Finalisten träumen vom ersten Mal

Middlesbrough FC und Sevilla FC haben noch nie einen Europapokal gewonnen und wollen dies nun im UEFA-Pokal-Endspiel im PSV-Stadion zu Eindhoven ändern.

Middlesbrough FC und Sevilla FC wollen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte im Endspiel des UEFA-Pokals im PSV-Stadion in Eindhoven einen europäischen Titel gewinnen. Besonders spektakulär wäre dieser Triumph für Middlesbrough, nimmt diese Mannschaft doch erst zum zweiten Mal überhaupt am Europapokal teil. Die Spanier hingegen sind schon alte Hasen, die beste Leistung allerdings liegt bereits fast 50 Jahre zurück. In der Saison 1958/59 erreichte Valencia im Pokal der europäischen Meistervereine das Viertelfinale. Dort kam allerdings gegen den späteren Sieger Real Madrid CF nach einer deutlichen 2:10-Gesamtniederlage das ernüchternde Aus.

• Zwar hat Middlesbrough bereits 16 Partien im Europapokal absolviert, aber erst einmal bekamen es die Engländer mit einer Mannschaft aus Spanien zu tun. In der UEFA-Pokal-Gruppenphase der letzten Saison gab es dabei eine 0:2-Auswärtsniederlage bei Villarreal CF. Die Torschützen im El Madroga waren Antonio Guayre und Javi Venta, die die Treffer je gegen Ende der beiden Halbzeiten schossen.

• Die englische Mannschaft erreichte aber dennoch die Runde der letzten 16, wo sie allerdings nach einer 2:4-Gesamtniederlage gegen den späteren Finalisten Sporting Clube de Portugal ausschied. Weil Boro in der Saison 2004/05 Platz sieben belegte, folgte eine weitere Saison im UEFA-Pokal. In der ersten Runde unterlag Skoda Xanthi in England durch Tore von George Boateng und Mark Viduka mit 0:2, ehe es in Griechenland ein torloses Remis gab. Damit war die Gruppenphase abermals erreicht.

• Middlesbrough begann die Spiele in der Gruppe D mit einem 1:0-Erfolg bei Grasshopper-Club. Schütze des einzigen Tores war Jimmy Floyd Hasselbaink. Anschließend besiegten die Kicker von der Insel daheim im Riverside-Stadion den FC Dnipro Dnipropetrovsk mit 3:0. Yakubu Ayegbeni hatte seine Mannschaft in Führung gebracht, ehe Viduka im zweiten Abschnitt zwei Mal zuschlug. Am dritten Spieltag wurde die Siegesserie unterbrochen, als es beim AZ Alkmaar ein 0:0 gab. Gleichzeitig aber hatte Boro die nächste Runde erreicht - als erste Mannschaft. Der Gruppensieg war sichergestellt, als Massimo Maccarone mit zwei späten Toren den PFC Litex Lovech praktisch im Alleingang besiegte.

• Middlesbrough hatte damit in den ersten sechs Spielen dieser UEFA-Pokal-Saison keinen einzigen Treffer kassiert. Im siebten Spiel riss diese Serie, dennoch gewannen die Engländer beim VfB Stuttgart mit 2:1. Nach Treffern von Hasselbaink und Stuart Parnaby lagen die Gäste schon mit 2:0 vorn, ehe sie noch den Anschlusstreffer kassierten. Das Rückspiel verlor Boro allerdings nach einem frühen Treffer mit 0:1 und kam so nur wegen der Auswärtstoregelung ins Achtelfinale. Dort wartete der AS Roma, doch im Hinspiel daheim konnten die Briten wieder auf ihre alte Defensivstärke zurückgreifen. Für das einzige Tor war Yakubu verantwortlich, der einen Elfmeter verwandelte. Als Hasselbaink im Stadio Olimpico die Mannschaft von der Teesside per Kopf in Führung brachte, schien das Viertelfinale nur noch Formsache zu sein. Nach zwei Gegentreffern der Italiener allerdings musste bis zur letzten Sekunde gezittert werden, aber auch diesmal reichte es wegen der Auswärtstoregelung für die nächste Runde.

• Middlesbrough bekam es nun abermals mit einer Mannschaft aus der Schweiz zu tun, mit dem FC Basel 1893. Im Saint Jakob Park unterlagen die Engländer mit 0:2, und schienen praktisch ausgeschieden, zumal im Rückspiel Basel einen weiteren Treffer nachlegte. Noch in der ersten Halbzeit besorgte Viduka den Ausgleich, ehe er zu Beginn der zweiten Halbzeit seine Mannschaft in Führung brachte. Dann war es Hasselbaink, der das 3:1 schoss, und so hatten die Fans wieder Hoffnung. Noch aber musste Middlesbrough ein weiteres Tor schießen, und Sekunden vor dem Schlusspfiff war es soweit. Maccarone sorgte mit dem 4:1 für ein Freudenfest im Stadion.

• Das Halbfinale gegen den FC Steaua Bucuresti lief fast nach dem gleichen Muster ab. In Bukarest gab es eine 0:1-Niederlage, und niemand rechnete mehr mit Boro, als die Rumänen auch im Rückspiel schon bald mit 2:0 in Front gingen. Maccarone wurde eingewechselt, und er war es, der in der 33. Minute für den Anschluss sorgte. Nach gut einer Stunde köpfte Viduka den Ausgleich. Noch 17 Minuten waren zu spielen, als Chris Riggott sein Team nach vorn brachte, und schließlich vollendete abermals Maccarone das Wunder mit seinem Kopfballtreffer in der 89 Minute. Das Finale in Eindhoven war erreicht.

• Sevilla hat es ebenfalls erst einmal mit einer Mannschaft aus dem Land des Finalgegners zu tun bekommen - und dies in der diesjährigen Gruppenphase. Am 5. Spieltag reiste die Mannschaft von Juande Ramos zu den Bolton Wanderers FC und schaffte dort ein 1:1. Adriano Correia erzielte 16 Minuten vor dem Schlusspfiff den Ausgleichstreffer.

• Sevilla begann die diesjährige UEFA-Pokal-Saison mit einem 2:0-Gesamtsieg gegen den 1. FSV Mainz 05. Nach einem torlosen Remis in Spanien traf Frédéric Kanouté im Rückspiel zwei Mal. Die Mannschaft aus der Primera División wurde in die Gruppe H gelost. Gleich im ersten Spiel feierten sie einen 3:0-Erfolg gegen Beşiktaş JK. Kanouté traf zwei Mal, nachdem Javier Saviola seine Mannschaft in Führung gebracht hatte. Im zweiten Spiel mussten die Spanier bei der 1:2-Niederlage beim FC Zenit St. Petersburg Federn lassen. Der Treffer von Saviola in der 90. Minute kam zu spät. Dann feierten die Spanier im Ramón Sánchez-Pizjuán-Stadion gegen Vitória SC einen 3:1-Erfolg. Diesmal war Saviola zwei Mal erfolgreich, während Adriano den anderen Treffer beisteuerte. Nach einem Remis in Bolton stand der Sieg in der Gruppe H und das damit verbundene Weiterkommen fest.

• In der Runde der letzten 32 ging es gegen den FC Lokomotiv Moskva. Daheim schafften die Spanier dank eines Jordi López einen 1:0-Erfolg. Nach Toren von Enzo Maresca und Antonio Puerta gewann Sevilla auch das Rückspiel. Der LOSC Lille Métropole konnte sich in der nächsten Runde daheim gegen Sevilla mit 1:0 durchsetzen, aber in der zweiten Auflage machten es die Spanier besser und siegten nach Toren von Kanouté und Luis Fabiano mit 2:0. Die Runde der letzten acht Teams war erreicht.

• Und abermals bekamen sie es mit Zenit zu tun. Diesmal ließen sie nichts anbrennen und gewannen das Hinspiel mit 4:1. Erneut traf Saviola zwei Mal, zudem waren José Luis Martí und Adriano erfolgreich. Das war schon die halbe Miete auf dem Weg ins Halbfinale. Insgesamt kamen die Spanier mit 5:2 weiter. Die nächste Runde aber erwies sich als weit schwerer, immerhin schaffte der FC Schalke 04 daheim ein 0:0, um auch in Spanien weit in die Verlängerung hinein ein 0:0 zu halten. Elf Minuten vor einem drohenden Elfmeterschießen war es Puerta, der seine Mannschaft ins Endspiel schoss.

• Diese Saison ist bereits die achte von Sevilla in einem Europapokalwettbewerb. Sechs davon bestritt der Verein im UEFA-Pokal, und je einmal versuchten sie sich im Pokal der europäischen Meistervereine und im Pokal der Pokalsieger. In der vergangenen Saison kamen sie genauso weit wie Middlesbrough, als sie in der Runde der letzten 16 gegen Parma FC mit insgesamt 1:0 die Oberhand behielten.

• Das einzige weitere Mal, dass eine spanische Mannschaft es in einem UEFA-Pokal-Finale mit einer englischen zu tun bekam, war das das Endspiel in der Saison 2000/01 in Dortmund zwischen Liverpool FC und Deportivo Alavés, das Liverpool mit 5:4 nach Verlängerung gewann.

• Insgesamt haben sich englische Mannschaften diese Trophäe sechs Mal gesichert, während Spanien nur drei Mal erfolgreich war. Italien ist mit neun Pokalen die erfolgreichste Nation.

• Eindhoven wurde die Ehre, das diesjährige Endspiel auszutragen, 2005 nach einem Meeting und der dabei getroffenen Entscheidung des UEFA-Exekutivkomitees in Tallin (Estland), zuteil. Im PSV-Stadion hat noch niemals ein Europapokalendspiel, das in nur einer Partie entschieden wurde, stattgefunden. Jedoch gab es hier 1978 das UEFA-Pokalrückspiel des PSV gegen den SC Bastia, das die Niederländer mit 3:0 gewannen und so den Pokal holten.

• In den beiden anderen niederländischen Städten Amsterdam und Rotterdam fanden bereits insgesamt zwölf Endspiele statt. Das UEFA-Pokal-Finale im kommenden Jahr wird im Hampden Park in Glasgow ausgetragen. Dies wird das erste Mal sein, dass im schottischen Nationalstadion, der Heimstätte von Queen's Park FC, ein UEFA-Pokal-Finale stattfindet. In Glasgow haben 52.000 Zuschauer Platz. In den Jahren 1960, 1976 und 2002 kam es hier zum Endspiel im Pokal der europäischen Meistervereine, während 1962 und 1966 die beste Mannschaft im Pokal der Pokalsieger gesucht wurde.

• Der Gewinner von Eindhoven wird im UEFA Super Cup gegen den Sieger der UEFA Champions League antreten. Das Spiel findet am Freitag, den 25. August, im Stade Louis II in Monaco statt. Traditionell ist diese Partie die Eröffnung für die neue Saison des europäischen Vereinsfußballs.

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