Die offizielle Website des europäischen Fußballs

Der Weg ins Finale

Der Weg ins Finale
Gedson Fernandes wird nach seinem Siegtreffer im Halbfinale gefeiert ©Sportsfile

Der Weg ins Finale

Im heißen Tiflis eröffneten Schweden und die Tschechische Republik die UEFA-U17-Europameisterschaft 2017, bei der der Griff zur Wasserflasche auch während der Partien keine Seltenheit bleiben sollte.

©Sportsfile

Daniel Turyna feiert den Auftaktsieg der Tschechen

Den Ball laufen lassen - eine alte Fußballfloskel, die bei diesem Turnier ganz oben auf dem Taktikzettel aller Teams stand. Umgesetzt wurde dieser Plan gleich zu Beginn von den Tschechen, als diese ganze neun Pässe am Stück spielten, bevor Denis Granečný mit seiner Hereingabe Libor Holík fand, der seinerseits Daniel Turyna bediente und dieser mit dem Kopf den ersten Turniertreffer erzielte. Damit hatte Schweden die undankbare Aufgabe, bei diesen Bedingungen auch noch einem Rückstand hinterherzulaufen. Dieser verdoppelte sich sogar noch im Mikheil Meskhi Stadioni, als Turynas Volley aus gut 16 Metern zum 2:0 im Tor der Nordeuropäer landete. Schweden reagierte und stellte von einem 1-4-4-2-System auf ein 1-4-3-3-System um.  In der Folge spielte Kapitän Dusan Jajic deutlich zentraler und konnte das Spiel so besser gestalten. Zu mehr als dem Anschlusstreffer von Viktor Gyökeres reichte es am Ende aber nicht mehr.

Beim Abendspiel in Gori war die Hitze kein derart großes Thema mehr. Heiß war es dafür auf den Tribünen, wo die heimischen 4.156 Fans den Gastgeber aus Georgien ununterbrochen anfeuerten, dies am Ergebnis am Ende aber auch nichts änderte, denn das Duell mit dem ballbesitzstarken Portugal ging verloren. Aber auch der große Wille der Georgier konnte nicht über die fehlende Erfahrung auf diesem Niveau hinwegtäuschen. Auf der anderen Seite zeigte Portugals Torhüter Diogo Costa ganz abgeklärt alle Abschlüsse der Gastgeber. Den einzigen Treffer der Partie erzielte schließlich Rui Pedro vom Elfmeterpunkt Mitte der zweiten Hälfte.

Obwohl dem Team ganze 20 Spieler nicht zur Verfügung standen, die potenziell den Sprung in die Mannschaft geschafft hätten, zeigten sich die Niederländer in ihrem ersten Spiel gegen Deutschland alles andere als ersatzgeschwächt. Denn die Partie wurde nach Rückstand noch mit 4:1 gewonnen. Das Herzstück des Erfolgs war Kapitän Justin Bijlow, der das Spiel erstklassig lesen konnte und seine Mannschaft immer wieder antrieb. Außerdem stand die niederländische Defensive sehr diszipliniert und gut organisiert. Die Antwort auf Deutschlands Führungstreffer zu Beginn der zweiten Hälfte durch Aymen Barkok war dann auch mehr als überzeugend. Gerade Deutschlands Außenverteidiger Mats Köhlert hatte große Probleme mit Che Nunnely und Javairo Dilrosun und das Ergebnis waren vier Treffer von Oranje in der Folge. Joël Piroe erzielte einen Dreierpack und Jay-Roy Grot setzte den Schlusspunkt.

©Sportsfile

Niederlande-Angreifer Joël Piroe feiert seinen Dreierpack gegen Deutschland

Einige Stunden zuvor hatte England seine Ambitionen gegen Bulgarien unterstrichen. Dank zweier Treffer jeweils zu Beginn beider Spielhälften hatten die Bulgaren am Ende keine Chance, auf Seiten der Engländer durften Mason Mount und Ryan Sessegnon ihre ersten Turniertreffer bejubeln.

Portugal konnte als einziges Team bereits nach dem zweiten Spieltag den Einzug in die Vorschlussrunde feiern. Grundlage dafür war der 2:1-Erfolg über die Tschechische Republik. Wie schon in ihrer ersten Partie schalteten sich die Außenverteidiger intensiv in das Aufbauspiel ein und gerade Abdu Conté wusste immer wieder zu überzeugen. Ebenfalls stark präsentierte sich Portugal auf den Flügeln mit dem noch frischen Rafael Leão, der auch den Siegtreffer von Rui Pedro vorbereiten konnte.

Im anderen Spiel in Gruppe A hofften 8.000 Fans im Mikheil Meskhi Stadioni auf den ersten Erfolg ihres Landes bei einer U19-Endrunde. Bei den Gastgebern wussten besonders Giorgis Arabidze, Kokhreidze und Chakvetadze zu überzeugen und das Team präsentierte starkes Kombinationsspiel, mit dem man immer wieder durch die schwedischen Defensivreihen kam. Die Schweden hatten wie schon gegen die Tscheche Probleme auf den Flügeln, mit der Folge, dass der Druck auf der Abwehrreihe immer größer wurde. Am Ende feierten die Georgier einen verdienten 2:1-Erfolg und durften sich auf ein Endspiel um Platz zwei gegen die Tschechen freuen, während Schweden nach zwei Pleiten bereit keine Chance mehr auf ein Weiterkommen hatte.

Deutschland hatte sich gut von der Auftaktniederlage erholt und feierte einen 3:0-Erfolg über Bulgarien, zwei der Treffer kamen dabei per Elfmeter. Deutschlands Trainer Frank Kramer nahm einige taktische Veränderungen vor. So schalteten sich die Außenverteidiger öfter in das Angriffsspiel ein, die Flügelspieler stießen regelmäßig in das Zentrum, um die Räume für den Gegner zu binden. Der Führungstreffer fiel schließlich nach einem Angriff über die linke Seite, den Etienne Amenyido zur Führung vollendete. Mit seiner Schnelligkeit und seiner starken Technik war er auch an den beiden weiteren Treffern beteiligt, bei denen er jeweils den Strafstoß herausholte. Beim ersten kam auch noch eine rote Karte für Bulgarien obendrauf.  Kaloyan Krastev und Tonislav Yordanov gaben alles, um die Partie noch einmal spannend zu machen, doch mit einem Mann mehr war Deutschland am Ende eine Nummer zu groß für die Bulgaren.

©Sportsfile

Ben Brereton nach Englands spätem Siegtreffer gegen die Niederlande

Im Duell der beiden Auftaktsieger in Gruppe B behielt England die Oberhand. Die Entscheidung in dieser Partie brachte der Siegtreffer von Ben Brereton in der 84. Minute. Anders als im Spiel gegen Deutschland fehlte Oranje diesmal die Zeit, um die Partie wieder umzudrehen. Bei den Niederlanden überzeugte abermals Justin Bijlow zwischen den Pfosten, am Ende musste Trainer Maarten Stekelenburg aber anerkennen, dass England "eiskalt zugeschlagen hat". Bei den Niederländern kam auch noch eine Verletzung von Piroe hinzu. Für ihn kam Jay-Roy Grot bereits in der achten Minute und zeigte auf eindrucksvolle Art und Weise, dass auch auf der niederländischen Bank viel Qualität sitzt.

Stolze 25.154 Zuschauer versammelten sich am letzten Spieltag in Gruppe A im Mikheil Meskhi Stadioni für das Duell zwischen Georgien und der Tschechichen Republik. In der Partie schienen die Gastgeber etwas überfordert von der Erwartungshaltung der Zuschauer und mussten sich am Ende einer gut organisierten und sehr abwehrstarken tschechischen Mannschaft geschlagen geben. Eigentlich wollten die Georgier schnell durch die Mitte kommen, die starke Defensive der Tschechen vertrieb sie aber schnell auf die Flügel. Auf Grund von Größennachteilen waren die Hereingaben von außen dann auch wenig fruchtbar und konnten nicht effektiv umgesetzt werden. Die Tschechen hingegen nutzten ihren Größenvorteil auch vorne und so köpfte Ondřej Šašinka nach einer Ecke kurz vor dem Seitenwechsel zum 1:0 ein. Libor Holík machte mit seinem Volley Mitte der zweiten Hälfte nach einer Ecke alles klar und zerstörte damit alle Hoffnungen der Gastgeber.

Mit dem sicheren Einzug in das Halbfinale bereits auf der Habenseite, änderte Portugals Trainer Hélio Sousa sein Team vor dem Spiel gegen Schweden gleich auf sieben Positionen. Diese Veränderungen machten sich dann auch bemerkbar. Mit ihren langen Bällen in die Spitze konnte Schweden die portugiesische Abwehr immer wieder überrumpeln. Die Folge waren drei Wechsel von Sousa, dank derer Portugal den Gruppensieg mit einem 2:2 perfekt machte und den Schweden so am Ende doch noch einen Sieg zum Abschied verwehrte.

©Sportsfile

Englands Ryan Sessegnon gegen den Deutschen Gökhan Gül

Der letzte Spieltag in Gruppe B versprach jede Menge Spannung. Doch tatsächlich bot das Duell zwischen England und Deutschland, mit Spannung erwartet, eben diese nicht im Übermaß. Denn England konnte sich mit 4:1 durchsetzen und Deutschland kassierte damit die zweite Pleite der Endrunde. England agierte konstruktiv im Aufbauspiel, überzeugte mit seinen Diagonalpässen und setzte Deutschland massiv unter Druck. Die Folge war eine 2:0-Führung dank der Treffer von Ben Brereton und Ryan Sessegnon nach dem Seitenwechsel. Deutschland kam dank dem eingewechselten Tobias Warschewski zwar noch einmal zurück, am Ende war England aber doch der verdiente Sieger. Für die Deutschen war es das dritte Aus nach der Gruppenphase im Wettbewerb in Folge.

Die Niederlande sicherten sich Platz zwei in der Gruppe dank eines 1:1 gegen Bulgarien, das damit seinerseits seinen ersten Punkt feiern durfte. Biljow überzeugte abermals im Tor der Niederländer, die im Vergleich zum Duell mit England nur auf zwei Positionen verändert waren.

©Sportsfile

Lukas Nmecha lenkt Englands Siegtreffer im Halbfinale ab

Im Halbfinale war es dann ausgerechnet Biljow, der sein Team mit seinem Fehler den Einzug in das Endspiel kostete. Portugals Gedson Fernandes schien den Schlussmann mit seinem Abschluss nicht vor allzu große Probleme zu stellen, doch der ließ die Kugel auf unerklärliche Art und Weise durchrutschen. Zwar konnte er in der zweiten Hälfte wieder mit tollen Paraden glänzen, doch einen eigenen Treffer bekam sein Team nicht mehr zu Stande. Die Niederländer griffen, weiter ohne Piroe, immer wieder über dei Flügel an, fanden aber im Zentrum keine Abnehmer.  Auch Portugal kam immer wieder über die Flügel und zeigte sehr viele Positionswechsel, mit denen man den Gegner vor einige Probleme stellte. Für Portugal war damit das dritte Finale nach 2003 und 2014 perfekt.

England machte es Portugal im zweiten Halbfinale nach. Auch hier reichte ein einziger Treffer, um zum ersten Mal seit acht Jahren wieder in das Endspiel vorzudringen. Gegen die Tschechen hatten beide Teams in einem hart umkämpfte Spiel gute Gelegenheiten, den Unterschied machten aber die eingewechselten Marcus Edwards und Lukas Nmecha, die für den Treffer in der letzten Minute der Nachspielzeit verantwortlich waren.  Die Hoffnungen der Tschechen auf eine Endspielteilnahme waren damit spät begraben worden.

https://de.uefa.com/under19/season=2017/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+finale