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Kernthemen

 

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In dieser Altersstufe dreht sich nicht alles nur um den Sieg

Entwicklung oder Erfolg?
Auf die Frage, ob die Förderung und Entwicklung ihrer Spieler im Vordergrund stehe oder eher die erfolgreiche Gestaltung von Spielen und der Kampf um den U19-EM-Titel, waren sich alle Trainer einig: Die Entwicklung der Spieler habe Priorität, aber eine Kombination aus beidem sei ideal – da auch die Siegermentalität in dieser Entwicklungsstufe entstehe. Die beim Turnier eingesetzten technischen Beobachter der UEFA sprachen ausführlich mit allen Trainern und unterstrichen, dass beide Aspekte wichtig seien. "Natürlich wollen alle Spieler Fortschritte machen, und die Trainer sagen, dass die Entwicklung der Spieler das Wichtigste ist", so Stefan Majewski, einer der zwei UEFA-Beobachter. "Aber in einem etwas längeren Gespräch stellt man fest, dass keinem der Spieler der Ausgang einer Partie egal ist. Die Entwicklung der Spieler ist wichtig, aber wir dürfen nicht vergessen, dass Siege für das Selbstwertgefühl einer Mannschaft wichtig sind."

Ich bin sicher, dass der europäische Fußball einer positiven Zukunft entgegensteuert, da in diesem Turnier eine Symbiose zwischen der reifen taktischen Leitung der Trainer und der jugendlichen Begeisterung der Spieler entstanden ist
Ghenadie Scurtul, technischer Beobachter der UEFA

Charakterstärke zählt
Die Trainer betonten, wie wichtig es sei, Spieler mit der richtigen Einstellung im EM-Kader zu haben – und dass schwierige Spielertypen mit Konfliktpotenzial, die sich schlecht auf den Teamgeist auswirken oder den Trainern Probleme bereiten könnten, nicht berücksichtigt werden sollten. Einige Trainer hätten Spieler aus diesem Grund trotz ihrer spielerischen Qualitäten nicht berufen, andere hätten Spielern vor einer erneuten Nominierung aufgrund ihres Verhaltens eine Denkpause gegönnt. Für Europameister Serbien war eines der wichtigsten Auswahlkriterien bei der Zusammenstellung des Kaders die Einstellung der Spieler, damit in der Mannschaft eine gute und somit erfolgsförderliche Stimmung herrscht.

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Georgien beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen Frankreich

Alle Trainer führten eine gewisse psychologische Kompetenz als Voraussetzung im Umgang mit Spielern dieser Altersstufe an. Sie betonten, wie wichtig es sei, ihnen die spezielle Kultur der Nationalmannschaft bei einem Turnier wie diesem näherzubringen und ihnen zu helfen, sich menschlich weiterzuentwickeln mit dem Ziel, sowohl ein guter Mensch als auch ein guter Fußballer zu werden. "Natürlich entscheidet jeder Trainer selbst über die Zusammensetzung seines Kaders", so der zweite technische Beobachter der UEFA, Ghenadie Scurtul. "Aber tendenziell wurden Spieler mit Teamgeist gesucht. Ein Spieler mag individuell sehr stark sein, aber wenn er nicht zu den moralischen Prinzipien der Mannschaft passt, verzichten viele Trainer lieber auf ihn."

Mehr Trainer?
Ein in den Diskussionen zur U19-Endrunde ge��ußerter Vorschlag war, mehr Trainer für die Beobachtung von Spielern dieser Altersgruppe wie auch von taktischen und technischen Trends, die sich in so einem Turnier jedes Jahr abzeichnen, zu einem Besuch zu animieren. Ein Gedanke war, die im Rahmen des UEFA-Studiengruppen-Programms (SGS) organisierten Veranstaltungen für Trainer, die dem Austausch von Trainingsmethoden dienen, in Verbindung mit der U19-Endrunde abzuhalten. Eine weitere Idee war, Trainer aus dem Ausrichterland in das Technische Team der UEFA aufzunehmen, damit sie nützliche Erfahrungen sammeln können.

Anlass zur Diskussion
Die Ansetzung des Wettbewerbs im Juli sorgt weiterhin für Diskussionen. Die Vorbereitungszeit war kurz – meist zwischen zehn und 14 Tagen – einige Teams spielten beim ersten Gruppenspiel das erste Mal in der Konstellation zusammen. Einige Trainer mussten auf Schlüsselspieler verzichten, da diese von ihren Vereinen für die Qualifikationsrunden der UEFA-Klubwettbewerbe gebraucht wurden oder sie in der Saisonvorbereitung nicht freigestellt wurden. Darüber hinaus machte eine EM-Vorbereitung mit direkt aus dem Urlaub angereisten Spielern die Aufgabe der Trainer nicht leichter. Zudem mussten Trainer ohne Spieler auskommen, die sich aus persönlichen Gründen gegen eine EM-Teilnahme entschieden hatten, um sich beispielsweise in der Saisonvorbereitung bei einem neuen Trainer zu profilieren.

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Die Mannschaft von Litauen bedankt sich bei den Fans

Bezüglich der Kadergröße für die EM waren die Trainer aus unterschiedlichen Gründen für eine Erweiterung von 18 auf 20 oder mehr Spieler. Erstens: Ein EM-Finalist spielt fünf Partien. Ausfälle durch Sperren oder Verletzungen könnten zur Folge haben, dass eine Mannschaft das Finale nicht in Bestbesetzung bestreiten kann – was, wie ein Trainer sagte, nicht im Sinne des Fußballs sei. Zweitens: Da einige Länder ihre Turniervorbereitung mit mehr als 18 Spielern bestritten hatten, wurde auch angeregt, Spieler aus dem erweiterten Kader mit zur EM zu nehmen, damit diese trotz begrenzter Einsatzzeit Turniererfahrung sammeln können. Und Drittens wurde wieder das Problem der unterschiedlichen körperlichen Entwicklung und Voraussetzungen der Spieler angeführt. Ein größerer Kader könnte die Belastungen für die körperlich unterlegenen Spieler in dieser Altersstufe besser abfangen.

Wertvolle Erfahrung für Litauen
Die Vorteile der Ausrichtung einer UEFA-U19-Europameisterschaft waren im Fall von Litauen deutlich erkennbar. Trotz der drei Niederlagen ihrer Mannschaft steuerten die Litauer einige mitreißende Momente bei, erzielten schöne Tore und konnten bei ihrem Einsatz vor großen Kulissen – 7 436 gegen die Niederlande, 8 900 gegen Spanien und 8 075 Zuschauer gegen Portugal – unschätzbare Erfahrung sammeln. "Litauen ist ein sehr gutes Beispiel für die beachtlichen Fortschritte, die ein kleines Land mit so einem Junioren-Fußballturnier machen kann", so Ghenadie Scurtul. "Es ist kein Geheimnis, dass sie nach dem Zuschlag für das Turnier eine Akademie gründeten und eine Auswahl an Spielern auf die EM vorbereiteten. Die Mannschaft hat gezeigt, dass mit der richtigen Nachwuchsförderung auch in einem kleinen Land beachtliche Ergebnisse erzielt werden können."

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Spanien gegen Frankreich war eine hochklassige Partie

Rosige Zukunft?
Waren die technischer Beobachter der UEFA angesichts dessen, dass die U19-Endrunde immer einen Ausblick auf potenzielle Stars von morgen bietet, mit den Auftritten der Mannschaften in Litauen zufrieden? "Ja, denn in jedem Team gab es einen oder zwei Spieler, die auch in der Lage wären, in A-Mannschaften auf hohem Niveau mitzuhalten", so Scurtul. "Ich bin sicher, dass der europäische Fußball einer positiven Zukunft entgegensteuert, da in diesem Turnier eine Symbiose zwischen der reifen taktischen Leitung der Trainer und der jugendlichen Begeisterung der Spieler entstanden ist. Einige Akteure spielten sowohl technisch als auch taktisch auf einem sehr hohen Niveau."

"Es ist immer schön für einen Trainer, wenn er etwas in einem Spieler sieht", fügte Stefan Majewski hinzu. "Wenn er einen guten jungen Spieler entdeckt, dann verfolgt er seine Karriere. In dieser Endrunde haben wir sicher zwischen zehn und zwanzig Spieler mit großem Potenzial gesehen. Die Frage ist, ob sie die Ausdauer und Charakterstärke haben, sich weiterzuentwickeln, damit sie sich auch in der A-Mannschaft durchsetzen können. Wenn sie das schaffen, werden wir sie sicher nicht nur auf Vereinsebene, sondern auch in ihren Nationalmannschaften bewundern können."

https://de.uefa.com/under19/season=2013/technical-report/talking-points/index.html#kernthemen