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Rechenspiele in der Endrunde

Rechenspiele in der Endrunde
Deutschlands Trainer Marcus Sorg feuert sein Team im Spiel gegen Spanien an ©Getty Images

Rechenspiele in der Endrunde

"Die vielleicht wichtigste Lektion, die Spieler bei so einem Turnier lernen", sagte Deutschlands Trainer Marcus Sorg, "ist die Tatsache, dass schon ein Fehler den Sieg kosten kann."

Die Endrunde war von großer Ausgeglichenheit, aber auch von einigen Fehlern geprägt. Nach dem Eröffnungsspiel merkte Griechenlands Trainer Giannis Goumas an, dass sein Team gerade in der ersten Halbzeit "sehr, sehr glücklich" war, als Gegner Ukraine zahlreiche Chancen liegen ließ, während die Gastgeber ihre einzige Gelegenheit zur Führung nutzten. Nach der Pause verlegten sich die Griechen komplett auf eine Kontertaktik mit fünf Defensivspielern und zogen den Ukrainern so den Zahn. Am Ende stand ein 2:0-Erfolg und damit die ersten drei Punkte auf dem Konto der Hellenen.

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Österreichs Daniel Ripic zeigt seine Verärgerung

Auch in der Partie gegen Österreich, die torlos endete, legten die Gastgeber ihren Fokus auf die Defensivarbeit. Zwar fanden die Österreicher unter ihrem Trainer Hermann Stadler immer wieder Räume und kamen auch zum Abschluss, trafen das Tor aber nicht. Damit ging es den Österreichern in dieser Partie nicht anders als in ihrem Auftaktspiel gegen Frankreich. In dieser Partie fingen die Franzosen unter Trainer Patrick Gonfalone mit ihrem schnellen und trickreichen Spiel stark an, mussten in der Hitze von Katerini aber auch schnell einen Gang zurückschalten.

Zwar brachte Mittelfeldspieler Alexis Blin die Franzosen in der ersten Hälfte in Führung, doch auf weitere Tore warteten die Zuschauer vergeblich. In der 77. Minute schien dann aber die Vorentscheidung gefallen, als Österreichs rechter Außenverteidiger Petar Gluhaković vom Platz gestellt wurde. Doch auch in Unterzahl drängten die Österreicher auf den Ausgleich, blieben aber ohne Erfolg.

Die zweite Partie der Franzosen endete deutlich torreicher. Gegner Ukraine, angeführt von Viktor Kovalenko, zeigte sich kombinations- und konterstark und schaffte früh in der zweiten Hälfte den Ausgleich zum 1:1. Daraufhin übernahmen die Osteuropäer das Kommando, vergaben aber zu viele Chancen und so siegten am Ende die Franzosen dank weiterer Treffer durch den eingewechselten Moussa Dembele und ein Eigentor in der Nachspielzeit mit 3:1.

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Frankreichs Moussa Dembele nach seinem Treffer gegen Griechenland

Mit sechs Punkten nach zwei Spielen standen beim Team von Trainer Gonfalone mehr Punkte zu Buche, als die Leistungen hätten vermuten lassen. Damit standen die Franzosen bereits im Halbfinale und entsprechend wurden einige Akteure im letzten Vorrundenspiel gegen Griechenland geschont. Nichtsdestotrotz ging Frankreich bereits in der ersten Halbzeit durch einen Kopfballtreffer in Führung, der in seiner Entstehung dem Führungstreffer in der Partie gegen Österreich sehr ähnelte. Die wiederum defensiv eingestellten Griechen gaben in der gesamten ersten Hälfte keinen Schuss auf das gegnerische Tor ab.

Für den 2:0-Endstand sorgte dann Dembele und brachte so auch den Österreichern Hoffnung, die nur mit einem Sieg gegen die Ukraine noch Chancen auf das Halbfinale hatten. Allerdings kamen sie in Veria mit dem Passspiel der Ukrainer kaum zurecht und gerieten zweimal in Rückstand. Zwar gelang zweimal der Ausgleich, doch in den letzten Minuten und trotz der Unterstützung des eigenen Torhüters im gegnerischen Strafraum fiel der entscheidende Treffer nicht mehr und Griechenland zog als Gruppenzweiter hinter Frankreich in das Halbfinale ein.

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Spaniens Borja Mayoral feiert seinen Treffer gegen Deutschland

Noch spannender wurde es in der zweiten Vorrundengruppe, in der alle vier Teams bis zum Ende auf Augenhöhe unterwegs waren. Der Kommentar von Sorg bezüglich kostspieliger Fehler war nicht zuletzt auf die Vorstellung seines Teams bei der 0:3-Niederlage zum Start in das Turnier gegen Spanien zurückzuführen. Die Treffer in dieser Partie fielen nach einer starken Aktion über rechts, einem Strafstoß und einem Konter in der Nachspielzeit. In der zweiten Partie des ersten Spieltags setzten sich die Niederländer durch einen Kopfballtreffer nach einem Freistoß mit 1:0 gegen Russland durch. Für das Team von Trainer Aron Winter, genau wie für die Iberer, scheinbar ein wichtiger Schritt in Richtung Halbfinale.

Doch schon am zweiten Spieltag drehte sich das Bild in der Tabelle. Zwar ging Spanien gegen Russland mit 1:0 in Führung, doch die Russen gaben sich zu keiner Zeit auf, erzielten noch vor der Pause den Ausgleich und nach dem Seitenwechsel zwei weitere Treffer. Auch die letzten 20 Minuten in Unterzahl stellten die Russen vor keine großen Probleme mehr.

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Gianluca Rizzo sicherte Deutschland den Erfolg im zweiten Spiel

Durch das 3:1 hatten die Russen Auftrieb bekommen, während die Spanier von Trainer Luis de la Fuente einen herben Dämpfer hinnehmen mussten. Am gleichen Abend dominierte Deutschland die Partie gegen die Niederlande mit nahezu doppelt so vielen Torschüssen wie Oranje, aber nur einem einzigen Treffer mehr. Dieser fiel noch dazu erst zwei Minuten vor dem Abpfiff. Damit siegten die Deutschen 1:0 und gingen wie alle weiteren Teams in der Gruppe mit drei Punkten in die letzte Partie der Vorrunde.

Die beiden entscheidenden Spiele brachten dann vor allem Hochspannung. Spanien ging gegen die Niederlande durch ein Eigentor mit 1:0 in Führung, musste aber per Strafstoß den Ausgleich hinnehmen. Im zweiten Spiel ging Deutschland gegen Russland in Führung, um noch vor der Pause nach einem Kopfballtreffer und einem Eigentor in Rückstand zu geraten.

Sorg stellte sein Team in der Pause um und den gefährlichen russischen Kontern zwei zentrale Mittelfeldspieler entgegen. Timo Werner erzielte zwar noch den Ausgleich für Deutschland, weitere Treffer fielen trotz großer Bemühungen auf beiden Seiten aber nicht. Damit waren am Ende beide Teams auf Grund der Tordifferenz ausgeschieden, nachdem alle vier Mannschaften die Vorrunde mit vier Punkten beendeten.

Die Russen sicherten sich dank ihrer fünf Treffer den ersten Platz und trafen damit im Halbfinale in Larissa auf die Gastgeber, während Spanien als Zweiter in Katerini auf Frankreich traf. Griechenland blieb seiner Kontertaktik erneut treu und konnte gerade über die Flügel einige gute Angriffe setzen. Trotz guter Gelegenheiten blieb die erste Halbzeit aber torlos.

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Russlands Nikita Chernov feiert den ersten seiner zwei Treffer im Halbfinale gegen Griechenland

Gerade fünf Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt, als die Russen in Person von Innenverteidiger Nikita Chernov einen Abwehrfehler per Kopf zur Führung nutzen konnten. Zwei Minuten später nutzten die Russen dann einen Stellungsfehler der Gastgeber zur Vorentscheidung. Es folgten ein dritter Treffer per Elfmeter, eine Rote Karte für Griechenland und der Schlusspunkt zum 4:0 durch Chernov gut zehn Minuten vor dem Ende der Partie.

Das zweite Halbfinale in Katerini sorgte deutlich länger für Spannung. Mit Frankreich und Spanien standen sich zwei technisch versierte Teams gegenüber. Es war ein Kräftemessen zwischen den Franzosen, die schnell und konterstark agierten, und den äußerst ballsicheren Spaniern. Große Torchancen blieben fast die ganze Partie über Mangelware, entsprechend hatten die Torhüter wenig Arbeit. Die Franzosen, die auf Grund ihrer starken Fitness in der Schlussphase durchaus in einer guten Position zu sein schienen, verloren aber genau dort die Partie.

Torhüter Florian Escales konnte in der 85. Minute zwar noch gegen Marco Asensio parieren, musste sich diesem aber drei Minuten später geschlagen geben. Nach einem Fehler von Innenverteidiger Mouctar Diakhaby konnte Asensio mit seinem linken Fuß abschließen und ließ Escales keine Chance. Frankreich drängte direkt im Anschluss auf den Ausgleich und öffnete so auf der anderen Seite die nötigen Räume für Asensio, der in der fünften Minute der Nachspielzeit einen Konter zum Endstand abschloss. Im Finale standen sich damit Spanien und Russland gegenüber und das zum zweiten Mal innerhalb von nur neun Tagen.

https://de.uefa.com/under19/season=2015/technical-report/road-to-the-final/index.html#der+weg+endspiel