Mandanda: Marseilles Bollwerk zwischen den Pfosten

Nachdem er sich gegen eine Karriere im Boxen entschieden hatte, hat Steve Mandanda als Torhüter bei Olympique Marseille seine wahre Bestimmung gefunden.

Kapitän Steve Mandanda hat unter allen Marseille-Torhütern die meisten Spiele für den Klub bestritten
Kapitän Steve Mandanda hat unter allen Marseille-Torhütern die meisten Spiele für den Klub bestritten ©AFP/Getty Images

Geboren: 28.03.1985

Erfolge
Französischer Meister: 1x (2010)
Coupe de la Ligue: 3x (2010, 2011, 2012)

• Mandanda wurde in Kinshasa (damals Zaïre, heute Demokratische Republik Kongo) geboren und wanderte im Alter von zwei Jahren mit seinen Eltern in die Normandie aus. Anfangs fand der Torwart großen Gefallen am Boxen, entschied sich dann aber für den Fußball. "Ich habe gesehen, wie Mike Tyson jeden K.O. geschlagen hat. Am Ende war das aber der Grund, warum ich aufgehört habe zu Boxen, denn ich wollte nicht wie seine Gegner enden."

• Das Schicksal hielt Mandanda davon ab, als Jugendlicher zu SM Caen zu gehen. "Ich wollte bei Caens U15 unterschreiben, doch am Abend davor hatte ich furchtbare Bauchschmerzen und musste ins Krankenhaus, wo sich herausstellte, dass es eine Blinddarmentzündung war", erinnert er sich. "Während meiner OP wurde die Vertragsunterzeichnung verschoben, doch dann besuchte mich Pierre Forsac, der Chefscout von Le Havre, im Krankenhaus in Evreux - und ich unterschrieb bei Le Havre."

Wie sich Olympique Marseille für das Sechzehntelfinale qualifizierte
Wie sich Olympique Marseille für das Sechzehntelfinale qualifizierte

• Nach einem weniger erfolgreichen Gastspiel bei Aston Villa wechselte Mandanda im Sommer 2007 auf Leihbasis zu Olympique Marseille, als Ersatzmann von Cédric Carrasso. "Wenn Marseille an der Tür klopft, wäre man ja verrückt, das Angebot auszuschlagen", so Mandanda. Nachdem sich Carrasso im Training eine schwere Achillessehnenverletzung zugezogen hatte, stieg Mandanda zum Stammspieler auf - und ist das seitdem geblieben.

• Mandanda bewahrt stets einen kühlen Kopf und hat exzellente Reflexe. Vergangene Saison gab der Torwart nach Marseilles 6:1-Erfolg gegen Toulouse am Spielfeldrand ein Interview, als plötzlich eine Flasche auf ihn geworfen wurde. Mandanda reagierte blitzschnell, fing die Flasche auf und bat sie daraufhin dem Reporter an: "Wasser?"

• 2008 gab Mandanda unter Raymond Domenech beim 2:0-Erfolg gegen Ecuador sein Debüt in der französischen Nationalmannschaft. Bei der EURO 2008, WM 2010 und EURO 2012 stand er zwar jeweils im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Auch an der kommenden EURO 2016 wird er als Ersatz für Hugo Lloris sehr wahrscheinlich teilnehmen. "Ich bin nicht glücklich darüber, nur die Nr. 2 zu sein", so Mandanda. "Hugo ist die Nr. 1. Ich kenne meine Rolle, aber ich habe auch Ambitionen."

Ein Halswirbelbruch beendete Mandandas Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme
Ein Halswirbelbruch beendete Mandandas Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme©AFP/Getty Images

• Nachdem er wegen seiner schweren Halswirbelverletzung nicht an der WM 2014 teilnehmen konnte, strebt Mandanda nun noch mehr nach Endrunden-Teilnahmen bei großen Fußballturnieren. "Ich hätte im Rollstuhl landen können. Das hört sich furchtbar an, aber das hat mir der Neurochirurg gesagt. Das hat mir geholfen, alles einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten", erklärt der Torwart.

• Steve Mandanda ist mit seinen 30 Jahren der älteste von insgesamt vier Torwart-Brüdern: Parfait (26 Jahre) spielt bei Sporting Charleroi in Belgien sowie im Nationalteam der Demokratischen Republik Kongo, Riffi (23 Jahre) spielt beim AC Ajaccio in der zweiten französischen Liga und Over (17 Jahre) in der Jugend von Girondins Bordeaux. "Ich glaube nicht, dass das mit den Genen zu tun hat. Vielleicht habe ich ihre Entscheidung unbewusst beeinflusst", sagt Mandanda über seine Torwart-Brüder.

• Seitdem Mamadou Niang nach dem Gewinn der Meisterschaft 2009/10 den Klub verlassen hat, ist Mandanda Kapitän der Mannschaft. Bereits im vergangenen September absolvierte er sein 400. Spiel für Marseille – so viele wie zuvor kein anderer Olympique-Torwart. Bei den Fans zählt "El Fenomeno" zu den Lieblingsspielern der Mannschaft, nicht zuletzt wegen seinen herausragenden Leistungen wie etwa beim 1:1 gegen Lyon am vergangenen Sonntag. "Er war – wie immer – ein überragender Torwart", lobte Trainer Míchel seinen Keeper nach der Partie.

Aufgrund seiner erstklassigen Reflexe ist Mandanda bei Olympique Marseille weiterhin die Nr. 1 im Tor
Aufgrund seiner erstklassigen Reflexe ist Mandanda bei Olympique Marseille weiterhin die Nr. 1 im Tor©AFP/Getty Images