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Der Weg ins Endspiel

Der Weg ins Endspiel

Freudige Erwartung lag in der Luft bei der Endrunde der UEFA-U17-Frauen-Europameisterschaft, nachdem sich alle vier Teilnehmer dank exzellenter Ergebnisse in der Qualifikationsrunde für das Turnier qualifiziert hatten.

In der zweiten Hälfte waren die Polinnen wacher, sie gewannen alle umkämpften Bälle. Ewa Pajor war stets ein Gefahrenherd und hat ein wunderschönes Tor geschossen
Béatrice von Siebenthal

Die belgische Trainerin Joëlle Piron unterstrich allerdings auch den Lerneffekt der Reise nach Nyon: „Die Spielerinnen werden hier ihre Reifeprüfung ablegen. Sie werden mit jeder Menge mentalem Druck fertig werden müssen, da ganz Europa auf sie schaut. Wir können aus dieser Erfahrung nur lernen und gestärkt daraus hervorgehen.“ Neben den fußballerischen Aspekten werde den Spielerinnen auch der Kontakt mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern und mit anderen Kulturen zugutekommen, fügte sie hinzu.

Die Belgierinnen, die in der zweiten Qualifikationsrunde Titelhalter Deutschland aus dem Rennen geworfen hatten, gingen selbstbewusst in die Halbfinalbegegnung mit Polen; allerdings gewannen die Osteuropäerinnen dank ihrer Physis, ihres guten Zusammenspiels und ihrer Entschlossenheit immer stärker die Oberhand. In der 25. Minute, nach einer hohen Freistoßflanke von Anna Rędzia, fiel der Ball Katarzyna Konat vor die Füße, die aus einer Drehung heraus aus kurzer Entfernung einnetzen konnte. Die Führung war jedoch nicht von langer Dauer, denn Tine De Caigny erzielte nach Ecke von Shayna Raekelboom mit einer Kopfball-Bogenlampe umgehend den Ausgleich.

©Sportsfile

In der zweiten Halbzeit ging Polen abermals in Führung. Kurz nach der Pause setzte sich Paulina Dudek an der Strafraumecke durch. Ihren ersten Schuss konnte die belgische Torfrau Diede Lemey noch mit einer herausragenden Parade abwehren, doch der Nachschuss saß und es stand 2:1. Den Schlusspunkt setzte dann 13 Minuten vor dem Ende die quirlige Stürmerin Ewa Pajor, indem sie zunächst die Torhüterin versetzte und dann in aller Ruhe zum 3:1 einschob.

In der zweiten Hälfte waren die Polinnen wacher, sie gewannen alle umkämpften Bälle. Ewa Pajor war stets ein Gefahrenherd und hat ein wunderschönes Tor geschossen”, so die Einschätzung der technischen Beobachterin der UEFA, Béatrice von Siebenthal. „Polen hat stark verteidigt, stand kompakt und spielte diszipliniert, jede half jeder. Sie versuchten, mit langen Bällen die gegnerische Abwehr zu überwinden und waren auch bei Standards gefährlich. Als Gegner musst du da ständig konzentriert bleiben, kannst dich nie ausruhen.“

Im zweiten Halbfinale mussten die Spanierinnen, die den Wettbewerb 2010 und 2011 gewonnen hatten, feststellen, dass Fußball auch brutal sein kann. Sie waren feldüberlegen und verzeichneten 21 Torschüsse – gegenüber drei der Schwedinnen. Doch die Skandinavierinnen, deren Trainerin Yvonne Ekroth vor dem Turnier immer wieder gesagt hatte, dass sie nichts zu verlieren hätten und einfach ihr Bestes geben würden, verteidigten tapfer und beeindruckten mit rasanten Gegenstößen.

„Mehr Effizienz kann man sich als Coach nicht wünschen”, urteilte Béatrice von Siebenthal. Die starke Nahikari García brachte Spanien in der 26. Minute mit einem raffinierten Heber in Führung, bevor Stina Blackstenius kurz darauf eine von der Torauslinie flach an den kurzen Pfosten aufgelegte Vorlage von Amanda Österwall nutzte, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Dann schlug die Stunde der Einwechselspielerinnen: Zunächst erzielte Jennifer Karlsson das 2:1 für Schweden, bevor Maddi Torre kurz vor Spielende mit einem Kopfball die Konkurrenten ins Elfmeterschießen schickte. Nachdem auf beiden Seiten vier der ersten fünf Versuche im Netz gelandet waren, vergab die Spanierin Nuria Garrote, bevor Schwedens Torhüterin Emma Holmgren ihre Elf ins erste U17-Frauen-Finale der schwedischen Fußballgeschichte schoss.

„Ich weiß, dass sie das gut kann, sie schießt für gewöhnlich die Elfer in ihrem Klub, allerdings hatte sie Schmerzen im Bein, von den vielen Abschlägen“, so Ekroth. „Aber sie hat einen starken Charakter, also habe ich mir gedacht, mach du’s, Emma, du hast alle Chancen, hier zur Heldin zu werden.“

„Torhüter brauchen bisweilen besondere mentale Fähigkeiten“, so von Siebenthal. „Es war eine besondere Situation; wenn man da das Gefühl hat, die eigene Torfrau besitzt diese mentale Stärke, dann sollte man das nutzen.“

„Die schwedische Taktik, sich auf die Abwehrarbeit zu konzentrieren, war goldrichtig“, fügte die technische Beobachterin hinzu. „Zudem hat das Umschalten von Verteidigung auf Angriff sehr gut funktioniert. Sie hatten das offenbar häufig trainiert. Für Spanien war es schwierig, zwischen die schwedischen Linien zu stoßen und in den Strafraum vorzudringen. Sie hatten ihre Torchancen, aber oft von außerhalb des Strafraums, was für Spanien eigentlich untypisch ist.“

Spaniens Trainer Jorge Vilda ergänzte: „Im Halbfinale haben wir gut gespielt, aber der Ball wollte einfach nicht reingehen.“ Allerdings erholten sich seine Schützlinge schnell von der Enttäuschung und ließen den Belgierinnen im Spiel um den dritten Platz nicht den Hauch einer Chance. Nach Eigentor von Laura Baetens und Treffern von Nahikari Garcìa sowie Spielführerin Maria Caldentey lagen die Ibererinnen zur Halbzeit bereits 3:0 vorn. Ein viertes Tor schoss Patricia Guijarro nach der Pause. „Die Spanierinnen beherrschen ihre Spielweise extrem gut – sie spielen einfach immer weiter, lassen den Gegner laufen und dann schalten sie einen Gang hoch und da ist der Treffer“, rekapitulierte Béatrice von Siebenthal.

„Sie stehen so gut, dass die ballführende Spielerin immer mehrere Anspielstationen hat, sind ballsicher und finden auch unter Druck Mittel und Wege. Und sie sind auf jeder Position richtig gut besetzt. Auch im Halbfinale wäre wohl ein spanischer Sieg keine Überraschung gewesen. Aber das macht den Fußball eben so unvorhersehbar...“

https://de.uefa.com/womensunder17/season=2013/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+endspiel