Die offizielle Website des europäischen Fußballs

Der Weg ins Finale

Der Weg ins Finale

Bei einem Turnier, das gerade einmal 13 Stunden nach dem Erfolg Portugals bei der UEFA EURO 2016 begann, waren natürlich in Frankreich aufgeworfene Fragen allgegenwärtig. War es Zufall, dass alle Gruppensieger in Frankreich ihre Auftaktspiele gewinnen konnten? Zum Auftakt bei der U19-Europameisterschaft durfte Gastgeber Deutschland gegen Italien antreten und traf auf ein Team, das defensiv zu überzeugen wusste. Deutschland kam auf 16 Torschüsse und 12 Ecken, die Italiener auf zwei Torschüsse und keine einzige Ecke  doch am Ende hatten die Italiener drei Punkte zu Buche stehen. Am Ende entschied ein später Elfmeter als Folge eines der seltenen italienischen Konter die Partie. Die Deutschen spielten immer wieder direkt in die Spitze auf Stoßstürmer Janni Serra und versuchten ihr Glück oft mit Fernschüssen  am Ende hatte jedoch immer der überragende Keeper Alex Meret das letzte Wort.

©Sportsfile

Der Gastgeber erwischte einen enttäuschenden Start

Glück im Unglück für die Deutschen war, dass es im zweiten Spiel zwischen Österreich und Portugal keinen Sieger gab. Beide Teams standen hoch und griffen früh an, schalteten schnell um und besonders Portugal überzeugte mit seinem Passspiel. Österreich auf der anderen Seite stand defensiv sehr gut sortiert und wusste die schnellen portugiesischen Konter abzufangen.

Nicht ganz so ausgeglichen begann die Partie zwischen Deutschland und Portugal am zweiten Spieltag. Vom Anpfiff weg setzten die Gastgeber ihren Gegner unter Druck und drängten die Portugiesen tief in ihre Hälfte. Die Portugiesen mussten auf lange Bälle aus der eigenen Defensive vertrauen. Der Lohn für die Arbeit des Teams von Trainer Guido Streichsbier war die frühe Führung, die aber kein gutes Omen sein sollte. Nach zwei Kontertoren kurz vor und nach der Halbzeitpause lag Portugal in Führung. Zwar erzielte Phillipp Ochs noch zwei weitere Treffer für die Deutschen, doch am Ende stand eine knappe 3:4-Niederlage, die Deutschland keine Chance mehr auf das Halbfinale ließ.

Österreich kam auch in seiner zweiten Partie nicht über ein 1:1 hinaus. Dabei machte die Alpenrepublik das Spiel, kam immer wieder über die Mitte und versuchte sein Glück mit vielen Einzelaktionen sowie Fernschüssen (einer davon brachte das Team auch in Führung). Es dauerte aber nur drei Minuten, bis Italien durch einen Freistoß von Manuel Locatelli den Ausgleich schaffte und sich dank der erneut starken Defensive das Remis sicherte.

©Sportsfile

Italien holte sich gegen Portugal einen wichtigen Punkt

Damit benötigte Italien noch einen Punkt, um den Sprung ins Halbfinale perfekt zu machen. Diesen erreichte das Team dank eines erneuten Elfmetertreffers gegen Portugal, das gegen die defensiv ausgerichteten Italiener ebenfalls seine Probleme hatte. In der zweiten Hälfte brachte Emilio Peixe mit Buta und Alexandre Silva zwei neue Offensivkräfte. Erster sorgte nach einem Eckball auch für den späten Ausgleich zum 1:1, der gleichzeitig den Endstand bedeutete.

Österreich und Deutschland spielten unterdessen den Play-off-Platz für die Weltmeisterschaft aus. Beiden Teams war dabei die Nervosität anzumerken, die sich in Form von Fehlpässen bemerkbar machte. Die Deutschen kamen nach und nach besser in die Partie und zeigten gefällige Kombinationen, auch dank der Außenverteidiger, die sich immer wieder in die Offensive einschalteten. Österreich agierte zurückhaltend und zog immer wieder einen fünften Mann mit in die Abwehrreihe hinein. Doch Österreich beging zu viele Fehler und kassierte so zwei Gegentreffer nach zwei Freistößen von der linken Seite sowie ein drittes Gegentor nach einer weiteren Linksflanke. Durch das 0:3 musste sich Österreich aus dem Turnier verabschieden.

In Gruppe B ereilte dieses Schicksal Kroatien. Ferdo Milins junges Team kämpfte aufopferungsvoll, am Ende fehlte es aber gegen starke Gegner an der nötigen Erfahrung. Im ersten Spiel trafen sie auf die Niederlande, die in einer 1-4-3-3-Formation agierten und mit ihrem schnellen Spiel zu einer verdienten 2:0-Führung kamen. Kroatien schaffte zwar den Anschlusstreffer, doch am Ende sorgte Steven Bergwijn mit seinem Treffer für den 3:1-Endstand für das Team von Trainer Aron Winter.

©Sportsfile

Kroatien hatte in der Gruppe B viel Mühe

Die kroatische Abwehr wurde im zweiten Spiel von Frankreichs technisch und taktisch starker Offensive herausgefordert. Die Kroaten standen hoch, spielten über weite Strecken effektives Pressing, konnten ihre Angriffe aber einfach nicht zu Ende bringen. Kroatien kassierte nach einem Konter und einem Freistoß zwei Treffer und musste sich am Ende trotz starker Vorstellung mit 0:2 gegen die Franzosen geschlagen geben.

Im letzten Gruppenspiel traf Kroatien auf England, das in seinem ersten Gruppenspiel gegen Frankreich nach nur neun Minuten bereits mit 2:0 in Führung lag und in der Offensive von einem ganz starken Dominic Solanke angeführt wurde. England bestand zu großen Teilen aus der Siegermannschaft der U17-Endrunde 2014 auf Malta. Die Franzosen kamen mit einem Freistoßtreffer noch einmal zurück, mussten sich am Ende aber geschlagen geben. Für England ging es dann gegen die Niederlande, die man im Finale 2014 noch schlagen konnte. Es entwickelte sich eine vor allem taktisch beeindruckende Partie, die erst in der Nachspielzeit durch den 2:1-Treffer des eingewechselten Izzy Brown zu Gunsten der Engländer entschieden wurde.

©Sportsfile

Jean-Kévin Augustin traf gegen die Niederlande dreifach

Dank der sechs Punkte auf dem Konto konnte Trainer Aidy Boothroyd vor der Partie gegen die Kroaten sein Team etwas umstellen, die Leistung seines Teams musste darunter aber nicht leiden. Es dauerte wieder nur zehn Minuten, um eine 2:0-Führung zu etablieren, im Anschluss schaltete das Team aber einen Gang herunter. Es folgte der Anschlusstreffer durch Nikola Moro und kurz vor Ende eine Druckphase der Kroaten, die aber nicht belohnt wurde. So stand England am Ende als Gruppensieger ohne Punktverlust fest. Im Parallelspiel hatten die Niederländer von Beginn an Probleme mit dem Druck der Franzosen und deren Stärke im Spiel Mann gegen Mann. Zwar konnte man nach zwei Gegentreffern zwischenzeitlich auf 1:2 stellen, doch am Ende sollte eine klare Niederlage stehen. Dank drei Treffern von Angreifer Jean-Kévin Augustin und zwei Toren von Flügelspieler Kylian Mbappé feierte Frankreich einen ungefährdeten 5:1-Erfolg und die Niederlande musste im WM-Play-off-Spiel gegen Deutschland antreten.

In diesem Spiel um die WM-Teilnahme nahm die Taktik mit zunehmender Spielzeit eine immer unwichtigere Rolle ein. Vor der Pause fiel ein Treffer, den Ochs nach einem Abwehrdurcheinander der Niederländer erzielen konnte. Neun Minuten vor dem Ende sorgte Oranje-Kapitän Abdelhak Nouri mit einem Freistoßtreffer für das 1:1. Die vier weiteren Treffer wurden allesamt von Einwechselspielern erzielt. Geschichte wurde auch noch geschrieben – in der Verlängerung wurde Michel Vlap als erster Akteur überhaupt mit der vierten Einwechslung eines Teams auf das Feld geschickt. Noch vor der Verlängerung brachte Dennis van der Heijden die Niederländer in Führung, doch Suat Serdar schaffte in der dritten Minute der Nachspielzeit noch den Ausgleich. Marvin Mehlem sorgte in der Verlängerung für das 3:2 der DFB-Elf, Sam Lemmers machte dann mit seinem Treffer das Elfmeterschießen klar. Dort behielten am Ende die Deutschen mit einem 5:4-Erfolg die Oberhand.

Die beiden Halbfinals wurden am gleichen Tag beide in Mannheim ausgetragen. Den Auftakt machten England und Italien. Durchaus überraschend fanden die Engländer nach ihrer starken Gruppenphase keine Mittel gegen die Italiener, die wenn überhaupt Fernschüsse zuließen, die fast alle komplett ihr Ziel verfehlten. Auch gegen die italienischen Konter fand England kein brauchbares Rezept. Paolo Vanolis Team kombinierte gefällig, lief viel und schaltete nach Ballgewinnen sehr schnell um. Die beiden Angreifer wurden schnell in die Angriffe eingebunden und oftmals von Mittelfeldspieler Paolo Ghighlione in der Spitze unterstützt. Kaum zu überbieten war die Chancenverwertung der Italiener, die mit einem Elfmeter und einem direkten Freistoß erfolgreich waren. Boothroyd wechselte die Offensive im Anschluss kräftig durch, doch mehr als der Anschlusstreffer durch ein Eigentor von Alberto Picchi sprang dabei nicht heraus. Damit stand Italien, ohne einen Treffer aus dem Spiel heraus, im Finale.

©Sportsfile

Italien hielt England in Schach und erreichte das Finale

Dort sprach einiges für Portugal als Gegner, als Pedro Pacheco nach einem Freistoß nach nur drei Minuten zum 1:0 einköpfte. In der Folge agierte das Peixe-Team sehr defensiv, zog sich weit zurück und hatte phasenweise alle Spieler hinter dem Ball. Durch diese Taktik kamen aber kaum noch Entlastungsangriffe zustande und die Franzosen konnten dauerhaft großen Druck auf Portugals tiefstehende Abwehr ausüben.

Allzu lange musste Frankreich auch gar nicht auf den Ausgleich warten. Es dauerte sieben Minuten, bis die Antwort auf den Rückstand gefunden wurde. Mbappé legte einen beeindruckenden Lauf auf der linken Seite hin, brachte den Ball in die Mitte, wo Ludovic Blas bereitstand und auf 1:1 stellte. Die Franzosen reagierten in der Folge auf die portugiesische Zurückhaltung mit dem Vorziehen der gesamten eigenen Mittelfeldreihe und wurden für diesen Schachzug auch belohnt. Als Issa Diop den Ball im Mittelfeld gewinnen konnte, spielte er diesen weiter auf Amine Harit, der direkt zu Clément Michelin weiterspielte. Dieser wiederum sah den freistehenden Mbappé, der diesen mustergültigen Konter zum 2:1 abschloss. Portugal wirkte nun ideen- und kraftlos und musste noch einen weiteren Gegentreffer hinnehmen. Trotz einer klaren numerischen Überzahl Portugals im eigenen Strafraum kam Mbappé nach einem Einwurf von Michelin an den Ball und köpfte diesen zum Endstand ein. Trotz der Auftaktniederlage gegen England hatte sich Frankreich ins Turnier gekämpft und nun den Sprung ins Endspiel geschafft.

https://de.uefa.com/under19/season=2016/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+finale