Klopps Erkenntnisse aus dem ersten Heimspiel

Jürgen Klopps Europapokal-Debüt als Liverpool-Trainer hat zwar nur dasselbe 1:1 hervorgebracht, wie die beiden anderen Spiele der Gruppe B, unser Reporter Simon Hart hat dennoch interessante Beobachtungen gemacht.

Jürgen Klopp ist beliebt in Liverpool - aber was ist anders geworden?
Jürgen Klopp ist beliebt in Liverpool - aber was ist anders geworden? ©Getty Images

"Heute Abend war nicht traumhaft, aber auch nicht der schlimmste Tag meines Lebens" – Jürgen Klopp traf mit der Zusammenfassung seines ersten Heimspiels als Liverpool-Trainer den Nagel auf den Kopf – nach dem 1:1 zuhause gegen Rubin Kazan kommen sie in der Gruppe B auf drei Punkte.

Es war nicht der Sieg, den er und die ganze Stadt sich gewünscht hatten, obwohl Rubin 54 Minuten lang nur mit zehn Mann spielte. Es war aber sicher ein besseres 1:1, als jenes vor drei Wochen gegen Sion. UEFA.com fasst die Lehren aus dem Heimdebüt des ehemaligen Dortmund-Trainers zusammen.

The Normal One
Klopp nannte sich selbst bei seiner Vorstellung als Liverpool-Trainer "The Normal One" und auch seine Premiere in Anfield hatte keine besonderen Vorzeichen. Zwar gab es einen der seltenen Auftritte der amerikanischen Eigentümer auf der Haupttribüne, doch vor Anstoß war Klopps erstes Heimspiel kein besonderes Thema.

Vor dem Anpfiff sah er mit an, wie sich seine Mannschaft aufwärmte, nach Abpfiff winkte er Richtung Kop. Danach grübelte er: "Wenn man zum ersten Mal in ein neues Zuhause kommt, bringt man ein Geschenk mit, aber ich bin heute Abend mit meinem Geschenk nicht ganz zufrieden. Es war aber erst das erste Mal und ich werde wieder kommen."

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Emre Can, den sein Landsmann ins Mittelfeld versetzt hat, schoss das erste Tor der neuen Ära, während Adam Lallana hart daran arbeite, sich im Angriffsdrittel durchzusetzen und die Chance vorbereitete, die Christian Benteke dann an den Pfosten setzte.

"Wir hatten gute Aktionen, wir haben durch Christian den Pfosten getroffen, wir hatten andere Momente, gute Chancen, aber letztendlich kein Tor erzielt", sagte Klopp. "Ich würde sagen, dass 98 Prozent OK waren, nicht perfekt, die letzten zwei Prozent haben uns gefehlt."

Sturmsorgen
Divock Origi ist ein junger Stürmer mit Potenzial, doch der 20-Jährige konnte sich gegen die Rubin-Defensive nicht entscheidend durchsetzen. Klopp hatte Pech, dass sich Danny Ings im ersten Training unter ihm eine Bänderverletzung im Knie zuzog und wartet noch auf die Rückkehr des ebenfalls verletzten Daniel Sturridge, doch zumindest konnte er in der letzten halben Stunde der Partie wieder auf Benteke zählen.

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Anfield singt
In seiner Kolumne in der Stadionzeitung hatte Kopp die folgende Botschaft für Liverpools Fans: "Ich bitte euch, an diese Mannschaft zu glauben und zu glauben, dass wir zusammen Großes erreichen können."

Der Zusammenhalt war von Anfang an zu erkennen – Anfield stand direkt hinter dem charismatischen Deutschen, los ging es mit "Winds of Change" von den Scorpions, als das Stadion langsam voller wurde, bis zur Nachspielzeit, als man auf der Kop das frustrierende Ergebnis ignorierte und Mannschaft und Trainer mit dem Abgesang von You'll Never Walk Alone unterstützte. Für die hoch aufgeschossene Figur an der Seitenlinie im dunklen Klubanzug war es ein warmes Willkommen, wenn auch nicht der Traumstart.