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Der Weg nach Cardiff

Der Weg nach Cardiff
Griedge M'Bock Bathy (Lyon) & Jill Scott (Manchester City) ©AFP/Getty Images

Der Weg nach Cardiff

Von den 36 Mannschaften, die im August 2016 an den Start gingen, manövrierten sich elf Teams ungeschlagen durch die Qualifikationsrunde. Aber nur die Sieger der neun Vierergruppen erarbeiten sich das Recht, an der K.-o.-Runde teilzunehmen, die im Oktober begann. In der Qualifikationsphase gab es 256 Tore, was einem Schnitt von 4,74 Treffern pro Spiel entspricht. Aber der Gesamt-Durchschnitt verzerrte ein vielschichtiges Bild. In der Gruppe 2 fielen 46 Tore und in der Gruppe 6 gab es beispielsweise nur 15 Treffer. Auch sonst muss man bei einigen Statistiken zweimal hinschauen. Ein Drittel der Teilnehmer brachten es auf einen Schnitt von mehr als 20 Torschüssen pro Partie – Breidablik (Island) und Medyk Konin (Polen) sogar auf 28 – aber auf dem anderen Ende der Skala konnten vier Mannschaften nur ein Zehntel dieses Durchschnitts vorweisen.

Drei Mannschaften, die sich erfolgreich durch die Qualifikationsrunde gekämpft hatten, übersprangen auch die Hürde in der ersten K.-o.-Runde. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass im Sechzehntelfinale der bosnische Meister SFK 2000 Sarajevo nur knapp mit 1:2 gegen den russischen Vertreter Rossiyanka ausschied und Medyk Konin gar nur aufgrund der Auswärtstorregel gegen Brescia den Kürzeren zog. Im Heimspiel hatte Medyk einen 1:3-Rückstand in einen 4:3-Sieg umgebogen, in Italien verlor man mit 2:3.

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BIIK spielte im Sechzehntelfinale gegen Verona

Zwei der drei erfolgreichen Qualifikanten hatten dann das Pech, im Achtelfinale auf die beiden späteren Finalisten zu treffen, während der von Tommy Stroot trainierte FC Twente wie schon in der Vorsaison am FC Barcelona scheiterte. Zwar feierte Paris Saint-Germain im Achtelfinale einen komfortablen Sieg gegen BIIK-Kazygurt, doch in der Runde zuvor hatte man mit Monica Knudens LSK Kvinner noch große Probleme gehabt. Die Elf von Patrice Lair benötigte einen 4:1-Erfolg in der französischen Hauptstadt, um eine 1:3-Pleite in Norwegen umzubiegen.

Die Resultate im Sechzehntelfinale fielen wie folgt aus: Es gab 16 Heimsiege, 10 Auswärtserfolge und sechs Unentschieden. Die Anzahl der durchschnittlichen Tore pro Spiel fiel auf 3,44, was auf ein ausgeglicheneres Kräfteverhältnis in dieser Phase des Wettbewerbs zurückzuführen ist. Gleichzeitig wurde die Anziehungskraft der UEFA Women's Champions League bei einem Spiel im San Mamés in Bilbao deutlich, als 9.127 Zuschauer den 2:1-Sieg von Athletic Club im Sechzehntelfinal-Hinspiel gegen Fortuna Hjørring sahen.

Im Achtelfinale trennte sich die Spreu vom Weizen dann doch recht deutlich. Sechs der acht Partien wurden mit einer Differenz von fünf Toren entschieden. Olympique Lyonnais zeigte sich überaus torhungrig und fertigte FC Zürich Frauen nach Hin- und Rückspiel mit 17:0 ab. Gleich zehn verschiedene Spielerinnen der Mannschaft von Gérard Prêcheur konnten sich in die Torschützenliste eintragen. In den umkämpfteren Begegnungen feierte Fortuna knappe Siege in Hjorring und Brescia und beförderte einen früheren Viertelfinalisten aus dem Wettbewerb, während Nick Cushings Manchester City WFC mit einem 2:1-Gesamterfolg über Brøndby IF Vereinsgeschichte schrieb und in die Runde der letzten Acht einzog. Das 1:1 in Dänemark war das einzige Unentschieden des gesamten Achtelfinals. Ansonsten gab es acht Heim- und sieben Auswärtssiege.

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Barcelona setzte sich gegen Rosengård durch

In den Viertelfinals ging es richtig zur Sache. Acht Spiele mit einer enorm hohen Intensität produzierten gerade einmal 13 Treffer. Barcelonas Xavi Llorens entschied sich im Spiel gegen Rosengård für ein 1-3-4-3, während die Mannschaft aus Schweden mit einem 1-4-4-2 auflief. Das Team aus Spanien übernahm die Kontrolle und gab das Tempo vor. Die Truppe von Jack Majgaard, die eine schwache Chancenverwertung an den Tag legte (keiner von zehn Torschüssen ging auf das Tor von Barcelona), erlebte gegen eine gut organisierte Defensive einen frustrierenden Tag und lief in den ein oder anderen Konter.

Der FC Bayern München hatte das Pech, ausgerechnet in einer Phase gegen Paris Saint-Germain antreten zu müssen, als mehrere Schlüsselspieler verletzungsbedingt fehlten. Während die Franzosen in München eine Reihe an Chancen ausließen, konnte Nicole Rolser einen hohen Ballgewinn verzeichnen und zwei Pässe später markierte Vivianne Miedema das einzige Tor des Spiels. Doch im Rückspiel war der Vorsprung schnell aufgebraucht. Das defensive 1-5-3-2 von Thomas Wörle kassierte drei Gegentore nach Freistößen und schenkte den vierten Treffer mit einem Fehler im Aufbauspiel her - so kam Paris mit einem 4:1 weiter.

Ein Freistoß läutete auch das Aus von Deutschlands anderem Vertreter ein. Camille Abily verwandelte einen ruhenden Ball direkt und brachte Olympique Lyonnais damit gegen Wolfsburg in Führung. Eine gute Kombination brachte dem französischen Team sogar noch ein zweites Tor und damit einen beruhigenden Vorsprung vor dem Rückspiel im eigenen Stadion. Wolfsburg warf nochmals alles in die Waagschale und kam dank eines späten Elfmetertreffers noch zum Sieg in Lyon, das vorzeitige Aus konnte man aber nicht mehr verhindern. Somit war im Halbfinale keine deutsche Mannschaft mehr vertreten - eine Seltenheit in der Frauen-Königsklasse.

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Carli Lloyd zeigte gegen Fortuna ihre Klasse

Im Viertelfinale gegen Hjorring hatte Manchester City im Auswärtsspiel die Oberhand, konnte die Abwehr von Fortuna aber nur einmal überwinden, als Neuzugang Carli Lloyd eine Flanke von der linken Seite verwertete. Das Rückspiel verlief ähnlich ab. City war dominant und traf nach einer Ecke. Brian Sørensen musste alles auf eine Karte setzen und wechselte auf eine Dreierkette, aber der Schachzug zahlte sich gegen effektive und hoch pressende Engländerinnen nicht aus.

Zwar brachte ein schneller Konter den Ausgleich, nachdem Lyon früh per Elfmeter getroffen hatte, aber City hatte mit dem hohen Pressing und dem kombinationssicheren Passspiel von Olympique einige Probleme. Die Französinnen liefen im 1-3-5-2 gegen Mancunians 1-4-4-2 auf. Eine sehenswerte Kombination und ein schnell abgeschlossener Angriff nach hohem Ballgewinn brachten den Gästen zwei weitere Tore. Im Rückspiel verzeichnete City lediglich sechs Abschlüsse, aber trotz der guten Defensivleistung gab es ein wenig Enttäuschung bei den Heimfans, denn Gérard Prêcheurs Mannschaft blieb erneut ohne Tor vor eigenem Publikum. Die 0:1-Pleite ließ sich aber verkraften.

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Die Reise von Barcelona endete im Parc des Princes

Barcelona, das als erste Mannschaft Spaniens je das Halbfinale erreichen konnte, musste sich einem ähnlichen Schicksal gegen Paris Saint-Germain ergeben, als man in einem gut besuchten Mini Estadi aufeinandertraf. Llorens schickte wie Paris eine 1-3-5-2-Formation auf den Rasen, aber die Gastgeber hatten Probleme, der Power der Gäste etwas entgegenzusetzen. In Sachen Antizipation, Ballkontrolle im Mittelfeld und Nutzung der Flügel waren die Franzosen einfach eine Klasse besser. Drei Flanken lieferten die Grundlage für einen beeindruckenden Sieg. Obwohl Barcelona anfangs der zweiten Halbzeit mit 0:3 zurücklag, nahm man sich für die Schlussphase einiges vor. Die Spanierinnen wechselten auf einen direkteren und aggressiveren Ansatz in der Offensive und erzielten immerhin noch ein Tor, was ein wenig Hoffnung für das Rückspiel in Paris verlieh.

Dort zeigte Barcelona ein mutiges Pressing und viel Einsatzbereitschaft. Paris spielte die ganze Cleverness aus und kam nach einem Elfmeter und einem Eigentor zu zwei Toren und der Vorentscheidung. Mit einem 5:1-Gesamterfolg buchte die Mannschaft von Lair also das Finalticket und durfte sich nun auf ein Wiedersehen mit seinem Ex-Team beim Finale in Cardiff freuen. Erstmals in UEFA-Wettbewerben gab es ein rein-französisches Finale.

https://de.uefa.com/womenschampionsleague/season=2017/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+nach+cardiff