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DFB-Teamkoch Reiser: "Es muss auch mal Pommes geben"

Seit vier Jahren begleitet Bernhard Reiser als Koch die deutsche Frauen-Nationalelf. Dabei setzt er nicht nur auf Disziplin, sondern auch auf Emotionalität.

DFB-Teamkoch Bernhard Reiser achtet auf die Ernährung der DFB-Spielerinnen
DFB-Teamkoch Bernhard Reiser achtet auf die Ernährung der DFB-Spielerinnen ©Bettina Lenner/Sportschau.de

Seit vier Jahren begleitet Bernhard Reiser als Koch die deutsche Frauen-Nationalelf. Dabei setzt er nicht nur auf Disziplin, sondern auch auf Emotionalität.

In einem ist sich Bernhard Reiser sicher: "Die Ernährung wird im Frauenfußball noch nicht ernst genug genommen, aber in Zukunft wird sie immer mehr das Zünglein an der Waage sein, um Höchstleistungen aus den Spielerinnen herauszukitzeln."

Doch mit Disziplin allein kommt man nicht zum Erfolg, so das Credo des Würzburger Restaurantbesitzers, Ernährungsberaters und Dozenten an der Universität für Ernährung und Sport. Mit UEFA.com sprach der 47-Jährige über die Lieblingsgerichte der DFB-Spielerinnen, Kardinalfehler  und den Faktor Emotionalität.

UEFA.com: Herr Reiser, wie kommt man als Koch zum DFB?
Bernhard Reiser:
Es gab zwei Verbindungen: Zum einen doziere ich an der Uni für Ernährung und Sport. Man weiß heute, dass man über Ernährung und die Psyche noch ein paar Prozent herausholen kann, denn physisch ist eine Leistungssteigerung kaum mehr machbar. Zum DFB bin ich über Arno Schimpf [früher DFB-Teampsychologe] gekommen, der das Thema Ernährung großgeschrieben hat, denn bei den jungen Spielerinnen herrscht noch viel Unwissenheit oder Halbwissen.

UEFA.com: Worauf kommt es denn vor allem an?
Reiser:
Der erste Fehler ist schon, dass viele nicht einmal wissen, wie sie zusammengesetzt sind. Wie hoch ist der Fettanteil, wie hoch der Muskelanteil, wie hoch der Kalorienverbrauch? Das ist die Grundformel, die man kennen muss. Wichtig ist dann, vor allem die Verdauungszeiten zu kennen. Wenn ich drei Stunden vor dem Spiel einen Salat mit einem schwer verdaulichen Dressing aus viel Öl zu mir nehme, dann ist das kontraproduktiv, denn das Öl hat viele Kalorien, belastet den Körper und geht nicht rechtzeitig zum Spiel in den Stoffwechsel über.

UEFA.com: Was sollen die Spielerinnen denn am Sonntag vor dem Spiel gegen Italien essen?
Reiser:
Zum Match Meal einfache Kohlenhydrate, wie Nudeln, Pfannkuchen und einfache Zucker wie Nutella, Marmelade oder Honig, keine Vollkornprodukte. Wir achten darauf, dass das Verhältnis von Kohlenhydraten und Eiweiß stimmt, also gibt es auch ein paar Garnelen oder auch Hühnchenfleisch. Wenn wir am Sonntag ein Spiel haben, wird schon am Samstag der Grundstein gelegt. Ich koche dann Essen, das die Spielerinnen gerne essen, denn dann essen sie auch ein bisschen mehr davon.

UEFA.com: Sie kochen hier in Schweden also auch selbst?
Reiser:
Die Hotels bekommen von mir im Vorfeld eine Anforderungsliste, aber ich bin immer mit in der Küche. Denn ich bin auch für die emotionale Komponente zuständig. Gerade bei einem Turnier und nach einer langen Vorbereitung wollen die Spielerinnen auch einfach mal ein Wurstbrot, einen Griesbrei, gesalzene Cashewkerne oder etwas Asiatisches. Die Dinge mache ich, wenn jemand mal einen besonderen Wunsch hat.

UEFA.com: Die Spielerinnen dürfen also auch zu Ihnen kommen, wenn sie Pommes, Gyros oder eine Pizza haben wollen?
Reiser:
Nur mit Disziplin kann man emotional vom Kopf her nichts raus holen. Es muss auch mal den Burger geben, es muss auch mal Pommes oder Pizza geben, das ist alles nichts Schlechtes. Schlecht wäre es ja nur, wenn ich mich ausschließlich davon ernähren würde. Emotionalität beim Essen ist ein vernachlässigtes Feld. Es macht auch mehr Spaß, zusammen zu essen. Wenn ich mit Freude, Genuss, und gesunder Lebenseinstellung mit anderen Menschen esse, bin ich definitiv besser drauf.

UEFA.com: Welches sind denn die Lieblingsgerichte der deutschen Spielerinnen?
Reiser:
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Aber wenn ich Kartoffelpüree mache und es dazu noch Spinat und Lachs gibt, erreiche ich schon die meisten Spielerinnen. Aber es mag zum Beispiel nicht jede Spielerin Fisch, so dass mein Konzept auf einer breiten Auswahl an Speisen fußt.

UEFA.com: Nehmen den alle Spielerinnen bereitwillig ihre Tipps entgegen?
Reiser:
Die Spielerinnen sind sehr interessiert, aber es ist klar, dass eine 18-Jährige anders mit dem Thema Ernährung umgeht als eine 30-Jährige, die einen anderen Zugang zu ihrem Körper hat. Man muss die jungen Spielerinnen Schritt für Schritt heranführen. Obwohl ich Koch bin und in der Sterne-Gastronomie arbeite, habe ich mich mit 18 auch nicht nur für Essen interessiert. Mein Konzept ist, dass vor allem auch spielerisch rüberzubringen und jeden Typus ein bisschen zu kennen.