Kardemir und andere "Eiserne" in Europa

Da Kardemir Karabükspor sein Debüt im Europapokal feiert, nimmt UEFA.com dies zum Anlass, Klubs zu feiern, die ebenfalls enge Verbindungen zur Stahlindustrie haben.

Kardemir Karabükspor gibt sein europäisches Debüt
Kardemir Karabükspor gibt sein europäisches Debüt ©Kardemir Karabükspor

"Kardemir Karabükspor hatte immer einen europäischen Traum", sagte Mustafa Yolbulan, der Präsident des türkischen Klubs, der demnächst in die UEFA Europa League einsteigt und sich damit auf die erste europäische Saison in der Vereinsgeschichte vorbereitet.

Der Spitzname der Mannschaft aus der Nordtürkei lautet Mavi Ateş (Blaue Flamme), er hat zu tun mit der Flamme, die ständig brennt und auf die Eisen- und Stahlindustrie hinweist. Der Klub wurde als Werksklub gegründet, der sich zunächst auf Radfahren, Tennis und Ringen beschränkte, ehe 1969 eine Fußballabteilung ins Leben gerufen wurde.

UEFA.com zeigt, dass der Neuling im europäischen Wettbewerb nicht der einzige Klub in den europäischen Topligen ist, der auf "stählernen Füßen" steht.

Belgien: R. Standard de Liège
Les Rouches haben zwar keine direkte Verbindung zum Stahlgeschäft, aber jeder, der ins Stade Maurice Dufrasne kommt, sieht schnell, was die Metallwerke für Liege und die Fan des Klubs bedeuten. Das Stadium, das nach dem Stadtteil, in dem es liegt, auch Sclessin genannt wird, ist umringt von Stahlwerken und Hochöfen.

West Ham: 'Come on you Irons'
West Ham: 'Come on you Irons'©AFP/Getty Images

England: West Ham United FC
Zwar haben auch andere Vereine in den unteren Ligen wie The Blades von Sheffield United FC und The Iron von Scunthorpe United FC enge Verbindungen zur Metallindustrie, aber in der Premier League haben The Hammers ein Alleinstellungsmerkmal. West Ham wurde 1895 als Thames Ironworks FC gegründet, als Betriebsmannschaft einer Eisen- und Schiffbaufirma im Osten Londons. Mittlerweile heißt der Klub West Ham, aber die Fans singen und rufen immer noch: "Come on you Irons". Der Hammer im Emblem ist ein Hinweis auf die industrielle Vergangenheit.

Finnland: FF Jaro JS
Nach dem Ende von Pietarsaaris einzigem Fußballklub, IF Drott, sammelten sich die Fans, die im örtlichen Stahlwerk JA-RO arbeiteten, um einen neuen Verein zu gründen, der sich ausschließlich auf den Fußball konzentrierte. Offiziell wurde FF Jaro FS am 18. Dezember 1965 ins Leben gerufen. JA-RO kommt vom Hauptsponsor des Klubs: Jakobstads Rostfria. 2002 ging das Werk unter, aber der Klub, dessen Namen sie trägt, lebt weiter.

Frankreich: FC Metz
Der Verein ist zurück in der ersten Liga, seit 2013/14 der Aufstieg gelang. Die Verbindungen des Vereins zur örtlichen Stahlindustrie sind stark. Als sie 1983/84 in der ersten Runde des Pokals der Pokalsieger den FC Barcelona rauswarfen, nachdem sie zwar daheim mit 2:4 verloren, sich aber in Spanien mit 4:1 durchsetzten, prangte auf ihrer Brust der Name der lokalen Stahlfirma Sollac. 2012, als die örtliche Stahlfirma Arcelor Florange in finanzielle Schwierigkeiten geriet, spielte Metz einmal in einem Trikot, auf dem die Worte standen: "Lang lebe Lorraine-Stahl ".

Georgien: FC Metalurgi Rustavi
Rustavi war in der Sowjetunion ein großes Industriezentrum, und in den dortigen Eisenfabriken wurde Erz aus Aserbaidschan in Eisen umgewandelt. Metalurgi wurde 1948 gegründet, hieß dann eine Weile lang Olimpi Rustavi, um 2011 wieder den Originalnamen anzunehmen.

Deutschland: FC Schalke 04
Die Gelsenkirchener heißen zwar "Die Knappen", doch die Fans des Vereins kamen sicherlich ebenso aus den Stahlwerken der Region wie aus den umliegenden Gruben. Vor allem in Ostdeutschland gibt es einige Klubs, die mit Metall in Verbindung gebracht werden: Beim Eisenhüttenstädter FC Stahl erkennt man sogar im Orts- als auch im Vereinsnamen diese Verbindung, während der BSC Wismut Aue mit der SDAG Wismut einen der einst weltgrößten Uran-Produzenten im Hintergrund hatte und Rot-Weiss Essens Fans früher auch aus den großen Stahlwerken der Friedrich Krupp AG kamen.

Schottland: Motherwell FC
Motherwell entstand 1886 aus zwei lokalen Arbeitervereinen, Glencairn FC und Alpha FC. Die Bedeutung der lokalen Metallwerkstätten erkennt man daran, dass der Spitzname des Vereins "Die Stahlwerker" lautet.

Slowakei: ŽP Šport Podbrezová
Das ŽP steht für Železiarne Podbrezová – Železiarne ist das slowakische Wort für Stahlhütte. Unterstützt von einem der weltweit wichtigsten Produzenten für fugenlose Stahlrohre stieg dieser Verein aus dem kleinen Dorf Podbrezová (Einwohnerzahl: 3 927) am Ende der Saison 2013/14 erstmals in der 94-jährigen Vereinsgeschichte in die erste Liga auf.

Spanien: Athletic Club Bilbao
[PHOTO src="2100075" size="landscape" align="Right" caption=" 'Alirón!' – Der Athletic Club feiert" ]Im späten 19. Jahrhundert war Bilbao ein wichtiger Hafen und Standort der Schwerindustrie. In den Docks und Stahlwerken gab es zahlreiche englische Arbeiter, die den Fußball gemeinsam mit baskischen Studenten in die Stadt brachten. Die Athletic-Fans feuern ihren Verein daher heute noch mit "Alirón" an, der spanischen Version von "All Iron", dem Ausruf britischer Arbeiter nach einem langen Arbeitstag in der Schmiede. "Alirón" hat es sogar in die Vereinshymne geschafft.

Ukraine: FC Metalist Kharkiv, FC Metalurh Donetsk, FC Metalurh Zaporizhya
In der Saison 2014/15 spielen drei Vereine mit starken Verbindungen zur Stahlindustrie in der ukrainischen Premier League. Metalist war ursprünglich die Mannschaft einer Lokomotiven-Fabrik vor Ort und nahm in den 1960ern den aktuellen Namen an, als Kharkiv ein großes Industriezentrum in der Sowjetunion war. Metalurh Donetsk dagegen trägt diesen Namen noch nicht ganz so lange, während Zaporizhya ursprünglich Zaporizhstal hieß – benannt nach der Stahlfabrik im Ort.

Wales: Port Talbot Town FC
Aufgrund der engen Verbundenheit mit der Stahlindustrie von Port Talbot (das Stahlwerk in der Stadt ist das größte im Vereinigten Königreich) nennt man den Verein auch "Die Stahlwerker".

Siehe auch:
NK Čelik (BHZ)
FK Metalurg Skopje
FK Metalac (SRB)
FC Oţelul Galaţi (ROU)
Sandvikens AIK (SWE)
Vasas SC (HUN)
TJ Vitkovice (CZE)
Zagłębie Lubin (POL)