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Der Weg ins Finale

Der Weg ins Finale
Stjarnans gute Saison endete im Achtelfinale gegen Slavia Praha ©Pavel Jiřík

Der Weg ins Finale

Ende August 2017 fiel der Startschuss, als zehn Qualifikationsgruppen in Form von Mini-Turnieren mit je vier Mannschaften ausgespielt wurden. Diese Anfangsphase des Wettbewerbs bot viel Unterhaltung: 237 Tore wurden verzeichnet, was einem Schnitt von 3,95 pro Partie entspricht. Die zehn Gruppensieger erreichten die K.-o.-Phase, zusammen mit dem FC Zürich, der sich als bester Zweitplatzierter durchsetzte. Die Auslosung ergab, dass der FCZ im Sechzehntelfinale auf Gintra Universitetas traf, wo sich der Klub aus Litauen dank eines 2:1-Sieges in der Schweiz für das Achtelfinale qualifizierte. Es gab nur eine andere Mannschaft, die ebenfalls über die Qualifikationsrunde bis ins Sechzehntelfinale vordringen konnte: Stjarnan aus Island, das mit 5:1 gegen Rossiyanka aus Russland gewann. Für beide Teams war danach Endstation, auch wenn Stjarnan eine starke Leistung abrief, als man mit insgesamt 1:2 gegen Slavia Praha verlor.

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Drew Spence trifft für Chelsea gegen Bayern

Besonders beachtlich war der 12:2-Heimsieg des VfL Wolfsburg gegen Atlético Madrid, das sich im Rennen um die spanische Meisterschaft immerhin gegen den FC Barcelona durchgesetzt hatte. Zur Halbzeit stand es bereits 8:1 und beim Schlusspfiff hatten zwölf der 14 Schüsse von Wolfsburg den Weg ins Netz gefunden. Anders war es in Montpellier, wo die Gastgeber trotz 32 Schussversuchen kein Tor markieren konnten. So sicherte sich Zvezda 2005 einen 1:0-Erfolg. Dieser wurde in Russland jedoch durch einen Doppelpack von Sofia Jakobsson zunichte gemacht. Glasgow City schaffte es nicht, sich von einer 0:3-Hinspielpleite gegen BIIK-Kazygurt zu erholen. Der Klub aus Kasachstan erreichte nach dem 1:4 dank der Auswärtstorregel die nächste Runde. Auch beim Duell zwischen Chelsea und dem FC Bayern mussten die auswärts erzielten Treffer entscheiden. Ein frühes Tor hatte den Londonern einen 1:0-Heimsieg eingebracht und im Rückspiel ging das Team von Emma Hayes dank Fran Kirby in Führung. In der Schlussphase drehte Bayern aber auf und gewann mit 2:1, was zum Weiterkommen aber zu wenig war. Insgesamt fielen in dieser Runde 107 Treffer. Es gab nur drei Unentschieden, nur vier Heimsiege in den Hinspielen und neun in den Rückspielen. Trotz des Schützenfestes in Wolfsburg fiel die durchschnittliche Anzahl an Toren pro Partie auf 3,34.

Im Achtelfinale ging die Torquote wieder nach oben, auch weil zwei französische Klubs zusammen 25 Treffer markierten. Ada Hegerberg war für acht der 16 Tore von Olympique Lyonnais gegen BIIK-Kazygurt verantwortlich, während Montpellier im Duell mit Brescia neun unterschiedliche Torschützinnen präsentieren konnte. Fiorentina sorgte beim 3:3 in Wolfsburg für ein starkes Ergebnis, trotzdem war für die italienischen Klubs in dieser Runde Endstation. Auch die meisten skandinavischen Klubs mussten die Segel streichen. Nur Linköping schaffte die Hürde, während Rosengård an Chelsea scheiterte, LSK gegen Manchester City verlor und Stjarnan von Slavia Praha ausgeschaltet wurde. Slavias Stadtnachbar Sparta war das Team, welches gegen Linköping unterlag. Mit dem 2:1 nach Hin- und Rückspiel verzeichnete Slavia den knappsten Sieg in dieser Runde, in allen anderen Duellen betrug der Unterschied mindestens drei Treffer. In den Hinspielen der Achtelfinals gab es nur einen Heimsieg (Chelsea setzte sich mit 3:0 gegen Rosengård durch) und das seltene Torverhältnis von 28:7 zugunsten der Auswärtsteams. Insgesamt fielen im Achtelfinale 66 Treffer, was einem Schnitt von 4,13 pro Partie entsprach.

Die Torflut setzte sich im Viertelfinale fort. Von den 27 Treffern fielen alleine zehn im Duell zwischen Manchester City und Linköping. Der schwedische Klub hatte sich für ein tiefstehendes 1-4-4-1 entschieden, nachdem Liza Lantz mit der Gelb-Roten Karte vom Platz geflogen war und dabei einen Elfmeter verursacht hatte. So konnte der Schaden in Manchester auf ein 0:2 begrenzt werden, doch im Rückspiel kassierte man schon in der ersten Halbzeit vier Gegentore. Nick Cushings Team hatte die Muskeln spielen lassen, doch nach der Pause ließ die Konzentration nach und der Mannschaft aus England unterliefen viele Fehlpässe, so dass Linköping noch Ergebniskosmetik betreiben konnte und auf 3:5 herankam.

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Wolfsburg jubelt gegen Slavia Praha

Slavia Prahas starke Saison wurde in Wolfsburg beendet, als die Gäste dem hohen Pressing der Wölfinnen lediglich lange Bälle entgegensetzen konnten. Wolfsburgs Defensive hatte damit überhaupt keine Probleme und auch nach dem Systemwechsel von Slavia zur Pause war Wolfsburg stets klar dominant. Als Belohnung gab es einen 5:0-Erfolg. Im Rückspiel agierte Slavia tapfer und konnte sich beim 1:1 achtbar aus der Affäre ziehen. Wolfsburg hatte eine auf vielen Positionen veränderte Elf ins Rennen geschickt und war in der Defensive nicht mehr ganz so dominant.

Montpellier hätte im Spiel gegen Chelsea vielleicht mehr verdient gehabt. Das Team aus Frankreich zeigte gute Kombinationen und war vor allem über die linke Seite brandgefährlich. Allerdings kassierte man in der zweiten Halbzeit zwei Kontertore und obwohl Montpellier das Tempo nochmals anziehen und einen direkteren Ansatz umsetzen konnte, wurde man nicht mit einem Tor belohnt. Auch im Rückspiel war das Spiel der Französinnen mit schnellen Angriffen, einem hohen Arbeitspensum und einer über weite Strecken aufmerksamen Verteidigung alles andere als enttäuschend, doch wieder hatte Chelsea den längeren Atem und gewann mit 3:1.

Barcelona reiste mit einem klaren Konzept nach Lyon. Der zu erwartenden Dominanz des Titelverteidigers wollte man konzentriertes Abwehrverhalten und Disziplin entgegensetzen. Zwar ging das Spiel verloren, doch beim 1:2 schoss man immerhin ein wichtiges Auswärtstor. Im Rückspiel wartete eine große Kulisse im Mini Estadi und die Spanierinnen blieben ihrem geduldigen Spiel treu, auch wenn OL mit hohem Pressing agierte und den Gegner zu langen Bällen zwingen wollte. Im Laufe des Spiels übernahmen die Gäste die Kontrolle und spielten Barcelona müde. Eine Standardsituation Mitte der zweiten Halbzeit brachte die endgültige Entscheidung zugunsten von Lyon.

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Lyons Lucy Bronze trifft gegen Manchester City

Danach wartete auf die Mannschaft von Reynald Pedros eine Neuauflage des Halbfinals aus der Vorsaison gegen Manchester City. OL wollte beim Auswärtsspiel keine Zweifel aufkommen lassen, wer über die bessere Spielanlage verfügt. So hatte man viel Ballbesitz in Citys Hälfte, gab sich geduldig und zeigte qualitativ ansprechende Kombinationen. Aber City setzte dem Geschwindigkeit, Intensität und ein über 90 Minuten konzentriertes Spiel entgegen. So kamen die Gäste nur selten zu Torchancen. Das Rückspiel verlief ähnlich. City konnte gegen OL, das auf ein 1-4-4-2 mit Raute im Mittelfeld umgestellt hatte, meist nur reagieren. Nachdem Ex-City-Außenverteidigerin Lucy Bronze schon früh ein sehenswerter Treffer zur Führung gelungen war, taten sich die Gäste schwer, Lyon in Schach zu halten. Vorstöße bis ins vorderste Drittel gab es nur selten. OL brachte den Vorsprung routiniert über die Zeit und zog nach dem 1:0 verdient ins Finale ein.

In London hatte Wolfsburg zunächst Probleme gegen das hohe und aggressive Pressing von Chelsea, aber mit fortlaufender Zeit wurden die Gäste dynamischer. Die Folge waren schöne Kombinationen, effektives Spiel über die Flügel und die Ausführung von einstudierten Standardsituationen. Auch Chelsea wusste auf sich aufmerksam zu machen, dennoch schien das Duell nach dem 3:1-Auswärtssieg der Wölfinnen bereits entschieden zu sein. In Wolfsburg stellte Chelsea auf 1-3-4-3 um (im Hinspiel war es ein 1-4-3-3), worauf Wolfsburg sehr gut die Lücken auf der Außenbahn ausnutzte. Die Gäste konzentrierten sich auf schnelle Angriffe über die linke Seite, aber hauptsächlich fand sich das Team aus England in der Defensive wieder. Wolfsburg hatte viele Chancen und nutzte davon zwei, während Chelsea kein Tor gelang. Also stand in der Endabrechnung für Wolfsburg ein 5:1 zu Buche und damit war das Ticket nach Kiew gelöst. Dort sollte es zu einer Neuauflage des Endspiels von 2016 gegen Olympique Lyonnais kommen.

https://de.uefa.com/womenschampionsleague/season=2018/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+finale