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Das Endspiel

Das Endspiel

In überragender Manier zum Titel

Als Frankreichs Angreifer Jean-Kévin Augustin mit seinem Anstoß den Ball in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim ins Rollen brachte, hatten wohl nur wenige der zahlreichen Zuschauer erwartet, dass Italien in dieser Partie ganze fünf Mal anstoßen würde. Ganz sicher nicht Italiens Trainer Paolo Vanoli, der Italien mit seiner taktischen Raffinesse bis ins Finale gebracht hatte. Er blieb seiner 1-4-4-2-Struktur treu, wollte die Partie mit einer weit herausrückenden Abwehrreihe dominieren und die Räume für den Gegner jederzeit eng machen. Allerdings wurde in der Partie schnell klar, dass die Franzosen mit ihren technischen Fähigkeiten in der Lage waren, sich diesem Druck zu entziehen. Frankreich hatte deutlich mehr Ballbesitz und erspielte sich viele Freiräume. Italien war damit beschäftigt, diese Freiräume wieder zu schließen. Es war ein Duell der starken französischen Offensivreihe gegen Italiens Abwehrspezialisten.

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Frankreich sorgte für einen Blitzstart

Ludovic Batelli hatte seinem Team mit auf den Weg gegeben, dass es dem Gegner bei den gefährlichen italienischen Kontern durch ein effektives Umschaltspiel von Angriff auf Defensive möglichst wenig Platz zur Entfaltung geben sollte. Er hatte sicherlich große Erwartungen an sein Team, eine Führung bereits in der sechsten Minute hatte er aber wohl nicht erwartet. Auf der linken Mittelfeldseite wurde Amine Harit hart angegangen, konnte den Ball aber weiterspielen, und der Schiedsrichter aus Aserbaidschan zeigte Vorteil an. So kam der Ball zu Augustin, der die starken italienischen Abwehrspieler mit seinem überzeugenden Antritt stehen ließ und zur französischen Führung einschoss, ohne Alex Meret im Tor der Italiener eine Chance zu lassen. Damit hatte Frankreich seinen Gegner bereits in der ersten Runde auf die Bretter geschickt.

Vanoli, ganz in schwarz und damit nicht nur in Sachen Outfit auf einer Linie mit Atlético-Trainer Diego Simeone, sondern auch was die Hingabe an der Seitenlinie angeht, musste seinem Team von außen doch massiv auf die Sprünge helfen, um diesen Rückschlag zu verdauen. Auf der anderen Seite kaute Batelli relativ entspannt auf seinem Kaugummi herum und erfreute sich am Spiel seines Teams. Der ausgegebene Ansatz, die Italiener aus ihrem System und Rhythmus zu bringen, wurde unter anderem von Ludovic Blas, dem rechten Flügelspieler, immer wieder mustergültig umgesetzt. Dieser zog immer wieder in die Mitte und lockte damit Italiens Linksverteidiger Federico Dimarco in die Mitte in Richtung seiner Innenverteidiger. Das Spiel wurde dann wieder auf die rechte Seite verlagert, wo Außenverteidiger Clément Michelin immer wieder starke Vorstöße zeigte und damit des Öfteren Mittelfeldspieler Alberto Picchi überrannte. Die Folge war dann eine überhastete Rückkehr von Dimarco auf seine Seite.

Mit genau diesem Spielzug leitete Frankreich auch seinen zweiten Treffer ein. Michelins Flanke von der rechten Seite landete genau auf dem Kopf von Blas, der bei seinem Sprint in die Mitte inzwischen am kurzen Pfosten angekommen war und das 2:0 für Frankreich markierte. Italien hatte bis dahin in 360 Minuten nur drei Tore kassiert, nun waren es zwei Treffer in den ersten 20 Minuten des Endspiels.

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Ludovic Blas sorgte für das 2:0

Vanolis Mannschaft ließ sich von dem frühen Rückstand aber nicht entmutigen und agierte weiter in der Überzeugung, dieses Spiel noch drehen zu können. Doch bei aller Hingabe und bei allem Einsatzwillen waren die Italiener der Wucht, Beweglichkeit und überragenden Technik Frankreichs an diesem Tag einfach nicht gewachsen. Kylian Mbappé brach auf der linken Seite durch und brachte einen Ball in die Mitte, den Blas vor dem Tor nur knapp verpasste. Selbst die langen Bälle von Frankreichs Torhüter Paul Bernardoni, erzwungen durch die hochstehenden Italiener, landeten spätestens im zweiten Anlauf immer wieder bei Frankreichs Offensivabteilung. Frankreich hatte die Partie voll und ganz im Griff.

Zur Halbzeit versuchte Vanoli, sein Team aus eben diesem Griff zu befreien, und wechselte Angreifer Patrick Cutrone für Picchi ein. Damit spielte sein Team vorübergehend in einem 1-4-2-3-1-System. Das änderte sich aber schon zehn Minuten später, als er Mittelfeldspieler Simone Edera für Simone Minelli brachte und zum gewohnten 1-4-4-2-System zurückfand. Allerdings wurde nun bei Angriffen auch auf eine 1-4-2-4-Formation umgestellt, die gerade den Spielern auf den Flügeln viel Einsatz abverlangte. 

Bei allem Einsatz blieben Torchancen für Italien Mangelware, Bernardoni musste nur selten eingreifen. Einen Kopfball und eine Volleyabnahme nach Eckbällen sowie einen Abschluss von Andrea Favilli, viel mehr hatte die Italiener nicht zu bieten. Trotzdem fiel die endgültige Entscheidung erst in der 82. Minute. Meret wurde nach einem abgefälschten Fernschuss von Lucas Tousart auf dem falschen Fuß erwischt und hatte keine Chance, das 0:3 abzuwenden. Doch es sollte noch schlimmer kommen für die Italiener. Innenverteidiger Issa Diop versenkte den Ball nach einer Flanke mit dem Kopf und sorgte somit kurz vor dem Ende für den deutlichen Endstand. Damit war der höchste Erfolg in einem U19-Endspiel besiegelt. Alles in allem war es eine relativ gnadenlose Lektion für das italienische Team, das mit Tränen in den Augen seine Silbermedaillen in Empfang nahm. Die Mannschaft hatte alles gegeben, aber gegen einen Gegner verloren, der in Sachen Technik, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Spielübersicht einfach eine Nummer zu groß war.

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Les Bleus feiert einen verdienten Sieg

https://de.uefa.com/under19/season=2016/technical-report/the-final/index.html#das+endspiel