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Klassiker endet mit Remis

Veröffentlicht: Mittwoch, 16. Juni 2004
Deutschland - Niederlande 1:1
Torsten Frings brachte die couragierte DFB-Auswahl in Führung, doch Ruud van Nistelrooy sorgte für den insgesamt verdienten Ausgleich.
von Mark Bennett
aus dem Estádio do Dragão
Klassiker endet mit Remis
Ruud van Nistelrooy machte den Ausgleich gegen Deutschland ©Getty Images
Veröffentlicht: Mittwoch, 16. Juni 2004

Klassiker endet mit Remis

Deutschland - Niederlande 1:1
Torsten Frings brachte die couragierte DFB-Auswahl in Führung, doch Ruud van Nistelrooy sorgte für den insgesamt verdienten Ausgleich.

Lange Zeit schien es so, als ob ein kurioses Tor von Torsten Frings in der 30. Minute diese Partie entschieden hätte. Doch neun Minuten vor dem Abpfiff kamen die Niederländer zu einem etwas schmeichelhaften Ausgleich durch Ruud van Nistelrooy.

Wie erwartet ging Teamchef Rudi Völler mit einer eher defensiven Formation in das erste Gruppenspiel gegen die Niederlande. Völler vertraute einem 4-5-1. Bondscoach Dick Advocaat brachte mit Ruud van Nistelrooy nur eine echte Spitze, doch Boudewijn Zenden und Andy van der Meyde sollten für Druck über die Außen sorgen.

In den ersten Minuten überließ die deutsche Nationalmannschaft den Niederländern das Mittelfeld und konzentrierte sich auf die Defensive. Doch bis auf ein optisches Übergewicht konnte “Oranje” kein Kapital aus dem vorsichtigen Beginn des dreimaligen Welt- und Europameisters schlagen.

Nach etwa zehn Minuten bekam der Vizeweltmeister den Nachbarn immer besser in den Griff und setzte nun selbst einige Akzente in der Offensive. Nach 13 Minuten flankte Torsten Frings von der linken Seite. Doch der Ball war ein bisschen zu lang für den völlig freistehenden Michael Ballack. Acht Minuten später kam Christian Wörns nach einer Flanke von Bernd Schneider zum Schuss. Aber der harmlose Roller war eine leichte Beute für Edwin van der Sar.

Deutlich mehr Schwierigkeiten hatte der niederländische Schlussmann 120 Sekunden später, als Kevin Kuranyi sein Glück aus der zweiten Reihe probierte. Van der Sar schaffte es aber gerade noch, den Ball über die Latte zu lenken. Die anschließende Ecke brachte Deutschland die nächste Chance. Wörns kam völlig frei zum Kopfball, setzte diesen aber am Tor vorbei. Dennoch hatte die Elf von Rudi Völler die Partie zu diesem Zeitpunkt ganz klar im Griff.

Nach genau einer halben Stunde wurde Deutschland für den engagierteren Auftritt belohnt. Eine Freistoß-Flanke von Torsten Frings flog and Freund und Feind vorbei und drehte sich ins Tor.

Die Niederlande wirkten in der Folgezeit wie gelähmt und die deutsche Abwehr hatte kaum Schwierigkeiten die Offensivbemühungen der “Oranje” zu unterbinden. Kurz vor der Pause machte die Hintermannschaft den einzigen Fehler in der ersten Halbzeit, doch Rafael van der Vaart setzte seinen Schuss aus 13 Meter denkbar knapp am Gehäuse von Geburtstagskind Oliver Kahn vorbei.

Durch den Rückstand sah sich Dick Advokaat nach dem Seitenwechsel zu zwei Änderungen gezwungen. Wesley Sneijder ersetzte Edgar Davids und Marc Overmars übernahm die Rolle von Zenden auf der linken Seite.

Am Spielgeschehen änderte sich aber wenig. Die Niederländer suchten weiter verzweifelt die Lücke in der gut gestaffelten deutschen Hintermannschaft und Völlers Mannschaft löste sich immer wieder geschickt aus der Bedrängnis und gefiel mit gut durchdachten Gegenstößen.

Nach der Hälfte des zweiten Durchgangs brachte auch der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft einen frischen Mann. Youngster Bastian Schweinsteiger ersetzte Bernd Schneider im rechten Mittelfeld. Und der 19-Jährige führte sich gleich gut ein. In der 70. Minunte drang er in den Strafraum ein, doch sein Schuss wurde von Giovanni van Bronckhorst zur Ecke geklärt.

16 Minuten vor dem Abpfiff setzte Advocaat alles auf eine Karte und brachte mit Pierre van Hooijdonk einen weiteren Stürmer. Neun Minuten vor dem Ende zahlte sich das Risiko auch aus. Fabian Ernst konnte van der Meydes Flanke nicht verhindern, van Nistelrooy entwischte Wörns und erzielte den Ausgleich.

Deutschlands Regisseur Michael Ballack, nach der Partie zum Carlsberg Mann des Spiels gewählt, zeigte sich mit der Punkteteilung enttäuscht: "Wir haben lange Zeit geführt und sind deshalb jetzt enttäuscht. Aber dennoch können wir realistisch einschätzen, dass es ein gerechtes Unentschieden war." Der Spielmacher glaubt, dass die DFB-Auswahl nun "ausreichend Selbstvertauen getankt" hat, aber dennoch gegen Lettland eine völlig andere Situation erwartet: "Da sind wir Favorit!"

Ballack lobte vor allem den jungen Keilstürmer Kevin Kuranyi, der der niederländischen Defensive als einzige Spitze Kopfschmerzen bereitete. Der Torjäger vom VfB Stuttgart wollte seinen Ärger über das Gegentor nicht verbergen: "Wir haben sehr gut gespielt. Ein Fehler hat unser Spiel kaputt gemacht."

Den Fehler zum Gegentor von Niederlandes Top-Stürmer Ruud van Nistelrooij beging Fabian Ernst, der den Ball auf der linken Abwehrseite zwei Minuten nach seiner Einwechslung vertendelte, und so Andy Van der Meyde die Chance zum Flanken ermöglichte. Dennoch wollte Völler dem Mann vom SV Werder Bremen keine Schuld zuweisen: "Er war selbst sehr traurig, aber es gibt keine Vorwürfe, ganz klar!"

"Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt. Wenn man dann noch den Ausgleich kassiert, ist man natürlich traurig.", so der DFB-Teamchef. Dennoch zog Völler aus dem Remis auch etwas Positives: "Es ist immerhin gut, dass nun keine Selbstzufriedenheit entsteht." Gleichwohl fordert der ehemalige Weltklassestürmer im nächsten Spiel einen Sieg: "Gegen die Letten müssen wir natürlich drei Punkte holen."

Letzte Aktualisierung: 13.05.12 13.45MEZ

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