Geniale Fußballer: Tor-Monster Gonzalo Higuaín

"Er ist ein echtes Monster im Strafraum", so Verteidiger Leonardo Bonucci über seinen Ex-Teamkollegen Gonzalo Higuaín. UEFA.com verneigt sich vor dem Argentinier, der seine Tore jetzt für Chelsea schießt.

Gonzalo Higuaín jubelt über sein Tor für Milan in seinem 100. Spiel in UEFA-Klubwettbewerben
Gonzalo Higuaín jubelt über sein Tor für Milan in seinem 100. Spiel in UEFA-Klubwettbewerben ©AFP/Getty Images

117 Tore in der Serie A, in fünfeinhalb Jahren bei Napoli, Juventus und Milan - Gonzalo Higuaín weiß ganz genau, wo das Tor steht. UEFA.com blickt auf die bemerkenswerten Leistungen des Chelsea-Neuzugangs zurück.

Was andere sagen
"Er ist ein sehr guter Stürmer. Das Wichtigste sind seine Bewegungen, damit zeigt er, dass er ein sehr intelligenter Stürmer ist. Er macht es den anderen Angreifern wirklich einfach, wenn er sich zurückfallen lässt und so Räume für die anderen schafft."
José Mourinho, sein ehemaliger Trainer bei Real Madrid

"Ich werde ihn wie einen Sohn behandeln, der seinen Vater sehr verägert hat. Egal, wie wütend man ist, am Ende vergibt man seinem Sohn immer. Ich verdanke ihm eine Menge, denn er hat eine unglaubliche Saison mit mir erlebt. Mit seinem Abschied hat er mich verägert, aber das liegt in der Vergangenheit." 
Maurizio Sarri, sein ehemaliger Trainer bei Napoli und aktueller Coach bei Chelsea

Evra:
Evra:

"Es macht ihn verrückt, wenn er kein Tor erzielt. Es liegt in seiner Natur. Ich erinnere mich an ein Spiel, als wir beide auf der Bank saßen. Am Ende hatte er keine Fingernägel mehr übrig. Er erzählte mir, er muss sofort treffen, wenn er eingewechselt wird. Das ist alles, an was er denken kann." 
Patrice Evra, ehemaliger Mitspieler bei Juventus

"'Pipa' ist ein echtes Phänomen. Im Strafraum ist er ein Monster. Es gibt niemanden, dem du im Strafraum den Ball lieber wünschst als ihm, weil er auf jeden Fall treffen wird." 
Leonardo Bonucci, Verteidiger bei Juventus

"Wenn man während dem Spiel eine eigene 'Higuaín-Kamera' hätte, würde man sehen, dass er bei 90 Prozent unserer Angriffe ohne Gegenspieler im Strafraum steht. Und das liegt nicht daran, dass die Verteidiger abschalten. Schon bevor der Ball bei ihm ankommt, macht er zwei oder drei Bewegungen und Gegenbewegungen, um seinen Gegenspieler abzuschütteln." 
Giorgio Chiellini, Verteidiger bei Juventus

Aktuelle Bilanz
Nationalmannschaft: 75 Spiele, 31 Tore
UEFA-Vereinswettbewerbe: 105 Spiele, 36 Tore
Nationale Wettbewerbe: 424 Spiele, 236 Tore

Erfolgsfaktoren
Real Madrid
• Nach seinem Wechsel von River Plate erzielte er im Februar 2007 bei einem 1:1 im Derby gegen Atlético sein erstes Tor für Real Madrid. 

Higuaín bei Real im Jahr 2007
Higuaín bei Real im Jahr 2007©Getty Images

• Seine persönliche Bestleistung bei Real erlebte er im November 2008 gegen Málaga, als er beim 4:3-Sieg alle vier Tore für die Königlichen erzielte.

• 2009/10 konnte er sogar seinen Mannschaftskollegen Cristiano Ronaldo in der Torjägerliste hinter sich lassen. Mit 27 Toren war er in dieser Saison hinter Lionel Messi (34 Tore) der zweitbeste Torjäger in der spanischen Liga.

• 2011/12 konnte er mit Real seine dritte Meisterschaft bejubeln. Im Februar 2013 erreichte er zudem gegen Deportivo die Marke von 100 Ligatoren. Mit der Gesamtbilanz von 120 Toren in 259 Pflichtspielen verließ er im Sommer 2013 die Königlichen in Richtung Neapel. 

Napoli
• Bei Neapel trat der Argentinier die Nachfolge des zu Paris Saint-Germain abgewanderten Edinson Cavani an. In seiner ersten Saison in Italien kam 'El Pipita' auf 17 Tore in der Serie A und gewann den italienischen Pokal. Mit seinen Toren während dem Spiel (sowie seines verwandelten Strafstoßes im Elfmeterschießen) verhalf er Neapel zudem 2014 gegen Juventus zum Gewinn des italienischen Super Cups. 

Higuaín im Napoli-Trikot
Higuaín im Napoli-Trikot©AFP/Getty Images

• Nachdem er in seinen beiden ersten Jahren bei Neapel zusammen 35 Treffer markieren konnte, erlebte Higuaín 2015/16 einen unglaublichen Erfolgslauf und war in 35 Spielen sage und schreibe 36 Mal erfolgreich. Durch einen Hattrick am letzten Spieltag brach er den 66 Jahre alten Torrekord der AC Milan-Legende Gunnar Nordahl. "Mein unbedingter Wunsch war es, diesen Rekord zu brechen," sagte er nach seinem Dreierpack gegen Frosinone.

• In drei Jahren bei Neapel kam er wettbewerbsübergreifend auf 91 Tore in 146 Spielen, macht im Schnitt über 30 Tore pro Saison. 

• Mit 15 Toren in internationalen Wettbewerben liegt er auf Platz vier der vereinsinternen Europapokal-Rekordtorjägerliste. Nur Marek Hamšík (16), Cavani (19) und Dries Mertens (20) waren öfter erfolgreich. 

Heute schießt Higuaín seine Tore für Juventus
Heute schießt Higuaín seine Tore für Juventus©Getty Images

Juventus
• Im vergangenen Sommer verplichtete Juventus den Torjäger für die nationale Rekordablösesumme von 90 Mio. €. Gleich bei seinem Debüt traf er zum 2:1-Sieg des Rekordmeisters gegen die Fiorentina. 

• Bei seinem Wechsel betonte er nochmals, welche besondere Bedeutung Napoli-Trainer Maurizio Sarri für ihn hatte: "Sarri war für mich ein großartiger Trainer. Wenn er sauer darüber ist, dass ich gegangen bin, ohne mich bei ihm zu verbschieden, dann entschuldige ich mich. Ich kann mich einfach nur bei ihm bedanken."

• Zwischen dem 11. Dezember 2016 und  dem 29. Januar 2017 traf er in sechs Ligaspielen in Folge, und stellte damit seine persönliche Rekordserie ein. 

• Nach 40 Toren in 73 Ligaspielen verließ er die Alte Dame nach zwei Jahren im Sommer 2018 in Richtung Milan.

• In seinen beiden Jahren in Turin gewann er zweimal das Double aus Scudetto und Coppa Italia, zudem stand er 2017 im Finale der UEFA Champions League, das allerdings gegen seinen Ex-Klub Real Madrid verloren wurde.

Milan
• Im Oktober 2018 erreichte Higuaín beim 3:1-Sieg gegen Olympiacos in der Gruppenphase der UEFA Europa League die Marke von 100 Einsätzen in UEFA-Klubwettbewerben. Standesgemäß hat er dabei natürlich getroffen.

Hätten Sie es gewusst?
• Genau wie David Trezeguet wurde Higuaín als Sohn argentinischer Eltern in Frankreich geboren. Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Sturmkollegen entschied sich Higuaín aber für die argentinische Nationalmannschaft aufzulaufen.

• Der Stürmer wurde 1987 in Brest in der Bretagne geboren, als sein Vater für Stade Brestois verteidigte. In Anlehnung an seinen Vater, der wegen seiner vermeintlich großen Nase 'Pipa' gerufen wurde, bekam Higuaín den Spitznamen 'Pipita' verpasst (sinngemäß kleine, große Nase). 

• Der Fußball wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Seine Mutter Nancy Zacarías, eine Künstlerin mit palästinensischen Wurzeln, hat zwei ehemalige Fußballer als Brüder. Der Bekanntere von Beiden, Claudio Zacarías, erlitt während seiner Zeit bei San Lorenzo eine ernsthafte Handverletzung, als in deren Umkleide eine Bombe explodierte. Die Entschlossenheit, mit der sein Onkel unbedingt wieder auf den Platz zurückkehren wollte, war eine große Inspiration für Higaín.  

• Eine Hirnhautentzündung, die er als zehn Monate altes Baby erlitt, hatte grundwirkende Auswirkungen auf seine Kindheit: "Seitdem ich an einer Hirnhautentzündung erkrankt war, ist die Beziehung zu meiner Mutter sehr besonders", sagte er. 

• Sein älterer Bruder Federico ist ebenso Stürmer und spielte einst für Beşiktaş. Aktuell steht der 34-jährige bei Columbus Crew in den Vereinigten Staaten unter Vertrag. Obwohl er drei Jahre älter ist, misst er zwölf Zentimeter weniger als sein Bruder Gonzalo. 

Im Einsatz für Argentinien
Im Einsatz für Argentinien©AFP/Getty Images

• Neben dem in Spanien geborenen Pedro Suárez und dem in Paraguay geborenen Constantino Urbieta Sosa ist Higuaín der einzige im Ausland geborene Spieler, der für Argentinien bei einer FIFA-Weltmeisterschaft aufgelaufen ist.   

• Durch seinen Hattrick bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2010 gegen Südkorea avancierte er zum erst dritten Argentinier, dem bei solch einem Turnier drei Treffer in einem Spiel gelangen. Zuvor schafften dies nur Guillermo Stabile 1930 sowie Gabriel Batistuta 1998.

• In seiner ersten Saison bei Napoli verletzte er sich bei einem Badeunfall im Gesicht, nachdem er sich auf einer Yacht im Golf von Neapel entspannt hatte. Als er wieder an Land gehen wollte, rutschte er aus und schlug mit dem Kopf auf einem Stein auf. Er trug klaffende Wunden am Kiefer und der Augenbraue davon, die mit acht Stichen genäht werden mussten. 

Er sagt
"Van Nistelrooy hat mir immer erzählt, Tore seien wie Ketchup. Wenn man es zu fest versucht, werden sie nicht kommen. Und wenn sie kommen, kommen alle auf einmal."

"Ist Fußball vergleichbar mit Kunst? Natürlich. Wenn man ein schönes Tor erzielt nach einem Angriff über fünf oder sechs Stationen, den der Gegner nicht verhindern kann, dann ist das Kunst."

"Der Hunger führt dich zum Sieg, selbst wenn man zuvor schon ähnliches erreicht hat. Ich fühle keinerlei Druck. In Wahrheit ist es ein Privileg für mich, dass Juventus mich verpflichtet hat mit dem Ziel, in Europa zu triumphieren." 

Früherer argentinischer Napoli-Star: Diego Maradona
Früherer argentinischer Napoli-Star: Diego Maradona©Getty Images

Was er noch erreichen kann
• Ein europäischer Titel fehlt Higuaín noch in seinem Trophäenschrank. Kann er sich diese Saison einen sichern? 

• Bei der WM 2018 in Russland kam er dreimal zum Einsatz, doch sein letztes Tor für die Nationalmannschaft erzielte er im Oktober 2016. Diese Durststrecke will er so schnell wie möglich beenden.

• Mit 31 Toren für die argentinische Nationalmannschaft liegt Higuaín in der ewigen Torjägerliste nur drei Treffer hinter Diego Maradonna und vier Tore hinter dem viertplatzierten Hernan Crespo.

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