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Der Weg ins Finale

Der Weg ins Finale
Matthew Daly (England) ©Getty Images

Der Weg ins Finale

Die Lernkurve

"Gratulation an die Schweiz. Nicht nur für das Ergebnis, sondern auch für die Spielweise und einige Spieler, die sie aufgeboten haben. Wir haben nicht unser Potenzial ausgeschöpft - das ist Jugendentwicklung. Man hat Höhen und Tiefen und das gehört alles zur Lernkurve dazu." Die Einschätzung von England-Trainer Steve Cooper nach der 0:1-Niederlage am letzten Spieltag der Gruppe A werden viele seiner Kollegen geteilt haben.

Der Gastgeber kämpfte mit den Nerven und einer sehr tiefstehenden Abwehr, ehe im Auftaktspiel ein 2:1-Erfolg gegen Israel errungen wurde. Danach geriet man gegen Italien in Rückstand, feierte aber erneut einen 2:1-Triumph. Italien hatte sich für ein aggressives und hohes Pressing belohnt, als Alessio Riccardi nach Ballgewinn sehenswert zur Führung traf. Nach der Pause ging Italien ein wenig die Kraft aus und so kassierte man noch zwei Gegentreffer. Weil man aber das erste Spiel gegen die Schweiz mit 2:0 gewonnen hatte und auch gegen Israel ein 2:0 heraussprang, schloss Italien die Gruppe trotzdem auf dem ersten Platz ab. Die Schweiz durfte nach einem 3:0 gegen Israel noch auf ein Weiterkommen hoffen und feierte nach starker Teamarbeit ein 1:0 gegen England. Hätte die Schweiz auch noch die Last-Minute-Chance verwertet, wäre der Gastgeber aufgrund der schlechteren Tordifferenz im Vergleich mit den anderen zwei Teams, die ebenfalls sechs Punkte vorweisen konnten, ausgeschieden.

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Leo Cornic trifft für Norwegen gegen Slowenien

Norwegen überraschte im Auftaktspiel der Gruppe B mit einem Unentschieden gegen Portugal, das 2016 den Titel geholte hatte. Das Team von Gunnar Halle, welches als einziges mit drei Innenverteidigern operierte, erwischte zwar einen schwachen Start, überzeugte dann aber mit einem schnellen Umschalten in eine 1-5-3-2-Defensive und blieb in den zentralen Bereichen kompakt. Die portugiesischen Angriffsbemühungen wurden effektiv unterbunden und in der zweiten Halbzeit hatte Norwegen mehr vom Spiel. Trotz des frühen Gegentreffers fand sich Norwegen im Duell mit Schweden im Offensivspiel besser zurecht, gewann viele zweite Bälle und spielte geduldig, um letztendlich einen 2:1-Sieg einzufahren. Als Belohnung für einen 2:0-Triumph über Slowenien gab es den Gruppensieg. Die Slowenen verloren damit alle drei Gruppenspiele und wurden für den Versuch, ein sauberes Passspiel aufzuziehen, nicht belohnt. Schweden durfte sich über ein 1:0 über Portugal freuen, das wie im Spiel gegen Norwegen Schwierigkeiten hatte, sich auf gefährliche Art und Weise ins letzte Drittel vorzuarbeiten.

Auch in der Gruppe C war einiges geboten. Am ersten Tag ging Dänemark gegen Bosnien und Herzegowina mit einer verdienten 1:0-Führung in die Pause, stand am Ende aber mit leeren Händen da, weil Bosnien und Herzegowina mit einer Energieleistung noch ein 3:2 holte. Von dieser Niederlage hatte sich Dänemark noch nicht erholt, als man gegen die Republik Irland antreten musste. Nach der 0:1-Niederlage folgte gegen Belgien auch noch die dritte Pleite. Die Mannschaft von Thierry Siquet, technisch versiert und taktisch gut ausgebildet, stand schon nach zwei Partien in der nächsten Runde. Auf einen Dreier gegen die Iren folgte ein Kantersieg gegen Bosnien und Herzegowina, das für die Aufholjagd gegen Dänemark Tribut zollen musste. Irland hätte im letzten Spiel ein Unentschieden gereicht, wollte sich darauf aber nicht verlassen und bezwang Bosnien und Herzegowina mit 2:0.

In der "Gruppe des Todes" mit Deutschland, Serbien, Niederlande und Spanien setzten die Niederländer beim 3:0 gegen die DFB-Elf das erste Ausrufezeichen. Dabei präsentierte man sich taktisch variabel, schnell im Umschaltspiel und passsicher. Weniger überzeugend war das Duell mit den Spaniern, welches die Truppe von Kees van Wonderen aber schmeichelhaft gewinnen konnte. Spanien hatte viele Chancen, leistete sich aber Fehler in der Defensive und unterlag mit 0:2. Spanien musste sich im ersten Spiel richtig strecken und kam erst dank einer späten Standardsituation zu einem Sieg gegen Serbien. Die Serben mussten danach gegen Deutschland ran und lagen bereits nach 37 Minuten mit 0:3 hinten - es war gleichzeitig der Endstand. Nach einem 0:2 gegen die Niederlande fuhr man punkt- und torlos nach Hause. Höhepunkt der Gruppe war das Duell zwischen Deutschland und Spanien, in dem Spanien unbedingt gewinnen musste. Es wurde ein überraschend einseitiges Spiel, denn die DFB-Auswahl hatte der Passsicherheit und Schnelligkeit der Spanier wenig entgegenzusetzen. Das 1:5 bedeutete für Deutschland nur Platz drei in der Gruppe, die Mannschaft von Santi Denia erzielte in dieser Partie alle sechs Treffer - Deutschlands Ehrentor war ein Distanzschuss, den ein spanischer Verteidiger ins eigene Netz lenkte.

©Paul Currie for FA

Belgien jubelt über den Sieg gegen Spanien

Das Viertelfinale war erst 40 Minuten alt, als es so schien, als würde Belgien das nächste Opfer des temporeichen Fußballs des Titelverteidigers werden. In der Pause hatte Thierry Siquet viel Arbeit, allerdings lag man auch nur mit 0:1 hinten. Dann war Risiko angesagt: Halim Timassi, ein offensiver Mittelfeldspieler, kam in die Partie und Jamie Yayi Mpie wechselte vom linken Flügel ins Zentrum. Ab sofort operierte man mit höherem und aggressiverem Pressing. Innerhalb von nur einer Minute schaffte Belgien den Ausgleich, nur acht Minuten später sorgte Yayi Mpie für die Führung. Danach kontrollierte Belgien die Partie und hatte auch nur noch phasenweise Mühe, die Angriffe des spanischen Teams zu unterbinden.

Nachdem Schweden bereits in der vierten Minute das 0:1 hinnehmen musste, kämpfte man sich mit kleinen Schritten zurück in die Partie gegen Italien. Kurz vor der Pause bot sich die Ausgleichschance, doch Alessandro Russo parierte den Elfmeter. Die Mannschaft von Roger Franzén, die sich durch starkes Teamwork auszeichnete, erhöhte nach dem Seitenwechsel erneut den Druck, spielte sich Chancen heraus und war dem Gegner deutlich überlegen. Nur der Abschluss wollte nicht gelingen. Nach Einwechslungen agierte Schweden im 1-3-4-3, musste die Schlussphase aber in Unterzahl spielen. Der Wille, den Ausgleich zu markieren, war klar zu erkennen, gegen die tiefe Fünferkette der Italiener waren dann aber keine Mittel mehr vorhanden.

In Burton hatte sich eine beachtliche Zuschauerzahl versammelt, um sich das Duell zwischen England (im 1-4-2-3-1) gegen Norwegen (1-3-5-2) anzusehen. Die Engländer machten das Spiel breit und stellten die gegnerischen Außenverteidiger vor enorme Probleme. Norwegen stand tief und hatte teilweise zehn Feldspieler hinter dem Ball, auch mit zunehmender Zeit konnte man sich aus dem Spiel heraus keine Chancen erarbeiten. Gefährlich waren aber die Standardsituationen. Eine Flanke von links leitete Englands Führung ein und nachdem Xavier Amaechi zu Beginn der zweiten Halbzeit auf 2:0 erhöhte, war der Widerstand gebrochen. Norwegen spielte dennoch ein beeindruckendes Turnier.

©Matt West for FA

Spannendes Duell: Niederlande gegen Irland

Gegen die Republik Irland ging die niederländische Auswahl als klarer Favorit ins Spiel, hatte jedoch zeitweise große Mühe. Gegen die resolut im 1-4-5-1 verteidigenden Iren dauerte es bis zur 62. Minute, ehe nach einer Ecke der Bann gebrochen war. Vielleicht fühlten sich die Niederlande in diesem Moment zu sicher, denn eine Unachtsamkeit führte zum Ausgleich. Sekunden nach dem Rückstand brachte eine Flanke von links, gefolgt von einem schönen Doppelpass und einem eiskalten Abschluss von Troy Parrott, das 1:1 für die Elf von Colin O'Brien. Entschieden wurde das Spiel im Elfmeterschießen: Irland vergab gleich den ersten Versuch, schöpfte aber kurz neue Hoffnung, als James Corcoran den letzten Elfmeter des niederländischen Kapitäns Daishawn Redan hielt. Der Schiedsrichter ahndete jedoch eine zu frühe Bewegung von Corcoran, der bereits Gelb gesehen hatte und nun des Feldes verwiesen wurde. Verteidiger Oisin McEntee zog sich das Torwarttrikot über, konnte den wiederholten Elfmeter jedoch nicht parieren. Also buchten die Niederlande das Halbfinalticket gegen England.

In Chesterfield gab es einen ähnlichen Zieleinlauf, auch wenn das Rennen bis dahin ganz unterschiedlicher Natur war. Aufgrund der Verletzung von Thomas Doyle sowie den Sperren von Ethan Laird und Xavier Amaechi musste Englands Trainer weiter improvisieren. Tempo, Technik und das athletische Vermögen war gegen die Niederländer aber erneut auf einem hohen Niveau. Insbesondere Brian Brobbey wusste zu glänzen und konnte viele lange Bälle festmachen und verteilen. Topscorer Daishawn Redan hielt sich meist in seiner Nähe auf und trug zu einem guten Kombinationsspiel bei. Erst als Brobbey ausgewechselt wurde und bei den Niederlanden Mohammed Ihatteren auf die rechte Seite wechselte, war das Spiel ausgeglichener. Es gab viele gute Offensivaktionen auf beiden Seiten, aber keine Tore. Erneut musste das Elfmeterschießen entscheiden und wieder durften die Niederlande am Ende jubeln. Joey Koorevaar wurde zum Helden, als er den zwölften Elfmeter parierte.

Wenige Stunden zuvor hatte Belgien in der Partie gegen Italien auf die gleiche Startformation wie im Duell mit Spanien gesetzt. Mit dem hohen Pressing des Gegners hatte Belgien viel Mühe und musste feststellen, dass durch die 1-4-2-3-1-Formation eine numerische Unterzahl im Zentrum entstand, wo Italien mit einer Raute agierte. Wie gegen Spanien geriet Belgien vor der Pause in Rückstand, als Italien hoch den Ball eroberte und Außenverteidiger Giorgio Brogni für Emmanuel Gyabuaa auflegte, der nach einem Vollsprint mit dem Torerfolg belohnt wurde.

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Italien setzte sich knapp gegen Belgien durch

Belgien zeigte nach dem Seitenwechsel eine Reaktion. Nicolas Raskin erhielt auf Höhe der Mittellinie den Ball, setzte sich im Laufduell gegen Giuseppe Leone durch und sein Pass fand Yorbe Vertessen, dessen Schuss von der rechten Strafraumseite im langen Eck einschlug. Dieses Mal sollte es aber kein Happy End für die Belgier geben. Italiens Stürmer Edoardo Vergani, der zuvor in einigen Szenen glücklos agierte hatte, konnte Torwart Nick Shinton zwar nicht aus Kurzdistanz überwinden, dafür aber mit einem Schuss aus der zweiten Reihe. Die Elf von Carmine Nunziata rettete die Führung über die Zeit und durfte sich auf das Finale in Rotherham gegen die Niederlande freuen.

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