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Gesprächsthemen

Gesprächsthemen
Einige Teams profitierten von der großen Erfahrung ihrer Spieler, andere nicht ©Sportsfile

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Ungleiche Erfahrung?
Theoretisch sollten die 146 Spieler der Endrunde allesamt mehr oder weniger auf einem Stand ihrer Entwicklung sein. War dem aber auch so? Italiens Trainer Paolo Vanoli sagte vor dem Endspiel gegen Frankreich, dass "deren Spieler 195 Partien in den beiden französischen Topligen zu Buche stehen haben. Deren Torhüter Paul Bernardoni hat bereits 21 Spiele für Bordeaux absolviert. Unserer ist dritter Torhüter bei Udinese. In Sachen Erfahrung kommen wir mit ihnen nicht mit."

Wir können in Frankreich sehr froh sein, dass viele Trainer dort auf junge Spieler setzen und ihnen ihr Vertrauen schenken
Frankreichs Trainer Ludovic Batelli über die Erfahrung, die seine Spieler zur Endrunde mitgebracht haben

Diese Anmerkung verlangte eine genauere Betrachtung der Situation. Die Tatsache, dass viele gestandene französische Spieler im Ausland aktiv sind, eröffnet dem Nachwuchs attraktive Möglichkeiten, frühzeitig wichtige Erfahrungen zu sammeln, und gab Ludovic Batelli die Chance, sein Team mit Akteuren mit Spielerfahrung in den französischen Topligen auszustatten. Das Team von Vanoli auf der anderen Seite erreichte Deutschland nahezu ohne Spielpraxis im Profibereich. Ein Paradebeispiel dafür ist Linksverteidiger Federico Dimarco, der beim FC Internazionale unter Vertrag steht, allerdings für die abgelaufene Saison in die Serie B an Ascoli ausgeliehen wurde und nach dem Turnier in Deutschland sein Glück bei Empoli FC versuchen wird. "Der Schritt in den Profibereich ist ein großer und gerade was die Intensität angeht, eine andere Welt", erklärte er.

In ähnlichen Situationen befanden sich auch andere Akteure der Endrunde. Englands Angreifer Dominic Solanke und Izzy Brown wurden beide für die Saison 2015/16 von Chelsea in die Niederlande zu FC Vitesse ausgeliehen. Portugals Trainer Emilio Peixe stellte ein Team zusammen, das zumeist in der Heimat aktiv ist. Acht Spieler stehen beispielsweise bei SL Benfica unter Vertrag und die meisten spielen in der Jugendliga. Auf der anderen Seite wurden fünf der kroatischen Spieler bereits von Teams aus Italien, Deutschland oder Belgien unter Vertrag genommen.

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Dominic Solanke wurde von Chelsea an Vitesse ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln

Allerdings bedeutete 'Erfolg' im Vereinsfußball mitunter das Fehlen für die Endrunde in Deutschland. Österreich musste auf zwei wichtige Spieler verzichten, da es Probleme mit deren Freigabe gab. Die Niederlande mussten auf wichtige Spieler verzichten, weil zwei Klubs aus England und zwei Klubs aus den Niederlanden einen Einsatz ihrer Spieler nicht zuließen. Die Franzosen hätten gerne noch zwei Spieler in ihren Reihen gehabt, die in Deutschland und Spanien unter Vertrag stehen. Kroatien musste auf fünf Schlüsselspieler verzichten, die aufgrund möglicher Einsätze in der Qualifikation zur UEFA Champions League oder UEFA Europa League bei ihren Vereinen verblieben. Kroatiens Trainer Ferdo Milin erklärte dazu, dass "von dem Team, das noch in der Vorbereitung gegen Katar spielte, kein einziger Spieler in Deutschland mit von der Partie war. Und von den Spielern, die in China gespielt haben, waren nur fünf bei der Endrunde im Einsatz."

Insgesamt vertraute Kroatien in Deutschland aufgrund dieser Situation auf insgesamt acht Spieler mit dem Geburtsjahr 1998 (von den 21 Spielern bei der Endrunde mit diesem Geburtsjahr, zusammen mit zwei portugiesischen Akteuren mit Geburtsjahr 1999). Gesprächsthemen zur Endrunde kamen zahlreiche auf. Was kann dafür getan werden, um die Freigabe von Spielern an diesen Daten zu sichern, gerade bei Vereinen, die kein großes Interesse daran haben dürften, Nationalteams anderer Länder zu unterstützen. Wie wichtig sind Erfahrungen im Profifußball, wenn es um Wettbewerbsfähigkeit bei solchen Endrunden geht? "Ich denke, es ist ein großer Vorteil, wenn man bei den Profis spielt", erklärte Batelli. "Wir können in Frankreich sehr froh sein, dass viele Trainer dort auf junge Spieler setzen und ihnen ihr Vertrauen schenken."

Muss und kann an diesem wichtigen Scheideweg zwischen Jugendfußball und Profibereich etwas Bestimmtes unternommen werden, um den Talenten den Weg in eine erfolgreiche Karriere aufzuzeigen? Kann man die Vereinstrainer dazu bringen, mehr auf junge Talente zu setzen und diesen ihr Vertrauen zu schenken?

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Es gab verschiedene Anstoßzeiten bei der Endrunde

Die Trinkpause
Bei der Endrunde in Deutschland gab es Anstoßzeiten von der Mittagszeit bis in den Abend. Die Spiele, die um 12.00 Uhr begannen, waren ein großer Erfolg in Bezug auf den Zuschauerzuspruch, gerade durch den Besuch von Schülern. Die Trainer waren über die frühen Anstoßzeiten und die damit nach vorne verschobene Vorbereitung nicht ganz so erfreut. Auch das Spielen in der prallen Sommersonne war eine Herausforderung. Für die technischen Beobachter war klar zu erkennen, dass die Mittagsspiele in Sachen Intensität eine Stufe unter den anderen Partien lagen. Es wurde auch angemerkt, dass die Niederlande alle ihre Gruppenspiele in der Mittagszeit austragen mussten.

Bei der UEFA EURO 2016 in Frankreich wurde bei Temperaturen über 32 Grad Celsius Mitte der beiden Spielhälften jeweils eine kurze Spielpause zum Abkühlen eingebaut. In Deutschland waren ähnliche Abläufe vorgesehen. In der Durchführung und Anwendung gab es aber wohl noch etwas Verbesserungspotential. So wurde auch einmal vergessen, die Pausenzeit in die Nachspielzeit zu integrieren, oder es gab die Erfrischungspause in einer Partie, wobei es in dem Spiel zwei Stunden zuvor keine entsprechende Pause gegeben hatte.

Der zentrale Punkt bezüglich dieser Thematik ist aber die Tatsache, dass die Trainer genau wussten, wie sie die Spielpausen nutzen konnten, um ihre Spieler taktisch auf den neuesten Stand zu bringen. Begehrlichkeiten wurden durch diese Spielunterbrechungen auch geweckt. "Wenn sie in dieser Partie zwei zusätzliche Unterbrechungen haben, wieso wir nicht, nur weil es hier zwei Grad kälter ist?" Natürlich ist diese Trinkpause für die Spieler eine sehr vorteilhafte Angelegenheit, gerade im Nachwuchsbereich. Aber inwiefern ist sie der erste, vielleicht unbeabsichtigte Schritt in Richtung der Einführung einer Auszeit im Fußball?

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Deutschland setzte sich im WM-Play-off gegen die Niederlande durch

Der etwas andere Standard
Folgendes Szenario. Der Schiedsrichter gibt einen Freistoß auf der rechten Seite des Spielfeldes. Entsprechend der aktuellen Entwicklungen im Fußball steht das verteidigende Team relativ hoch, ungefähr an der Kante des Sechzehnmeterraums. Das angreifende Team platziert nun einen Spieler nur drei Meter von der Grundlinie offensichtlich im Abseits. Als sein Mitspieler zum Freistoß anläuft, läuft dieser zurück von seiner verlassenen Position  aber nicht um aus dem Abseits herauszulaufen (Er hat keine Ambitionen, überhaupt an den Ball zu kommen). Auf seinem Weg zurück stellt er sich einem der Verteidiger in den Weg, so dass dessen Gegenspieler/sein eigener Mitspieler als freier Empfänger für den Freistoß bereitsteht. Dieser kommt an den Ball, köpft ihn ein und der Schiedsrichter zeigt in Richtung Mittelkreis. Ist etwas Falsches an dieser Spielweise?

Der vierte Wechsel
Im FIFA-WM-Play-off zwischen Deutschland und der Niederlande wurde unterdessen Geschichte geschrieben. Aron Winter nahm als erster Trainer überhaupt die Möglichkeit wahr, einen vierten Spieler einzuwechseln. Er tat dies als Reaktion auf den 2:3-Rückstand seines Teams. Nur vier Minuten später verletzte sich bei den Deutschen Jannes Horn und konnte nur durch diese neue Regel und deren Erprobung durch einen vierten Einwechselspieler ersetzt werden.

Die technischen Beobachter der UEFA in Deutschland unterstützten im Anschluss einen Einsatz dieser Regel bei Turnieren anderer Altersstufen. Sie bewerteten die Möglichkeit eines Trainers, so auf einen Rückstand zu reagieren, als lobenswert. Ebenfalls sei es ein großer Vorteil, dass ein Team in den entscheidenden Minuten der Verlängerung nicht in Unterzahl agieren muss, nur weil sich ein Spieler verletzt hat und kein Wechsel mehr möglich ist. Nachvollziehbar, oder?

https://de.uefa.com/under19/season=2016/technical-report/talking-points/index.html#gesprachsthemen