Pilař macht sich einen Namen
Freitag, 15. Juni 2012
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Václav Pilař war vor der UEFA EURO 2012 außerhalb der Tschechischen Republik kaum bekannt. Inzwischen hat sich der Flügelspieler mit dem feinen Torriecher aber zu einem der Stars des Turniers entwickelt.
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Bei jedem großem Turnier gibt es den einen oder anderen Spieler, der vor Beginn des Wettbewerbs nur in seiner Heimat bekannt ist, nach Ende des Turniers zumindest europaweit große Popularität erlangt hat – manchmal sogar in der ganzen Welt. Wenn er so weiterspielt, wie er es in den ersten beiden Partien getan hat, könnte der Tscheche Václav Pilař bei der UEFA EURO 2012 dieser Mann sein.
Der tschechische Akzent auf dem "r" in seinem Nachnamen macht Pilař sogar für die sprachlich gewandtesten Menschen zu einer Herausforderung. Sein Talent mit dem Ball am Fuß scheint die besten Verteidiger Europas vor ähnlich große Herausforderungen zu stellen. Die russische Viererkette jedenfalls konnte nur hilflos zusehen, als der kleine Flügelspieler an ihnen vorbeirauschte, Torhüter Vyacheslav Malafeev umkurvte und mit einer Seelenruhe zum Tor einschob, dass man gar nicht glauben konnte, dass dies erst sein zweiter Länderspieltreffer war.
Dann wurde Kostas Katsouranis Zeuge der Dynamik des 23-Jährigen, als dieser all seine Kraft in seinen 1,70 Meter großen Körper packte, den griechischen Verteidiger samt Ball über die Torlinie wuchtete und damit am Dienstag das zweite Tor seines Landes erzielte.
Dieser Schuss sorgte letztendlich dafür, dass die Tschechische Republik - statt nach Hause zu fahren - noch auf das Viertelfinale hoffen darf. Damit gehen die Tschechen am Samstag in das letzte Spiel der Gruppe A gegen Co-Gastgeber Polen mit der Gewissheit, dass ihnen ein Sieg den Einzug in die K.o.-Runde bescheren wird. Obwohl am Ende auch schon ein Punkt reichen könnte, will Pilař, wie nicht anders zu erwarten, mehr.
"Wir wissen sehr wohl, dass wir nicht auf ein Unentschieden spielen können. Es würde sich nicht auszahlen. Deshalb werden wir versuchen, unsere bestmögliche Leistung abzurufen und das bestmögliche Ergebnis zu erreichen", sagte er UEFA.com im Mannschaftslager der Tschechen in Wroclaw. "Wir wissen, dass Polen ein gutes Team hat und ich denke, dass sie in ihrem letzten Spiel gegen Russland gut gespielt haben. Deshalb wird es sicher schwierig werden. Aber wir werden kämpfen um uns zu qualifizieren, das ist unser Ziel."
Gemäß seiner bescheidenen Art und seinen vorsichtigen Formulierungen spielte Pilař seine bisherigen Erfolge herunter. "Ich bin froh, dass diese beiden Tore der Mannschaft geholfen haben, das ist das Allerwichtigste", sagte er, obwohl seine Leistungen nicht unbemerkt geblieben sind. Nachdem er schon bei der 1:4-Niederlage gegen Russland der auffälligste Spieler der Tschechen war, wurde er nach starken 90 Minuten in der Partie gegen Griechenland zum Carlsberg Mann des Spiels gewählt. Aus diesen Momenten werden große Karrieren gemacht, Pilař hat sich in seiner Zukunft jedoch bereits festgelegt. Im vergangenen Winter hat er sich entschieden, seinem Landsmann und ehemaligen Teamkameraden von FK Viktoria Plzeň, Petr Jiráček, zum VfL Wolfsburg zu folgen.
Wenn er beim Spiel gegen den Co-Gastgeber im Städtischen Stadion von Wroclaw so weitermacht, wie er das Turnier begonnen hat, wird das selbstzufriedene Grinsen auf dem Gesicht von Felix Magath, seinem neuen Vereinstrainer in der kommenden Saison, nur noch breiter werden. Für den Moment konzentriert sich Pilař jedoch nur darauf, ein Lächeln in das Gesicht von Bílek und den tschechischen Fans zu zaubern, die über die nahe Grenze strömen werden, um ihre Mannschaft zu unterstützen.
"Die ersten beiden Spiele waren großartig, weil uns der größte Teil der polnischen Fans genauso angefeuert hat wie unsere Anhänger", sagte Pilař, der – genauso wie seine Teamkameraden – den Vorteil genießt, dass das Teamhotel im Zentrum von Wroclaw liegt, also in der Stadt, wo auch alle drei Gruppenspiele der Tschechischen Republik stattfinden. "Aber jetzt spielen wir gegen Polen und nur die tschechischen Fans werden uns unterstützen. Ich glaube, es werden auch diesmal viele kommen und uns anfeuern. Ich möchte mich an dieser Stelle bei den tschechischen Fans bedanken."