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Trainer des Siegers
Der niederländische Trainer Kees van Wonderen ©Sportsfile

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Trainer des Siegers

Erfolgscoach Kees

"Ich habe den Jungs gesagt, dass sie es verdienen, auf dem Platz zu stehen, wenn sie gewillt sind, Energie in ihre Trainingsarbeit zu legen." Kees van Wonderen sorgte für Stirnrunzeln, als er nach dem 3:0-Sieg gegen Deutschland im Auftaktspiel seine Startelf für die zweite Partie gegen Titelverteidiger Spanien auf sechs Positionen veränderte. "Das war ein Lotteriespiel", gestand er, "weil es ein großes Spiel gegen einen großen Gegner war. Aber mein Gedanke war, wenn ich schon einen Kader von 20 Spielern mit nach England nehme, dann soll das Turnier auch eine Plattform zur Entwicklung sein. Also habe ich entschieden, ihnen allen Möglichkeiten und Erfahrungen zu bieten. Es gab auch noch andere Gründe für die Rotation. Einige von ihnen sollten erfahren, wie es ist, auf der Bank zu sitzen oder ausgewechselt zu werden. Und indem ich ihnen eine Verschnaufpause gab, waren sie relativ frisch für den weiteren Turnierverlauf."

Obwohl neun Mannschaften bereits im Jahr zuvor in Kroatien dabei waren, war der frühere Nationalverteidiger nur einer von vier Trainern, die einen zweiten Anlauf nahmen, neben Steve Cooper, Colin O’Brien und Santi Denia - alle waren Gegner beim Turnier in England. "Ich arbeite seit einem Jahr mit dieser Gruppe und unsere Spielweise war das Ergebnis unserer Arbeit seit September - Aspekte wie die Defensivarbeit mit drei oder zwei Spielern, die hoch pressen, und so weiter. Zwischen der Eliterunde und der Endrunde konnten wir gar nichts tun, weil sie bis zum 28. April für ihre Klubs gespielt haben. Einer hat sogar noch am 30. April gespielt - und unser erstes Spiel in England war am 5. Mai."

©Getty Images

Kees van Wonderen mit dem U17-Pokal

Einer der Schlüssel ist die gute Beziehung zu den Klubs. "Wir beobachten die Spieler jede Woche", erklärte er. "Verschiedene Leute machen das, aber ich finde es wichtig, sie so oft wie möglich zu sehen, also gehe ich am Wochenende zu zwei Spielen. Wenn ich etwas sehe, das mir gefällt oder nicht gefällt, kontaktiere ich den Vereinstrainer und den Spieler selbst. Wenn der Junge weiß, dass er beobachtet wird, dann weiß er, dass er jede Woche Leistung bringen muss - ich halte das für einen entscheidenden Faktor in ihrer Entwicklung."

Sein Kader war so vielfältig besetzt, dass die Mannschaft mehrere verschiedene Gesichter haben konnte. "Die Spieler müssen natürlich technisch stark und ihre Fitness muss in Ordnung sein. Aber meine Kriterien sind, dass sie intelligent spielen und in der Lage sein müssen, ein Spiel zu lesen. Mentalität ist ebenfalls sehr wichtig, neben der Fähigkeit, sich in die Gruppe einzufügen."

Er hatte kein Problem damit, in der "Todesgruppe" dieses Turniers zu sein, vielmehr freute er sich darüber, dass seine Jungs die Gelegenheit hatten, sich zu beweisen und Erfahrung gegen verschiedene starke Gegner zu sammeln: Deutschland, Spanien, Serbien, die Republik Irland, England und Italien. "Jeder von ihnen hat uns vor verschiedene Probleme gestellt und es war interessant zu sehen, dass wir uns gegen Irland sehr schwer getan haben, Lösungen zu finden, sie haben uns sehr gefordert." Trotzdem hat er sein Verhalten an der Seitenlinie nicht verändert - er steht für gewöhnlich am Rand der Coaching Zone und ist ein stiller Beobachter, die gelegentlichen Zwischenrufe kamen durchaus überraschend. "Ich habe sie an ihr Positionsspiel erinnert", erklärte er. "Aber ich glaube, wenn ich die ganze Zeit hineinrufe, hören mich die Spieler nicht mehr..."

Im Finale gegen Italien rumorte es dennoch heftig innerhalb der ruhigen Fassade. "Das war so ein emotionales Spiel, sogar auf der Bank. Wir haben gut gespielt, gut begonnen, dann den Zugriff verloren, in der zweiten Halbzeit die Kontrolle übernommen, ein Tor gemacht, dann innerhalb weniger Minuten lagen wir 1:2 zurück. Es schien schwer zu werden, wieder zurück zu kommen, aber die Mannschaft hat weiter gekämpft und die Einwechselspieler haben den Unterschied ausgemacht." Den U17-Pokal in die Höhe zu halten, verlieh Kees van Wonderen ein "unglaubliches Glücksgefühl", während er sich darauf vorbereitete, als Mitglied des Trainerstabs der A-Nationalmannschaft weiter an seiner eigenen Entwicklung zu arbeiten.

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