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Italien gewinnt Nervenschlacht gegen England

Veröffentlicht: Sonntag, 24. Juni 2012, 23.30MEZ
England - Italien 0:0 (2:4 n.E.)
Nachdem Gianluigi Buffon im Elfmeterschießen gegen Ashley Cole gehalten hatte, brachte Alessandro Diamanti die Italiener ins Halbfinale gegen Deutschland.
von Klaus Klump
Italien gewinnt Nervenschlacht gegen England
Italien feiert den Halbfinaleinzug ©Getty Images

Spielstatistiken

EnglandItalien

Tore0
 
0
Ballbesitz (%)36
 
64
Versuche gesamt9
 
35
Schüsse aufs Tor4
 
20
Schüsse vorbei5
 
15
Abgeblockte Schüsse3
 
12
Pfostentreffer0
2
Ecken3
 
7
Abseits1
 
2
Gelbe Karten0
2
Rote Karten0
 
0
Begangene Fouls15
 
11
Erlittene Fouls10
 
15

Tabellen

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Veröffentlicht: Sonntag, 24. Juni 2012, 23.30MEZ

Italien gewinnt Nervenschlacht gegen England

England - Italien 0:0 (2:4 n.E.)
Nachdem Gianluigi Buffon im Elfmeterschießen gegen Ashley Cole gehalten hatte, brachte Alessandro Diamanti die Italiener ins Halbfinale gegen Deutschland.

In einem Fußballkrimi im Olympiastadion Kyiw qualifizierte sich Italien nach torlosem Verlauf per Elfmeterschießen für das Halbfinale, in dem es gegen Deutschland geht. Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Alessandro Diamanti, nachdem die Endländer zunächst den Vorteil auf ihrer Seite hatten, weil Riccardo Montolivo verschossen hatte, dann aber Ashley Young nur die Latte traf und Gianluigi Buffon schließlich den Ball von Ashley Cole hielt.

Während Roy Hodgson mit der gleichen Elf beginnen ließ wie beim 1:0 gegen die Ukraine, veränderte Cesare Prandelli seine Mannschaft auf drei Positionen. Für den angeschlagenen Giorgio Chiellini kam Leonardo Bonucci, Thiago Motta musste Riccardo Montolivo weichen, und ganz vorn stürmte von Beginn an Mario Balotelli statt Antonio Di Natale.

Schon die ersten fünf Minuten hatten es in sich. Zunächst hatten die Italiener fast einhundert Prozent Ballbesitz, als es fast gekracht hätte im Gehäuse von Joe Hart. Nach Vorlage von Claudio Marchisio war es Daniele De Rossi, der aus 25 Metern abzog und die Kugel an den linken Pfosten nagelte (3.). Das Signal für die Engländer, die von nun an mitspielten und kurz darauf beinahe ihrerseits getroffen hätten. James Milner legte im Strafraum auf für Glen Johnson, der aus sechs Metern Gianluigi Buffon nicht überwinden konnte, weil dieser glänzend parierte und im Nachfassen den Ball sicher hatte.

Nun entwickelte sich ein munteres Spielchen, von dem zunächst die Three Lions etwas mehr hatten. Und nach nicht einmal einer Viertelstunde hätte Wayne Rooney seine Ausnahmestellung unter Beweis stellen können, wenn die Flanke von Johnson auf seinen Kopf nicht in letzten Moment von Ignazio Abate geklärt worden wäre.

Schließlich zwei Szenen der Italiener, an denen jeweils Balotelli beteiligt war. Nach langem Pass von Andrea Pirlo befand sich der unberechenbare Stürmer auf dem Weg Richtung Tor, wurde aber von John Terry gestört (26.). Und sechs Minuten später versuchte Balotelli nach tollem Zuspiel von Montolivo einen seiner Kunstschuss, der aber von Hart gehalten wurde.

Im Gegenzug die Möglichkeit für die Engländer. Rooney legte für Danny Welbeck auf, der verzog von der Strafraumgrenze. Die beste Chance vor der Pause aber hatte dann wieder Balotelli, dem es nicht gelang, nach schöner Kopfballvorlage von Antonio Cassano aus vier Metern Entfernung das Tor zu treffen. Zwei Minuten vor der Pause gelang ihm dies auch nicht aus 23 Metern. Die Italiener hatten jetzt wieder mehr von einem Spiel, das die Fans begeisterte.

Ähnlich aufregend ging es im zweiten Abschnitt weiter. Es waren gerade drei Minuten gespielt, da kam nach zunächst abgewehrter Ecke De Rossi an den Ball, der aus fünf Metern volley den Ball neben den rechten Pfosten setzte.

Gar eine Dreifachchance hatten die Italiener in der 57. Minute. Erst ein Distanzschuss von De Rossi, den Hart nur abklatschen konnte, dann Balotelli im Nachschuss, ebenfalls gehalten und schließlich Montolivo , der aus kurzer Distanz knapp über den Kasten zog.

Die Führung der Squadra Azzurra wäre längst verdient gewesen. Erst recht, als Balotelli nach knapp einer Stunde im Zweikampf mit Terry sich selbst einen Fallrückzieher vorbreitete, aber auch damit kein Glück hatte.

Und was war mit den Engländern? Von denen war wenig zu sehen, bis sie endlich wieder eine Chance hatten, als Young ein verunglückter Ball von Abate vor die Beine fiel, daraus aber nichts machen konnte (65.). Und auch die nächste Chance ging auf das Konto der Männer von der Insel. Nach Freistoß von Steven Gerrard , der bereits drei Tore vorbereitet hat bei diesem Turnier, streifte der Ball den neuen Haarschopf von Rooney, sodass Buffon die Kugel ohne Probleme aufnehmen konnte.

Die Zeit lief dahin, sollte die Entscheidung noch vor Ende der 90 Minuten fallen? Dies hatte sich der eingewechselte Diamanti vorgenommen, als er aus 23 Metern abzog und Hart ins rechte untere Eck abtauchen musste (81.). Auch Antonio Nocerino hatte den Siegtreffer auf dem Fuß nach einem wunderbaren Pass von Marchisio, doch den Schuss blockte Johnson ab. Und als in der Nachspielzeit Rooney vergebens einen Fallrückzieher ansetzte, wäre der Spielverlauf beinahe auf den Kopf gestellt.

Die Verlängerung! Da die Italiener viel investiert hatten, bestand die Gefahr, dass sie körperlich nicht mehr mithalten würden. Doch weit gefehlt. Die Südeuropäer machten weiterhin Druck - während sich England in Manier von Chelsea FC hinten reinstellte - und hatten eine große Chance, als ein als Flanke gedachter Ball von Diamanti am langen Pfosten landete.

Diamanti war es auch, der in der zweiten Hälfte der Verlängerung den Siegtreffer auf dem Fuß hatte, aus acht Metern aber verzog. Und als schließlich der Ball dann doch im Tor der Engländer lag, war der Jubel zunächst groß, der jedoch schnell verebbte, weil der vermeintliche Kopfballtreffer von Nocerino aus Abseitsposition gefallen war.

So kam es zum Elfmeterschießen. Nicht gerade ein Hobby der Engländer. Zurecht nicht. Die jeweils ersten Schützen trafen, dann verschoss Italiens Montolivo, alles sah düster aus für die Italiener. Doch als der legendäre Andrea Pirlo mit unfassbarer Frechheit den Ball ins linke Eck gelupft hatte, war der Bann gebrochen. Der dritte Torschütze der Engländer, Young, knallte die Kugel an die Latte und dann hielt Buffon den Elfmeter von Cole, und schließlich richtete es Diamanti. Der Sieg.

Nun folgt am Donnerstag der nächste Klassiker, wenn es im Halbfinale in Warschau gegen Deutschland geht. Italien gilt als Angstgegner der DFB-Auswahl.

Letzte Aktualisierung: 27.06.12 18.41MEZ

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