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Substanzielle Beiträge von der Bank

Durch die neuen Einwechselregeln kamen dem Trainer und seiner Bank in der letzten Saison eine ganz neue Bedeutung zu.

Unai Emery gibt  Alfonso Pedraza während des Endspiels Anweisungen
Unai Emery gibt Alfonso Pedraza während des Endspiels Anweisungen UEFA via Getty Images

Von den Auswirkungen der fünf möglichen Einwechselungen bis hin zu verändertem Abwehrverhalten im Strafraum, wir nehmen einige wichtige Themen des Technischen Berichts der UEFA Europa League 2020/21 unter die Lupe.

Hier konzentrieren wir uns, wie die Trainerarbeit durch die Möglichkeit, fünf Auswechselungen zu tätigen, maßgeblich beeinflusst wurde.

Unai Emery demonstrierte dies mustergültig im Finale, indem er seine Einwechselungen vor der Verlängerung effektiv nutzte, um die Spielkontrolle zu erlangen und seine bevorzugten Elfmeterschützen ins Spiel zu bringen.

Substanzielle Veränderungen

Ein tiefer Kader ist schon immer von Vorteil gewesen, aber Qualität in der Breite war in dieser ersten Saison mit fünf Wechselmöglichkeiten wichtiger denn je. Die Regeländerung, nach der zu maximal drei Zeitpunkten im Spiel insgesamt fünf Auswechslungen erlaubt sind, wurde in der Endphase der Saison 2019/20 aufgrund der pandemiebedingt hohen Spieldichte eingeführt und galt für die gesamte Saison 2020/21 weiter. Da diese Spielzeit kürzer als jede zuvor war, mussten die Trainer besonders ressourcenschonend arbeiten. Dies galt sowohl für die physischen Aspekte, als auch in Sachen Motivation.

Villarreals Trainer Unai Emery in der Pause vor der Verlängerung
Villarreals Trainer Unai Emery in der Pause vor der VerlängerungPOOL/AFP via Getty Images

Emery fand beim Personalmanagement das gesamte Jahr über die richtige Mischung, wie sich an seinen Rotationen zwischen den einzelnen Spielen und Runden ablesen konnte. In besonderem Maße galt dies jedoch für das Finale. "Betrachtet man Unais Management bei Villarreal, dann machen fünf Wechselmöglichkeiten einen echten Unterschied“, fand Frans Hoek. „Es eröffnen sich unzählige neue Möglichkeiten."

Das Endspiel war ein Paradebeispiel dafür, wie Ersatzspieler eine Partie beeinflussen können. Zwar ging es letztendlich ins Elfmeterschießen, aber durch seine Entscheidung, alle fünf Wechsel in der regulären Spielzeit zu nutzen, plus die zusätzliche sechste Auswechslung in der Verlängerung, stellte Emery sicher, dass seine Mannschaft in den 30 Zusatzminuten einen wesentlich frischeren Eindruck machte, den auch die Statistik bestätigt.

In den ersten 90 Minuten dominierte Manchester den Ballbesitz (fast 60 %, in der Schlussviertelstunde dann sogar über 70 %), aber in der Verlängerung war Villarreal häufiger am Ball und kam in den zweiten 15 Minuten auf knapp 60 %.

United-Trainer Ole Gunnar Solskjær wiederum hatte in der regulären Spielzeit keinen einzigen Wechsel vorgenommen, sondern behielt sich diese für die Verlängerung vor; die letzten Einwechslungen geschahen dabei bereits im Hinblick auf das sich abzeichnende Elfmeterschießen. Dass Villarreal von den frischen Kräften profitierte, lässt sich auch an der Anzahl Ballkontakte und Pässe in der Verlängerung ablesen, in der sie über mehr Energie und Entschlossenheit verfügten, um ein Siegtor anzustreben.

Das soll nun nicht heißen, dass es dem Kader von Solskjær an Tiefe fehlte. Auch hatte er schon zuvor bewiesen, dass er durchaus bereit zu Wechseln war, um den Spielverlauf zu verändern. Der Sieg gegen den AC Mailand im Achtelfinale war größtenteils seinen Einwechslungen zu verdanken. Beim Hinspiel im Old Trafford brachte der von der Bank gekommene Amad Diallo die Red Devils in Führung, bevor Simon Kjær noch der Ausgleich gelang. Im Rückspiel kam Paul Pogba mit dem Wiederanpfiff ins Spiel und traf zum entscheidenden Tor für die Gäste.

Im Verlauf der Saison wurden insgesamt 100 Treffer bzw. 16,23 % der Gesamtausbeute von Ersatzspielern erzielt. Dass nun fünf Spieler ausgewechselt werden konnten, hat zu diesem Anstieg beigetragen; durchschnittlich wurden 4,19 gegenüber zuvor 2,86 Spieler eingewechselt. Eine weitere Folge war die Reduzierung der durchschnittlichen Einsatzzeit pro Spieler um 8 %.

Natürlich bedeuten mehr Ersatzspieler auf dem Platz auch mehr Torchancen für Ersatzspieler, aber Diallos und Pogbas Treffer waren keine Einzelfälle von profitablen Wechseln. Roberto Soldado schoss Granada beim 3:2-Gesamtsieg gegen Molde FK von der Bank weg ins Viertelfinale; Nicolas Pépé brachte Arsenal im Viertelfinale gegen Slavia Prag auf die Siegerstraße. „Als Trainer muss man mit den Spielern, die auf der Bank sitzen, sogar noch mehr arbeiten“, so Dušan Fitzel, „damit sie es, wenn sie eingewechselt werden, als Chance für sich betrachten. Es ist Teil der psychologischen Arbeit mit der Mannschaft."