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Wück fordert Deutschland

Deutschlands U17-Trainer Christian Wück sprach mit UEFA.com über die Notwendigkeit für seine Spieler, lernen zu müssen, mit dem "Druck, der intern und von den Medien aufgebaut wird", umgehen zu können.

Deutschlands Trainer Christian Wück beim Spiel gegen Serbien
Deutschlands Trainer Christian Wück beim Spiel gegen Serbien ©UEFA.com

In einer Woche startet die UEFA-U17-Europameisterschaft, wobei sich UEFA.com vorab noch mit Deutschlands Trainer Christian Wück zusammensetzte, um über die Vorbereitungen, die Chancen in Malta und über seine Aufgabe als internationaler Nachwuchstrainer zu sprechen.

UEFA.com: Wie schwierig war für Sie die Qualifikation zur Endrunde? Im entscheidenden Spiel der Eliterunde spielte man 1:1 gegen Serbien und kam punktgleich aufgrund der besseren Tordifferenz nach Malta.

Christian Wück: Das war schon eine enge Sache. Serbien ist mittlerweile sehr nahe an uns herangerückt und hat uns vor Probleme gestellt. Wir haben gemerkt, dass die Spieler dadurch, dass sie keine 1. Qualifikationsrunde spielen mussten, diese Drucksituation nicht kannten. Plötzlich durften sie nicht verlieren, es hat einige Spieler doch sehr überrascht, wie sehr das ihre Leistung beeinflusst hat.

UEFA.com: Welchen Stellenwert haben solche Pflichtspiele im Vergleich zu Freundschaftsspielen oder etwa dem Algarve Cup?

Wück: Es ist unheimlich wichtig, dass die Spieler schon in jungen Jahren merken, wie es im Profisport zugeht und welchen Druck es dann durch die Öffentlichkeit und intern gibt. Dieses Erlebnis, was die UEFA hier durch Qualifikation und die EM-Endrunde anbietet, wäre hilfreich gewesen, selbst wenn es schiefgegangen wäre.

UEFA.com: Wie meinen Sie das mit dem Druck?

Wück: Es geht vor allem um den internen Druck. Damit ist ein positiver Druck gemeint, kein negativer. Wir alle haben einen gewissen Anspruch: der DFB, die Trainer und auch die Spieler selber wollen viel erreichen. Das ist eine lehrreiche Situation.

UEFA.com: Wie gut kennt man die Gegner in den Altersgruppen und wie schätzen Sie Ihre Gruppengegner Schweiz, Portugal und Schottland ein?

Wück: Wir haben eigentlich gegen alle schon gespielt, außer gegen die Schotten. Es gibt da keine großen Überraschungen mehr. Malta kennen wir nicht so gut, aber auf die können wir zumindest in der Gruppenphase ja nicht stoßen.

UEFA.com: Gerade die Schweiz gilt ja als sehr gefährlich – die Eidgenossen haben Titelverteidiger Russland und Spanien in der Eliterunde ausgeschaltet...

Wück: Für uns war das nicht überraschend. Wir haben damals in der U16 bei einem Turnier in Österreich schon 1:1 gegen die Schweiz gespielt. Sie haben einen Jahrgang, der physisch als auch psychisch sehr stark ist. Sie spielen aktiv, sind technisch sehr versiert, auf Dominanz und Ballbesitz ausgerichtet und taktisch unheimlich gut geschult. Sie wechseln variabel zwischen einem 4-1-4-1-System und einem 4-4-2. Portugal ist ähnlich wie die Schweiz, was das System und die Verhaltensweisen auf dem Platz betrifft. Dazu verfügen sie über Spieler mit unheimlich hohen individuellen Fähigkeiten.

UEFA.com: Fördert die U17-Nationalmannschaft die individuelle Entwicklung der Spieler vor allem durch den Spielbetrieb, oder welche Maßnahmen kann man als Trainer in den wenigen Nationalmannschaftstrainings ergreifen?

Wück: Beides trifft zu. Wir bemühen uns beim DFB, den Spielern optimale Rahmenbedingungen zu geben. Wir versuchen ihnen immer wieder bewusst zu machen, dass sie in der U17-Bundesliga schon ein sehr gutes Niveau haben, dass man sich auf dem internationalen Level aber eben auch mit den Besten misst. Im Training achten wir darauf, dass wir keine Trainingsminute verschwenden und immer auf Topniveau trainieren wollen.

UEFA.com: Sie haben in einem Interview auf der Webseite des Deutschen Fußball-Bundes angesprochen, dass Ihnen vor allem die Effizienz sehr wichtig ist. Wie trainiert man das?

Wück: Durch hohe geistige Anwesenheit auf dem Platz. Jede Übung, auch wenn es nur eine kleine Passübung ist, sollte spielnah trainiert werden. Ich kann einen Zehn-Meter-Pass spielen, der drei Sekunden zum Mitspieler unterwegs ist, oder eben eine. Mit der Entwicklung des 97er-Jahrgangs können wir in Deutschland sehr zufrieden sein.

UEFA.com: Haben Sie eine Achse in diesem Jahrgang für die Endrunde?

Wück: Mittelfeldspieler Benjamin Henrichs von Bayer 04 Leverkusen ist Kapitän, weil er schon ein Führungsspieler ist und letztes Jahr bereits mit dem Jahrgang 1996 an der Qualifikation teilgenommen hat. Innenverteidiger Benedikt Gimber spielt in Hoffenheim bereits in der U19 und ist sehr abgeklärt, während mit Philipp Ochs ein weiterer Hoffenheimer in der Eliterunde die meisten Tore für uns geschossen hat.