Frankfurts Šašić über Brøndby, Tore und Berlin

Célia Šašić hat für den 1. FFC Frankfurt auf dem Weg ins Halbfinale gegen Brøndby sechs der 27 Tore erzielt. Im Interview spricht sie über das Duell, das Toreschieβen und ein mögliches "Heimfinale".

Célia Šašić in Aktion beim Viertelfinalerfolg gegen Bristol Academy.
Célia Šašić in Aktion beim Viertelfinalerfolg gegen Bristol Academy. ©Getty Images

UEFA.com: Wie sehr haben Sie ihre ersten Erfahrungen in der UEFA Women's Champions League genossen?

Célia Šašić: Es ist natürlich schon eine neue Erfahrung für mich, auf Vereinsebene international zu spielen, weil ich das bisher noch nicht kannte. Es war sehr spannend und ist immer noch spannend, auch zu sehen, wie weit der Vereinsfußball in den anderen Ländern ist. Ich fand es auch sehr interessant, andere Spielkulturen kennen zu lernen.

UEFA.com: Ihr nächster Gegner ist Brøndby IF. Wie ist Ihre Einschätzung und wie schwierig wird es?

Šašić: Ich persönlich weiß noch recht wenig über Brøndby, aber das ist auch immer ein bisschen das Spannende an der Champions League. Das ist nicht wie im Männerfußball, wo man einfach den Fernseher einschaltet und dann jedes Wochenende die Mannschaften spielen sehen kann. Man muss sich auf die Informationen und die Videoanalysen des Trainers und Trainerteams verlassen. Anhand des Videomaterials werden wir uns gut vorbereiten und auf diesem Weg den Gegner kennenlernen. Für mich persönlich ist es ehrlich gesagt nicht so wichtig, denn ich gehe in jedes Spiel mit der gleichen Einstellung hinein, egal ob der Gegner vermeintlich stark oder weniger stark ist. Das macht für mich keinen großen Unterschied.

UEFA.com: Sie müssen ohne Mittelfeldspielerin Jessica Fishlock auskommen, die zu den Seattle Reigns zurückgekehrt ist. Welchen Einfluss hat das auf das Team?

Šašić: Es ist allen klar, dass "Jess" bei uns in der Mannschaft eine wichtige Spielerin gewesen ist, die das Ganze zwischen Mittelfeld und Abwehr zusammengehalten hat. Für uns ist jetzt klar, dass sie nicht mehr da ist und wir diese Lücke füllen müssen. Wir haben eine hohe Qualität im Kader, so dass wir das auch gemeinsam als Mannschaft auffangen können. Wir haben keine Zeit, dem groß nachzutrauern, weil wir viele große Ziele haben, die in den nächsten Wochen noch anstehen, worauf wir fokussiert sein müssen.

UEFA.com: Sind Sie optimistisch, das Finale zu erreichen?

Šašić: Optimistisch macht mich ganz einfach, dass wir alle gemeinsam dieses Ziel verfolgen und Champions League ist einfach im Vereinsfußball das Höchste. Natürlich möchten wir ins Finale kommen und werden das auch in den zwei Spielen deutlich zeigen. Wenn wir unsere Leistung auf den Platz bringen können, dann wird es für Brøndby ziemlich schwer. Aber man muss diese Leistung auch erst einmal abrufen, aber dann ist das Finale auf jeden Fall möglich. 

UEFA.com: Der Wettbewerb in der Bundesliga nimmt weiter zu. Sind enge Duelle in der Liga ein Vorteil, wenn man in ein Champions-League-Halbfinale geht?

Šašić: Grundsätzlich denke ich schon. Wenn man regelmäßig gefordert wird, wird man eher besser und macht Fortschritte, als wenn man ständig gegen Gegner spielt, gegen die man unterfordert ist. Es ist sicherlich ein Vorteil der Bundesliga, dass wir in jedem Spiel gefordert werden. Und dass man eben nicht mit dem Gefühl in ein Spiel gehen kann, dass man die Spiele sowieso mit halber Kraft gewinnen kann. Wenn man jede Woche alles hineinlegen muss, um Spiele zu gewinnen, dann bleibt man auf diesem Level.

UEFA.com: Sie haben die Chancen, beste Torschützin der UEFA Women's Champions League zu werden; wäre das in der Debütsaison eine tolle Leistung?

Šašić: Das ist für mich eher ein Zubrot. Wenn man es erreicht, freut man sich sicherlich darüber, aber es ist für die Champions League keine Zielsetzung. Ich spiele einfach verdammt gerne Fußball und Tore zu schießen macht am meisten Spaß, das ist für mich der Sinn des Fußballs. Deswegen könnte ich auch keine Abwehrspielerin sein. Ich spiele einfach und versuche, so viele Tore wie möglich zu schießen. Sollte ich dann am Ende die meisten geschossen haben, ist das umso schöner.

UEFA.com: Wie ist es, unter einem englischen Trainer wie Colin Bell zu spielen?

Šašić: Ich weiß nicht, ob es damit zu tun hat, dass er Engländer ist, aber jeder Trainer hat seine eigene Philosophie und geht seinen eigenen Weg. Für mich ist immer das Wichtigste, dass die Trainer ihre Linie dann auch durchziehen. Aus welchem Land ein Trainer kommt, ist nicht entscheidend, auch wenn es einen gewiss ein bisschen prägt. Das ist sicherlich auch bei ihm ein bisschen so, dass er den englischen Fußball mag und in sich trägt. Das spiegelt sich dann auch darin wider, dass er dieses aggressive, temporeiche, körperbetonte Spiel mag. Das versuchen wir natürlich auch umzusetzen.

UEFA.com: Was würde es Ihnen bedeuten, ein Finale in Berlin zu spielen? Wäre es etwas Besonderes, weil mehr Fans sowie Freunde und die Familie kommen können?

Šašić: Es ist natürlich schon schön, eine Art Heimspiel zu haben. Andererseits denkt man sich natürlich schon, dass weil es Champions League ist, man ins Ausland gehen muss. Aber Berlin ist auch eine Art Final-Hauptstadt, deswegen ist es super, wenn es um die Ecke ist und die Familie zur Unterstützung kommen kann. Deswegen würde ich mich freuen, wenn wir das Finale erreichen können.

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