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Sorg über die deutschen Stärken

Sorg über die deutschen Stärken
Marcus Sorg feiert mit den deutschen Fans nach dem Finale in Ungarn ©Sportsfile

Sorg über die deutschen Stärken

Marcus Sorg sieht sich mehr in der Verpflichtung, eine Identität und Philosophie in seiner Mannschaft zu verbreiten, als ein Spielsystem zu implementieren. "Wir neigen dazu, Spiele zu dominieren und das Heft selbst in die Hand zu nehmen", sagt er. "Zielsetzung ist es im Rahmen der Teamentwicklung und einer mannschaftlichen Geschlossenheit, den einzelnen Spielern bestmögliche Entwicklungschancen zu geben." Nach dem Finale von Budapest fügte er hinzu: "Das Team hat die fußballerische Philosophie sehr gut umgesetzt, und das hat mich sehr glücklich gemacht." 

Sorg konnte zwar 2011 bereits Erfahrung als Trainer des SC Freiburg sammeln, verbrachte den Großteil seiner Trainerlaufbahn aber im Nachwuchsbereich. Unter anderem trainierte er die U17-Auswahl des FC Bayern München und wechselte 2013 zum DFB. "Wir stehen in ständigem Austausch mit den Vereinen unserer Spieler", erklärt Sorg. "Ich besuche die Vereine regelmäßig, und es findet auch viel Koordination und gemeinsame Arbeit statt."

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Deutschland-Trainer Marcus Sorg

Die deutsche Auswahl hatte vor dem Turnier kein einziges Vorbereitungsspiel absolviert. "Das war ein Abkommen, dank dem die Spieler länger bei ihren Vereinen bleiben konnten, um sich dort entsprechend vorzubereiten. Viele unserer Spieler sind bereits in der Bundesliga aktiv, nur wenige noch im Nachwuchsbereich. Die Bundesliga ist sehr wichtig in ihrem Leben, und entsprechend müssen wir dafür sorgen, dass auch die Bindung zur Nationalmannschaft groß ist. Sie müssen sich bei dem, was sie tun, auch wohl fühlen, und wenn sie nicht kommen wollen, dann müssen sie das auch nicht."

An Stelle von Vorbereitungsspielen setzte das Trainerteam um Sorg also auf Team-Meetings mit Videoanalysen von Trainingseinheiten und von den Spielen in der Qualifikation für die Endrunde. All diese Vorgänge wurden immer so ausgerichtet, dass dadurch die Teamphilosophie gestärkt wird. Die Kriterien hierfür sind eindeutig: "Ich will Spieler sehen, die hungrig sind und die großes Potential für die Zukunft zeigen. Wir brauchen Spieler, die technisch stark sind und schnell spielen. Langsame Spieler sieht man heute kaum noch. Bei der Endrunde war ich von den athletischen Fähigkeiten und den technischen Fertigkeiten aller Teams begeistert."

Für Sorg sind Entwicklung und Erfolge eng miteinander verbunden. "Die Entwicklung steht natürlich im Zentrum", sagt er, "doch in vielen Fällen kann diese nur durch entsprechende Ergebnisse erreicht werden. Gewinnen ist wichtig – so ist es einfach. Deswegen bestehen wir auf Offensivfußball. Natürlich kann man nicht immer erfolgreich sein, doch man kann versuchen, jedes Spiel zu dominieren und sich dabei zu entwickeln."

"Zu diesen Aspekten", fügt er hinzu, "kommen unsere traditionellen Stärken wie die Mentalität, Disziplin, kollektive Organisation und das Durchsetzungsvermögen in individuellen Duellen. Auch wenn unsere Spieler durchaus verschiedene kulturelle Hintergründe haben, vertreten und verkörpern sie doch alle die klassischen deutschen Charakterzüge." 

Sorg legt großen Wert darauf, dass sein Team während des gesamten Turniers als Einheit auftritt und sich auch so fühlt. "Während der Partien erwarte ich von den Spielern maximalen Zusammenhalt, bestmögliche Organisation und Disziplin", führt er an. "Zwischen den Spielen haben die Spieler viele Freiheiten. Sie haben die Verantwortung, ihre Freizeit selbst zu organisieren. Sie sollen in diesem Zusammenhang auch Verantwortung übernehmen und bekommen hier wenig Vorgaben."

Die Spieler haben sich in Ungarn offensichtlich wohlgefühlt und die Vorgaben voll erfüllt. "Ich bin froh, dass die Spieler so viel Qualität an den Tag gelegt haben", sagt er weiter, "sie haben schnell gelernt und haben auf dem Platz wirklich alles umgesetzt, was wir erwartet haben. Ich bin sehr froh, dass wir das Turnier gewinnen konnten."

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