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Lyon feiert den Titelgewinn ©AFP/Getty Images

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Drei Titel in Folge sind kein Zufall. Olympique Lyonnais zementierte seinen Status als Spitzenmannschaft im europäischen Klubfußball, während der VfL Wolfsburg mit dem bitteren Beigeschmack nach Hause fahren musste, erneut ein Finale gegen den Klub verloren zu haben, der die Deutschen schon im Endspiel der UEFA Women's Champions League 2016 bezwungen hatte. Aufgrund der so fundierten Hierarchie kam beim Finale in Kiew erneut die Frage auf, was andere Klubs tun könnten, um die Elite herauszufordern. Monika Staab, Mitglied im Team der Technischen Beobachter der UEFA, sagte am Tag nach dem Endspiel: "Zunächst einmal hat das Spiel gezeigt, dass kein anderes Team mit der Bank von Lyon mithalten kann." Jarmo Matikainen fügte hinzu: "Teams wie Barcelona und Manchester City haben es sich vorgenommen, oben anzugreifen. Aber auf dem Platz sehen wir unter anderem, dass viele Teams das hohe Pressing nicht gewohnt sind und kein Rezept dagegen finden. Wenn man die besten Teams herausfordern will, muss man dafür Lösungen finden. Vielleicht liegt das Problem darin, dass viele Mannschaften in ihren Ligen nicht mit dieser Spielweise konfrontiert werden."

Pressing als Waffe

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Szene aus dem Halbfinale zwischen Lyon und Manchester City

Nachdem Lyons bedingungsloses Pressing in den ersten Runden Gegner an den Rand der Verzweiflung getrieben hatte, war es für die Französinnen auch ein Schlüsselfaktor in der entscheidenden Phase des Wettbewerbs. Im Halbfinale gegen Manchester City - um nur ein Beispiel zu nennen - eroberte das Team von Reynald Pedros auswärts 27 Mal den Ball in der Hälfte des Gegners. Im Heimspiel stieg diese Zahl sogar auf 29. City konnte dem nur elf beziehungsweise acht Balleroberungen entgegensetzen. Der Technische Beobachter der UEFA in Lyon analysierte: "City hatte Probleme, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Oft wurde ein Fehlpass erzwungen, wenn sie versuchten, sich aus der Situation zu befreien." City selbst hatte in der Runde zuvor gegen Linköping mit hohem Pressing dem Gegner viele Probleme bereitet. Monika Staab hatte dabei beobachtet: "Linköping hat vorne keinen Druck erzeugt, dadurch machte man City das Leben beim Spielaufbau einfacher." Die Statistiken weisen darauf hin, dass Citys hohes Pressing gegen die technisch starken Spielerinnen von Lyon weniger erfolgreich war. Die Bedeutung von technischen Fertigkeiten in engen Spielsituationen wurde in Lyons Viertelfinale gegen den FC Barcelona offensichtlich, als die Französinnen ebenfalls viele frühe Ballgewinne verzeichnen konnten. Doch die Spanierinnen hatten ein so hohes Niveau am Ball, dass die Mannschaft von Fran Sánchez weiter mit Selbstvertrauen und Ruhe spielte, auch wenn Lyon bedingungslos ins Pressing ging. "Sie hatten gute Verbindungen zwischen den Linien", merkte Jarmo Matikainen an. "Lieke Martens war besonders gut darin, sich fallen zu lassen und als Anspielstation bereit zu stehen."

Wolfsburg setzte weniger auf hohes Pressing und beschränkte sich darauf, dieses Mittel nur in bestimmten Situationen einzusetzen. Nur im Endspiel wurde es konsequent angewandt. Im Halbfinale setzte man auf einen konservativeren Ansatz gegen Chelsea, welches "den Ballbesitz mit geduldigem Aufbauspiel dominierte, um den Gegner in ein Pressing zu locken". Ein interessanter Aspekt im Viertelfinale zwischen Slavia Praha und Wolfsburg bestand darin, dass beide Teams beim Hinspiel in Deutschland auf hohes Pressing bauten. Die Tschechinnen konnten die hohe Intensität aber nicht über 90 Minuten durchhalten und die Bemühungen in der ersten Halbzeit wurden dadurch zersetzt, dass Wolfsburg Lücken zwischen den Linien fand und sich so dem Pressing entzog. Slavia wollte bei eigenem Ballbesitz über die Innenverteidigerinnen aufbauen, war aufgrund des hohen Pressings der Gastgeber aber zu langen Bällen gezwungen und spielte damit in die Karten von Wolfsburg, die im Mittelfeld zu leichten Ballgewinnen kamen. Im Rückspiel setzte Trainer Pavel Medynsky auf ein aggressives, aber tieferes Pressing im Mittelfeld, was es seiner Mannschaft erlaubte, kompakter zu verteidigen. So kam man zu einem achtbaren Unentschieden gegen den späteren Finalisten. Im Finale eroberte Lyon in der gegnerischen Hälfte nur 13 Mal den Ball, Wolfsburg brachte es auf elf Mal.

"Insgesamt glaube ich, dass die Ballbesitzqualitäten von Mannschaften nicht gut genug waren, um sich gegen hohes Pressing zu befreien", erklärte Jarmo Matikainen. "Die Mannschaften müssen Wege finden, um nicht nur lange Bälle zu finden. Zumindest sollten sie Methoden entwickeln, damit die Option des langen Balles effektiver wird." Anja Palusevic meinte: "Wolfsburg hatte eine klare Strategie. Das Spiel wurde nur von hinten aufgebaut, wenn man sich keinem Pressing entgegensah. Falls der Gegner Druck ausübte, sah der Plan B meist so aus, dass Nilla Fischer einen langen Diagonalball auf die Flügel spielte." Carolina Morace fügte hinzu: "Ich denke, wir sollten anerkennen, dass der lange Pass auf die Flügel ein zuverlässiges Mittel ist. Dazu kommt, dass bei einem hohen Pressing auch gewährleistet sein muss, dass die defensiven Mechanismen gut strukturiert sind, damit die Mannschaft die Ordnung behält."

Zurück zu den Basics

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Montpelliers Passstatistiken waren beeindruckend

"Als Trainer ist es einfach, die Bedeutung der Basics zu übersehen", so Hope Powell. "Wenn man eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufbauen will, muss man die Zeit im Training investieren, um die erste Ballberührung und die Körperpositionierung dabei zu verfeinern. Selbst auf diesem Niveau reden wir darüber, wie viele Pässe nicht ihr Ziel finden. Oft liegt es an den einfachen Dingen." Dazu dient folgende statistische Referenz: Lyon spielte während des Viertelfinals gegen Barcelona im Heimspiel 564 Pässe, davon kamen 80 Prozent an (der Ball landete beim Mitspieler und nicht beim Gegner). Barcelona verzeichnete 524 Pässe mit einer Genauigkeit von 81 Prozent. In Hin- und Rückspiel des Halbfinals gegen Manchester City verteilten die Spielerinnen von Lyon 1 033 Pässe mit einer Erfolgsquote von 83 Prozent (922 und 81% für City). Im Gegensatz dazu steht der Wert von 72 Prozent von Montpellier im Heimspiel gegen Chelsea. Die Engländerinnen brachten im Halbfinale gegen Wolfsburg von 832 nur 73 Prozent ins Ziel. Wolfsburg brachte es auf 829 Pässe und einer Genauigkeit von 73 Prozent. Im Endspiel lag die Passquote von Wolfsburg bei 75 Prozent und von Lyon bei 79 Prozent.

Nur zum Vergleich: Die Herren-Finalisten Real Madrid und Liverpool hatten einen Saisondurchschnitt von 89 bzw. 84 Prozent. Der Schnitt bei den 32 Teams der Männer lag bei 85 Prozent.

Carolina Morace stellte fest: "Dies hängt mit dem Punkt zusammen, den wir vorhin schon erwähnt haben, weil einige Spielerinnen Probleme haben, einen präzisen langen Ball zu spielen. Wenn wir Teams wollen, die attraktiven Fußball spielen, dann müssen wir die Spielerinnen richtig trainieren und an ihrer Agilität und flüssigen Bewegungen arbeiten." Jarmo Matikainen sagte: "Bei der EURO 2017 waren wir von den Top-Athletinnen beeindruckt und wir müssen diesen hohen Standard auch auf den Vereinsfußball übertragen. Wenn es darum geht, auf dem höchsten Level wettbewerbsfähig zu sein, müssen wir fragen, wie es um die Voraussetzungen in den nationalen Ligen bestellt ist und welche Art von Herausforderungen anstehen, wenn die Teams in der Champions League antreten."

Moraces Bemerkung bezüglich der langen Bälle werden von den Statistiken belegt. Von Lyons 564 Pässen im Heimspiel gegen Barcelona waren lediglich zwei Prozent über eine längere Distanz. Bei den Gästen lag der Wert bei 4,6 Prozent. In beiden Halbfinals zwischen Lyon und Manchester City lagen die Werte zwischen sechs und sieben Prozent. Auf der anderen Seite gab es im Halbfinale zwischen Chelsea und Wolfsburg Zahlen, die den Parametern des Männer-Wettbewerbs ähneln, denn beide Teams brachten es auf zweistellige Werte. Im Endspiel lag der Anteil von langen Pässen bei Wolfsburg bei acht Prozent, bei Lyon waren es sechs Prozent. Sucht man nach Vorzeigespielerinnen hinsichtlich langer Pässe, sollte man sicherlich bei Wolfsburgs Nilla Fischer und Stephanie Houghton von Manchester City beginnen.

In allen Formen und Größen

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Lyon hielt Barcelona im Viertelfinale in Schach

Strukturelle Flexibilität war unter den Topteams die Regel und nicht die Ausnahme. Linköping wechselte gegen Manchester City zwischen 1-4-4-2 und 1-4-2-3-1; Montpellier startete im 1-4-4-2 gegen Chelsea und versuchte es nach Rückstand mit einem 1-3-5-2. Derweil stieg Chelsea im Heimspiel gegen Wolfsburg vom gewohnten 1-3-4-3 um auf ein 1-4-2-3-1; Slavia Praha konnte sowohl im 1-4-2-3-1 als auch im 1-4-4-1-1 spielen. Wolfsburg blieb eigentlich dem eingespielten 1-4-2-3-1 treu, phasenweise agierte man gegen Slavia aber auch im 1-4-4-2. Barcelona behielt das 1-4-4-2 bei, auch Lyon agiert in dieser Formation, wechselte aber ins 1-4-1-4-1, um den Vorsprung gegen Barcelona über die Runden zu bringen. Im Halbfinal-Rückspiel gegen Manchester City wurde im 1-4-3-3 gespielt, dabei hatte Camille Abily viel Freiraum hinter den beiden Angreiferinnen Ada Hegerberg und Eugénie Le Sommer. Der Wechsel auf die Raute brachte nicht nur eine Dominanz im Mittelfeld, sondern öffnete auch Räume auf den Flügeln, wo die Außenverteidigerinnen sich effektiv mit einschalten konnten.

Die Formationen wurden also oftmals den Eigenschaften der Gegner angepasst. Es lässt sich darüber diskutieren, inwiefern diese Wechsel angebracht sind, wenn man im Gegensatz dazu die Philosophie von Zinédine Zidane bei Real Madrid betrachtet: "Unser Spiel verändert sich nicht und ist unabhängig vom Gegner. Wir informieren unsere Spieler nur über die individuellen Eigenschaften des Gegners, um sie auf spezifische Lösungen dafür aufmerksam zu machen."

Weniger offensichtlich als die strukturellen Veränderungen war positionsabhängige Flexibilität. Bei Wolfsburg sticht das Beispiel von Alexandra Popp heraus, die abwechselnd als zentraldefensive Mittelfeldspielerin und einer deutlich offensiveren Rolle agierte, als Vorzeigebeispiel aber dient vor allem Lyon. Aufgrund der hohen Dichte an erstklassigen Spielerinnen hatte Reynald Pedros viele Optionen. "Ich muss vor Lyon meinen Hut ziehen", gestand Jarmo Matikainen, "weil die Spielerinnen ihre Rollen so nahtlos wechselten. In Barcelona wurde das Team durch wichtige Positionswechsel stabilisiert, was zu weiteren Problemen für den Gegner führte. Die Mannschaft war gesegnet mit vielen Optionen. Gesehen haben wir das auch im Endspiel, als Shanice van de Sanden ins Team kam und gegen zehn Spielerinnen über die rechte Seite viel Tempo einbrachte. Wir haben alle gesehen, welch großen Einfluss sie auf das Spiel hatte."

Die meisten Teams waren hinsichtlich positioneller Flexibilität eher starr. "Ich glaube, manche Klubs sind in ihren nationalen Ligen so dominant, dass sie keine Notwendigkeit sehen, etwas zu verändern", so die Einschätzung von Anja Palusevic. "Ich habe dieses Element der Freiheit innerhalb eines Spielsystems vermisst. Und ich glaube, dass es ein gewisses Maß an Flexibilität erfordert, wenn man auf diesem hohen Niveau spielt."

Flügel ausbreiten

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Lyon Shanice van de Sanden

Die Tatsache, dass Shanice van de Sanden bei Lyon auf der Bank saß, war ein Beleg dafür, dass gelernte Flügelstürmer nicht mehr automatisch in die Startformation rutschen. Manchester City stellte die Ausnahme der Regel dar, denn Melissa Lawley (ursprünglich auf der rechten Seite) und Anita Parris waren schnelle und agile Flügelspielerinnen, die stets in der Lage waren, die Seiten zu wechseln. Mit ihren Qualitäten im Eins-gegen-Eins und dem ständigen Willen, hinter die Abwehr zu kommen, waren sie wichtige Bestandteile des Teams. Insgesamt gab es aber nur wenige 1-4-3-3-Formationen, was auf einen Trend hindeutet, dass Trainer eher auf leicht defensivere Mittelfeldspielerinnen anstelle von Flügelstürmerinnen setzen.

Carolina Morace sagte zu diesem Thema: "Ich persönlich hätte lieber mehr Offensivgeist in den 1-4-2-3-1-Formationen gesehen. Wir erwarten, Mannschaften zu sehen, bei denen die Außenverteidigerinnen mit nach vorne gehen, aber die Synchronisation der Bewegungen war nicht so stark. Und wenn man mit drei Innenverteidigerinnen spielt, haben die Mittelfeldspielerinnen auf den Außenbahnen viel Arbeit zu verrichten." Die Herausforderungen in der Ausbildung liegen darin, die Außenverteidigerinnen dahingehend zu schulen, dass sie sich ins Offensivspiel mit einbringen, ohne dabei defensive Kompromisse eingehen zu müssen. Auch in dieser Hinsicht war Lyon das Maß aller Dinge, insbesondere in Person von Lucy Bronze, die als Rechtsverteidigerin über außerordentliche Athletik verfügt, Angriffe unterstützt, Zweikämpfe gewinnt und gute Pässe spielt. Sie bereitete das Siegtor im Heimspiel gegen Barcelona vor und erzielte im Halbfinale das einzige Tor gegen ihren Ex-Klub Manchester City, als sie in die Mitte zog und einen sehenswerten Volley in die lange Ecke versenkte.

Felsen in der Brandung

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Wolfsburgs Almuth Schult

Gab es während der EURO 2017 noch Diskussionen über den Entwicklungsstand bei Torfrauen, präsentierte die UEFA Women's Champions League diesbezüglich eine hohe Qualität. Als innerhalb des UEFA-Teams in Kiew die Beobachtungen vorgetragen wurden, gab es eine allgemeine Übereinkunft, dass der Standard unter den Topteams im Wettbewerb höher ist. So wurde auf dieser Position bei der Wahl des Kaders der Saison lange debattiert, ehe man sich auf Barcelonas Sandra Paños und Wolfsburgs Almuth Schult einigte. "Die Torwarttrainer haben gute Arbeit geleistet", lobte Anja Palusevic. "Ich habe in dieser Saison viele Spiele von Wolfsburg gesehen und finde, dass Schult ein großartiges Beispiel ist. In all den Jahren habe ich eine tolle Entwicklung gesehen, was an der guten Arbeit im körperlichen und technischen Bereich liegt. Sie hat jetzt eine Ausstrahlung und eine Selbstbeherrschung, mit der sie einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Mannschaft leistet."

In Kiew kam auch zur Sprache, dass der Anteil an weiblichen Torwarttrainern noch eher gering war. Monika Staab mit einem Erklärungsversuch: "Viele Torfrauen werden zugeben, dass sie lieber einen männlichen Torwarttrainer haben, weil sie dank seiner Schusskraft mehr gefordert werden. Aber ich stimme dem Urteil von Anja bezüglich der geleisteten Arbeit zu. Man kann zum Beispiel auch beim Aufwärmen das professionelle Vorgehen gut beobachten. Ich denke, dass es heutzutage unerlässlich ist, Torfrauen zu entwickeln, die neben Paraden auch gute Pässe beitragen - sei es mit dem Fuß oder mit der Hand." Carolina Morace fügte hinzu: "Wir sollten ihnen helfen, die Entscheidungsfindung hinsichtlich eines ruhigen Spielaufbaus von hinten oder eines schnellen Gegenstoßes noch zu verbessern."

Die andere Seite der Medaille

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Auch Lyon war im Abschluss nicht immer zielstrebig

Impliziert Lob für Torhüter Zweifel an der Qualität der Abschlüsse? Auf der Zielgeraden des Wettbewerbs, je näher das große Finale von Kiew rückte, desto weniger Tore wurden erzielt. Zwar hatte Lyon die erfolgreichsten Torschützen des Wettbewerbs, aber das Muster der Treffer war erneut eher beunruhigend. In den ersten vier Spielen gab es 30 Tore, in den nächsten vier Partien nur vier. Anschließend folgten 97 torlose Minuten, gefolgt von vier Treffern in neun Minuten gegen nur zehn Spielerinnen. In der Vorsaison, damals noch trainiert von Gérard Prêcheur, erzielte Lyon in drei der letzten vier Spiele kein Tor - ebenso wenig wie im Endspiel von Cardiff. Nach drei Stunden des Halbfinals zwischen Manchester City und Lyon gab es lediglich ein Tor. Die Technischen Beobachter dazu: "Falls man Lyon etwas vorwerfen kann, ist es die Effizienz im letzten Drittel. Das Team hatte so viel Ballbesitz in vielversprechenden Bereichen des Platzes und spielte sich zahlreiche Chancen heraus..." In Sachen Ballbesitz hatte Lyon mit 54 und 59 Prozent zwar Vorteile gegenüber Manchester City, gegen Barcelona sprangen jedoch nur 51 Prozent heraus und im Finale gegen Wolfsburg waren es 53 Prozent.

Im Halbfinale gegen Manchester City lancierte Lyon 234 Angriffe, davon endeten 44 mit einem Schuss auf das Tor. City kam nur in sechs von 133 Angriffsversuchen zum Abschluss. Chelsea brachte gar nur zwölf Abschlüsse bei 183 Angriffen in beiden Spielen gegen Wolfsburg zustande, derweil kam der VfL auf 35 Schüsse in 204 Angriffsversuchen. Montpellier hätte bei deutlich besserer Chancenverwertung vielleicht noch mehr Schlagzeilen schreiben können. Von den 118 abgegebenen Schüssen gingen lediglich 39 auf das Tor.

Die Torquote war, zumindest oberflächlich gesehen, auf einem anständigen Niveau. In den zehn Qualifikationsgruppen gab es 237 Tore, was einem Schnitt von 3,95 pro Spiel entspricht (der Rückgang von 4,74 Toren pro Spiel in der vergangenen Saison könnte als positiver Trend in Sachen Ausgeglichenheit interpretiert werden). In der K.-o.-Runde bekamen die Zuschauer 212 Tore bei einem Schnitt von 3,48 Treffern pro Partie zu sehen. In der vergangenen Saison lag der Schnitt bei 3,21.

Zählt man die Gruppenspiele hinzu, kommen wir für die Saison 2017/18 auf 449 Tore bei einem Schnitt von 3,71 pro Partie.

Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Anzahl von Torschussversuchen, die für die besten acht Mannschaften des Wettbewerbs notwendig waren, um ein Tor zu markieren.

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In individueller Hinsicht hebt sich die Rekordausbeute von Lyons Ada Hegerberg mit 15 Treffern stark von der Saison 2016/17 ab, als niemand mehr als acht Tore markierte. Von ihren 53 Versuchen gingen 28 auf das Tor. Die zweitbeste Torschützin, Wolfsburgs Pernille Harder, verbuchte neben ihren acht Treffern auch sechs Vorlagen, während Lyons Camille Abily fünf Vorlagen lieferte und sechs Treffer selbst markierte. Bei Wolfsburg war Alexandra Popp für vier Tore und sechs Vorlagen verantwortlich, Caroline Graham Hansen brachte es auf fünf Vorlagen und zwei Treffer. Shanice van de Sanden beendete die Saison ohne Tor, aber mit sechs Vorlagen. Dies ist beeindruckend, schließlich war die niederländische Flügelstürmerin für Lyon lediglich 190 Minuten auf dem Platz.

FC Barcelona

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Chelsea LFC

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Linköpings FC

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Olympique Lyonnais

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Manchester City FC

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Montpellier HSC

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SK Slavia Praha

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 VfL Wolfsburg

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Von den 212 Toren in der K.-o.-Runde fielen 89 in der ersten Halbzeit, 118 im zweiten Durchgang. Dazu kamen noch die fünf Treffer in der Verlängerung des Endspiels in Kiew. Die Tatsache, dass die torreichste Phase nicht auf die letzten 15 Minuten fällt, ist ein Indiz dafür, dass die Fitnesswerte sich weiterhin verbessern. Auffällig ist auch, dass es lediglich ein Tor in der Nachspielzeit nach 90 Minuten gab, während 2016/17 noch elf Treffer in dieser Phase fielen.

Die 39 Tore ab den Viertelfinals repräsentieren nur einen kleinen Querschnitt. Aber während ein Drittel der Tore in dem gleichen Zeitraum der Saison 2016/17 nach Standardsituationen fielen, waren es 2017/18 nur noch 18 Prozent. Keine Tore wurden direkt oder indirekt nach Freistößen erzielt, was zu der Frage führt, ob die Entwicklung für diese spezielle Situation auf der Strecke geblieben ist. Nah an dieser Kategorie dran war lediglich ein Eigentor, als eine Spielerin von Chelsea einen Freistoß von Wolfsburg ins eigene Netz lenkte. Drei der Treffer nach Standardsituationen waren Elfmeter (2 für Manchester City, 1 für Chelsea), während die anderen vier Tore nach Ecken fielen. Dies bedeutet, dass es im Schnitt nur ein Tor für alle 35,5 Ecken gab. Immerhin wurde das Verhältnis im Vergleich zur EURO 2017 (1:76) halbiert. Alle vier Tore nach Ecken waren Kopfbälle. 

Betrachtet man die Tore aus dem Spiel heraus, wurden 58 Prozent davon über die Flügel eingeleitet und rund die Hälfte davon waren Pässe in den Rücken der Abwehr. Zwei fielen nach diagonalen Bällen in den Strafraum (Slavia Prahas Führungstreffer im Heimspiel gegen Wolfsburg und das zweite Tor der Wölfinnen im Heimspiel gegen Chelsea), der Rest nach Flanken. Es gab nur einen Treffer aus der Distanz (Pernille Harders Schuss zum 4:0 von Wolfsburg gegen Slavia). Hohe Ballgewinne waren von enormer Bedeutung. Chelseas Führungstreffer beim 2:0-Sieg in Montpellier entstand aus einer solchen Situation, gefolgt von einem direkten Pass in die Schnittstelle der Abwehr. Ein ähnliches Szenario brachte der Mannschaft von Emma Hayes das Führungstor im Heimspiel ein. Fran Kirby war frei durch, nachdem sie einen Querpass des Gegners abfangen konnte. Lyons Siegtor im Heimspiel gegen Barcelona entstand aus einem abgefangenen Befreiungsschlag, worauf Shanice van de Sanden eine ihrer typischen Pässe in den Rücken der Abwehr spielen konnte. Dies sollte sie im Endspiel wiederholen, so dass Lyon erneut ganz oben auf dem Podium stehen und den Titel-Hattrick in der UEFA Women's Champions League feiern durfte.

https://de.uefa.com/womenschampionsleague/season=2018/technical-report/technical-topics/index.html#technische+themen