Chelsea triumphiert in der 93. Minute

SL Benfica - Chelsea FC 1:2
Zwölf Monate nach dem Triumph von München siegte Chelsea mit etwas Glück durch ein Kopfballtor in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Chelsea FC hat zwölf Monate nach dem Gewinn der UEFA Champions League auch die UEFA Europa League gewonnen. Im Finale in der Amsterdam ArenA besiegten die Engländer SL Benfica durch ein Tor von Branislav Ivanović in der Nachspielzeit mit 2:1, zuvor hatte Óscar Cardozo die Führung Chelseas durch Fernando Torres noch per Elfmeter ausgleichen können.

Die Blues starteten ohne ihren verletzten Spielmacher Eden Hazard (Muskelprobleme) und auch Kapitän John Terry (Knöchel) musste angeschlagen auf das Finale verzichten, nachdem er schon letztes Jahr im Endspiel der UEFA Champions League in München gesperrt zusehen musste. Dafür saß Marko Marin zumindest auf der Chelsea-Bank, kam aber nicht zum Einsatz. Bei den Portugiesen fehlte der gesperrte Maxi Pereira

Nach zwei Minuten gelang Cardozo der erste Torschuss der Partie, allerdings verfehlte sein Kopfball den Kasten von Petr Čech deutlich. Die Portugiesen hatten in der Anfangsphase mehr vom Spiel und wirkten zielstrebiger, die Abwehr der Londoner hatte alle Hände voll zu tun, einen frühen Rückstand zu vermeiden.

In der elften Minute hatten Cardozo und Eduardo Salvio eine Doppelchance, doch beide zögerten zu lange und wurden von Chelsea-Abwehrspielern abgeblockt, 60 Sekunden später jagte Nicolás Gaitán das Leder völlig freistehend aus zehn Metern in den Nachthimmel von Amsterdam. Wiederum nur drei Minuten später kam Benficas Rodrigo in einer turbulenten Szene vor Čech gleich zweimal zum Schuss, schlug aber zwei Luftlöcher in Folge.

Chelsea erinnerte in dieser Phase an den Auftritt letztes Jahr im Finale von München, als die Bayern 88 Minuten lang Katz und Maus mit den Blues spielten. Erst nach gut 20 Minuten gelang es dem Team von Rafael Benítez ein wenig, sich aus der Umklammerung der Portugiesen zu befreien.

In der 38. Minute riskierte Frank Lampard einen krummen 22-Meter-Kracher, den Benficas Torhüter Artur aber spektakulär zur Ecke lenkte - es war die erste und einzige Chance der bis dahin restlos enttäuschenden Engländer im ersten Durchgang.

In der zweiten Hälfte zunächst ein ähnliches Bild, Benfica zeigte bis zum Strafraum ein glänzendes Spiel, vergaß dann aber in schöner Regelmäßigkeit, dass auch Tore zum Fußball gehören. Als der Ball dann in der 51. Minute endlich im Netz von Chelsea lag, entschied Schiedsrichter Björn Kuipers, dass Cardozo bei seinem Kopfballtreffer im Abseits gestanden haben soll.

In der 59. Minute dann aus heiterem Himmel und entgegen dem Spielverlauf das 1:0 für Chelsea durch Torres. Der Spanier setzte sich nach einem weiten Abwurf von Čech mühelos gegen Ezequiel Garay und Luisão durch und umspielte auch noch Torhüter Artur, ehe er den Ball ins leere Tor beförderte.

Gerade als Chelsea stärker wurde, unterlief César Azpilicueta neun Minuten nach der Führung der Engländer ein Handspiel im Strafraum und Cardozo verwandelte den fälligen Elfmeter mit so viel Schmackes, dass er anschließend minutenlang wegen eines Wadenkrampfes behandelt werden musste.

Beide Teams begegneten sich jetzt auf Augenhöhe, auch Chelsea entdeckte endlich seine Qualitäten und versuchte, die Partie noch in der regulären Spielzeit zu seinen Gunsten zu entscheiden. Torchancen blieben in dem temporeichen und ungemein intensiven Spiel zunächst freilich Mangelware – doch das sollte sich in der Schlussphase ändern.

In der 82. Minute war es Čech, der die Blues bei einem fulminanten Halbvolley von Cardozo mit toller Parade vor einem Rückstand bewahrte. Auf der Gegenseite rettete Luisão in letzter Sekunde gegen Ramires und Artur tauchte bei einem verdeckten Fernschuss von Azpilicueta rechtzeitig ab.

Zwei Minuten vor dem Ende hämmerte Lampard das Leder aus gut 25 Metern ans Lattenkreuz. Als alle sich schon mit der Verlängerung abgefunden hatten, schlug Juan Mata eine Ecke von der rechten Seite und Ivanović köpfte den Ball ins Kreuzeck, Benfica - über weite Strecken die bessere Mannschaft - war geschlagen. Wieder einmal, wie schon vor zwölf Monaten trug die Glückgöttin Fortuna ein blaues Trikot – was dem Jubel der Engländer freilich keinen Abbruch tat.

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