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Gesprächsthemen

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Water break (Sweden v Czech Republic) ©Sportsfile

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Heiße Sache

Die ersten Partien bei dieser U19-Europameisterschaft erlebten eine Hitze, die Trinkpausen unverzichtbar machten, aber waren die kurzen Unterbrechungen ausreichend für die Spieler? Immerhin stiegen die Temperaturen auf bis zu 40 Grad an und den Spielern waren die Anstrengungen klar und deutlich anzusehen.

"Bei einer solchen Hitze kann man seine Leistung nicht abrufen", sagte der Technische Beobachter der UEFA, Savvas Constantinou. "Man kann sich nicht konzentrieren und nicht einmal normal denken. Diese Hitze macht dir beim Fußball auch im Kopf zu schaffen."

Es kam auch noch dazu, dass die Spieler auf der Bank ebenfalls mit der Sonne zu kämpfen hatten. Denn diesen schien die Sonne direkt in das Gesicht, wodurch man nicht mehr von ausgeruhten Akteuren zum Wechseln sprechen konnte. Die eingewechselten Spieler waren derart von der gnadenlosen Sonne mitgenommen, dass sie das Spiel nicht entscheidend nach vorne bringen konnten.

England stellte im dritten Gruppenspiel gegen Deutschland vor den eigenen Ersatzleuten einen großen Regenschirm auf, um diese ein wenig aus der Sonne und damit aus der Hitze zu nehmen. Allerdings wären spätere Anstoßzeiten sicherlich ein effektiverer Weg gewesen, um den Spielern hier das Leben zu erleichtern.

Willkommene Teamvergrößerungen

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Die Mannschaften umfassen ab nächstem Jahr 20 und nicht mehr 18 Spieler

Es gab viel Lob von den Trainern bei der U19-Europameisterschaft, für die Entscheidung der UEFA, ab dem kommenden Jahr 20 Spieler für jedes Team zuzulassen.

Durch die Veränderung haben ab dem kommenden Jahr zwei Spieler je Mannschaft mehr die Möglichkeit, internationale Erfahrung zu sammeln. Die Entscheidung traf übergreifend auf große Zustimmung.

"Das ist eine sehr gute Sache, denn so können sich noch mehr junge Spieler international empfehlen. Die Trainer können mit einem breiteren Spielergerüst arbeiten und sicher besser organisieren", sagte Georgiens Trainer George Kipiani. "Es gibt immer wieder Verletzungen und Sperren, so dass man mitunter mit nur 12 oder 13 Spieler arbeiten kann, das ist alles andere als optimal. Die Entscheidung, auf 20 Spieler aufzustocken, ist eine gute Entscheidung der UEFA. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Spieler, die eine große Chance bekommen."

Portugals Trainer Hélio Sousa fügte hinzu: "Es ist sicher ein Vorteil, zukünftig mit 20 Spielern arbeiten zu können – zwei Spieler mehr können dir potenziell helfen. Sie können wichtige Erfahrungen sammeln und wir als Trainer haben mehr Optionen. Mehr Optionen heißt auch, dass sich mehr Spieler besser regenerieren können. Am Ende profitiert davon auch die UEFA, denn das Niveau wird durch diese Änderung sicher nicht fallen. Das wird am Ende des Tages auch der Zuschauer in Form von attraktiveren Spielen merken."

Doch Sousa brachte auch noch einen weiteren Schritt ins Spiel, was Neuerungen im Bezug auf Vergrößerungen angeht.

"Wenn die UEFA einen ähnlichen Schritt wie bei der U17 wagt, das Turnier also auf 16 Teams aufzustocken, würde dies die Wichtigkeit und das Potenzial des Turniers deutlich anheben", sagte er weiter. "Bei dieser Endrunde waren Frankreich und Spanien nicht dabei, die Auslosung alleine kann schon bedeuten, dass ein solches Team gar nicht erst hier antreten kann und das ist ein Verlust für die Endrunde. Es wäre schön, mehr große Teams hier zu haben."

"In der U17 gibt es drei oder vier Mannschaften, die sich dadurch weiterentwickeln und in ein paar Jahren auf einem starken Niveau agieren können. Doch wenn wichtige Teams und damit wichtige Spieler wegen der wenigen Startplätze in der U19 hier nicht dabei sind, dann geht etwas verloren. Man sollte den Spielern diese Chance doch geben."

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England-Trainer Keith Downing

Die Zeiten ändern sich

Der Austragungszeitpunkt der U19-Europameisterschaft ist nach wie vor ein heiß diskutiertes Thema und der aktuelle Zeitplan, der die Austragung im Juli vorsieht, scheint keine große Zukunft zu haben. Da die Vereine in ganz Europa zu diesem Zeitpunkt bereits in der Vorbereitung stecken, fällt es den Trainer der Nationalteams schwer, talentierte Akteure ihren Vereinstrainern zu diesem wichtigen Zeitpunkt abzuwerben.

"Ich weiß auch nicht genau, was man dagegen tun kann, aber die Qualität der Spieler ist definitiv geschmälert worden", erklärte Englands Trainer Keith Downing. "Uns fehlten sechs Spieler, die eigentlich kommen sollten. Die besten Spieler fehlen aus verschiedensten Gründen: die Saisonvorbereitung läuft und der Druck ist groß, genau diese nicht zu verpassen. Das ist traurig, es wäre wichtig, dass alle Teams ihre besten Spieler mitbringen. Es ist doch für alle Beteiligten das Beste, wenn man sich auch den besten Gegnern stellt. Darum geht es doch in der Entwicklung der Spieler."

Dabei konnte Downing noch froh sein, dass ihm "nur" sechs Spieler fehlten. Oranje-Trainer Maarten Stekelenburg sagte, dass für ihn ganze 22 Kandidaten nicht zur Verfügung standen, einige davon allerdings auch verletzungsbedingt. "Sechs oder sieben" Spieler fehlten Deutschlands Trainer Frank Kramer und auch Schwedens Trainer Claes Eriksson musste auf eine ähnliche Anzahl an Leistungsträgern verzichten. Downing fügte weiter an, dass er mit Spieler arbeiten musste, die von der Leistungsfähigkeit nicht einmal in einem 33 Spieler umfassenden Leistungsbogen aufgeführt waren.

Da man sich außerhalb des internationalen FIFA-Turnierkalenders für die Freistellung von Spielern befindet, blieben den Trainern die Hände gebunden. "Ich denke, das Turnier wäre am Ende der Saison besser platziert", schlug Stekelenburg vor. "Die Ligen enden Mitte Mai und eine Woche später könnte dann das Turnier anfangen."

Der Tausch mit der U17-Endrunde, die im Mai stattfindet, wäre eine Option. "Was mir an der U17-EM gefallen hat, ist die Tatsache, dass dort alle wichtigen Spieler mit von der Partie waren. Dort gab es keine Streitereien über die Teilnahme von Spielern und das hat dem Turnier gut getan", brachte Stekelenburg weiter an. "Wenn man die Kader der U17 und der U19 einmal in Ruhe vergleicht, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass der Unterschied in der Leistungsfähigkeit nicht besonders groß ist. Das sollte aber mit Sicherheit ganz anders sein."

Aber sind die Vereine damit einverstanden, die Spieler am Ende einer langen Saison gehen zu lassen, oder würden sie ihnen lieber eine lange und entspannte Sommerpause geben?

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Aserbaidschans Delegation in Georgien

Entwicklungen auf und neben dem Feld

Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Nachwuchsturniere der UEFA einen hohen Stellenwert für die Entwicklung der Spieler haben, doch gleiches gilt auch für die Trainer.

Aserbaidschan schickte eine Delegation von UEFA Pro-Lizenz-Anwärtern und auch Gastgeber Georgien hatte einige ambitionierte Trainer vor Ort, um sich das Geschehen genau anzusehen. Gaioz Darsadze, Direktor für Trainerentwicklung beim georgischen Fußballverband (GFF), erklärte, wie die Austragung des Turniers in seinem Heimatland ihm und den Trainer in Georgien half, einen wichtigen Schritt in der eigenen Entwicklung zu nehmen.

"Das ist ein großartiges Turnier für Georgien", sagte er. "Das Turnier war aus professioneller Sicht sehr interessant, man konnte sehr gut erkennen, wie die unterschiedlichen Nationen versuchten, ihre Philosophien auf dem Feld umzusetzen. Man konnte die neuen Entwicklungen im europäischen Fußball erkennen."

"Unser A-Lizenz-Lehrgang findet zu dieser Zeit statt und es ist eine tolle Gelegenheit für unsere Trainer zu sehen, wie die besten Nationen arbeiten. Man kann die Herausforderungen neuer taktischer Entwicklungen begutachten und die Entwicklung der neuen Spielsysteme. Ebenfalls interessant waren die Einwechslungen der Trainer und deren Bedeutungen. Meine Lehrgangsteilnehmer haben alle Spiele gesehen und wir haben auch alle Partien analysiert. Das war eine einmalige Gelegenheit für uns."

Es ging folglich um eine doppelte Entwicklung - die der Spieler und die der Trainer.

"Wir wollen die Fähigkeiten unserer Trainer natürlich verbessern und entwickeln, so können wir den Fußball in unserem Land voranbringen. Das ist der Schlüssel für den Fußball in Georgien", sagte Darsadze weiter. "Das georgische Team hat guten Fußball gespielt. Allerdings hängt das Spiel von einigen wenigen talentierten Akteuren ab. Doch Fußball ist ein Teamsport und diesbezüglich haben wir noch einige Schwächen, an denen wir arbeiten müssen. Wir lernen hier von den anderen Nationen. Diese Spieler werden einen wichtigen Teil unserer zukünftigen Nationalmannschaft ausmachen, wir müssen also einen großen Fokus auf deren Entwicklung legen."

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England und die Tschechische Republik standen sich im Halbfinale gegenüber

Eine Lernplattform

Natürlich kann man viel lernen von Dokumenten für die Trainerentwicklung und Weiterbildung, wie die Technischen Reporte der UEFA. Doch nichts geht über das Analysieren der Spiele, die man selbst live vor Ort verfolgt.

Die Nachwuchsturniere der UEFA bieten die ideale Möglichkeit für Spielanalysen. Dort stehen in einem kleinen Zeitrahmen eine Vielzahl von Spielen auf dem Plan. Wie kann man diese Konstellation also optimal ausnutzen?

"Es wäre interessant, Treffen der technischen Studiengruppen während der Turniere zu organisieren, dank derer auch U17- und U19-Trainer, deren Teams nicht an der Endrunde teilnehmen, profitieren können", schlug Ghenadie Scurtul vor. "Sie könnten die Spieler und deren Qualitäten genau begutachten und würden womöglich auch Vorbilder für die Entwicklung in den eigenen Ländern finden."

Die Beispiele der aserbaidschanischen und georgischen Delegationen zeigen deutlich, dass die noch in der Entwicklung befindlichen Nationen einen großen Fokus darauf legen, die Lücke nach vorne zu schließen. Und das, indem sie diese genau beobachten und daraus lernen. "Die Trainer wollen die Spieler hier vor Ort analysieren", sagte Savvas Constantinou. "Sie legen ihren Fokus auf die Spielanalyse und wo geht dies besser als hier live vor Ort."

Ghenadie Scurtul führte eine solche Delegation zur U21-Endrunde in Polen, die kurz vor Beginn des Turniers in Georgien zu Ende ging.

"Ich wollte den Lehrgangsteilnehmern zeigen, wie die Topspieler in Europa agieren. Sie wissen das zwar, aber sie haben es noch nie live gesehen", erklärte er. "Sie waren nach dem ersten Spiel doch ganz schön überrascht. Insgesamt waren zehn verschiedene Nationen mit Lehrgangsteilnehmern bei der U21-Endrunde vor Ort und ich denke, man könnte daraus sehr viele wichtige Erfahrungen in Informationen sammeln." Wie geht die diesbezügliche Entwicklung bei der U19-Endrunde weiter?

https://de.uefa.com/under19/season=2017/technical-report/talking-points/index.html#gesprachsthemen