Bayern-Frauen: Auf ein Neues

Mit beeindruckender Konstanz gelang den Frauen des FC Bayern der nächste Titelcoup. Damit ist die Qualifikation für die UEFA Women's Champions League gesichert. Doch wie weit kann es dann gehen?

Trainer Thomas Wörle war nach dem Titelgewinn am Sonntag der gefeierte Mann
Trainer Thomas Wörle war nach dem Titelgewinn am Sonntag der gefeierte Mann ©Getty Images

Am vergangenen Sonntag um 15.48 Uhr brachen alle Dämme. Soeben war die letzte Minute der regulären Spielzeit abgelaufen, Schiedsrichterin Müller-Schmäh hatte die Partie beendet und damit besiegelt, was zuvor bereits jedem klar gewesen ist: Nach einem deutlichen 5:0-Erfolg über Leverkusen konnten sich die FCB-Frauen zum zweiten Mal in Folge als deutsche Meister feiern lassen.

Die Spielerinnen stürmten aufs Feld, sie tanzten, sie sangen, sie lachten und aus den Lautsprechern schallte es "Münchens große Liebe", als Trainer Thomas Wörle vom "größten Tag des Frauenfußballs beim FC Bayern München" sprach. 17 Siege aus 20 Spielen hatte man zuvor geholt, die Konkurrenz dominiert und so völlig verdient den Titel gewonnen. "Letztes Jahr war es ein Herzschlagfinale, dieses Jahr souverän. Es hat einfach alles zusammengepasst", meinte Teammanagerin Karin Danner angesichts der dritten Meisterschaft nach 1976 und 2015.

Bei all der Glückseligkeit auf dem Platz war von den (zugegeben wenigen) Enttäuschungen, die diese Saison parat hielt, freilich wenig zu sehen. Und so hätte man im allgemeinen Freudentrubel fast vergessen, dass es in dieser Spielzeit neben dem beeindruckenden Siegeszug in der Liga auch ein paar Dämpfer zu verkraften galt. Da wäre zum Beispiel die Niederlage im Pokal-Halbfinale gegen den FC Sand, als man als großer Favorit mit 1:2 verlor.

Und nicht zuletzt gab es ja auch dieses schmerzhafte Aus in der Runde der letzten 32 der UEFA Women's Champions League, als man gegen Twente den Kürzeren zog – ohne verloren zu haben. Lediglich der Auswärtstorregel war es geschuldet, dass das "Abenteuer Champions League" für die FCB-Frauen nach zwei Unentschieden (1:1, 2:2) wieder vorbei war.

Im Achtelfinale war diesmal gegen Twente Endstation
Im Achtelfinale war diesmal gegen Twente Endstation©FC Twente Media

Vor allem der mangelnden Erfahrung sei das vorzeitige Aus zuzuschreiben, sagte Trainer Wörle damals. Das Aus sei natürlich "mehr als ärgerlich" – schließlich habe man "beide Spiele dominiert". Aber vielleicht liegt genau in dieser Niederlage ein gewisser Wert für das kommende Jahr. Schließlich kam man nach dem Aus in der Women's Champions League erst richtig in Fahrt und konnte dadurch – wie Wörle es sagt – "wertvolle Erfahrung sammeln".

Erfahrung, die im nächsten Königsklassen-Jahr definitiv von Vorteil sein wird, zumal es bis jetzt keine Anzeichen auf etwaige Abgänge im Sommer gibt – im Gegenteil. Die Mannschaft habe einen ganz "außergewöhnlichen Teamspirit", so ihr Trainer. "Ich bin überzeugt, da wird es auch mehr als eine Runde in der Champions League geben", zeigte sich daher auch Rainer Koch, Vizepräsident des DFB, zuversichtlich.

Ähnliche Töne hörte man von Karl-Heinz Rummenigge. "Ich bin begeistert von unseren Spielerinnen, von der Arbeit unserer Teammanagerin Karin Danner, unseres Trainers Thomas Wörle", so der FCB-Vorstandschef bereits im Vorfeld der Partie. Nun wolle man am 15. Mai gemeinsam auf dem Rathausbalkon feiern – "als Deutschlands bestes gemischtes Doppel", wie Rummenigge betonte. Dafür müssen die Männer allerdings noch ihre Hausaufgaben machen. Denn im Gegensatz zu den lange unterschätzten Frauen haben die Weltstars des FC Bayern ihren Titel noch nicht in der Tasche.

Der Meistertitel aus der vergangenen Saison wurde erfolgreich verteidigt
Der Meistertitel aus der vergangenen Saison wurde erfolgreich verteidigt©Getty Images
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