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UEFA-Superpokal Analyse: Paris Saint-Germain, Aston Villa und die Kunst des 1-gegen1

Roberto Martínez, Technischer Beobachter der UEFA, Kris Van Der Haegen, Leiter der Trainerausbildung und Nachwuchsmentor Les Howie ziehen Lehren aus dem herausragenden 1-gegen-1-Spiel, das am Mittwoch im UEFA-Superpokal zu sehen war.

Khvicha Kvaratskhelia von PSG im Duell mit Aston Villas João Gomes
Khvicha Kvaratskhelia von PSG im Duell mit Aston Villas João Gomes LightRocket via Getty Images

Das Duell um den UEFA-Superpokal in Salzburg unterstrich wieder einmal die Bedeutung des1-h-1 im heutigen Top-Fußball.

Paris - Villa: So lief das Spiel

Die entscheidenden Momente der Begegnung zwischen Paris Saint-Germain und Aston Villa waren drei Eins-gegen-Eins-Situationen von höchster Qualität, die jeweils zu einem Tor führten.

Im folgenden Artikel beleuchtet die Analyse-Abteilung der UEFA einige Beispiele vom Mittwochabend und hebt die Feinheiten hervor, an denen Trainer und Nachwuchsspieler im Breitensport arbeiten und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln sollten.

Eins-gegen-Eins schafft Tore

Superpokal insights: 1-gegen-1-Duelle dominierten das Spiel

Das erste Video zeigt die drei Tore des Spiels, bei denen jeweils eine Eins-gegen-Eins-Situation vorausging. Khvicha Kvaratskhelias Führungstreffer fiel, nachdem er an Matty Cash vorbei nach innen gezogen war; dabei nutzte er einen kurzen Moment des Zögerns des Außenverteidigers aus, der auf die Unterstützung von Boubacar Kamara spekuliert hatte. 

 Villas Ausgleich durch Brian Madjo folgte einem weiten Eins-gegen-Eins, als John McGinn den Ball schnell an Nuno Mendes vorbeispielte, bevor er einen seiner hervorragenden Bällen von rechts in die Mitte brachte.

 Schließlich war Desiré Doués spielentscheidende Aktion ein Duell Eins-gegen-Eins mit dem Torwart. Sowohl das Timing und der bogenförmige Laufweg, um nicht ins Abseits zu geraten, als auch der abgeklärte Abschluss waren bemerkenswert.

"Hier stellt sich die Frage: Wie schnell kann man mit möglichst wenigen Ballkontakten vor den Torwart gelangen?", ergänzt Martínez. "Je schneller das gelingt, desto geringer ist die Chance für den Verteidiger, daraus eine Zwei-gegen-Eins-Situation zu machen."

Definition eines Eins-gegen-Eins

 "Eine Eins-gegen-Eins-Situation im Fußball ist ein Moment, in dem sich Angreifer und Verteidiger direkt gegenüberstehen und der Ausgang primär von ihren individuellen Aktionen bestimmt wird", sagt Martínez. "Von einem 'technischen' Eins-gegen-Eins spricht man, wenn man den Ball mindestens einmal berührt, um den Verteidiger zu attackieren und zu überwinden."

Aus trainertechnischer Sicht unterteilt er das Eins-gegen-Eins in vier Varianten. "Um das Eins-gegen-Eins ins Training zu übertragen", erklärt er, "ist es wichtig, vier verschiedene Typen zu unterscheiden, das wirkt sich auf die Ausgangsposition, die technische Qualität am Ball und die Entscheidungsfindung aus."

So machen das die Topspieler

Superpokal insights: Zurück zum Tor/diagonal/1-gegen-1

Dieses zweite Video zeigt eine Auswahl an Eins-gegen-Eins-Situationen, die den ersten beiden Kategorien zuzuordnen sind: Spieler nehmen den Ball mit dem Rücken zum Tor oder in einer seitlichen Körperstellung an, während sie den Ball über das Spielfeld treiben.

Laut Les Howie, Mentor für den UEFA-Breitenfußball, sollten Trainer beim Betrachten dieser Clips besonders auf die Bewegungen der Spieler und deren Raumgefühl achten.

Er ergänzt dazu: "Achten Sie darauf, wie die Spieler Geduld beweisen, den Ballbesitz behaupten und den Ball verlagern, um Räume zu schaffen. Sobald sich eine Lücke auftut, folgt ein Tempowechsel, um diesen Raum zu nutzen und in Richtung des gegnerischen Tors vorzustoßen. Überlegen Sie sich daher für das Training Übungsformen, die einerseits die Ballbehauptung fördern und andererseits durch zielgerichtete Abläufe die Entscheidungsfindung der Spieler schulen."  

“Üben ist wichtig, nicht nur bei formellen Trainingseinheiten, sondern auch beim individuellen Training oder beim Spielen mit Freunden. Übe dabei mit beiden Füßen und verschiedenen Fußbereichen, zum Beispiel indem du den Ball gegen eine Wand spielst."

Les Howie, Mentor für den UEFA-Breitenfußball 

Das folgende letzte Video zeigt Beispiele für Eins-gegen-Eins-Situationen, die in die beiden letzten Kategorien fallen: wenn Spieler ihren Gegnern direkt gegenüberstehen und wenn sie sich in einer breiteren Angriffsposition befinden.

Superpokal insights: Kreatives 1-gegen-1

 Die beiden Szenen mit Kvaratskhelia lobte Martínez vor allem deshalb, weil der Georgier die Fähigkeit besitzt, das Spiel zu verlangsamen, sobald er sich im Strafraum befindet. "Viele Spieler werden hektisch und nervös, wenn sie in den Strafraum kommen, doch die absoluten Spitzenspieler wissen, wenn sie dort sind, dass sie nicht attackiert werden können", erklärt er.

Martínez lobte zudem den eingewechselten Villa-Spieler Alysson für die Kombination aus Schnelligkeit und Technik sowie Kapitän McGinn für die technische Klasse bei der Drehung, mit der er seinen Gegenspieler auf dem falschen Fuß erwischte, bevor er die Flanke für Madjo mit seinem vermeintlich 'schwächeren' rechten Fuß schlug. "Es gibt viele Möglichkeiten, sich gegen den Gegenspieler durchzusetzen, durch Tempo, Körperhaltung oder Körperkontakt, aber hier war es die Technik, der Einsatz seiner technischen Qualität, und die Flanke war fantastisch", sagte er.

Auf dem Trainingsplatz

Für Martínez ist das Eins-gegen-Eins, sei es offensiv oder defensiv, ein entscheidender Teil des Werkzeugkastens eines jungen Fußballers. Er schlägt daher vor, dass Trainer Möglichkeiten in Betracht ziehen könnten, Eins-gegen-Eins in alle Teile einer Trainingseinheit zu integrieren. "Welche Trainingseinheit Sie auch immer absolvieren, Sie können sie anpassen und sicherstellen, dass jede Übung mit einem Eins-gegen-Eins beginnt, und zwar ab dem Aufwärmen", sagt er.

Die obige Grafik zeigt ein Beispiel für eine Übung, bei der am Ende ein Eins-gegen-Eins-Element hinzugefügt wurde.

Als Beispiel erläutert Martínez, wann eine Aktion des Typs 1 bei der Arbeit mit einem Mittelstürmer zum Einsatz kommen kann: "Handelt es sich um einen Stürmer, kann man ihn anleiten, den Verteidiger zu 'spüren' und den Ball im vor ihm liegenden Tor unterzubringen, um so das Zusammenspiel zu simulieren."

Der Verteidiger könne derweil an seiner Körperhaltung, seinen Entscheidungen und seinem Abwehrverhalten arbeiten, fügt er hinzu, wobei die Übung es auch ermögliche, dass der Trainer selbst die Verteidigerrolle übernimmt.

"Die Eins-gegen-Eins-Situation wird an die Fähigkeiten oder das Profil des Spielers angepasst, sodass dieser an einer spielnahen Aktion arbeiten kann und der Trainer den Ablauf aus nächster Nähe begleiten kann. Die vier unterschiedlich farbigen Tore helfen dem Trainer dabei, die Spieler zu steuern."

Anmerkungen der Trainer

Kris Van Der Haegen, Leiter der Trainerausbildung bei der UEFA, und Les Howie, UEFA-Mentor für den Breitensport, über die Entwicklung der Eins-gegen-Eins-Fähigkeiten bei jungen Spielern.

Kris Van Der Haegen:

Trainer sollten sich bewusst machen, wie wichtig es ist, Spielern Raum für Kreativität zu lassen, anstatt sich nur auf die Wiederholung technischer Fertigkeiten unter idealen Bedingungen zu konzentrieren, denn im Spiel sind die Umstände selten perfekt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Defensivverhalten im Eins-gegen-Eins; das Training von Eins-gegen-Eins-Situationen auf den Außenbahnen in Verbindung mit Flanken ist sowohl für Angreifer als auch für Verteidiger entscheidend. Man sollte Flanken unbedingt unter Einbeziehung von Verteidigern trainieren, da dies auch für deren Entwicklung wichtig ist.

Les Howie:

Junge Spieler sollten im Eins-gegen-Eins stets versuchen, den Kopf zu heben, um das Spielgeschehen um sich herum wahrzunehmen; zudem sollten sie die Ballführung, das Dribbling und die Ballbehandlung trainieren. Im Training bedeutet dies vor allem viele Spielformen auf kleinerem Raum, um an Technik und spielerischen Fertigkeiten zu arbeiten.

Im Kinderfußball hat sich in den letzten 20 Jahren viel in diese Richtung bewegt: Es wird vermehrt in kleineren Teams gespielt – etwa im Drei-gegen-Drei oder Fünf-gegen-Fünf. Solche Spielformen sind enorm wichtig, damit sich die Spieler an enge Räume und Gegenspieler gewöhnen, Eins-gegen-Eins-Situationen üben sowie ihre Bewegungsabläufe, Entscheidungsfindung und ihr Spielverständnis weiterentwickeln können.