Advocaats Wiedersehen mit den Rangers

Der FC Zenit St. Petersburg trifft im ersten Europapokalfinale seiner Vereinsgeschichte auf Rangers FC. Im UEFA-Pokal-Endspiel im City of Manchester Stadium bekommt es Dick Advocaat dabei mit seinem alten Verein zu tun.

Dick Advocaat will mit Zenit Geschichte schreiben
Dick Advocaat will mit Zenit Geschichte schreiben ©Getty Images

• 36 Jahre nach dem 3:2-Sieg über den FC Dinamo Moskva in Barcelona, als die Schotten den Pokal der Pokalsieger holten, wollen die Rangers den UEFA-Pokal ausgerechnet gegen ihren ehemaligen Trainer Dick Advocaat holen. Der Niederländer führte die Rangers 1999 und 2000 zu zwei Meisterschaften, wird aber nur wenig Sentimentalitäten empfinden, wenn es im City of Manchester Stadium mit Zenit um den Titel geht.

• Während Zenit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in einem Europapokalfinale steht, ist es für die Rangers bereits das vierte Endspiel. Zuvor verlor Glasgow zwei Finals im Pokal der Pokalsieger. Zunächst 1960/61 gegen ACF Fiorentina, dann 1966/67 gegen den FC Bayern München.

• Die Rangers, deren Europapokalsaison am 31. Juli in der zweiten Qualifikationsrunde zur UEFA Champions League begann, können im City of Manchester Stadium mit starker Unterstützung ihrer Fans rechnen. Die Anhänger des schottischen Rekordmeisters haben nämlich nur eine Anreise von 350 Kilometern zurückzulegen, während auf Zenit ein Flug von 2.000 Kilometern auf dem Programm steht.

• Falls die Rangers den Cup holen, wäre es der vierte Europapokal der nach Schottland ginge - und der erste seit 25 Jahren. Neben dem Titelgewinn der Rangers konnte Erzrivale Celtic CF 1966/67 den Pokal der europäischen Meistervereine gewinnen, während Aberdeen FC 1982/83 im heute nicht mehr existierenden Pokal der Pokalsieger erfolgreich war.

• Der UEFA-Pokal ist der einzige der drei großen Europapokale - Königsklasse, UEFA-Pokal und Pokal der Pokalsieger - der noch nie nach Schottland gegangen ist. Bisher haben diese Trophäe nur Teams aus sechs Ländern gewonnen: Italien, Spanien, England, Niederlande, Deutschland und Portugal.

• Bisher haben zwei schottische Vereine ein UEFA-Pokal-Finale verloren: Dundee United FC 1986/87 und Celtic Glasgow 2002/03.

• Zenit will seinerseits dem PFC CSKA Moskva folgen, der 2004/05 den UEFA-Pokal im Finale gegen Sporting Clube de Portugal dank eines 3:1-Sieges in Lissabon geholt hat. Es war das erste Mal, dass ein russischer Klub einen Europapokal gewinnen konnte.

• In dieser 37. UEFA-Pokal-Saison wird das Endspiel zum elften Mal nicht in Hin- und Rückspielen ausgespielt, sondern in einem einzigen Finale. In den zehn Endspielen zwischen 1997/98 und 2006/07 gab es meistens etliche Tore zu bewundern - im Schnitt fielen 3,9 pro Spiel - doch die Rangers sind nicht aufgrund ihrer Offensivqualitäten ins Finale eingezogen. In acht Spielen auf dem Weg nach Manchester hat die Truppe von Walter Smith nur fünfmal getroffen - keine Mannschaft kam jemals mit weniger Treffern ins Endspiel. Dennoch ist die Torquote der Rangers noch besser als die der Fiorentina-Mannschaft, die 1989/90 das Endspiel mit sechs Toren in zehn Begegnungen erreichte.

• Diejenigen, die auf viele Tore hoffen, werden sich ungern an das einzige bisherige UEFA-Endspiel in Manchester erinnern. Im UEFA-Champions-League-Finale 2002/03 zwischen Juventus und dem AC Milan ging es im Old Trafford nach 120 torlosen Minuten ins Elfmeterschießen.

• Die Glasgow Rangers werden genauso ungern an ihren einzigen Auftritt in Manchester zurückdenken: In der Gruppenphase der UEFA Champions League im November 2003 verloren die Schotten mit 0:3 bei Manchester United FC. Der einzige Sieg bei vier Spielen in England wurde 1992/93 bei Leeds United AFC in der zweiten Runde der UEFA Champions League eingefahren. Bei diesem 2:1-Erfolg, der dank des 2:1-Triumphs im Heimspiel zum Weiterkommen reichte, erzielte Ally McCoist, der nun Co-Trainer bei den Rangers ist, einen Treffer.

• Zenit hat diese Saison bereits einmal in England verloren. Das war beim letzten Gruppenspiel im Dezember bei Everton FC (0:1). Die Russen verloren in der Gruppenphase 2005/06 auch bei Bolton Wanderers FC mit 0:1.

• Das Endspiel wird das erste offizielle Duell zwischen den Rangers und Zenit. Allerdings spielte Advocaat mit seiner Mannschaft am 24. August 2006 im Zuge des Transfers von Fernando Ricksen im Ibrox.

• Zenit gewann mit 4:1 gegen die Rangers, die damals noch von Paul Le Guen betreut wurden. Lee Ho und Igor Denisov schoss Zenit mit 2:0 in Führung, ehe Gavin Rae den Anschlusstreffer für die Hausherren erzielte. Aleksandr Kerzhakov und Oleksandr Spivak erzielten dann das dritte und vierte Tor für die Russen.

• Die Aufstellungen dieser Begegnungen waren:
Rangers: Allan McGregor, Alan Hutton, Karl Svensson (Antoine Ponroy 60.), Brahim Hemdani, Charles Adam, Libor Sionko (Kris Boyd 72.), Makhtar N'Diaye, Gavin Rae, Thomas Buffel (Chris Burke 60., ab der 64 von Lee Martin ersetzt), Filip Šebo, Nacho Novo (William Stanger 81.).
Zenit: Kamil Čontofalský, Fernando Ricksen (Aleksandr Anyukov 72.), Igor Križanac (Martin Škrtel 84.), Erik Hagen (Kim Dong Jin 45.), Pavel Mareš, Igor Denisov, Vladislav Radimov (Oleksandr Spivak 45.), Lee Ho (Andrei Nagumanov 72.), Radek Šírl (Hyun Yun Min 45.), Andrei Arshavin (Olexandr Gorshkov 45.), Aleksandr Kerzhakov.

• Advocaat folgte im Sommer 1998 auf Smith, als dieser nach seiner ersten Amtszeit bei den Rangers den Dienst quittierte. Der ehemalige niederländische Nationaltrainer hatte in den ersten beiden Jahren in Schottland immensen Erfolg. Er baute eine Mannschaft auf, die 1998/99 das heimische Triple holte und ein Jahr später das Double aus Meisterschaft und Pokal. Damals landeten die Rangers am Saisonende 21 Punkte vor Celtic Glasgow.

• Die folgenden zwei Jahre waren weniger erfolgreich, so dass Advocaat einen neuen Posten als Technischer Direktor des Klubs annahm. Alex McLeish wurde neuer Trainer und blieb bis zum Ende der Saison 2001/02.

• Advocaat verhalf Barry Ferguson in einem seiner ersten Spiele als Trainer beim 5:3-Erfolg in der ersten Qualifikationsrunde zum UEFA-Pokal gegen Shelbourne FC zu dessen Europapokaldebüt. Diese Begegnung fand am 22. Juli 1998 im Prenton Park, dem Stadion von Tranmere Rovers FC, statt. Zehn Jahre später ist der Rangers-Kapitän schottischer Europapokalrekordspieler.

• Neben Advocaat treffen die Rangers in Ricksen auf einen weiteren alten Bekannten. Der Niederländer spielte sechs Jahre im Ibrox Park, nachdem er 2000 von AZ Alkmaar gekommen war. Mit den Rangers gewann er 2002/03 und 2004/05 die schottische Premier League. Im August 2006 wechselte er - zunächst auf Leihbasis - zu Zenit. Ein Jahr später unterschrieb er einen festen Vertrag bei den Russen.

• Ein weiterer Spieler, der für beide Vereine aufgelaufen ist, ist Oleg Salenko. Der ehemalige russische Nationalspieler startete in den 80er Jahren seine Karriere bei dem Klub, der damals noch Zenit Leningrad hieß. Nachdem er bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1994 mit fünf Toren in einem Spiel gegen Kamerun einen Rekord aufgestellt hatte, wechselte er 1995 für ein halbes Jahr von Valencia CF zu den Rangers.

• Zenit trifft zum ersten Mal auf eine schottische Mannschaft, aber die Rangers haben bereits zehnmal gegen Vereine aus Russland gespielt. Insgesamt stehen dabei sieben Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage zu Buche.

• Das erste Duell der Rangers mit einer russischen Mannschaft war auch zugleich das bekannteste. Im Endspiel des Pokals der Pokalsieger 1971/72 gegen Dinamo Moskva gingen die Rangers dank Colin Stein (24.) und eines Doppelpacks von Willie Johnston mit 3:0 im Camp Nou in Führung, ehe es der eingewechselte Vladimir Eshtrekov und Aleksandr Makhovikov noch Mal spannend machten. Schlussendlich behielten die Rangers aber mit 3:2 die Oberhand.

• Unglücklicherweise stürmten danach die Fans den Rasen, so dass Kapitän John Greig den Pokal in der Umkleidekabine entgegennehmen musste, da sich die spanische Polizei mit den Anhängern auseinander setzte.

• Die UEFA schloss die Rangers daraufhin für zwei Jahre vom Europapokal aus, auch wenn die Bestrafung später nach einem Einspruch um ein Jahr verkürzt wurde. Dennoch konnten sie ihren Titel natürlich nicht verteidigen.

• Die Aufstellungen der Teams vom 24. Mai 1972 waren:
Rangers: Peter McCloy, William 'Sandy' Jardine, William Mathieson, John Greig, Derek Johnstone, David Smith, Thomas McLean, Alfred Conn, Colin Stein, Alexander McDonald, Willie Johnston.
Dinamo: Vladimir Pilgui, Vladimir Basalaev, Oleg Dolmatov, Valeri Zikov, Vladimir Dolbonsov (Mikhail Gershkovich 68.), Evgeni Zhukov, Anatoli Baidachny, Andrei Yakubik (Vladimir Eshtrekov 56.), József Szabó, Aleksandr Makhovikov, Gennadi Evriuzhikhin.

• Die Fans der Rangers können auf jeden Fall Mut aus der Tatsache schöpfen, dass Glasgow auch damals auf dem Weg ins Finale Sporting Lissabon sowie eine italienische Mannschaft ausgeschaltet hat.

• Neben dem Finale in Spanien haben die Rangers noch ein anderes Spiel gegen eine russische Mannschaft auf neutralem Rasen ausgetragen. Das war in der ersten Runde des UEFA-Pokals 2001/02 beim 1:0-Erfolg über den FC Anzhi Makhachkala. Da die Rangers Sorgen hatten, nach Makhachkala zu reisen, das in der Nähe des Kriegsgebietes Chechnya war, entschied die UEFA, die Auseinandersetzung in einer Partie zu entscheiden. Diese fand am 27. September 2001 im Wojska-Polskiego-Stadion in Warschau statt.

• Ferguson traf beim 7:2-Erfolg nach Hin- und Rückspiel über Dinamo Moskva in der zweiten Runde des UEFA-Pokals 2001/02. Beim 4:1 im Rückspiel in Russland konnte er sich in die Torschützenliste eintragen.

• Die Rangers haben gegen russische Mannschaften aber auch einige Enttäuschungen hinnehmen müssen. 1992/93 verpassten sie das Finale der UEFA Champions League, weil sie gegen den PFC CSKA Moskva im letzten Gruppenspiel zu Hause nicht über ein 0:0 hinauskamen und sie somit von Olympique de Marseille, das bei Club Brugge KV gewann, noch überholt wurden.

• Erst 2004/05 verloren sie mit 2:3 nach Hin- und Rückspiel gegen CSKA in der dritten Qualifikationsrunde der UEFA Champions League. Die 1:2-Niederlage in Moskau - Nacho Novo erzielte den Rangers-Treffer - war die erste Pleite eines schottischen Teams gegen eine russische Mannschaft.

• Rangers-Co-Trainer McCoist erzielte in der Qualifikationsrunde zur UEFA Champions League 1996/97 beim FC Alania Vladikavkaz einen Dreierpack, der zum 7:2 Sieg beitrug. Nach Hin- und Rückspiel stand ein 10:3-Erfolg zu Buche.

• Zenits Mittefeldspieler Vladislav Radimov spielte bei der Qualifikation zur EURO '96™ mit Russland gegen Schottland. Er spielte 90 Minuten beim 1:1 in Glasgow und 20 Minuten im Rückspiel beim 0:0 in Moskau.

• Zenits Kapitän Anatoliy Tymoschuk ist mit der Ukraine gegen Schottland angetreten. Er spielte sowohl beim 2:0-Heimsieg als auch bei der 1:3-Auswärtsniederlage in der Qualifikation zur UEFA EURO 2008™.

• Tymoschuk stand dabei in beiden Spielen David Weir und Ferguson von den Rangers gegenüber, während Torhüter Neil Alexander auf der Bank saß. Kris Boyd wurde in Kiew eingewechselt.

• Tymoschuk war auch schon mit seinem ehemaligen Klub, dem FC Shakhtar Donetsk, in Schottland zu Besuch und traf in der Gruppenphase der UEFA Champions League 2004/05 auf Rangers-Erzrivale Celtic FC. Shakhtar gewann das Heimspiel 3:0, aber Tymoschuk wurde in der 43. Minute des Rückspiels des Feldes verwiesen. Diese Partie wurde mit 0:1 verloren.

• Schottische Mannschaften haben insgesamt die bessere Bilanz in Duellen mit russischen Klubs. Die Bilanz liest sich aus schottischer Sicht so: sieben Siege, fünf Unentschieden, eine Niederlage.

• Russland und Schottland trafen seit dem Ende der Sowjetunion erst zweimal aufeinander, beide Begegnungen endeten unentschieden.

• Die Sowjetunion spielte dreimal gegen Schottland - zweimal bei großen Turnieren, einmal in einem Freundschaftsspiel - und gewann dabei einmal und verlor die anderen beiden Begegnungen:
1982 Weltmeisterschaftsendrunde: UdSSR - Schottland 2:2
1991 Freundschaftsspiel: Schottland: UdSSR 1:0
1992 UEFA-Europameisterschaft: Schottland - UdSSR 3:0