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Der Weg ins Finale

Der Weg ins Finale
Die Italiener feiern den Sieg im Gruppenspiel-Thriller gegen Portugal ©UEFA.com

Der Weg ins Finale

Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass Spieler Fehler machen müssen, um sich zu entwickeln. Allerdings ist es dennoch schwer, mit jedem einzelnen Fehler richtig umzugehen. Und je höher das Niveau ist, das man als Fußballer erreicht, desto härter werden Fehler bestraft. In Finnland hatte die Endrunde auf Kunstrasen kaum begonnen, da nahm der schmerzhafte Lernprozess schon seinen Lauf.

Wie schon bei der U17-Endrunde zwei Monate zuvor trafen die Norweger in ihrem Auftaktspiel auf Portugal. Die Skandinavier versuchten, dem Spielfluss der Iberer mit einer gut organisierten Verteidigung, basierend auf einer Fünferkette, beizukommen. Allerdings unterliefen ihnen gleich zwei Fehler, die die Portugiesen prompt bestraften. Zunächst wurde der Ball an der eigenen Strafraumgrenze verloren, danach unterschätzten die Norweger eine Flanke von der Torauslinie auf den langen Pfosten. Sie markierten zwar den Anschlusstreffer, trafen aber auch dreimal das Aluminium - und kassierten nach einem Konter der Portugiesen das entscheidende Tor zur 1:3-Niederlage.

Auch wenn der Auftakt der Gastgeber ähnlich schief ging, waren die Gründe für die Niederlage der Finnen eher in der Offensive als in der Defensive zu suchen. Fünfmal standen sie mehr oder weniger frei vor dem gegnerischen Tor, doch Italiens Schlussmann Alessandro Plizzari konnten sie nicht überwinden. Auf der anderen Seite nutzte Nicolò Zaniolo eine der wenigen Unachtsamkeiten in der finnischen Abwehr, umkurvte gleich drei Verteidiger und blieb - im Gegensatz zu den Gastgebern - auch vor dem Tor eiskalt.

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Finnland musste gegen Norwegen eine ganz bittere Niederlage hinnehmen

Im folgenden Spiel erhielten die Finnen die nächste bittere Lektion. Nach einem frühen Rückstand schlugen sie gegen Norwegen zurück. Die Norweger spielten in der Verteidigung ein 5-4-1-System, das die Finnen mit schnellen Angriffen zu überwinden versuchten. Mittelfeldspieler Saku Ylätupa lenkte das Spiel der Gastgeber und hatte auch das Auge für den entscheidenden Pass ins Angriffsdrittel. Nach dem Ausgleich per Elfmeter war es Ylätupa, der einen Konter mit einem Solo abschloss und die Gastgeber mit 2:1 in Führung brachte. Diese Führung hielt bis zur 90. Minute, ehe zwei Abwehrfehler in der Nachspielzeit noch für den späten K.-o. sorgten.

Nach dem 2:3 mussten die Finnen gegen Portugal gewinnen, um zumindest noch eine theoretische Chance auf Platz drei in der Gruppe und damit auf das Play-off-Spiel um das letzte Ticket zur U20-WM zu haben. Doch die Mannschaft von Hélio Sousa, in der viele Spieler standen, die zwei Jahre zuvor den U17-Titel geholt hatten, zahlten ebenfalls einen hohen Preis für ihre Schwächen im Defensivverhalten gegen Italien. Nach nur neun Minuten profitierte der italienische Angreifer Moise Kean davon, dass die beiden Innenverteidiger zu zögerlich agierten. Lucas Queirós wusste sich anschließend nur mit einem Foul zu helfen und sah dafür vom polnischen Schiedsrichter die Rote Karte. Die Portugiesen zeigten sich davon aber unbeeindruckt und wechselten in eine 4-2-3-Formation, mit der die Italiener sichtlich Probleme hatten. Erst als sie nach der Pause etwas höher verteidigten, wurden sie gefährlicher - und bezwangen die tapfer kämpfenden Portugiesen mit 3:2.

Gegen Finnland dominierten die Portugiesen das Spiel nicht nur wegen ihres Tempos und ihrer Technik, sondern auch dank ihrer Ballkontrolle. Aber sie profitierten auch wieder von zwei Unzulänglichkeiten bei den Hausherren - und führten deshalb zur Pause mit 2:0. Nach dem Seitenwechsel kamen die neu formierten Finnen besser ins Spiel, weil sie mehr Druck ausübten und vor allem über die linke Seite gefährlicher wurden. Doch nach einer Viertelstunde war die ganze Herrlichkeit schon wieder vorbei. Die Portugiesen kamen wieder vermehrt zu Kontern und nutzten den letzten Schnellangriff, um mit dem 3:0 in der Nachspielzeit alles klar zu machen. Im Parallelspiel löschte Italien den letzten Funken Hoffnung bei den Norwegern. Sieben Minuten vor Schluss glichen die Italiener aus, nachdem Norwegen durch einen Elfmeter in Führung gegangen war. In Gruppe A sicherte sich Italien den Sieg mit einem Punkt Vorsprung vor Portugal.

In Gruppe B sorgten die Türken für die große Leidensgeschichte. Nach nur zwei Spielen stand ihr Scheitern bereits fest, was sie sich aber zum Großteil selbst zuzuschreiben hatten. Gegen England ging die Mannschaft von Vedat Inceefe zwar nach einem Ballgewinn früh in Führung. Doch dann schlichen sich Fehler bei gegnerischen Freistößen und Ballverluste ein, und prompt stand es 1:3. Einen Abwehrfehler der Engländer nutzten die Türken zum Anschlusstreffer, selbst ein Unentschieden war jetzt wieder drin. Doch dazu reichte es am Ende nicht mehr. Gegen Frankreich wurde es dann noch bitterer. Nach nur zwei Minuten gerieten die Türken in Rückstand. Anschließend drängten sie auf den Ausgleich, doch die Angriffsbemühungen gingen nach hinten los. Frankreich konterte die Türken gnadenlos aus und gewann am Ende mit 5:0.

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Die Ukraine kam zu einem dramatischen Sieg gegen Frankreich

Der klare Erfolg sorgte bei der Mannschaft von Bernard Diomède für große Erleichterung. Denn zum Auftakt hatten die Franzosen gegen die Ukraine überraschend mit 1:2 verloren. Die Ukrainer verteidigten in einer 5-4-1-Formation sehr effizient und resolut. Bei Kontern waren sie sehr gefährlich und sorgten dafür, dass sich die französischen Verteidiger häufig nur mit Fouls zu helfen wussten. Drei Spieler aus der Viererkette sahen Gelb, der vierte - Innenverteidiger Malang Sarr - wurde in der 64. Minute sogar vom Platz gestellt. Zu diesem Zeitpunkt stand es noch 1:1. Vier Minuten vor Schluss aber war es Serhiy Buletsa, der den Siegtreffer für die Ukrainer erzielte.

Dank einer ähnlich soliden Leistung sprang gegen England ein Unentschieden heraus. Die Briten gingen durch einen exzellent verwerteten Eckball in Führung, ehe die Ukrainer durch eine feine Einzelleistung der einzigen Spitze, Vladyslav Supriaha, ausgleichen konnten. In der zweiten Halbzeit ließen die Kräfte bei den Schützlingen von Trainer Olexandr Petrakov zwar langsam nach. Es reichte aber noch, um sich dem Ansturm der Engländer erfolgreich entgegen zu stellen.

In ihrem letzten Gruppenspiel trafen die Ukrainer auf eine türkische Mannschaft, die auf drei Innenverteidiger setzte und damit das System des Gegners kopierte. Die Türken hatten über weite Strecken mehr Ballbesitz, fanden aber gegen sehr diszipliniert verteidigende Ukrainer keinen Weg zum Erfolg. Den Ukrainern indes reichte ein gut ausgespielter Konter über die linke Seite, um das Spiel zu gewinnen und Gruppensieger zu werden.

England, das im ersten Spiel auf eine Fünfer-Abwehr und im zweiten Spiel auf eine Viererkette gesetzt hatte, begann die Partie gegen Frankreich, in der es um alles oder nichts ging, sehr energisch. Aber die Engländer hatten große Probleme mit dem hohen Pressing, der ausgereiften Technik und den explosiven Antritten der Franzosen. Außerdem machten es die Engländer ihren Gegnern mit Ballverlusten im eigenen Verteidigungsdrittel ein ums andere Mal relativ leicht. Am Ende bezahlten sie dafür mit einer 0:5-Niederlage. So endete die Gruppenphase wie sie begonnen hatte: Mit Fehlern, die eiskalt bestraft wurden.

England spielte als Gruppendritter gegen Norwegen um einen Platz bei der FIFA-U20-Weltmeisterschaft. In dieser Partie zahlten die Engländer den Preis dafür, dass die Klubs sich geweigert hatten, insgesamt über 30 Spieler für die Endrunde abzustellen. Die Mannschaft von Paul Simpson ging schließlich mit 0:3 gegen die Norweger unter, die sich damit das Ticket für die Junioren-WM sicherten.

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Pedro Correia brachte Portugal im Halbfinale in Führung

Als das erste Halbfinale in Vaasa begann, hätte wohl keiner gedacht, dass das Spiel schon nach einer halben Stunde hätte abgepfiffen werden können. Hélio Sousa überraschte mit der Berufung von Stürmer Pedro Correia, der zuvor noch gar nicht zum Einsatz gekommen war. Ausgerechnet Correia war es dann, der nach nur zwei Minuten die Portugiesen per Abstauber in Führung brachte. Die Kontertaktik der Ukrainer wurde noch stärker über den Haufen geworfen, als Stürmer Vladyslav Supriaha nach nur zehn Minuten vom Platz humpelte. Das Drama für die Osteuropäer ging auch danach unvermindert weiter, zwischen der 19. und 30. Minute kassierten sie weitere vier Gegentore. Ihre Fünfer-Abwehr hatte dem flüssigen Angriffsspiel der Portugiesen nichts entgegen zu setzen. Die Iberer hatten danach wohl ein Einsehen mit ihren Gegnern und ließen es in der restlichen Stunde etwas ruhiger angehen.

Das zweite Halbfinale bot hingegen Hochgeschwindigkeitsfußball von der ersten bis zur letzten Minute. Die Italiener präsentierten sich taktisch schon sehr reif und traten überaus selbstbewusst auf. Die Franzosen hingegen bestachen durch große individuelle Klasse. In der Abwehr standen große, athletische Spieler, im Mittelfeld boten die Franzosen sehr passsichere Akteure auf, und die Stürmer waren außerordentlich schnell und dribbelstark. Die Italiener setzten ihre defensive Klasse dagegen. Schnell schalteten sie um von einem 4-1-4-1 in der Verteidigung auf ein 4-3-3 im Angriff. Das Team von Paolo Nicolato trat insgesamt sehr diszipliniert und hochkonzentriert auf. Frankreich dagegen griff fast ununterbrochen an, vor allem in der zweiten Halbzeit, als es einen Rückstand aufzuholen galt. Zweimal scheiterten die Franzosen aber mit ihren Bemühungen an der Querlatte. Außerdem wurden zwei Tore wegen Abseitsstellungen nicht anerkannt. Das Team von Bernard Diomède erspielte sich genügend Möglichkeiten. Doch die Italiener verteidigten leidenschaftlich und warfen sich tapfer in jeden Ball. Jeder, nicht nur die vier Verteidiger und der Torwart, beteiligten sich bei den Italienern an der Abwehrarbeit. Damit hielten sie ihren Kasten sauber.

Die Tore wurden auf der anderen Seite geschossen. Sandro Tonali, herausragend als defensiver Mittelfeldspieler, spielte den Ball die rechte Seite entlang, wo drei Italiener eine Überzahl kreierten. Rechtsverteidiger Raoul Bellanova passte die Kugel in den Rücken der Abwehr, und Christian Capone schloss überragend ab. Zuvor hatte Stürmer Moise Kean die Innenverteidiger auf sich gezogen. Nur drei Minuten später fing Nicolò Zaniolo einen Pass von Innenverteidiger Malang Sarr ab, der dann nicht mehr rechtzeitig zurücklaufen konnte. Zaniolo nutzte das aus und passte auf Kean. Der markierte nach einem Solo mit rechts das 2:0.

Der Rest des Spiels wurde zum Duell anrennender Franzosen gegen verteidigende Italiener. Ein Tor fiel nicht mehr, weshalb die Italiener ins Finale einzogen, wo sie zum zweiten Mal bei diesem Turnier auf Portugal trafen.

https://de.uefa.com/under19/season=2018/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+finale