Vaduz hat nichts zu verlieren
Donnerstag, 11. August 2005
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Liechtensteins FC Vaduz träumt gegen den türkischen Spitzenklub Besiktas JK von einer Sensation.
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Von Marco Keller
Nicht einmal der größte Zocker würde wohl in der zweiten UEFA-Pokal-Qualifikationsrunde im Duell zwischen Besiktas JK und dem FC Vaduz auf das Team aus Liechtenstein setzen. Doch der große Außenseiter - der in der zweiten Schweizer Liga spielt, da es in der Heimat keine Profiliga gibt - ist auch nicht im Vorbeigehen zu schlagen.
Spitzenreiter
Nach vier Spielen der neuen Saison führt Mats Grens Team - das sich als Liechtensteiner Pokalsieger für den europäischen Wettbewerb qualifizierte - die Liga mit zehn Punkten auf dem Konto und einem Torverhältnis von 10:1 an. Letztes Wochenende gewann die Mannschaft mit 4:0 beim FC Lugano. "So gefällt mir das", sagte Gren.
Knapp gescheitert
In den letzten beiden Saisons verpasste Vaduz den Aufstieg in die höchste Schweizer Spielklasse jeweils nur knapp. Im Mai war die erste Liga zum Greifen nahe, in den Ab-/Aufstiegs-Play-offs erreichte Vaduz ein 1:1 beim FC Schaffhausen, verlor aber das Heimspiel mit 0:1.
Neuer Trainer
Doch auch diese Niederlage konnte den Elan des Teams nicht bremsen. Mit neuem Optimismus ist Vaduz in die neue Saison gestartet - und mit einem neuen Trainer, dem 41-Jährigen Gren. Der Schwede machte sich in der Schweiz einen Namen, als er 1986 bei seinem Debüt für den Grasshopper-Club gleich vier Tore schoss. In Zürich beendete er auch seine aktive Karriere.
Start als Jugendcoach
Vor seinem Rücktritt war er auch Coach bei den Grasshoppers - zunächst trainierte er Jugendteams, ehe er Assistent von Alain Geiger wurde. Vaduz ist seine erste Station als Cheftrainer, in Liechtenstein will er sich nun in seinem Amt beweisen.
Dacia ausgeschaltet
Der Start gelang jedenfalls, denn in der ersten Qualifikationsrunde konnte sein Team den FC Dacia Chisinau aus Moldawien ausschalten. Nach einem 2:0-Heimsieg konnte sich Vaduz im Rückspiel eine 0:1-Niederlage erlauben, wenn auch zum Ärger des Trainers. "Das einzig Gute war, dass wir uns qualifiziert haben", meinte Gren nachher.
Duell mit Besiktas
Gegen den türkischen Spitzenklub Besiktas kann Vaduz nun ohne Druck aufspielen. Das Erreichen der zweiten Qualifikationsrunde ist bereits als Erfolg anzusehen, alles andere wäre eine Sensation. Verteidiger Michael Stocklasa meinte: "Wir haben nichts zu verlieren."
Keine Überheblichkeit
In der Qualifikation zur UEFA EURO 2004™ konnte die türkische Nationalelf Liechtenstein locker mit 5:0 und 3:0 bezwingen, doch Besiktas sollte nicht den Fehler machen und Grens Mannschaft unterschätzen.
Ausländische Talente
Stocklasa ist einer von insgesamt sieben Liechtensteiner Nationalspielern im Vaduz-Kader, der von einigen ausländischen Talenten komplettiert wird, darunter der Schweizer Mittelfeldspieler Sandro Burki und sein Landsmann, Stürmer Goran Antic. Auch der brasilianische Angreifer Gaspar Odirlei De Souza hat sein Potenzial bereits unter Beweis gestellt.
Kompakte Defensive
Aus einer kompakten Defensive heraus will Vaduz seinen schier übermächtigen Gegner vor Probleme stellen. Dafür hat Gren bereits eine Taktik erarbeitet. "Wir müssen in der Vorwärtsbewegung schneller spielen", sagte der Schwede. "Wenn wir das schaffen, bin ich zuversichtlich, dass wir uns gegen Besiktas und in der Liga behaupten können."
Großes Interesse
Vaduz kann heute Abend im Hinspiel auf seinen lautstarken Anhang bauen - 2000 Tickets sind bereits verkauft worden, das Medieninteresse ist riesig. Viele Zuschauer kommen vielleicht nur, um den ehemaligen Bundesligaprofi Ailton zu bewundern, aber sie könnten Zeuge eine der größten Sensationen in der Geschichte des UEFA-Pokals werden.