EURO-Kulthelden: 1968 – Luigi Riva
Samstag, 12. März 2016
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"Am nächsten Morgen war ich am Flughafen in Rom und ich habe keine Ahnung, wie ich dorthin gelangt bin", sagte Luigi Riva, als er sich an Italiens ersten EURO-Triumph zurückerinnerte.
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Luigi Riva, auch heute noch Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, erzielte 35 Länderspieltreffer für Italien, das berühmteste und wichtigste markierte er im Endspiel der UEFA-Europameisterschaft 1968. Gut zwölf Monate zuvor hatte er sich den linken Fuß gebrochen und schlug sich während der Endrunde mit einer Leistenverletzung herum. Aufgrund seiner Plackerei und seines Heldenmuts bekam er deshalb den Spitznamen 'Rombo di Tuono' (Donnerschlag) verliehen.
Unglückliche Aktion
Es war in einem Testspiel im März 1967 gegen Portugal, als sich Riva die erste einer Reihe von schlimmen Verletzungen zuzog. "Wir haben in Rom gespielt, am Tag nach Ostern", erinnert sich Riva. "Es war mein drittes Spiel für die Nationalmannschaft, erstmals begann ich als Mittelstürmer – eine Rolle, die ich sehr gemocht habe."
"Wir lagen 0:1 hinten, als ich die Möglichkeit erkannte, ein Tor zu erzielen, und ich ging voll drauf auf den Ball. Der Torhüter tat das gleiche, wir sind zusammengestoßen, was mir gar nicht gut bekommen ist, da ich mir den linken Fuß brach. Ich bereue nichts, ich hätte es immer wieder so gemacht. Wenn ich die Chance habe, ein Tor zu erzielen, dann halte ich meinen Fuß hin."
Bescheidene Anfänge
Der wortkarge Riva, der in Leggiuno, einer Kleinstadt am Lago Maggiore, zur Welt kam, verbrachte fast seine komplette Spielerkarriere bei Cagliari Calcio und erzielte für den Klub aus Sardinien 164 Tore in der Serie A. Zum Helden auf der Insel avancierte er, als er 1970 mit seiner Truppe den Scudetto gewinnen konnte. "Wir waren eine Familie bei Cagliari – bei einem Topklub wäre es nicht das gleiche gewesen", pflegte Riva zu sagen.
Wieder in der Spur
Nach dieser Verletzung gegen Portugal musste Riva sechs Monate warten, ehe er wieder für Cagliari gegen den Ball treten konnte. Im November 1967 kehrte er mit einem Knall in die Nationalmannschaft zurück, als ihm gegen Zypern in der EM-Qualifikation ein Dreierpack gelang und er seine ersten Tore für die Azzurri erzielte. Ebenfalls im November traf er zweimal beim 2:2-Remis gegen die Schweiz, gegen die er im Dezember beim 4:1-Erfolg erneut zu den Torschützen zählte. 1968 wurde er dann jedoch von einem anhaltenden Leistenproblem geplagt. AC Milans Pierino Prati spielte im Sturm, als Italien im Frühling im Viertelfinale gegen Bulgarien gewann, im Halbfinale die Sowjetunion – mit einem Münzwurf nach einem torlosen Remis in Neapel – ausschaltete und somit das Endspiel gegen Jugoslawien im Olympiastadion zu Rom erreichte.
Prati, der gerade mit Milan den Scudetto und den Pokal der Pokalsieger gewonnen hatte, stand erneut in der Startelf, aber nach einem aus italienischer Sicht glücklichen 1:1-Remis entschied sich Trainer Ferruccio Valcareggi dafür, beim Wiederholungsspiel 48 Stunden später auf Riva zu setzen. Er bedankte sich mit dem Führungstreffer nach zwölf Minuten, ehe Pietro Anastasi Tor Nummer zwei nachlegte und Italien seinen ersten und bislang einzigen Europameistertitel klarmachte.
Sammlerstück
"Ich bin kein Trikotsammler, aber ich habe ein paar aufbewahrt", sagte Riva. "Eines davon ist ein Trikot von mir, und seltsamerweise ist es keine Nr. 11, sondern eine Nr. 17 – es ist das Trikot, das mir Valcareggi für die Europameisterschaft 1968 gab, trotz meiner Leistenverletzung. Vor dem Wiederholungsspiel bat er mich, auf den Platz zu gehen und so lange wie nur möglich durchzuhalten. Ich erzielte den Führungstreffer, und es war eine wunderbare Nacht. Am nächsten Morgen war ich am Flughafen in Rom und ich habe keine Ahnung, wie ich dorthin gelangt bin."