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Schweden - Portugal: Die Sicht der Reporter

UEFA.com-Reporter Simon Hart und Nuno Tavares schauen voraus auf das Endspiel am Dienstag zwischen Schweden und Portugal: Wo könnte die Partie gewonnen und verloren werden?

Schweden und Portugal bestreiten am Dienstag um 20.45 MEZ das Endspiel
Schweden und Portugal bestreiten am Dienstag um 20.45 MEZ das Endspiel ©Sportsfile

Schlüsselmoment
Simon Hart (Schweden): Innerhalb der ersten halben Stunde des ersten Turnierspiels gegen Italien lag Schweden mit einem Tor hinten und hatte einen Platzverweis für Alexander Milošević zu verkraften. Doch die zweite Halbzeit zeigte, was bei dieser Endrunde möglich sein sollte. "Wir haben uns entschieden, es einfach zu riskieren – wir haben zurück auf zwei Stürmer umgeschaltet und auf drei zentrale Mittelfeldspieler", sagte Coach Håkan Ericson. Dieser Mut resultierte in einem 2:1-Sieg und einem tollen Start ins Turnier.

Nuno Tavares (Portugal): Dass es wichtig ist, bei einem großen Turnier das erste Spiel zu gewinnen, ist ja hinlänglich bekannt, doch für Portugal ging es um mehr als nur ein Klischee. Man wurde im Vorfeld aufgrund der starken Qualifikation als einer der Turnierfavoriten gesehen und bekam es in der Gruppe mit jenen Engländern zu tun, gegen die man kürzlich in einem Testspiel verloren hatte. Rui Jorges Mannschaft wusste, dass ein Sieg entscheidend sein würde und gewann diese mentale Schlacht.

Schlüsselspieler
Simon Hart: John Guidetti spielt auf und neben dem Feld eine große Rolle – er sorgte sogar dafür, dass man gemeinsam mit dem schwedischen Rapper Dany M. den inoffiziellen Teamsong "Nya Sveriga" (Neues Schweden) aufnehmen konnte. Doch der wichtigste Spieler bisher war wohl Oscar Lewicki, der gemeinsam mit Kapitän Oscar Hiljemark im zentralen Mittelfeld die Fäden zieht. Der intelligente und fleißige Malmö-Spieler wurde schon als die "Putzfrau" (stådgumma) der Mannschaft beschrieben, was zwar nicht gerade glamourös klingt, aber doch passt, da er die entscheidende Aufräumarbeit verrichtet.

Nuno Tavares: Bernardo Silva wurde für seine exzellente Ballbehandlung mehrfach gelobt und war schon zwei Mal Man of the Match. Doch William Carvalho spielt im zentralen Mittelfeld mit seiner Dominanz ebenso beeindruckend, vor allem auch bei dem denkwürdigen Halbfinal-Erfolg gegen Deutschland. Williams Fähigkeiten im direkten Zweikampf mit dem Gegner erlauben es seiner Mannschaft, schnelle Konter zu fahren und das meiste aus der beeindruckenden Offensive herauszuholen.

Stärken
Simon Hart: Da ist natürlich der Mannschaftsgeist zu nennen. "Wir genießen es, zusammen zu spielen und füreinander zu kämpfen", beschreibt es Verteidiger Filip Helander. Die Mannschaft ist ein bisschen der Rocky Balboa in diesem Turnier – sie weigert sich aufzugeben. Sie spielen ein klassisches 4-4-2 mit bewundernswerter Disziplin und Organisation. Aber es ist nicht nur schwierig, sie zu überwinden, sie fahren auch noch beeindruckende Konter, vor allem, da Isaac Thiese Kelin vorne den Ball so gut behaupten kann. Gegen Dänemark zeigten sie ihre bis dahin beste Offensivleistung.

Nuno Tavares: Aufgrund ihrer Technik und ihrer Ideen auf dem Spielfeld bezeichnet man die Portugiesen ja gerne als die Brasilianer Europas, und das wurde auch wieder in der Tschechischen Republik bestätigt: Bernardo, João Mário, Ricardo und Co feuern aus allen Zylindern. Doch auch hinten steht die Mannschaft sicher, Torwart José Sá musste in vier Spielen nur ein Mal hinter sich greifen, während die Abwehr um Paulo Oliveira mit Flair und Aggressivität glänzte. Portugals Qualität wird durch Reife und Leidenschaft komplettiert.

Schwächen
Simon Hart: Man kann wohl zurecht behaupten, dass die Schweden nicht über die Kreativität der Portugiesen verfügen. Es gibt auch Zweifel, ob alle Spieler nach den bisherigen Kraftakten noch vollständig fit sind – was aber gerade gegen die Elf von Rui Jorge sehr erforderlich wäre. Die Skandinavier verfügen über weniger Erfahrung auf dem höchsten internationalen Jugendniveau und haben dort auch weniger Erfolge gefeiert.

Nuno Tavares: Mit einer Mannschaft, die im Kern aus den Spielern bestand, die 1991 FIFA-Jugend-Weltmeister wurde, sah es so aus, als sollte Portugal 1994 seine erste U21-EURO gewinnen. Doch nicht einmal Luís Figo und Rui Costa reichten, um damals im Endspiel von Montpellier gegen eine hartnäckige italienische Mannschaft zu siegen. Der Geist jener Niederlage scheint das Einzige zu sein, was diese portugiesische Mannschaft, die bisher ein Level über den anderen bei dieser Endrunde agierte, noch stoppen kann.

Ergebnistipp
Simon Hart: Portugal wird mehr Ballbesitz haben, aber Schweden, wie es Ericson feststellte, hatte in ihrem Gruppenspiel gegeneinander genauso viele Schüsse abgegeben. Schon damals überraschten die Schweden mit einem 1:1, wie schon in den Play-offs gegen Frankreich. Warum nicht noch einmal?

Nuno Tavares: Portugal wird sicher als Favorit in das Finale gehen. Von dem einen oder anderen Lapsus mal abgesehen haben sie in der Tschechischen Republik bisher auf einem sehr hohen Niveau gespielt und das sollte am Dienstag auch den Unterschied ausmachen.