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Trainer über wichtige Themen

Trainer über wichtige Themen
Russlands Nikita Chernov (rechts) im Zweikampf mit Spaniens Alfonso Pedraza ©Sportsfile

Trainer über wichtige Themen

Terminprobleme
In der U19 gibt es Themen, die schon seit Ewigkeiten diskutiert werden. Wenn man jährlich einen Bericht verfasst, möchte man sich eigentlich nicht immer wiederholen. Aber wenn ein Thema für die Trainer, die bei Endrunden vertreten sind, von solch großer Bedeutung ist, dass sie es immer wieder aufbringen - sollte man es dann unter den Teppich kehren, nur weil man es schon einmal behandelt hat? Oder heißt das nicht vielmehr, dass es einfach eine große Bedeutung hat?

Die Trainer in Griechenland diskutierten viele verschiedene Themen, nicht wenige davon überschnitten sich auch. Fast alle machten sich Gedanken, ob die Spieler fit genug in dieses Turnier gehen würden, da es ein wenig früher stattfand als in der Vergangenheit (Mitte bis Ende Juli). "Das war eine echte Herausforderung für die Mannschaften, deren Spiel auf Technik basiert", sagte Frankreichs Trainer Patrick Gonfalone. "Es gibt eine Grenze, wie man taktisch agieren kann, wenn der körperliche Zustand der Spieler es ihnen nicht erlaubt, 90 Minuten lang zu verteidigen und anzugreifen."

Ähnliche Zitate gab es auch von seinen sieben Kollegen, die alle aber auch leicht unterschiedliche Sichtweisen vertraten. So meinte Deutschlands Marcus Sorg etwa, dass seine Kaderauswahl dadurch beeinflusst wurde: "Wir können nicht so sehr von einem Entwicklungsturnier sprechen", sagte er, "denn wir sind mit den Spielern nach Griechenland gereist, von denen wir glaubten, dass sie zu diesem Zeitpunkt in der besten Form seien. Wir haben nicht an die Zukunft gedacht."

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Viktor Kovalenko (Ukraine) im Spiel gegen Frankreich

Deutschland gehörte wie Österreich und die Ukraine zu den europäischen Teilnehmern der FIFA-U20-WM in Neuseeland, die kaum 16 Tage beendet war, ehe in Griechenland das Eröffnungsspiel stattfand. "Wir haben uns sehr intensiv mit diesem Problem beschäftigt und uns letztendlich entschieden, alle drei Spieler mitzunehmen, die bei der WM ebenfalls dabei waren", sagte der ukrainische Trainer Olexandr Holovko. "Sie konnten sich etwas ausruhen, aber trotzdem kann das für einen Trainer ein Problem sein, wenn die Spieler nicht heiß sind. Man muss sich anschauen, wie motiviert sie sind."

Einer der drei, sein Führungsspieler Viktor Kovalenko, legte in den Worten seines Trainers "schöne Spiele" gegen Griechenland und Frankreich hin, wurde aber, nachdem seine Mannschaft bereits ausgeschieden war, im letzten Spiel gegen Österreich (das ebenfalls mit dieser Problematik zu kämpfen hatte) nicht mehr aufgestellt.

"Wir mussten uns sehr genau mit unserem Kader beschäftigen", räumte ÖFB-Coach Hermann Stadler ein. "Und wir haben uns dazu entschieden, die drei Spieler, die in Neuseeland dabei waren, nicht mitzunehmen. Uns fehlten unser Torwart, ein Innenverteidiger und ein defensiver Mittelfeldspieler. Wir hatten auch Verletzungen zu verkraften, daher war die Kadernominierung für uns nicht einfach. Letztendlich haben uns sechs Stammspieler gefehlt."

Während Teams wie Frankreich, Deutschland, Griechenland und Spanien angaben, dass sie "all die Spieler, die wir wollten", dabei hatten, bedauerte der niederländische Trainer Aron Winter den Verlust mehrerer Stammspieler. "Man denkt ja gerne, dass die Endrunde der Höhepunkt eines Entwicklungsprozesses ist", sagte er. "Aber von der Gruppe, mit der wir im September 2014 begonnen haben, fehlten auf der Reise nach Griechenland 19 Spieler." Hier handelte es sich um ein extremes Beispiel, bei dem die Endrunde mit Qualifikationsspielen zur UEFA Champions League und der UEFA Europa League zusammenfiel (was Spielerabstellungen erschwerte) und dies noch mit der Tatsache zusammenkam, dass in den Niederlanden Spieler des Jahrgangs 1996 größtenteils schon Mitglieder der Profikader sind.

Winters Unzufriedenheit ist nachvollziehbar, wenn man sieht, dass neun Spieler seiner möglichen Startelf nicht in Griechenland dabei waren. Seine Herausforderung als Trainer bestand also darin, in einem Monat eine ganz neue Spielergruppe auf die Endrunde vorzubereiten. Daher gehörte er zu den vielen Trainern, die immer wieder über die Terminierung der Endrunde sprechen wollen. Viele Jahre lang wird schon darüber diskutiert - aber gibt es eine Lösung?

Ein schwieriges Alter?
Die Spielerfahrung der U19-Spieler ist auch ein immer wiederkehrendes Thema unter den Trainern. Griechenlands Giannis Goumas betonte die Tatsache, dass "wir drei oder vier Spieler in Seniorenkadern haben, die aber die meiste Zeit auf der Bank sitzen und wenn sie dann einmal spielen, meistens nur etwa zehn Minuten auf dem Platz stehen. Wir hatten drei Spieler, die in der zweiten Liga regelmäßig zum Einsatz kamen – und das waren wichtige Spieler für uns." Spaniens Trainer Luis de la Fuente fügte hinzu: "Der Kern unseres Kaders besteht aus einer Spielergruppe, die regelmäßig in der zweiten oder dritten Liga spielen - unserer Segunda B."

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Frankreichs Kingsley Coman im Spiel gegen Österreich

Gonfalone meinte weiter: "Das macht es den Trainern schwer, die Form ihrer Spieler zu bewerten und eine Mannschaft aufzubauen. Es ist ein schwieriges Alter, denn in der Theorie sind die Toptalente von den Spitzenvereinen bemerkt worden. Aber bei diesen Topklubs spielen sie vielleicht nicht so viel, daher mangelt es ihnen an Spielpraxis und Wettbewerbsrhythmus."

Das lässt sich am Beispiel von Kingsley Coman demonstrieren, der am 6. Juni für Juventus in den Schlussminuten des Endspiels der UEFA Champions League gegen den FC Barcelona zum Einsatz kam, nachdem er zuvor 14 Liga- und zwei Pokalspiele für die Italiener bestritten hatte. Aber insgesamt kam er in dieser Saison auf 701 Einsatzminuten. Nach 40 Minuten im zweiten Spiel der Franzosen war er zu müde, um noch weiterzuspielen. Man muss fairerweise aber sagen, dass er seinen Urlaub in die Zeit zwischen dem Berliner Endspiel und der Endrunde in Griechenland gequetscht hatte und sich wohl in der Vorbereitungsphase auf die neue Saison befand.

Die Trainer in Griechenland diskutierten jedenfalls intensiv darüber, ob die besten Entwicklungsmöglichkeiten gegeben sind, wenn man in dieser schwierigen Altersgruppe dem Profikader eines Spitzenvereins angehört, oder doch eher, wenn man auf niedrigerem Niveau regelmäßig zum Einsatz kommt.

Relativer Alterseffekt?
Wenn es ein Horoskop in Fußballzeitungen gäbe, wäre das für einige Spieler im Jugendbereich eine deprimierende Angelegenheit. Besonders für jene mit den Sternzeichen Skorpion oder Schütze. Seit vielen Jahren kann man in der Altersgruppe U17, in der sechs oder sieben Monate Altersunterschied große Veränderungen bei Reife und körperlicher Entwicklung bringen können, feststellen, dass in den Kadern jene Spieler überwiegen, die im ersten Jahresviertel geboren sind.

Es ist ein Thema, das in jener Altersstufe viel diskutiert wird. Die Saison 2014/15 demonstrierte aber, dass sich diese Diskussion nicht nur auf die U17 beschränken lässt - die Tendenz setzt sich in alle Altersbereiche bis zur U19 und U21 fort. Von den 184 Spielern der U21-Endrunde in der Tschechischen Republik, die direkt vor der U19-EM in Griechenland endete, wurden nur 9,8 Prozent in den letzten drei Monaten eines Kalenderjahres geboren.

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Spaniens Borja Mayoral wurde 1997 geboren

Die Freigabeproblematik beeinflusste die Kaderbildung für die Endrunde in Griechenland wie bekannt. Winters Probleme führten dazu, dass acht Spieler nominiert wurden, die 1997 geboren wurden. Die spanischen und österreichischen Kader beinhalteten sieben respektive fünf Spieler dieses Jahrgangs, in den Kadern Griechenlands und Deutschlands fand sich dagegen kein einziger aus dem Jahr 1997. Insgesamt wurden 25 der 144 Spieler (17,4 Prozent) 1997 geboren, der Rest 1996.

Unabhängig vom Geburtsjahrgang wurde auch hier wieder die Tendenz bestätigt, jene Spieler mitzunehmen, die in den ersten drei Monaten des Kalenderjahres geboren wurden. Insgesamt 34 % der Akteure wurden zwischen Januar und März geboren, nur 9,7 Prozent von Oktober bis Dezember.

Nun muss man darüber diskutieren, ob man glaubwürdig davon ausgehen kann, dass bei den Jungen, die in den letzten drei Monaten eines Kalenderjahres geboren werden, weniger fußballerisches Talent vorhanden ist. Oder ob die Auswahlprozesse im frühen Teenageralter dazu führen, dass "Spätzündern" auf Dauer die Tür zugeschlagen wird und dadurch eine große Menge an Talenten durchs Netz geht.

https://de.uefa.com/under19/season=2015/technical-report/talking-points/index.html#gesprachsthemen