Rückblick auf 1984: "Europa trägt blau"
Dienstag, 10. Juni 2014
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Vor 30 Jahren gewann Frankreich die UEFA-Europameisterschaft. UEFA.com blickt auf ein Turnier zurück, welches den Ausgang nahm, "den eine ganze Nation erwartet hatte".
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Tausende Männer, Frauen und Kinder bevölkerten nach dem Finale der UEFA-Europameisterschaft 1984 den Champs-Élysées und sorgten für ein Spiegelbild der Farbe, der Leidenschaft und der Freude, die während des gesamten Turniers geherrscht hatten.
"L'Europe en habit bleu" – Europa trägt blau – war am 12. Juli 1984 die Überschrift der L'Équipe, am Eröffnungstag der zweiten EURO in Frankreich. "Heute beginnt die EURO '84 in unserem Land", stand auf der ersten Seite. "Les Bleus sind nach einer herausragenden Vorbereitung auf dem Papier die Favoriten, aber sie dürfen sich gegen Dänemark keinen Fehler erlauben." Zwei Wochen später hatten sich die Hoffnungen erfüllt.
Die UEFA-Europameisterschaft war das Kind des Franzosen Henri Delaunay, dem Sekretär des Französischen Fußballverbands (FFF). Aus diesem Grund trug der Pokal, den seine Landsleute an diesem milden Mittwochabend in der Hauptstadt überreicht bekamen, seinen Namen. Der erste, der die Trophäe in den Händen hielt, war Kapitän, Spielmacher und Torjäger Michel Platini.
Der zukünftige UEFA-Präsident hatte den späten 1:0-Siegtreffer gegen Dänemark erzielt, doch das war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Gegen Belgien (5:0) und Jugoslawien (3:2) war Platini jeweils dreimal erfolgreich und schoss seine Mannschaft damit ins Halbfinale.
Die Erwartungen stiegen dadurch noch weiter an. "Wir mussten gewinnen, wir waren der Favorit und Frankreich hoffte darauf, dass die französische Fußballmannschaft als erstes einen großen internationalen Titel im Sport holen würde", erinnerte sich Mittelfeldspieler Luis Fernandez, der zusammen mit Platini, Alain Giresse und Jean Tigana "Le Carré Magique" – das magische Viereck - bildete.
Im Halbfinale gegen Portugal war es erneut Platini, der kurz vor Ende der Verlängerung den 3:2-Siegtreffer für die Truppe von Michel Hidalgo markierte und damit ein Elfmeterschießen verhinderte. Im Vergleich dazu war das Finale gegen Spanien deutlich weniger nervenaufreibend, vor den Augen des französischen Präsidenten François Mitterrand schossen Platini und Bruno Bellone einen 2:0-Sieg heraus.
Platinis Freistoßtor im Finale war sein neunter Turniertreffer, was bis heute Rekord für eine Endrunde ist. "Die französische Mannschaft hat mich in den schwersten Momenten überrascht", sagte der Mittelfeldspieler von Juventus. "Wir waren mental stark und dieses Team bestand nicht nur aus einem oder wenigen Spielern, sondern aus 20."
Obwohl Frankreich schon als Favorit in das Turnier ging, wollte man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. "Es ist überhaupt nichts geplant", sagte Hidalgo nach dem Finale. "Wir werden die Spieler, Ehefrauen und Familien zu einem einfachen Abendessen im Stammsitz des Verbands einladen. Danach wird jeder nach Hause oder zu zurück zu seinem Verein fahren."
Die Feierlichkeiten in der Hauptstadt und im ganzen Land waren noch spontaner. Die Leute in Paris waren zumeist mit Tricolores ausgestattet und riefen durchgehend: "On a gagné!" – Wir haben gewonnen. L'Equipe war am folgenden Tag ähnlich prägnant: "Ils l'ont fait" – Sie haben es geschafft! – war die Überschrift. "Die EURO '84 nahm den Ausgang, den eine ganze Nation erwartet hatte", waren die ersten Zeilen. "Les Bleus haben sich ihre Krone verdient."
Zwei Tage später, am 29. Juli, startete im Pariser Vorort Montreuil die Tour de France. Trotzdem gab es in den folgenden zwei Wochen kaum ein gelbes Trikot in Frankreich zu sehen, denn wie die L'Équipe prophezeit hatte: Europa trug blau.