Mainz betritt Neuland

Mainz 05 bestreitet gegen den armenischen Pokalsieger FC MIKA sein erstes Spiel auf europäischer Bühne.

Von Andreas Alf

Der 1. FSV Mainz 05 schwebt derzeit auf Wolke sieben. Nur zwölf Monate nach dem Aufstieg in die Bundesliga feiert der Verein sein Debüt auf europäischer Bühne. Mit diesem rasanten Erfolg hat in Mainz niemand gerechnet, weshalb nun improvisiert werden muss.

Zu wenig Sitzplätze
Das Mainzer Bruchwegstadion hat zwar eine Kapazität von 20.300 Plätzen, doch nach den UEFA-Regularien dürfen es nur Sitzplätze sein. Davon hat das Team aus Rheinland-Pfalz jedoch nur 10.400 - deutlich zu wenig für das Hinspiel der ersten UEFA-Pokal-Qualifikationsrunde gegen den armenischen Pokalsieger FC MIKA.

Frankfurt hilft
Hilfe kommt von unerwarteter Seite, denn Bundesliga-Konkurrent Eintracht Frankfurt stellt den Mainzern seine Arena mit 44.000 Sitzplätzen zur Verfügung. "Das ist fantastisch für uns", sagte der Mainzer Geschäftsführer Michael Kämmerer. Viele Fans des "Karnevalsvereins" werden wohl die 84 Kilometer lange Anreise nach Frankfurt auf sich nehmen.

Alle lieben Mainz
Es ist rund ein Jahrzehnt her, dass Frankfurt, traditionell die Nummer eins in der Region, auf europäischer Bühne spielte, und nur wenige Fans der Eintracht hätten es sich wohl träumen lassen, dass nicht ihr Team, sondern Mainz plötzlich ein Europapokal-Spiel im Frankfurter Stadion austrägt. Im letzten Jahr haben die Mainzer aber die Herzen der deutschen Anhänger im Sturm erobert.

"Unglaublich froh"
So wurde der 38 Jahre alte Jürgen Klopp mit seiner erfrischenden und offenen Art zu einem der beliebtesten Trainer der Bundesliga, während seine Schützlinge auch ohne große Stars in ihren Reihen für Furore sorgten. "Wir haben in unserer ersten Bundesligasaison den Abstieg verhindert und sind sogar am Ende Elfter geworden", sagte Klopp. "Das ist ein Gefühl, als hätten wir die Meisterschaft gewonnen. Ich bin unglaublich froh und enorm erleichtert."

Fairplay-Auslosung
Klopps Enthusiasmus wurde noch größer, als Mainz bei der UEFA-Fairplay-Auslosung Glück hatte und einen UEFA-Pokal-Startplatz zugesprochen bekam. Doch allzu euphorisch will Klopp nicht sein, denn er weiß, dass MIKA den Höhenflug seines Teams jäh stoppen kann.

"Psychologische Herausforderung"
Die Statistik spricht jedoch nicht fürMIKA. Die Armenier haben bisher noch nie ein Spiel auf europäischer Bühne gewinnen können. Zu allem Überfluss steht hinter dem Einsatz des angeschlagenen Stürmerstars Armen Shahgeldyannoch ein großes Fragezeichen. MIKA-Trainer Armen Adamyan freut sich auf seine erste Partie in einem UEFA-Wettbewerb, auch wenn seine Mannschaft vor einer schier unlösbaren Aufgabe steht. "Unsere größte Herausforderung ist psychologischer Natur", sagte er. "Wir müssen unseren Gegner nicht fürchten. Mit etwas Glück können wir durchaus etwas erreichen."

Schwere Aufgabe
Mainz ist ohne Zweifel klarer Favorit. Die taktischen Finessen von Klopp und das variable 4-5-1-System haben in der vergangenen Saison einige Bundesligaklubs in Verlegenheit gebracht. Doch die Aussichten auf eine Wiederholung dieser Leistung stehen nicht gut. Es sind nur wenige Neuzugänge dazu gekommen, darunter der erfahrene Mittelfeldspieler Otto Addo. Doch dafür hat sich Angreifer Conor Casey letzte Woche einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt daher die nächsten sechs Monate aus.

"Große Erwartungshaltung"
"Ich weiß, dass diese Saison für uns extrem hart werden wird, denn die Euphorie wurde durch eine große Erwartungshaltung ersetzt", sagte Klopp. Doch Deutschlands Spaßfußballer Nummer eins werden weiter auf ihren einzigartigen Mannschaftsgeist bauen, um die Skeptiker ein weiteres Mal zu überzeugen. Und zum UEFA-Pokal-Rückspiel werden sie sogar ihre Fans mitnehmen. Sie haben allen Anhängern, die sie nach Eriwan begleiten wollen, versprochen, ihre Hotelrechnung zu bezahlen. Mainz war lange Zeit nur als Karnevals-Hochburg Deutschlands bekannt, doch jetzt haben die Einwohner dank ihrer Fußballmannschaft mehrfach im Jahr Anlass zum Feiern.

Zusätzliche Berichterstattung von Khachik Chakhoyan

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