Keßler: Wolfsburg ist wieder bereit

Nadine Keßler, Kapitänin beim VfL Wolfsburg, erklärt UEFA.com, wie sie in Lissabon zum zweiten Mal in Folge die UEFA Women’s Champions League gewinnen will.

Zwölf Monate, nachdem Nadine Keßler mit dem VfL Wolfsburg an der Stamford Bridge in London die Trophäe der UEFA Women’s Champions League holte, hofft sie, dieses Kunststück am Donnerstag wiederholen zu können, wenn sie ihr Team als Kapitänin gegen Tyresö FF im Estádio do Restelo von Lissabon aufs Feld führen wird.

In der vergangenen Saison war Wolfsburg als Debütant auf europäischer Bühne gegen Titelverteidiger Olympique Lyonnais Außenseiter, dieses Mal geht die Keßler-Elf als Titelträger gegen Debütant Tyresö in die Partie. Die 26-jährige Mittelfeldspielerin spricht mit UEFA.com über die Stärke Tyresös, das packende Halbfinal-Duell mit dem 1. FFC Turbine Potsdam und erklärt, warum es in dieser Saison noch schwerer war, ins Finale einzuziehen.

UEFA.com: Wie fühlt es sich an, wieder im Finale zu stehen?

Nadine Keßler: Das ist einfach nur großartig. Es war ein hartes Stück Arbeit, denn wir hatten, um wieder dahin zu kommen, in den Runden zuvor hervorragende Mannschaften zu besiegen. Wenn man Barcelona und Malmö schlägt und wenn man dann auch Potsdam in so schweren Spielen bezwingt, dann hat man sich das absolut verdient und dann ist es auch noch viel höher zu bewerten, das Finale zu erreichen.

UEFA.com: War es in diesem Jahr anders, wieder in das Finale einzuziehen? Letzte Saison waren Sie Newcomer, diesmal Titelverteidiger. 

Keßler: Die Situation ist und war in allen Wettbewerben komplett anders, natürlich auch in der Champions League. Die Erwartungen sind sehr groß und der Wettbewerb hat für alle einen extrem großen Stellenwert. Dementsprechend hatten wir viel mehr Druck als das Jahr zuvor und es war eine größere Herausforderung. 

UEFA.com: Wie intensiv war dieses deutsch-deutsche Halbfinal-Duell und welche Bedeutung hatte es?

Keßler: Speziell gegen Potsdam ist es immer ein extrem brisantes Duell. Da kochen die Emotionen hoch, Potsdam ist ein sehr emotionaler Verein und es ging in den Medien schon in den Wochen zuvor heiß her. Das Hinspiel war hart umkämpft, wir hatten erstaunlich viele Chancen, das gewünschte Auswärtstor zu schießen, es ist uns aber nicht gelungen. Trotzdem war es ein hart geführtes, intensives Spiel, leider ohne Tore. Im Rückspiel sind wir alle, auch die Zuschauer, dann auf unsere Kosten gekommen. Denn das Spiel war spannend, es ging hin und her, es gab Tore, Zweikämpfe, Laufbereitschaft und Emotionen. Das war wirklich ein sehr, sehr gutes Frauenfußballspiel.

UEFA.com: Wie wichtig sind solche Spiele und die Champions League als Wettbewerb, um den Frauenfußball noch weiter nach vorne zu bringen und noch stärker in der Öffentlichkeit zu verankern?

Keßler: Die Champions League ist extrem wichtig. Ich hatte das Glück, in diesem Wettbewerb schon öfters dabei zu sein. Ich habe die ganzen letzten Jahre extrem gute Resonanz auf den Wettbewerb und die Spiele bekommen, die übertragen wurden. Auch das Spiel gegen Potsdam hatte eine super Einschaltquote. Wir haben auch von Kritikern oder Personen im Umfeld, die nicht so Frauenfußball-affin sind, ganz viel positives Feedback bekommen. Ich glaube, genau darum geht es, zu zeigen, dass der Frauenfußball attraktiv ist und mitreißen kann.

UEFA.com: Was für ein Finale erwarten Sie und was wird der Schlüssel zum Erfolg sein?

Keßler: Wir müssen genau wieder diese Einstellung an den Tag legen, als Mannschaft auftreten und keiner darf sich zu schade sein, den Weg für die Mitspielerin zu machen. Das ist es, was uns ausmacht, dann können wir Tyresö auch schlagen. Aber von der Papierform her ist es sicherlich eine sehr starke Mannschaft, auch wenn sie noch keine internationale Erfahrung hat. Allein wenn man Namen liest, wie Marta, [Caroline] Seger und andere, in dieser Mannschaft steckt schon extrem viel Potenzial. Wir wissen um ihre Stärke und wissen auch, dass es wirklich nur funktionieren kann, den Titel zu verteidigen, wenn wir 100 Prozent geben.

UEFA.com: Was war es für ein Gefühl, letztes Jahr an der Stamford Bridge diese Trophäe in die Höhe zu reißen?

Keßler: Ich habe gerade wieder Gänsehaut, es war einfach toll. Es war schier unbeschreiblich und für uns einfach das Größte. Stamford Bridge - wie der Name schon klingt! Allein in so einem Stadion spielen zu dürfen, war einzigartig.

UEFA.com: Werden Sie das Finale vom letzten Jahr noch einmal anschauen, um wieder diese Atmosphäre, die Gefühle und Erinnerungen aufleben zu lassen?

Keßler: Davon gehe ich aus. Unser Trainerteam und die Leute um uns herum tun sehr viel, eine gute Motivation und eine gute Basis zu schaffen. Wir arbeiten öfters einmal mit Motivationsvideos, natürlich auch vom letzten Jahr, wo die Stamford Bridge allgegenwärtig ist. Ich hoffe natürlich, dass so etwas vorm Finale auch wieder kommt.

UEFA.com: Werden Sie Ihrem Team vor dem Finale in Lissabon etwas Spezielles sagen?

Keßler: Mit Sicherheit werde ich das. Ich sage öfters etwas vor den Spielen, manchmal macht es auch jemand anderes, je nachdem wie man sich fühlt oder wer an dem Tag etwas sagen möchte. Vor dem Finale in Lissabon möchte ich sicherlich gerne selbst etwas sagen, aber die genauen Worte habe ich mir noch nicht überlegt.

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