Platini trifft Portugal ins Herz
Montag, 1. August 2011
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Dieses Halbfinale der UEFA-Europameisterschaft 1984 ist längst ein Klassiker. Ein dramatischer Spielverlauf, unzählige Chancen und überragende Torhüter hielten die Partie so lange offen, bis Michel Platini in der 119. Minute zuschlug.
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Frankreich - Portugal 3:2 n.V.
(24. und 114. Domergue, 119. Platini; 74. und 98. Rui Jordão)
Marseille, 23. Juni 1984
Diese Partie gilt noch heute als eines der dramatischsten Spiele in der Geschichte der UEFA-Europameisterschaften und wird von vielen Fans und Experten nicht zu Unrecht mit dem legendären FIFA-WM-Halbfinale von 1970 zwischen Italien und Deutschland verglichen. Unmittelbar vor dem Ende der 120 Minuten war es Frankreichs Spielmacher und Torjäger Michel Platini, der für die Entscheidung sorgte.
In den ersten 20 Minuten lieferten sich beide Teams einen knüppelharten Schlagabtausch und es kam nicht von ungefähr, dass ein Foul dem ersten Tor vorausging. Nach einer Attacke von António Frasco an Platini gab es einen Freistoß für die Franzosen. Frankreichs Kapitän Platini legte sich das Leder zurecht, doch dann kam Jean-François Domergue und jagte den Ball mit links über den in der Mauer postierten João Pinto in die Torwartecke, wo Manuel Bento konsterniert und regungslos zusah.
Portugal hatte in den folgenden Minuten wenig zu bestellen, zu Beginn der zweiten Hälfte ließ Manuel Bento einen Ball vor die Füße von Luis Fernandez abprallen, doch der vergab kläglich. Anschließend parierte Portugals Keeper zweimal grandios gegen Alain Giresse. Angeführt vom überragenden Platini sahen die Fans Einbahnstraßenfußball in Richtung von Bentos Tor.
Doch Portugal zeigte Moral und wurde mit dem überraschenden Ausgleich belohnt. Fernando Chalana flankte von der linken Seite und Jordão gelang per Kopf sein erstes Tor in diesem Turnier. Dann stand wieder der grandiose Bento im Mittelpunkt, der zunächst Platinis Solo stoppte und dann auch noch den Nachschuss von Didier Six an die Latte lenken konnte. Immer wieder scheiterten die hoch überlegenen Franzosen am Torhüter Portugals, der zwei Tage später seinen 36. Geburtstag feiern sollte.
Sein Gegenüber Joël Bats musste sein Können erst in der Verlängerung zeigen, als er gegen Nené mit großartigem Reflex eine Niederlage verhinderte – denn zu diesem Zeitpunkt lag Frankreich mit 1:2 im Rückstand. Wieder hatte zuvor Chalana geflankt, diesmal von rechts, und wieder war Jordão zur Stelle, diesmal per Volleyabnahme. Der Ball titschte auf den Boden und landete von dort unhaltbar im Kreuzeck. Fünf Minuten vor dem Ende der Verlängerung kam Frankreich aber doch noch zum verdienten Ausgleich. Domergue bediente Yvon Le Roux, dessen Pass erreichte im Strafraum Platini. Hart attackiert leitete der das Leder weiter nach links auf Domergue, der mit seinem zweiten Tor zum 2:2 traf.
Portugal wollte sich ins Elfmeterschießen retten, aber Frankreich hatte nun wieder Oberwasser. Jean Tigana setzte sich energisch gegen drei portugiesische Verteidiger durch und flankte von der rechten Torauslinie flach in die Mitte, wo Platini trotz zahlreicher Portugiesen, die sich um ihn tummelten, zum Schuss kam und das 3:2 erzielte.
Ausschlaggebend für diesen Triumph war das sensationelle Mittelfeld der Franzosen, allen voran Platini und Tigana.
Was passierte danach?
Dank des neunten Turniertreffers von Platini und eines Tores von Bruno Bellone besiegte Frankreich im Finale Spanien mit 2:0. Zwei Jahre später verloren die Franzosen erneut ein WM-Halbfinale gegen Deutschland, wie schon 1982. Das nächste Turnier im eigenen Land, die WM 1998, brachte den zweiten Triumph und zwei Jahre später gelang der Sieg bei der UEFA EURO 2000 (wieder durch einen Erfolg nach Verlängerung gegen Portugal im Halbfinale). Im Finale der WM 2006 scheiterten die Franzosen dann im Elfmeterschießen an Italien.