.

Stolz der Trainer
Für die vier Trainer war die Endrunde der letzte Schritt auf dem Weg zum Erfolg, haben sie doch die jungen Spielerinnen umsichtig an eine fußballerische Zukunft herangeführt. Béatrice von Siebenthal sprach während des Turniers mit den vier Übungsleitern: „Sie sind alle sehr stolz auf das Erreichen der Endrunde, und sie alle fanden, die Eliterunde sei sehr schwierig gewesen, was zeigt, dass die Qualität im Frauenfußball auf dieser Ebene weiter gestiegen ist.“

„Mehr als vier Teams hätten die Qualität für die Endrundenteilnahme gehabt. Die jungen Spielerinnen befinden sich in einer frühen Phase ihrer nationalen und internationalen Karriere. Sie werden von ihren Trainern begleitet, die dies mit Stolz tun und sich freuen, mit den Spielerinnen zusammenarbeiten zu dürfen.“

©Sportsfile

Erfolgreiche Bemühungen
Kurz nach der Endrunde fand in Schweden die UEFA Women’s EURO statt – und es bestand kein Zweifel daran, dass dieses Turnier die jungen Frauen auf U17-Ebene mitreißen, aber auch dem Frauenfußball als Ganzes einen weiteren Schub verleihen würde. Die jungen Spielerinnen sehen Europas Topfußballerinnen in Aktion – Vorbilder und Idole entstehen – und können sich Ziele setzen und sehen, was sie selbst noch erreichen können.

Zudem wird sich der polnische Triumph in Nyon positiv auf das ganze Land auswirken. „In Polen wurde viel über das Turnier geschrieben“, erklärte von Siebenthal. „Das Interesse war riesig, viele Leute schauten zu – das wirkt sich auf die jungen Spielerinnen aus. Sie haben ein Ziel vor Augen und wissen, dass sie etwas erreichen können, wenn sie bereit sind zu investieren.“

Ewelina Kamczyk, Polens Heldin im Endspiel gegen Schweden, fügte an: „Ich glaube, wir haben etwas Großes vollbracht, und ich denke, die Weiterentwicklung des Frauenfußballs wird sehr wichtig sein. Unser Sieg wird den Frauenfußball in Polen einen weiteren Schritt nach vorne bringen.“

Arbeit zahlt sich aus
Die Teilnehmer der Endrunde 2013 konnten die Früchte ihres Engagements und der Förderung des Frauenfußballs vom Breiten- bis zum Spitzensport ernten. Polen hat gut strukturierte Juniorinnen-Ligen und Nachwuchszentren aufgebaut. In Schweden funktioniert die Zusammenarbeit mit den Vereinstrainern sehr gut, und auch ein Talentförderungsprogramm wird erfolgreich umgesetzt. In Spanien wurde vor einigen Jahren eine Arbeitsgruppe geschaffen, die sich auf das technische Niveau des Frauenfußballs konzentriert, während ranghohe Funktionäre des Königlichen Belgischen Fußballverbands die jungen Frauen vor Ort in Nyon unterstützten. Die vier Endrundenteilnehmer sind das perfekte Beispiel dafür, was herauskommen kann, wenn man bereit ist, zu investieren.

©Getty Images

Chapuisats wertvoller Rat
Der Botschafter der Endrunde 2013, die Schweizer Fußballlegende Stéphane Chapuisat, spielte 103 Mal für die Schweizer Nationalmannschaft und gewann mit Borussia Dortmund die UEFA Champions League. Vor dem Turnier gab er den jungen Spielerinnen einige wertvolle Ratschläge im Hinblick auf eine erfolgreiche Karriere mit auf den Weg.

„Oft schaffen nicht die talentiertesten Spieler den Durchbruch, sondern die, die es am meisten wollen. Diejenigen, die mit Leidenschaft bei der Sache sind und alles für den Erfolg geben. Sie haben größere Chancen als die Spieler, die aufgrund ihres Talents glauben, dass alles von alleine geht. Das Wichtigste für junge Spieler sind gute Strukturen, gute Trainer und regelmäßige Einsätze – damit man das Gelernte umsetzen kann. Spielpraxis und Erfahrung sind unglaublich wichtig.“

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2013/technical-report/talking-points/index.html#diskussionspunkte