Stadtführer Saint-Etienne
Dienstag, 5. August 2014
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Region: Rhone-Alpes
Bevölkerung: 180 000; 400 000 im Großraum
UEFA EURO 2016 Botschafter der Gastgeberstadt:
Jérémie Janot (ehemaliger Torhüter von AS Saint-Etienne - 1996-2012)
Saint-Etienne, die Stadt auf sieben Hügeln (wie Rom, Lissabon und Nîmes), ist einer der höchstgelegenen Ballungsräume Europas (der höchste Punkt des Stadtzentrums liegt ungefähr 500 m. ü. M.) und im Winter mitunter eingeschneit. Die Einwohner von Saint-Etienne, die Stéphanois, machen dieses frostige Klima jedoch durch ihre Wärme und Herzlichkeit wett.
Lange Zeit als "Stadt der Waffen, Zierbänder und Fahrräder" bekannt (während der Französischen Revolution hieß sie sogar Armeville – Waffenstadt), hat sich Saint-Etienne heute einem ehrgeizigen Modernisierungsprogramm verschrieben, in dessen Rahmen aus der einstigen Industriestadt des 19. Jahrhunderts eine "Designhauptstadt" des 21. Jahrhunderts werden soll. Saint-Etienne wurde dank dieses Vorhabens 2010 als einzige Stadt Frankreichs in das UNESCO-Netzwerk "Creative Cities" aufgenommen.
Innerhalb weniger Jahre hat sich Saint-Etienne grundlegend gewandelt, wie die Umgestaltung der Viertel am Gare de Châteaucreux beweist. Und wenn von Saint-Etienne die Rede ist, dürfen Les Verts nicht fehlen: Fußball ist hier wie in Lens oder Marseille mehr als eine Leidenschaft – Fußball ist eine echte Religion.
GESCHICHTE
Der Legende nach trug das Landstädtchen zur Römerzeit den Namen Furanum, benannt nach dem Fluss Furan, an dem es liegt. Danach wurde es in Furania umbenannt und behielt diesen Namen bis ins Mittelalter.
Saint-Etienne ist die Wiege der industriellen Revolution in Frankreich. Die Stadt war das Zentrum der Metallverarbeitung und Fabrikarbeit. Anfang des 19. Jahrhunderts war Saint-Etienne das wichtigste Kohlebecken in Frankreich und erhielt eine Konzession für die erste französische Eisenbahnstrecke. In den 1970er-Jahren gerieten die Industrien in Saint-Etienne in die Krise und die Stadt erlebte einen starken wirtschaftlichen und demografischen Rückgang.
Der einzige Lichtblick war der Fußball. Der legendäre Klub AS Saint-Étienne ist mit der Stadt untrennbar verbunden. Ihre Einwohner identifizieren sich sehr stark mit "den Grünen", und in dem Fußballstadion mit dem Spitznamen Chaudron, was so viel wie "Kochkessel" heißt, ist die Stimmung immer am Kochen.
Saint-Etienne fehlt es nicht an Dynamik, schon gar nicht kulturell. Im Eventsaal Le Fil beispielsweise finden regelmäßig Popkonzerte statt. Seit 2008 verfügt Saint-Etienne als einzige Stadt in der Region Rhône-Alpes über einen Zénith, eine in Frankreich geschützte Bezeichnung für eine große Konzerthalle.
PERSÖNLICHKEITEN
• Jules Massenet, Komponist (1842-1912) – Zu den bekanntesten Werken des Komponisten, der ein Freund von Franz Liszt war, zählen: Manon (1882), Werther (1892) und Thaïs (1894)
• Aristide Briand, Politiker (1862-1932) – Abgeordneter für Saint-Etienne von 1902 bis 1919, bekleidete 20 Mal das Amt des Ministers und wurde 1926 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet
• Geoffroy Guichard, Industrieller (1867-1940) – Gründer der Einzelhandelskette Casino, dem Hauptanteilseigner des AS Saint-Étienne, und Namensgeber des Stadions
• Muriel Robin, Comedian (*1955) – Sie liebt die Bühne, ist aber auch Drehbuchautorin und Filmschauspielerin
• Mickaël Furnon, Sänger (*1970) – Gründer der Band Mickey 3D, die mit ihrem Song über Johnny Rep bekannt wurde
SEHENSWERTES UND AKTIVITÄTEN
• Parc des Sports de l’Étivallière: Für eine kleine Joggingrunde am Morgen bietet sich der Parc des Sports de l’Étivallière an, der an das Stadion Geoffroy-Guichard angrenzt. Zu dem Komplex gehören verschiedene Sportplätze und auch ein Rugbystadion. Wenn Ihnen der Sinn eher nach Indoor-Sport steht, bietet sich der Komplex Soccer 5 an, wo man Fünfer-Fußball spielen kann und der ebenfalls nur ein paar Schritte vom "Chaudron" entfernt ist. Auch das Musée des Verts sollten Sie sich nicht entgehen lassen.
• Bergbaumuseum: Das Museum Puits Couriot/Parc Musée de la Mine ist im Gebäudekomplex der letzten Grube in Saint-Étienne, die 1973 geschlossen wurde, in der Rue du Maréchal Franchet d’Esperey 3 untergebracht und nur 10 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Die Besucher können sich hier den Nachbau eines Laufgangs und die Gebäude der ehemaligen Zeche anschauen: Die Waschkaue, der Maschinenraum und die Lampenstube. Auf dem Gelände finden auch regelmäßig Liveveranstaltungen, Filmvorführungen und Festivals statt.
• Le Grangent: Um der Sommerhitze zu entfliehen, gehen Sie an Bord des Le Grangent und machen Sie eine Schifffahrt durch die Schluchten der Loire. Hier reichen sich Natur und Kultur die Hand. Das Schiff legt im Hafen Saint-Victor-sur-Loire ab, 13 km westlich von Saint-Étienne, der einzigen Stadt in Frankreich mit einem Süßwasser-Binnenhafen. Bei diesem Ausflugh geht der Alltag bestimmt vergessen.
• Place du Peuple: Ganz in der Nähe des Place de l’Hôtel de Ville (Rathausplatz) laden der Place du Peuple und die angrenzenden Straßen zu einem ausgiebigen Einkaufsbummel ein: Alsace-Lorraine, Michelet oder Général Foy, wo Sie nicht an der Boutique von Chocolat Weiss vorbeikommen, in der leckere Schokoladenspezialitäten auf Sie warten.
• Rue des Martyrs de Vingré: Die Rue des Martyrs de Vingré (Fußgängerzone) ist der perfekte Treffpunkt, um abends etwas trinken zu gehen. Es ist hier "very british", und die Fußball-Atmosphäre ist richtiggehend zu spüren. Und wen der Hunger packt, kann seinen Gaumen in den Pizzerien und Restaurants mit gehobener Küche verwöhnen, idealerweise draußen auf der Terrasse. Anschließend geht es weiter in Richtung Place Neuve, wo Sie die Nacht zum Tag machen können.
VERKEHR
Anbindung
Saint-Etienne liegt inmitten der großen Verkehrsinfrastrukturen. Nur zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt haben Sie Anschluss an mehrere Autobahnen: A72 nach Clermont und A47 nach Givors, die zur A6 Lyon/Paris und A7 Lyon/Marseille führt, und A89 Genf/Bordeaux. Mit dem Auto sind Sie in weniger als einer Stunde in Lyon und in etwas mehr als drei Stunden in Marseille.
Mit einer der vier TGV-Direktverbindungen vom Bahnhof Saint-Etienne-Châteaucreux beträgt die Fahrzeit nach Paris zwei Stunden und 40 Minuten. Darüber hinaus gibt es die TER-Eisenbahnlinie Lyon/Saint-Etienne, die erste dieser Art in Frankreich, die zu Stoßzeiten im 15-Minuten-Takt fährt. Die Fahrt zum Bahnhof Lyon Part-Dieu dauert 40 Minuten.
Saint-Etienne liegt ganz in der Nähe zweier Flughäfen: Andrézieux-Bouthéon (20 Minuten entfernt) für Charter- und Low-Budget-Flüge (mit kostenlosem Parkplatz) und Lyon Saint-Exupéry (60 Minuten entfernt). Saint-Etienne ist dank des Flughafens Lyon in weniger als zwei Stunden von mehr als 100 europäischen Metropolen zu erreichen.
Entfernungen zu den anderen Austragungsstädten der UEFA EURO 2016
Lyon – 65 km
Marseille – 335 km
Nizza – 500 km
Paris – 525 km
Saint-Denis – 540 km
Toulouse – 540 km
Bordeaux – 540 km
Lens – 735 km
Lille – 750 km
Distanzen zwischen den Stadtzentren, über die Autobahn wenn möglich
Quelle: mappy – viamichelin
Entfernung des Stade Geoffrey Guichard zum...
Stadtzentrum: 4 km
Flughafen (Lyon): 70 km
Unterwegs in der Stadt und Umgebung
Das Stade Geoffroy-Guichard ist das einzige französische Stadion, das mitten in der Stadt liegt (nur wenige Kilometer von der Innenstadt entfernt). Ganz in der Nähe befinden sich zwei SNCF-Bahnhöfe, eine Straßenbahnlinie und mehrere Buslinien. Die Stadt verfügt über drei Straßenbahn- und 74 Buslinien. Fahrscheine kann man in Kiosks, Geschäften und Boutiquen mit dem STAS-Logo kaufen; es gibt verschiedene Tarifoptionen. In Saint-Etienne gibt es den Self-Service-Fahrradverleih VéliVert.
FUSSBALL
AS Saint-Étienne hat seinen Ursprung inmitten einer industriell geprägten Region und ist mit dem Arbeitermilieu fest verwurzelt. Er wurde im Jahr 1919 als Sportabteilung innerhalb der Amicale des employés de la Société des magasins Casino (Angestelltenvereinigung der Casino-Einzelhandelsgeschäfte) in Saint-Etienne gegründet. Die Vereinsfarben sind Grün – wie die der Casino-Einzelhandelskette – und Weiß.
Ab 1961 kümmerte sich Roger Rocher um die Geschicke des Vereins, der in Frankreich eine beispiellose Erfolgsgeschichte schrieb. In den 1970er-Jahren waren Les verts der Liebling der Nation. Besonders denkwürdig war das Europapokalfinale gegen Bayern München, das mit 0:1 verloren ging. Nichtsdestotrotz wurde die Mannschaft auf den Champs-Élysées von einer gewaltigen Menschenmenge gefeiert.
Obwohl später Michel Platini ins Team geholt und 1981 ein Meisterschaftstitel errungen wurde und der Mannschaft einige aufsehenerregende Coups auf europäischer Ebene gelangen (z.B. das 6:0 gegen PSV Eindhoven), wurde es nach diesen glanzvollen Momenten still um den Verein. Die Affäre um Geheimfonds erschütterte die Grundfeste des Vereins, der 1984 in die zweite Liga abstieg.
Mehr als 20 Jahre – zwischen wechselnden Präsidenten, drohender Insolvenz und der Passfälschungsaffäre – durchlebten "die Grünen" eine Achterbahnfahrt mit Auf- und Abstiegen von der Ligue 1 in die zweite Division. Einzig die ruhmreiche Vergangenheit ließ schöne Erinnerungen an den Klub zu.
2004 kauften Bernard Caïazzo und Roland Romeyer den Verein. Die Mannschaft stieg daraufhin in die Ligue 1 auf, wo sie sich seither halten und auf eine erstklassige Ausbildung zählen kann, wie u.a. Loïc Perrin, Faouzi Ghoulam, Kurt Zouma oder Joshua Guilavogui beweisen.
Seit vier Jahren setzt AS Saint-Étienne auf finanzielle und sportliche Stabilität – erstere soll durch eine leistungsbasierte Vergütungspolitik erreicht werden. Unter Christophe Galtier arbeiteten sich Les Verts vom 10. über den 7. und 5. auf den 4. Platz hoch. Und wollen Europa erneut beweisen, was in ihnen steckt.
Fußballspieler
• Aimé Jacquet (1941–): Ehemaliger Kapitän von AS Saint-Étienne, unter ihm gewann Frankreich die Fußball-Weltmeisterschaft 1998
• Dominique Rocheteau (1955–): Spitzname "Der grüne Engel", eine Schlüsselfigur beim Europapokal-Finale 1976; er ist heute Vizepräsident des Vereins
• Michel Platini (1955–): Der UEFA-Präsident wurde mit Les Verts 1981 französischer Meister und wechselte ein Jahr später zu Juventus Turin
• Laurent Blanc (1965–): Aktueller Trainer von Paris-Saint-Germain, gewann mit der französischen Nationalmannschaft die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 und spielte zwei Saisons bei St. Étienne (1993-95)
• Willy Sagnol (1977–): Der aktuelle Coach von Bordeaux ist das letzte Eigengewächs von St. Étienne, der im Ausland (beim FC Bayern München) Karriere machte
Schon gewusst?
Auch wenn seit 1981 keine weitere Meisterschaft mehr hinzu kam, ist St. Étienne mit zehn Titeln nach wie vor französischer Rekordmeister.
SONSTIGE SPORTARTEN
In Saint-Etienne, wo auch Spiele der Europameisterschaft 1984, der FIFA-Weltmeisterschaft 1998 und der Rugby-Weltmeisterschaft 2007 ausgetragen wurden, macht regelmäßig die Tour de France Halt: Am 17. und 18. Juli 2014 war Saint-Etienne zum 25. Mal Etappenstadt und reiht sich damit hinter Pau und L’Alpe-d’Huez ein. Jedes Jahr ist der Parc-Expo in Saint-Etienne Ausgangspunkt für den SaintéLyon, einen Nachtlauf über mehr als 70 km, der Anfang Dezember die beiden Städte verbindet.
LINKS FÜR SAINT-ETIENNE
www.geoffroyguichard2016.com: Stade Geoffroy-Guichard
www.saint-etiennetourisme.com: Fremdenverkehrsbüro
www.saint-etienne.fr: Stadt Saint-Etienne
www.agglo-st-etienne.fr: Gemeindeverband des Großraums Saint-Etienne
www.saint-etienne-ateliervisionnaire.fr: Region Saint-Etienne
www.reseau-stas.fr: Verkehrsnetzbetreiber
www.asse.fr: AS Saint-Étienne